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Unterhaltungsbeilage. berliner Büro: Berün-Wllmersdors.
Nr. 139.
Freitag, 17. Juni 1938.
86. Jahrgang.
M «Ws n Hit MmWUWW in Wisch
Der Fluch politischer Schulden
Skandalszenen in der französischen Kammer,
Zusammenspiel der französischen und
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Die furchtbarste Flutkatastrophe der Geschichte
dringenden Fluten des ®e; den Regengüsse äußerst ]dj: wenn sich auch am Abwehr
Echo zur Rede des Reichswirtschaftsministers
non be- dss
30 Millionen Menschen in höchster Gefahr.
Schanghai, 16. Juni. (Ostasiendienst des DNB.) In den nächsten 48 Stunden muß es sich entscheiden, of> sich das Hochwasser des Gelben Flusses durch die große Seenkette mit dem Jangtse-Hochwasser vereinigt. Diese Vereinigung würde die Provinzen Honan und Anhwei in ein Meer verwandeln und 30 Millionen Menschen einem sicheren Tode ausliefern. Die Japaner erklären, wenn der Gelbe Fluß infolge der tagelangen Regengüsse in den nächsten 48 Stunden weiter steige, würde alle Menschenkraft nicht ausreichen, um die größte Flutkatastrophe der Geschichte zu verhindern.
schäft über ein Gebiet nicht anerkennen wollten, das die britische Regierung kürzlich ganz im stillen sich einverleibt habe. Was würde Chamberlain dazu sagen, wenn man Downing Street 10 zerstören würde?, fragt das Blatt dann weiter und fährt fort: Es gebe keinen Unterschied, vom menschlichen Standpunkt aus gesehen, zwischen einem Araber, einem Inder und einem Mann aus der Dowing Street,
englischen Opposition. — Das Ende der „verlorenen Division"
Alle verfügbaren japanischen Flugzeuge wurden zum Transport von Sandsäcken eingesetzt, die zu Tausenden gebündelt mit Fallschirmen den Deicharbeitern zugeworfen werden. Die Verteidigung gegen die unablässig oor- dringenden Fluten des Gelben Flusses ist infolge der dauern- 4‘“ »-----'chwierig und fast aussichtslos,
, . , jrkampf Hunderttausende von chine-
Humanität auf Englisch.
Flugzeugbomben als koloniales Erziehungsmittel.
Loudon, 16. Juni. Im Unterhaus fragte am Donnerstag der Labour-Abgeordnete Henderson den Ministerpräsidenten, ob die Regierung im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit zur Humanisierung der Kriegführung bereit sei, die Praxis der Bombardierung an der Nordwest grenze Indiens und sonst in der Welt aufzugeben.
Chamberlain betonte bei dieser Gelegenheit, daß vor Beginn solcher Bombardierungen stets eine 24ftündige Warnungszeit zugestanden werde, damit die Nicht- kämpfer zuvor das Gebiet räumen könnten. Ein Abgehen von diesen Maßnahmen halte er nicht für eine entgegenkommende Geste. Sollte sich aber Herausstellen, daß diese Praxis, die doch sehr human sei, einem allgemeinen Abkommen zur Aufgabe des Lustbombardements im Wege stehe, wäre England sicherlich bereit, darauf zu verzichten. Als Chamberlain auf Angriffe der Opposition hin erklärte, er habe gelesen, daß es in der fraglichen Gegend zahlreiche Höhlen gebe, und daß die Bevölkerung sehr wohl in das offene Gelände ausweichen könne, wurde er von lauten Zurufen der Opposition mehrfach unterbrochen.
Der „Daily Harald" schreibt zu der Erklärung, die von Chamberlain vorgebrachten Entschuldigungen für die Bomb enabw iirfe der britischen Luftwaffe an der indischen Nordwestgrenze hätten keinen Wert. Die Ä ent frage sei eben die, daß England selbst seine Luftwaffe gegen Zivilbevölkerung einsetze. Dieses Verbrechen aber sei gerade das, was England den Japanern in China sowie den Nationaltruppen in Spanien vorwerfe. England zerstöre selber Dörfer und beschieße die.Häuser von Eingeborenen, nicht allein an der Nordwestgrenze Indiens, sondern auch in Südarabien, wo die englischen Flugzeuge Bomben auf Eingeborene abwürfen, die die englische Herr»
Bewährungsprobe für Paris.
