Samstag/Sonntag, 28./2S. Mai 1938.
Wiesbadener Tagblatt
Drittes Blatt. Nr. 123.
Im Thalia-Theater;
„yvette".
Ein neuer Film mit Käthe Dorsch.
Das leichtlebige Paris der achtziger Jahre wird in dem Film „Pvett e" (nach Maupassants gleichnamiger Novelle) vor uns heraufbeschworen. Die kleine Hoette ist die Tochter einer von vielen Verehrern umschwärmten Halbweltdame, sie wuchs in der Stille des Klosters auf und gerät plötzlich in die so ganz andere Welt von Lärm, Eier, Abenteurertum und falschem Flittertand. Unecht ist alles in den „Salons" der Mutter, bis zu den klingenden Titeln der elegant auftretenden Gäste, und das Wort Liebe hat dort einen Klang, von dem mädchenhafte Unschuld nichts ahnt. Hilflos steht Poette im Strudel fremden Erlebens, rauh werden ihre kindlichen Träume
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„Sie belieben zu scherzen, Aristide de Saval."
Ein Augenblick höchster Spannung zwischen Käthe Dorsch und Johannes Riemann in dem Tobis-Film „Poette". (Tobis-Meteor, M.)
zerblättert, ihre ersten, erwachenden Gefühle leidvoll enttäuscht, es scheint ihr als eine über ihre Kraft gehende Pflicht, die Mutter zu retten, sie zu einem anderen Leben anständiger Arbeit zu bekehren. Ein Spiel, das als Komödie beginnt, streift hart vorbei an tragischer Entscheidung. Das Drehbuch Bernd Hoffmanns lägt die persönliche Eigenart des Erzählers Maupasfant stimmungsmätzig unverfälscht zur Geltung kommen, und als Regisieur hat Wolfgang Licbcneiner den Hintergrund der Zeit und der Welt leichtsinnig-unbekümmerter Lebensfreude sehr echt getroffen. Eine gewisse seine Ironie gibt dem Spiel besonderen Reiz, witzig pointiert ist der Dialog, und ein schicksalbestimmter Zusammenprall gegensätzlicher Charaktere wird auch zu kräftiger Spannung genützt. Das eigentliche Erlebnis des Films aber ist die überlegene, großartige Darstellungskunst der Käthe Dorsch: mit liebenswürdiger Sicherheit spielt sie die große Kurtisane, sie läßt zugleich die innere Unruhe der Frau verspüren, deren Frohsinn nur
immer neues Aufpeitschen ist, die um ihr geliebtes Kind sorgt
und bangt, und wohl am stärksten wirkt die in erschütterter Angst hervorbrechende Mütterlichkeit. Als Yvette stellt sich in Ruth H e l l b e r g ein über starke Ausdrucksmittel verfügendes Rachwuchstalent vor, gerade in Reinheit und schlichter Anmut überzeugend. Johannes Riemann gibt einen eleganten, geistig beweglichen Weltmann, M a t t e r st o ck einen jungen Liebhaber mit Wärme und trotzigem Stolz, einige sehr hübsche Episodenfiguren von Waldau, Florath und Schlettow dürfen nicht unerwähnt bleiben. Neben der reichhaltigen Wochenschau zeigt das Vorprogramm in dem Kulturfilm „Schnelle Straßen" sehr anschaulich Vorzüge und Leistungen der neuen Reichsautobahnen. Heinrich Leis.
Der Spielplan der Woche.
DeMes Theater
Residenz-Walei
Maus
Sonntag.
29. Mai
14.30 vis gegen 16.30 „Susannens Geheimnis-.
nierauf: „Scheherazade". Auher Srammreihe. 19.30 bis 21.45 „Orpheus und Eurydike".
5tdmnir.E. 32. Vst.
20 bis 22.40
»Dle Prnnanerin".
11 Morgenfeier oer NSDAP.
11.30 Früh-Konz. in der Brunnen-Lio!.
• 16.30 Konzert.
20 im Kurgarten: Feuerwerk.
Konzert Tanz im Freien.
Montag, 30. Mai
19 30 bis 22 „Begegnung mit Ulrice". Stammr. B. 33. Vst.
20 bts 22 „Armee"
20 Militär. Konzert.
Dienstag.
31. Mai
19.30 bis 22.15 „DerEvangelrmann" Stammr. A. 32. Vst.
20 bis 22 „Parkstraße 13“.
11 Früh-Konzert in bet Brunnen-Kol. 16.30 u. 20 Konzert.
Mittwoch.
1. Juni
19.30 dis gegen 22 “3um ersten Make:
„Der erste Frühlingstag". Lustsp el in 3 Akten von Dodie Smith. Srammr. D. 33 Vst.
20 bis 22.10
Ium ersten Male: „Ingeborg".
Lustlpiel in 3 Akten von Curt Goetz.
Stammr. 1 20. Vst.
11 Früh-Konzerl in der Brunnen.Kol.
16 im Kurgarten: Bäder-Modenschau 20 im groß. Saale: Eriechüch- Italienisch. Abend.
Zonnetstac
2. Juni
19.30 bis 21.45 „Opdeus und Eurydike".
Stammr. C. 33. Vst.
20 bis 22.10 „Ingeborg".
