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WiesliadmerTagblatt
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«rfchetnnngszeit:
Nr. 126.
Mittwoch, 1. Juni 1938.
86. Jahrgang.
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Tschechischer Feldwebel schießt Deutsche nieder
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6 Ausgaben
Unterhaltungsbeilage.
Wöchentlich mit einer täglichen
L Schellend erg'Iche S-fduchdnuleret, ^agdlaü.Ka«». Fernsprech er-Earnm^-Nr. 59631 Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Als kurze Zeit darauf der 28jährigc verheiratete Kellner, >ioses K r a u s, und der 20jährige ledige Schlosser B a y e r die deutsche Gesellschaft verliehen, »nd beim Verabschieden mit erhobener Hand und dem Grütze „Heil- grützten, zog der Feld» webel seinen Revolver und gab gegen die beiden Fortgehenden Schüsse ab, die diese in der Kniegegend trafen, so datz die Männer zusammenbrachen. Der übrigen Gäste bemächtigte sich eine furchtbare Erregung, und es wäre zu einem folgenschweren Zusammenstotz gekommen, da die Menge gegen de» Feldwebel vorgehe« wollte. Staatspolizisten deutscher Rationalität gelang es, die erregte Menge zu beruhigen und zum Verlassen des Platzes zu veranlassen. Der Feldwebel wurde verhaftet.
Die beiden Verletzten — Bayer wurde die Kniescheibe zer- trümmert und Kraus hat einen Steckschutz i« der Knie» gegend — wurden in das Egerer Krankeichaus eingetiejert.
Werktäglich nachmittag.
GeschSftszeft: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. antzerSonn. u. Feiertags. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Wachsende polnisch-schwedische Freundschaft.
eigeentn« des «tockholmer Besuches des polnischen Autzen-
Neuer schwerer Zwischenfall in Eger.
Eger, 1. Juni. (Funkmeldung.) In der Gastwirtschaft „Krämliugsbastei- i» Eger ereignete sich heute ein Zwischenfall, der für die gegenwärtig in Eger herrschenden Berhält- «tsse bezeichnend ist. 5n dem Lokal sahen eine grötzere Anzahl von Mitgliedern der Sudetendeutschen Partei. Später kam in Begleitung von Sozialdemokraten ei« tschechischer Feldwebel in die Gastwirtschaft. Als die Musik den Egerländer Marsch spielte, sprang der Feldwebel aus und schlug -em Geiger sein Instrument aus der Hand. Der Gastwirt machte den Feldwebel darauf aufmerksam, datz er sich anständig verhalten oder das Lokal verlassen möge. Der Feldwebel und die Sozialdemokraten drangen daraufhin mit er- hobencr Faust auf den Gastwirt ein, so datz die anwesenden Gaste dazwischenspringen und Gewalttätigkeiten verhindern mutzten.
WehrpflichtplSne in England.
Vorbereitungen für den totalen Krieg. - Konservative fordern Nationalregister für alle Dienstfähigen. — Die Gewerkschaften machen Schwierigkeiten.
Ministers Beck zusammen. Er betont, die StoMolmer Be- Iprechungen hätten die Richtigkeit der Grundsätze der polnischen Politik hinsichtlich der Genfer Liga bestätigt. Diese Grundsätze würden von der gesamten schwedischen öffentlichen Meinung, und zwar sowohl der rechts eingestellten wie der links eingestellten geteilt. Schlietzlich sei die Fühlungnahme des polnischen Außenministers Beck mit den Leitern der diplomatischen Vertretungen sämtlicher baltischer Staaten ein wichtiges Zeichen dafür, datz das Verständnis für die Notwendigkeit der Zusammenarbeit jener Länder wachse, denen die Ostsee in gleicher Weise wichtig sei, und besonders an. einer Stabilisierung und Befriedung der Beziehungen in dieiem Abschnitt Europas liegt. Man übertreibe nicht, wenn man behaupte, datz während des Besuches des polnischen Außenministers in StoÄwlm eine Brücke zwischen dem nörd- lichen und dem südlichen Ufer der Ostsee in Gestalt einer wachienüen Freundschaft zwischen Polen und Schweden geschlagen wurde.
