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Wiesbadener Tagblatt

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Erscheinungszeit:

Nr. 146.

Samstag/Sonntag, 25-/26. Juni 1938

86. Jahrgang

Wöchentlich

mit einer täglichen

Druck und Verlag:

L. 6*dtee6erg'J4e H-stuch-rucka-l,logblati.ßau«*.

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6 SIttSdrtBßtt Werktäglich nachmittags.

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Reichsminister Dr. Goebbels zur Verkehrsunfallverhütungsaktion.

Appell an die Vernunft.

2m deutschen Rundfunk richtete am Freitagabend Reichsminister Dr. Goebbels anläßlich der Verkehrs­unfallverhütungs-Aktion, die heute ihren Anfang nimmt, eine ernste Warnung an sämtliche Verkehrsteilnehmer, Disziplin zu halten und Verantwortungsbewußtsein zu zeigen.

Ich wende mich an alle Volksgenossen", so führte Dr. Goebbels u. a. aus,zur Klärung und Lösung eines Problems, das eines der wichtigsten und folgenschwersten des inodernen Zusammenlebens der Menschen überhaupt ist. Ich appelliere dabei mit allem Ernst und mit aller Eindringlichkeit an die Vernunft, an die Einsicht und vor allem an die Disziplin des ganzen deutschen Volkes. Ich will auch keinen Zweifel mehr lassen über die Entschlossenheit der deutschen Staatsführung, dieses Problem mit ganzer Energie in An­griff zu nehmen und es einer befriedigenden Lösung entgegen­zuführen.

Jedermann >n Deutschland muß sich also klar darüber sein, daß dieser Appell der letzte ist, der mit bloßen Worten an die Öffentlichkeit gerichtet wird. 3w Zukunft sollen die­jenigen, die sich in dieser Frage leichtfertig oder böswillig den Pflichten eines wahren deutschen Staatsbürgers ent­ziehen, unnachsichtig zur Rechenschaft gezogen werden und die Strenge des Gesetzes zu verspüre» bekommen.

Der moderne Verkehr hat gerade in den vergangenen fünf Jahren einen Umfangs angenommen, der, wirtschaftlich gesehen außerordentlich erfreulich ist, der aber andererseits, eine Unmenge von Schwierigkeiten und Problemen-mit sich gebracht hat, die es nun energisch und mit aller Kraft zu lösen gilt. Es ist nicht zu erwarten, daß diese Frage sich von selbst erledigt, da ja die Verkehrsentwicklung erfreulicherweise eine steigende ist, und wir für die nächsten Jahre, vor allem, wenn einmal der Volkswagen unter die breiten Massen kommt, eine Verkehrsdichte zu erwarten haben, die unsere heutigen Vor­stellungen in jeder Beziehung bei weitem übertrifft. Wir lxiben uns deshalb entschlossen, eine großzügige und intensive Aufklärungsaktion im ganzen deutschen Volke zu ver­anstalten, deren Ziel und Zweck es ist, jeden Deutschen mit den allgemeinen Regeln des Verkehrs bekannt und vertraut, ihm dann aber auch die Innehaltung dieser Regeln zur strengen und harten Pflicht zu machen.

Ganz Deutschland wird in den kommenden acht Tagen im Zeichen dieser Aufklärungsaktion stehen. Sie soll eine der verhängnisvollsten Gefahren unseres modernen Zeitalters energisch zurückdämmen und unermeßliche Schäden, die der deutschen Bolkskraft und dem deutschen Volksvermögen täglich und stündlich zugefüat werden, aus ein Mindestmaß herabschrauben.

aber sind wir daran gewöhnt, die Verkehrsunfälle als ein un­abwendbares Übel anzusehen, als eine bedauerliche Erscheinung unserer Zeit, mit der man sich abzufinden habe.

Es gibt nun keinerlei Begründung für eine so laxe und leichtfertige Auffassung dieses ernsten Problems Wenn sich irgendwo in Deutschland ein Bergwerksunglück ereignet, bei dem 40 oder 50 Bergknappen ums Leben kommen, bann hält mit Recht das ganze Volk den Atem an und steht erschüttert vor der Größe und Schwere einer solchen Katastrophe. Wenn irgendwo ein Schiff in den Fluten des Meeres versinkt und 100 oder 200 Menschen mit sich in die Tiefe reißt, bann be- sFortsetzung auf Seite 3).