as. Berlin, 17. Juni. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) In der französischen Kammer ist es gestern zu Lärmszenen gekommen, die zu einem Abbruch der Sitzung führten, _ als die Kommunisten eine Aussprache über die Spanienfrage erzwingen wollten. Im Einvernehmen mit der Regierung widersetzte sich der Kammerpräsident H e r r i o t allen Versuchen, in eine solche Aussprache einzutreten, die auch von der Rechten gefordert wurde. Während die Kommunisten aber die Gelegenheit benutzen wollten, um ihren Feldzug für Rotspanien nun auch in der Kammer fortzuführen, wurden von der Rechten Angriffe gegen die Regierung gerichtet, daß sie die Innehaltung der Nichteinmischungsverpflichtungen nicht genügend überwache. So erklärte ein Abgeordneter der Rechten, daß er int Besitze von Berichten französischer Offiziere über die Besetzung zweier französischer Gemeinden durch Truppen der 4 3. rotspanischen Division sei. Es kam daraufhin zu einer wüsten Schimpferei zwischen der Rechten und Linken, so daß Herriot die Sitzung aufhob. Damit beruhigten sich die Gemüter keineswegs. Die Auseinander- setzungen wurden vielmehr in den Wandelgängen fortgesetzt, wobei es sogar zu Tätlichkeiten kam, bei denen ein Abgeord- neter eine blutende Wunde über dem Auge erhielt. Die Skandalgeschichte des französischen Parlaments ist somit um einen neuen Fall bereichert worden.
Der Vorfall zeigt, daß die Wogen der Erregung in Frankreich hochgehen, sobald das Thema Spanien angeschnitten wird. Daladier wird erneut erkannt haben, auf welchen gefährlichen Kurs seine Volksfront-Freunde, die Kommunisten, von denen er selbst wohl ganz gern loskommen möchte, die französische Politik festzulegen versuchen. Beachtenswert isi dabei, daß die Linksopposition in Frankreich mit der Linksopposition in England zufammenarbeitet. In England hat
Millionen und aber Millionen an die große Tafel der Welt ungeschrieben sind — muß der nationale Kredit treten. Er ist das, was sich ein Land durch Fleiß und Entfaltung seiner eigenen wirtschaftlichen Kräfte erobert. Das internationale Kreditwesen hat die ganze Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht gebracht; was wir heute immer als Weltwirtschaftskrise bezeichnen, es ist oft nichts als der Fluch jener unsinnigen politischen Kredite, von denen man wünschen darf, daß sie in der Welt bald völlig ihr Ansehen eingebüßt haben werden., Geld allein ist für den Aufbau eines Landes nicht das absolut Entscheidende, es gehört auch Geist dazu. Mit diesem Geist können Werte erarbeitet und erworben werden, die zum Ausgangspunkt für eine Gesundung der weltwirtschaftlichen Beziehungen, also der Weltkoniunktur werden können!
des deutschen Standpunktes zu rütteln, ohne jedoch die eigenen Thesen rechtlich unterbauen zu können.
,a Die. „Sountee Industrielles" will — anscheinend zur Beschönigung der eigenen, Armut an Gegenargumenten — in der. Rede des Wirtschaftsministers „Unklarheiten" leben, «ettte Ausführungen seien „aber sehr geschickt" gewesen. Das Blatt meint dann, man könne annebmen, da« Deutschland doch noch dem englischen Standpunkt wenigstens zu einem Teil Rechnung tragen werde. Bezeichnenderweise fügt das Blatt aber mich hinzu. es müßte jedoch auf alle Fälle ein Abkommen zwilchen England und Deutschland vermieden werden, das aut dem Rücken der anderen Gläubigerstaaten, abgeschlosien werde.
New Pork: Eine beißende Zurechtweisung.
New dort. 17. Juni. (Funkmeldung.) Die Rede des Reichswirtichattsmintsters wird in Amerika stark beachtet Die Preffe gibt sie sehr ausführlich, teilweise auch in Auszügen wieder. Die „New Bork Times" nennt die Rede eine „beißende Zurechtweisung der Welt- kriegssleger. Neben den Ausführungen über die Schulden und der Bereitschaftserklarung zu Verhandlungen werden von den Blättern besonders die Stellen der Rede verzeichnet, an denen Reichsminister Funk die Aufwärtsentwicklung m Deutschland mit der Depression in den Ver- ^"‘öten Staaten vergleicht. Au» dix Auffassung Funks zur
Rattotialwtrtschaft als Grundlage einet neuen Weltwirt,chatt ist mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen worden.
fischen Bauern und alle verfügbaren japanischen Soldaten verzweifelt beteiligen. Bisher haben die Wassermassen 2000 Dörfer vernichtet.