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Verstärkte Rüstungspropaganda.
grfciA8; 2uni. (Drahtbericht unserer Berliner
• -,n England hat die Ankündigung des Ver- oit Thomas Inskip, datz die englische
—-VeS5faIIe bie allgemeine Wehr- £■!„ 1 VV e 1 ” Lu 1 e n. werde, großes Aufsehen erregt. ® ? 5at J“ Anfragen im Parlament Veranlassung gegeben, aus die Ehamberlqzn auch antwortete. Der Ministerpräsident ou^- -5 vorsichtiger Form, die Ankündigung des Verteidigungsministers doch in dem Sinne betätigt, datz dem 'm Krnftfalle. eine derartige Vorlage zugchen etn® ivlche Ankündigung niemanden überraschen. Es hat sich vielmehr in der letzten Zeit immer r0-1*»1 b^ergt, datz sich England mit großer Eründ- ke.ft auf den Ernstfall vorbereitet. Es begnügt sich nicht mit dem Ausbau der drei Wehrmachtsteile es organisiert ebenso den zivilen Luftschutz, es sorgt für die ^agerung ausreichender Lebensmittelvorräte, kurzum die Kriegsmaschine ist auf hohe Touren gebracht. Alle Mannahmen zeigen klar, daß sich England auf einen totalen Krieg vorbereitet, in dem selbstverständlich niemand abseits stehen kann, ^a, es sind sogar Vorbereitungen imqanqe, um eine Frauenorganisation zu schaffen, durch die jede englische Frau im voraus für den Posten ausgebikdet werden soll, den sie im Ernstfall zu bekleiden haben würde. Daß bei diesem Stand des englischen Rüstungsfiebers die Ankündigung der Kriegsdienstpflicht noch die Wogen der Erregung so hoch & c-n J. ,ft eigentlich erstaunlich und wohl mehr auf die Befürchtung zuruckzuführen, datz die allgemeine Wchrpflicht bereits im Frieden elirgeführt werden könnte. Demgegenüber
‘ s-Ctt ^Egieruiig Jtets den Standpunkt oer- ehrpfrlcht tm Frieden nicht ohne Mandat der Wähler, d. h. also nicht ohne Neuwahlen, eingcfuhrt werden würde. So uk J361; Isländer aber auch die Wehrpflicht im Frieden ab- m L Orc!an.r ,r5 ßar keinem Zweifel unterliegen, datz 1$ m^wrt eine Mehrheit für die Einführung b $ - l „wurde. Eine Anzahl Konservativer
Ministerpräsidenten heute schon, die notwendigen Loibereltungen zu treffen, und ein nationales Register zu schaffen, in dem alle Personen eingeschrieben werden sollen, ü» f S Angaben darüber, zu welchem Kriegsdienst sie sich am besten eignen.
Die Sünde wider den Frieden
Von Heinrich Karl Kunz.
Die europäischen Völker haben in ihren einzelnen Menschen einen hohen nationalen Bewußtseinsgrad erreicht, an dem llnterdrückungs- und _ Assimilierungsversuche scheitern müssen. Der Führer hat diese Erkenntnis in seinen Reden mehrfach ausgesprochen. Die Hereinnahme fremder Volksglieder bedeutet eine Schwächung des Staatsvolkes, gefährdet je nach Ausmaß die innere Einheit, die, in Krisenzeiten erste Voraussetzung für die Selbstbehauptung ist. Bei der Grenzziehung läßt sich, auch wenn der beste Wille am Werke gewesen wäre, das Entstehen von Minderheiten oft nicht vermeiden. Wir brauchen nur an die deutschen Streubezirke im Südosten zu denken, die sich bis zum Schwarzen Meer, ja bis zur Wolga hin erstrecken. Bei gutem Willen läßt sich die Minderheitenfrage, wie das Beispiel Polens, Ungarns und Jugoslawiens zeigt, positiv regeln. Die Volksdeutschen in diesen Ländern