Zehn Pflichten für Kraftfahrer.

Kraftfahrer, sei am Steuer ein Vorbild an Kamerad­schaft und Ritterlichkeit! Berkehrsgemeinschast ist ein Stück Volksgemeinschaft! Vergiß das nie! Präge dir ein und behalte gut und für immer:

Erste Pflicht: Vorfahrt achten und beachten! Besonders vor Hauptstraßen, die gekennzeichnet sind!

Zweite Pflicht: Stets rechts fahren, «ach links in weitem und nach rechts in engem Bogen eiabiegen!

Dritte Pflicht: Vor dem Einbiegen nach links die ent­gegenkommenden Fahrzeuge vorbeilasfen! Rechtzeitig ab­winken!

Vierte Pflicht: Links überholen und nut dann, wenn da­durch der übrige, insbesondere der entgegenkommende Ver­kehr, nicht gefährdet wird!- Sonderregelung bei der Straßen­bahn beachten!

Fünfte Pflicht: Wenn du überholt wirst, stets rechts bleiben und die Geschwindigkeit nicht erhöhen!

Sechste Pflicht: Richt halten und auch nicht parken in Kurven ober an unübersichtlichen Straßenstellen!

Siebente Pflicht: Rechtzeitig abblenden!

Achte Pflicht: Bist du angetrunken oder übermüdet, bleib weg vom Steuer!

Neunte Pflicht: Besonders vorsichtig fahren, wenn die Fahrbahn durch Regen, Schnee oder Eis glatt ist oder Nebel die Sicht behindert!

Zehnte Pflicht: Dein Kraftsahrzeug immer in verkehrs­sicherem Zustand, vor allen Dingen Steuerung, Bremsen, Be­reifung und Beleuchtung stets in Ordnung halten!

Halte dich streng an diese Gebote! Wer ste übertritt, versündigt sich an der Gesundheit und am Wohlstand seines Volkes!

Wir Ludwig öon MM uns uoraus hotte

Von Heinrich Karl Kunz.

Vor mir liegt der 8. Band betAllgemeinen Welt­geschichte" von Georg Weber. Schon bas Äußere bes Buches verrät bas ehrenwerte Alter bes Werkes. Ein schwarzer, gold- bebruckter Lederrücken unb marmoriertes Umschkagpapier, bas an die soliden Geschäftsbücher von gestern erinnert. Gebrückt 1885, also zu einer Zeit, wo bei uns Juden in den Adels­stand erhoben wurden und persönliche Freunde bes Monarchen waren. Und wir täten auch Weber bestimmt Unrecht, wenn wir ihn einen Antisemiten nennen wollten. Ich griff mir eben den Band aus dem Bücherregal, um ein wenig darin zu schmökern. Sie kennen sicher diese Art besunverantwort­lichen" Lesens, die uns eine so nette und anregende Ent­spannung gewährt. Vielleicht ist sie manchmal eine Koketterie am Rande eines Arbeitsentschlusses, den zu fassen wir uns noch nicht aufraffen können. Das nur nebenbei. Ich treffe zufällig auf das Kapitel: Ungarn unter den Königen aus dem Hause Anjou. Ludwig, ein Sproß dieses französisch- sizi lianischen Geschlechts, entschloß sich, wie ich eben lese, die Juden aus dem Lande zu vertreiben, weil ihre Wucherkünste", wie Weber schreibt,dem Gemein­wohl des Landes so verderblich gewesen sind." Daneben die Jahreszahl 1351. Dann heißt es weiter:Er ließ sie ziehen mit allen Schätzen, .die sie durch Handel unb Wucher erworben hatten, und sie verloren sich nach Österreich ober Böhmen." 500 Jahre sinb inzwischen vergangen. Die Jubenfrage aber ist für Ungarn, wie für uns gleich aktuell ge­blieben. Die zahlreichen Progrome, die gerabe im Nahen Osten über die Juden hereinbrachen, haben ihren Charakter nicht im mindesten zu ändern vermocht. IhreWucherkünste" bedrohen heute wie damals bas Gemeinwohl bei Völker unb Staaten. Mer eines hatte Lubwig von Anjou uns voraus. Wie sagt Weber so schön:Er ließ sie ziehen und sie ver­loren sich." Wie gerne ließen auch wir sie ziehen. Aber jenseits des schwarz-weiß-roten Grenzpfahls stehen Zoll­beamte, die ein verdrießliches Gesicht machen, wenn sie in den Pässen so schöne Namen wie Salomon oder Rubinstein lesen. Und wo wir auch Hinschauen, selbst in den Staaten, die sich stets als Hochschulen demokratischerHumanität" anpreisen, scheint der Bedarf an Kindern des auserwähkten Volkes ge­deckt zu fein.