Die Stadtmauern von Kaifeng, das von meh- reren Meter hohen Fluten umgeben ist, halten vorläufig roch stand. In etwa 50 Kilometer Breite wälzt sich die Flut, die die chinesische und japanische Front voneinander trennt, in südöstlicher Richtung dahin auf die Grenze von Anhwei ml Sie bedeckt bereits ein Gebiet von mehreren tausend Quadratkilometer, in dem über drei Millionen Menschen ansäsiig sind.
Da die Überschwemmung die Operationen lahmgelegt hat, ziehen die Truppen beider Parteien in südlicher Richtung ab, nach dem Kriegsgebiet am Süduser des Jangtse. Hier bauen die Japaner die nach der Landung bei Anking eroberten Stellungen aus, um dann von hier aus die Offensive auf Hankau zu eröffnen. Die japanischen Flugzeuge belegten am Donnerstag mehrere Male die chinesischen Artilleriestellungen in der Nähe der ersten Jangtse- Sperre bei Matante mit Bomben.
London: Kategorische Weigerung.
London, .17. Juni. (Funkmeldung.) Die Rede des Reichswrrtichattsmlnisters Funk bat bei den Londoner Morgenblattern größte Beachtung gesunden. Dje meisten Zeitungen bringen ausführliche Auszüge aus der Rede, wobei ne insbeiondere zwei Punkte hervorheben, nämlich erstens, das Deittichland die österreichischen Ausländsanleihen nicht übernehmen wolle, und zweitens, daß man deutscherseits mit einer gütlichen allgemeinen Vereinigung in der Schuldensrage rechne. Die meisten Blätter befassen sich außerdem in ihrem vandelsteil ausführlich mit den Ausführungen des Relchswtrtlchaftsmtnisters.
Die „Times" spricht in ihrem Handelsteil von einer -k a t e g o r 1, che n Weigerung" Deutschlands, die ostemeichlschen. schulden anzuerkennen, sagt aber gleichzeitig, Reichswirtichaitsminister Funk habe zum Ausdruck gebracht, daß Verhandlungen mit den Garantiemächten zu einer befriedigenden Ventändigung der beiderseitigen Interessen rühren konnten. Bielleicht, schreibt die „Times" am Schluß, sei es am besten, die Rede als einen Versuch anzusehen, .wolttyche Grundsätze" und kommerzielle Praxis auf einen Nenner zu bringen. Inoffizielle Berichte in London hielten die Ausiiwten auf ein etwaiges Kompromiß jedenfalls immer noch rur möglich.
Paris spricht von „Unklarheiten".
ent-17-. Suni. (Funkmeldung.) Die französischen Blatter geben sich verzweifelt Mühe, an der Unantastbarkeit
Es wird nun von den ausländischen Kreditgebern___
Einwand geltend gemacht, daß die Vundesanleihen seinerzeit zum österreichischen Aufbau beigetragen hätten, zu einem Aufbau, dessen Wirkungen und Segnungen heute dem nationalsozialistischen Deutschland zugute kommen. Auch dieser Einwand kann und mutz zurückgewiesen werden. Wenn man dem österreichischen Staat Jahr um Jahr große Beträge zuschanzte, so nicht in der Freude am Aufbau an sich, so nicht um Österreich wirtschaftlich erstarken zu lassen, sondern um den Anschluß Österreichs an das Reich zu verhindern. Diese Kredite waren teure Injektionen, die jeweils solange vorzuhalten hatten, bis Österreich abermals vor der Frage des Sein oder Nichtsein stand. Hätten diese Gelder zum Ausbau der österreichischen Wirtschaft gedient, hätte man nicht jenes Maß an Verelendung und Unzulänglichleit vorfinden können, wie wir es vorfanden. Sollten diese Kredite aber dem Aufbau einer nationalen Wirtschaft im Staate dienen, man hätte dann nicht dulden dürfen, daß jene internationale Verjudung Wiens jeglichen inneren Aufbau von vornherein illusorisch macht.