sind zuverlässige Bürger und werden als solche gewertet. Wenn aber ein Staat, wie die T sch e ch o s l,o w a k e i, zu 49 Prozent aus Minderheiten bc- geht, oami ist der Wille, dieses zusammengewürfelte Gebilde als Nationalstaat aufzuziehen, ein nackter Jmperialis- tnus der die Unterdrückung der Hälfte der Einwohner in sich schließt. Ein untragbarer Zustand, gegen den sich das Sudetendeutschtum, das rund ein Viertel der Bevölkerungszahl & z $ut ®.e^r Konrad Henlein fordert die volle Autonomie, eine weitgehende Selbstverwaltung besonders auf kulturellem Gebiet. Eine Lösung, etwa nach dem Muster der Schweiz. Man sollte denken, datz diese Idee bei den Vertretern des Selbstbestimmunasrechtes der Völker, bei den Humamtäts-Demokraten in Paris und London mit Beifall ausgenommen worden wäre. Aber weit gefehlt! England und Frankreich steifen der tschechischen Herrschsucht den Rücken und tun alles nur mögliche, um die schwärende Wunde im Herzen Europas einer Ausheilung zu entziehen und um den Unruheherd Prag zu erhalten. Sie leisten damit dem Frieden, von dem gerade sie so gern sprechen, einen verdammt schlechten Dienst. ’ „
Tie Gründe für die Haltung der Westmächte ergeben sich aus der Entstehungsgeschichte des tschechischen Staates. Die Tschechen, die IM Weltkrieg die Zeit zur Abschüttelunq der österreichischen Herrschaft gekommen sahen, brachen da- mals ihren Fahneneid und,gingen in geschlossenen Verbanden zu den Russen über. Als tschechische Legion kämpften ,te ln -Nachen. Armee. Als die Revolution in Rußland ausbrach^ schloß sich die Legion den Weißen an, verriet aber im entscheidenden Augenblick den tapferen Koltschak wofür die Roten ihr freien Abzug gewährten. In Amerika schlossen die Tschechen mit den Slowaken einen Vertrag, der den letzteren volle Selbstverwaltung und ein eigenes Parla- Ant versprach Als sie, die geographische Unwissenheit Pisons ausnutzend, in Versailles eine Staatsbildung durch- hatten, deren Grenzen sich nach der Richtung des schwächsten Widerstandes willkürlich vorschoben, verleugneten sie das Abkommen von Pittsburg, das ein wesentlicher Faktor für die Zustimmung Wilsons gewesen ™“t- Den Slowaken aber-wurde die zugesicherte Autonomie oorenthalten. Selbst wenn man den Grundsatz, datz Gefühle m der Politik auszuschalten haben, anerkennt, so lastet doch über den Mitteln, mit denen die Tschechen ihre Staats' grundung betrieben, ein reichlich ööfterer Schatten. Die io «ntstandene Tschechoslowakei beherbergt ein Minderheiten- ^m5L„aU5~- Deutschen, Ungarn, Polen, Rumänen und Slowaken. Sie trug vom Augenblick ihrer Geburt an die Probleme die heute zur Entscheidung heranreifen, in sich. GnraE,-Danner, die in Versailles die neue Landkarte ArMb schufen, stießen sich nicht an derartigen „Unzulänglich-
< ver*9L°^en Hassern vom Typ eines Clemenceaus darum, einen Staat zu schaffen, der aus seinen mnJ;„ -r v - erTLen ?5raus unbedingt antideutsch tendieren dieser Hinsicht haben sich die Väter des Pariser 6k an^h?10^ täuscht. Die Tschechen erwiesen sich n«;heutigen Tag als gefügiges Werkzeug des bG smd auch die einzigen, die Frankreich auf dem Irrweg, der zum Sowfetpakt führte, folgten.