Nun haben wir mit Erstaunen vernommen auch Reichs­minister Dr. Goebbels sprach in seiner Berliner Sonnwend­rede davon, daß die Juden zu wandern beginnen. Nach Palästina? Gott bewahre! Stellen Sie sich vor, was das für einen Händlerüberschuß im Heiligen Lande gäbe. Da­zu kommt das unhöfliche Benehmen der Araber, das sich auch bei den deutschen Juden herumgesprochen hat. Nein, Palä­stina liegt den Juden Mittel- und Westeuropas nicht. Sie wandern von Wien nach Berlin, 3000 in wenigen Mo­naten. Die Reichshauptstadt hat in e i n e m I a h r einen Zuzug von 10 000 Juden zu verbuchen. Das ist den Berlinern zu viel. Und wer will es ihnen verargen, daß sie sich dagegen zur Wehr setzen. Vielleicht hofften die Kinder Israels in dem Steinmeer unterzutauchen. Doch das ist in

Festigung der traditionellen Schweizer Rolle.

Wir erinnern uns alle noch einer beschaulichen unb ruhigen Zeit, in der das Problem der Verkehrsunfälle bei uns noch nicht akut war. Es mag Leute geben, die diesen Zustand für ideal hielten: ich will mit ihnen nicht rechten. Jedenfalls aber kann es nicht bezweifelt werden, daß der moderne Ver­kehr mit seinen gigantischen Dimensionen nun auch in Deutsch­land eine feststehende Tatsache ist, an der nicht mehr gerüttelt werden kann und soll. Denn er ist in Wahrheit auch ein Zeichen unserer großen und gewaltigen Zeit. Damit ist die Verkehrsfrage eines der wesentlichsten Probleme, die uns ge­stellt sind. Wir haben deshalb die Pflicht, es einer sofortigen und radikalen Lösung entgegenzstführen. Wohl registrierte die Öffentlichkeit bisher die Opfer, die Toten und die Verletzten der Verkehrsunfälle. Man berechnete auch wohlben materiellen Schaden, der dadurch entstand. Im großen Ganzen

Ist das die Befriedung?

as. Berlin, 25. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Verhandlungen zwischen der Sudeten- deutschen Partei und der Prager Regierung kommen nur sehr langsam vom Fleck. Zwar wird von amtlicher tschechischer Seite immer wieder von dem Ausgleich geredet, der erforderlich sei, doch geschieht wenig oder nichts, um auch nur die Atmosphäre zu schaffen, in der sich dieser Ausgleich vollzichen kann. Ja, es werden im Gegenteil Maßnahmen getroffen, die man als alles andere eher als einen Beitrag zur Befriedung bezeichnen kann. So veröffentlicht beispiels­weise in dem gleichen Augenblick, in dem in Prag darüber verhandelt roinb, die Aufrechterhaltung der Sicherheit unb Ordnung im sudetendeutschen Gebiet auch den Sudeten­deutschen selbst anzuvertrauen, das Prager Amtsblatt eine Mitteilung über die Errichtung neuer staatlicher, d. h. tschechischer Polizei st eilen im sudeten- deutschen Gebiet. Vor allem werden solche tschechischen Polizeiämter gerade in den national heiß umkämpften Orten errichtet. Dabei verkennt man auch in maßgebenden tschechi­schen Kreisen nicht, daß sich der Tschechenstaat in einer schweren Krise befindet. So hat beispielsweise der tschechische Handelsminister auf einer Tagung des Staatsgewerbe- rakes erklärt, daß sich die Tschechoslowakei gegenwärtig im allerkritischsten Augenblick seit ihrer Gründung befindet. Die Prager Regierung stehe vor der schicksalsschweren Entschei- ung, ob sie das große staatliche Problem des Ausgleichs im

England zu den deutschen und italienischen Erklärungen.