An die Stelle des internationalen Kredits — von dem
sich nämlich die Opposition mit den Erklärungen Chamberlains über die Luftangriffe auf englische Schiffe nicht zufrieden gegeben. Aus diesem Grunde ist für Dienstag eine neue außenpolitische Aussprache im Unterhaus vorgesehen worden. Aber weder die Regierung in London noch das Kabinett Daladier dürften geneigt sein, den Freunden Rot- spaniens Zugeständnisse zu machen, zumal die Lage der Roten in Spanien immer aussichtsloser wird.
Inzwischen wird aber das spanische Problem für die französische Regierung auch durch einen anderen Vorgang aktuell. Die „verlorene Division", das heißt die 43. Division, die sich in den Pyrenäen nur dank der Unterstützung durch die französischen Kommunisten noch halten konnte, ist nun wirklich verloren. Der weitaus größte Teil ist, wie wir schon berichteten, auf französisches Gebiet übergetreten; ein kleiner Rest dürfte noch folgen. Die Truppen sind an der französischen Grenze entwaffnet worden. Die Frage ist, was weiterhin mit ihnen geschehen soll. Bisher hat Frankreich nämlich rotspanische Milizsoldaten, die auf sein Gebiet übertraten, stets nach Spanien zurückbefördert, d. h., es hat dadurch die Roten immer wieder unterstützt. In Italien blickt man nun gespannt nach Paris und erwartet die Entscheidung der französischen Regierung über die Mannschaften der 43. Division. Die italienische Presse läßt dabei keinen Zweifel daran, daß das bisherige Verfahren, Truppen die auf französisches Gebiet übertraten, wieder nach einem rotspanischen Frontabschnitt abzuschieben, wobei diese Mannschaften zumeist noch neu eingekleidet und mit Munition ausgestattet wurden, einen internationalen Rechtsbruch bat (teile. Hier habe Paris jetzt eine Bewährungsprobe abzulegen. Die französische Regierung, so schreibt das „Giornale d'Jtalia", habe eben erst feierlich erklärt, daß sie an der Nichteinmischungspolitik festhakte. An der Bchandlung der rotspanischen Überläufer wird man jetzt erkennen, ob sich französische Worte und Taten wirklich decken.
Nach der Rede, die Reichsminister Funk in Bremen gehalten hat, ist vor der Wett auch die Einstellung Deutschlands 3u der Frage der österreichischen Anleihen geklärt worden. Deutschland lehnt die Rechtsnachfolge für die österreichischen Anleihen — sprich politischen Schulden ab. Es vermag diese Wlehnung rechtlich und moralisch zu begründen. Rechtlich dadurch, weil weder in der völkerrechtlichen Praxis noch in der völkerrechtlichen Theorie eine solche Forderung Unterstützung findet und weil die Geschichte der Vergangenheit mit einer Reihe von Beispielen aufwartet, in denen Staaten unter gleichen Voraussetzungen die Schulden anderer Länder ebenfalls nicht als Staatsschulden anerkannten. England hat die Schulden der Burenrepubliken seinerzeit nicht anerkannt. Die Vereinigten Staaten haben sich einst geweigert nach dem Bürgerkriege die Anleihen der Südstaaten atzzuerkennen, und Frankreich hatte nach der Übernahme Madagaskars die Schulden Madagaskars ebensowenig anerkannt.
Die moralische Seite dieser Ablehnung liegt in dem Unwert politischer Schulden an sich. Diesem Lande Österreich hat man einst unendliche Millionen an Krediten gegeben, die es niemals hätte zurückbezahlen können. Sie waren auch niemals als wirtschaftliches Instrument oder Hilfsmittek gedacht, sondern hatten die großen politischen Hintergründe. Sie waren ausgesprochen wirtschaftsfeindlich und bedingten eine politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von den Kreditgewährenden. Um es rund herauszusagen: es hieße diese niedrigen politischen Absichten belobigen, sie für gut befinden, wollte man jene Summen, die einst einer politischen Interessensphäre entsprangen, mit Zins und Zinseszinsen zurückbezahlen.
Auch Deutschland, hat vor der nationalsozialistischen Machtergreifung jene bittere Wahrheit politischer Kredite erleben müssen, die Reichsminister Funk in dem Satz formuliert hat: Wer mit Krediten Politik macht, muß damit rechnen, daß die politischen Gegenkräfte diese Anleihen vornherein mit einem unberechenbaren Risiko lasten. Politische Anleihen tragen stets das Merkmal Odiosen in sich!