„ „ „3)ct . TschMoslowakei, als der Flankendrohung gegen dasReich, gilt das besondere Interesse der Pariser
Angesichts dieser neuen Rüstungsdebatten kommt naturgemäß der Haltung der englischen Gewerkschaften eine besondere Bedeutung zu. Es ist ja bekannt, ”5 die englische Regierung versucht, die Gewerkschaften zur JJittaroeit an der beschleunigten Durchführung des Rüstungsprogramms heranzuziehen und es ist ebenso bekannt, daß die Gewerkschaften ihre Zusagen von politischen Zugeständnissen der Regierung abhängig machen wollen. So hat auch gestern der Nationalausschuß der Mechaniker eine Entschließung ange= notntnen, in der die Mitarbeit bei der beschleunigten Luft- aufrustung solange abgelehnt wird, solange Rotspanien keine Waffen von England erhalte. Wenn man auch wohl au- nehmen darf, daß damit noch nicht das letzte Wort der Ge- werkschasten gesprochen ist, sondern datz noch weitere Verhandlungen zwischen der Regierung und den Gewerkschaften statt- finden werden, so zeigen, die Beschlüße doch — und die Mechaniker pnd eine der wichtigsten der in Frage kommenden Arbeltnehmerorganisationen —, datz die Arbeiterschaft versucht, einen starken Druck auf die Autzen- politik des Landes auszuübeu. Schon aus diesem Grunde verdienen die Beschlüsse auch autzerhalb der Grenzen Englands Interesse. Ihr Wortlaut zeigt, daß die Gewerkschaften an der Außenpolitik nach Genfer Rezept festhalten und die Regierung immer wieder der „Faschistenfreundlichkeit" beschuldigen. Zum anderen ergibt sich aus den Beschlüssen, daß die beschleunigte Durchführung des Luftaufrüstungs- programms auf erhebliche Schwierigkeiten stützt. Das dürfte andererseits die Regierung wieder veranlassen, die Auf- rllstungspropaganda noch weiter zu verstärken. Das aber heißt, daß man weiterhin eindringlich in London von der Kriegsgefahr sprechen und damit das Rüstungsfieber noch weiter zum Steigen bringen wird.
Noch keine Flugzeugbestellungen in USA.
London, 31. Mai. Die Kommission, die das englische Luftfahrtministerium nach den Vereinigten Staaten und nach Kanada geschickt hatte, um dort die Möglichkeit der Beschaffung von Flugzeugen und Zubehörteilen zu prüfen, ist am Montag wieder in Southampton eingetroffen. Der stellvertretende Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium, Self, erklärte ausdrücklich, die Kommission sei in Amerika keinerlei Verbindlichkeiten eingegangen. Mit der Kommission trafen einige amerikanische Luftfahrtindustrielle zu Verhandlungen in England ein.
Polnisch rumänisches Bündnis abseits von Genf Ausbau der militärischen Abmachungen.
Warschau, 1. Juni. (Funkmeldung.) Anläßlich der Erreichung des Beglaubigungsschreibens des ersten rumänischen Botschafters in Warschau bringt die „Gazeta Polska" ® ,a t u n g Über das polnisch-rumä- nische Bündnis, die durch die Form ihrer Veröffentlichung einen amtlichen Charakter erhält.
, Die Überreichung des Beglaubigungsschreibens und der Ersuch des rumänischen General- p?rS $.eJS ln Warschau seien Ereignisse, so wird in der Verlautbarung erklärt, die erneut das Gewicht, die Festigkeit und die ständige Weiterentwicklung des polniich- rumänischen Militärbündnisses unterstrichen,das eng mit dem gesamten polnisch-rumänischen Bündnis, das alle Gebiete der Zusammenarbeit der beiden Staaten und Völker
-v’ verbunden sei. Das Bündnis sei ein ausschließliches Verteidigungsbündnis und besitze keinerlei Kennzeichen einer gegen irgendjemand gerichteten Aggressivität. Das Bündnis natürliche Ergebnis der Selbstwehr und habe schon hmlprnhK “ml1 •* n eines starken Elements für ein
oauernöes Gleichgewicht und den Frieden in Europa. Als sogen, kollektiven Sicher- heit sichtbar zu werden begann, habe sich die polnische Politik bemüht, zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Rumänien und der Sowjetunion beizutragen. Als Ergebnis diestr Bemühungen leHn London zwischen Rumänien und der eomjctunion am 3. <suli 1933 die Abmachungen über die
6 f «n 12 V n d e s. A ngreifers unterschriöben worden. I^^Wert der polußch-rumänischen Zusammenarbeit für den Frieden >el damit klar in Erscheinung getreten. Hierbei wird an die Artikel 1 und 2 des polnisch-rumänischen Vertrages er- innert die Polen und, Rumänien verpflichten, für den Fall eines angrmes oon äugen das gesamte Staatsgebiet und die staatliche Unabhängigkeit einander zu schützen und ferner datz, chenii Polen ober Rumänien Gegenstand eines Überfalles, der ntajt durch die eigene schuld hervorgetufeu wurde, werden 1™' d-e beiden Staaten verpflichtet seien, sich unverzüglich Hilfe und Unterstützung zu Olsten. Im Geiste dieser Bestimmungen werde das polnisch-rumänische Militärbünd- unaufhörlich weiter aufrechterhalsten unovefestigt.