London, 25. Juni. (Funkmeldung.) Die deutsche unb die italienische Erklärung über die Neutralität der Schweiz finden in der Londoner Morgenpresse große Beachtung. Daily Mail" schreibt in einem Leitartikel, die festen Ver­sprechen Italiens und Deutschlands, die Neutralität der Schweiz allezeit und unter allen Umständen zu achten, werde

Einvernehmen mit der Sudetendeutschen Partei lösen werde, ober ob das durch einen internationalen Eingriff geschehen solle. Zur gleichen Zeit hat auch der tschechische Außenminister K r o f t a in den Verhandlungen der Regierungsparteien er­neut darauf hingewiesen, daß bie Westmächte bereits mehrfach auf die Prager Regierung eingewirkt hätten, um eine Be­reinigung der sudetendeutschen Frageim Sinne eines weitestgehenden Entgegenkommens" zu er­reichen. Aber auch diese Mitteilung scheint auf die Links­parteien keinen großen Eindruck gemacht zu haben, wurde doch von Mgeordneten der Linken an den Außenminister die An­frage gerichtet, zu welchen Gegenleistungen die West­mächte bereit wären, wenn Prag chrem Wunsche gerecht würde. Hier wird also der Versuch erkennbar, ein Handels­geschäft zu machen, was erneut den Beweis dafür erbringt, wie wenig die tschechischen Linksparteien begriffen haben, um was es bei den Forderungen der bisher von den Tschechen unterdrückten Völkergruppen geht. Man kann also wirklich nicht sagen, daß die Begleitmusik zu den Prager Verhand­lungen besonders erfreulich klingt. Finden wir doch auch in der tschechischen Presie die gehässigsten Kommen­tare, weil in den letzten Tagen 2000 sudetendeutsche Kinder, darunter etwa 1500 allein im Hultschiner Ländchen, aus tschechischen Lehranstalten ab und in deutschen Schulen ange- melbet wurden. Auch dafür sollte man eigentlich in Prug volles Verständnis haben, wenn man dort den Ausgleich ehr­lich anstreben würde.

in England und in allen anderen europäischen Ländern b c - grüßt werden. Die Schweiz könne über die Festigung ihrer traditionellen Rolle sehr zufrieden sein.

Betrachtungen der Pariser Presse.

Paris, 25. Juni. (Funkmeldung.) Die gemeinsame Er- tlärung Berlins unb Roms, die die Befriedigung der deut­schen und italienischen Regierung zum Ausdruck bringt, daß die Schweiz ihrer Genfer Verpflichtungen entbunden worden ist und ihren Willen zur Neutralität bekundet hat, und die Versicherung der deutschen wie der italienischen Regierung, diese Neutralität der Schweiz ihrerseits zu respektieren, wer­den von der Pariser Presse am Samstagmorgen mit Interesse verzeichnet. DerMatin" unterstreicht die Gleichzeitigkeit und den gleichen Wortlaut der Noten in Berlin und Rom. Diese gemeinsame deutsch-italienische Erklärung werde als wichtige Initiative betrmhtet, die geeignet sein könne, Klarheit und Gleichgewicht in Europa zu bringen. Action franoaise" fragt, ob in Zukunst im Kanton Genf die Liga Kriegsmaßnahmen beschließen werde, ohne daß die Re- gieruitg von Bern schon beim ersten Kanonenschuß in Europa dazu aufsordern würde, das Palais von Ariana zu räumen. Der Friedenstraum Wilsons habe auf jeden Fall heute eine gewisse Aussicht auf eine Posse Mark Twains hinauszulaufen.

Eine Woche Rügen für 19 Mark.

Bau des KdF.-Bades macht schnelle Fortschritte.

as. Berlin, 25. Juni. Beim Abschluß der Reichstagung der DAF, Fachgruppe Chemie in Mannheim, teilte Reichs - organisationsleiter Dr. Ley mit, daß der Bau des K d F. - Seebades auf Rügen, an dem zur Zeit 5000 Menschen schafften, schnelle Fortschritte mache. Dr. Ley er­klärte dann weiter, daß die Kosten für einen achttägigen Aufenthalt in die sein Seebad bei voller Verpflegung ein­schließlich der Hin- und Rückreise für einen Berliner Arbeiter nur 19 Mart betragen würde.

Was sich Prag unter Verständigung vorstellt.