11 Früh-Konzert in der Brunnen Kol. 16.30 u. 20 Konzert.
Freitag,
3. Juni
19.30 bts 22
„Ter erste Frühlingstag". Stammr. E. 33. Bst'
20 bis 22.10 „Ter Lügner und bie Nonne".
11 Früh-Konzert in der Brunnen-Kol. 16.30 u. 20 Konzert.
Samstag.
3. Juni
19.30 bis gegen 22.45 „Frasquita".-i
Auher Stammreihe.
20 bis 22.10 „Ingeborg". Stammr. 2 20. Vst.
11 Früh-Konzert m der Brunnen-Kol. 16.30 Konzerr vor der Brunn.. Kolonnade.
20 Konzeri.
JUuminationsabend
Sonntag, 4. Juni
18.30 bis gegen 22.30 „Tannhäuser".
„Landgraf": Staats. Opernsänger Herbert Alsen als Gast.
Stammr. A 33. Vst.
20 bis 22.10 „Jng eborg".
11.30 Früh-Konzert m der Brunnen-Kol.
11.30 un gr. Saale: Drgeb Früh-Konzert 16 Rundfunk. Kon;.
20 Konzert.
Montag,
6. Jun,
19.30 bis 22.30
„Eine Nacht in Venedig'.
Außer Stammreihe.
20 bis 22.10
„Der Lügner und die Nonne".
11.30 Früh-Konzert in der Brunnen-Kol.
16.30 Konzert.
20 Opern- und Operelirnabenb.
Der Kuckuck.
Eins steht ja fest, daß sein privates Leben Doch alles andre ist, als einwandfrei. Er ist der Flatterhaftigkeit ergeben Und treibt im Wald wohl jede Lumperei. Er macht sich über Pflichten nie Gedanken, Doch auch das Weibchen ist ein Bösewicht: Es achtet nicht der Ehe strenge Schranken Und kennt das Glück der Mutterliebe nicht.
Wenn andre Vögel sich unendlich plagen Mit all der Kleinarbeit des neuen Baus, Dann jucht er frech, mit sichtlichem Behagen, Ihr schönstes Nest für feine Alte aus.
Er schreit und hält das selber wohl für Singen, — (das tuen aber viele Menschen auch), — Mit einem Wort: Er ist in allen Dingen Das, was sein Name sagt, ein richtger Gauch.
Die Schlechtigkeit setzt sich in frühster Jugend Schon gleich als Grundzug seines Wesens fest: Er wirft, ganz ohne Reue oder Tugend, Die Stiefgeschwister einfach aus dem Nest. So lebt er ohne Würde und Gewissen Als lasterhafter Strolch in der Natur, Und dennoch möchte ich den Gauch nicht missen, (selbst nicht im Winter, an der alten Uhr).
Blickt nur hinein in seinen vollen Magen: Nur Raupen frißt er ohne Maß und Zahl. Die Nonnen, die die andern nicht vertragen, Sind unserm Gauch ein leckres Frcudemnahl. Gewiß: er meidet alles Legitime, Und doch verdient er Schutz und Unterhalt Als Harlekin der Sommer-Pantomime Auf ewig in dem schönen deutschen Wald. Puck.
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Kleines Reisemerkbuch.
Mit der Vollendung der Arbeiten des Konservators ist eines der Denkmale hochgotischer Baukunst, eine der schönsten architektonischen Kostbarkeiten Deutschlands, unserer Heimat erhalten worden.
Die Eschenburg bei Dillenburg bildet das begehrte Ziel immer neuer Scharen erholungssuchcnder Volksgenossen von nah und fern.
Die Saarschleife zwischen Besseringen und Mittlach ist mit den umrahmenden bewaldeten Höhenzügen in den Kreisen Merzig und Saarburg unter Naturschutz gestellt worden.
Am 18. und 19. Juni veranstaltet der E e s a m t - T a u n u s- b u n d in R u n k e l ein großes Treffen.
Das letzte Heft der Hapag-Jllustrierten „Die Reise" bringt wieder interessante Bildberichte aus der weiten Welt, u. a. über Bolivien, Nordische Landschaft, über das Segelschulschiff „Admiral Karpsanger" auf großer Fahrt, Neue Reisewinkc, ein Modebericht und unterhaltende Literatur sind in dem geschmackvoll ausgestatteten Heften nicht vergessen.
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Oberfchenkelbrüche.
Oberschenkelbrüche sind häufig, sie find die Folge von unmittelbar oder mittelbar einwirkender Gewalt. Da der Oberschenkel eine beträchtliche Stärke hat, mutz die Gewalt, die zu einem Bruch des Oberschenkels führt, ziemlich heftig sein. Infolgedessen kommt es auch gewöhnlich zu starken Verschiebungen der Bruchenden, zu hochgradigen Blutergüssen nnv Zerreißungen der Muskulatur.
An seinem oberen Ende biegt sich der Oberschenkel um zum sog. Schenkelhals. Dieser Schenkelhals ist besonders bei älteren Menschen öfter die Stelle eines Knochenbruches infolge von Fall auf die Füße, Fall auf die Seite, auf den großen Rollhügel oder auch infolge eines einfachen Umknickens. Bei Skifahrern kann es beim Telemarksprung zu dieser Art des Oberschenkelbruches kommen. Zu erkennen ist ein derartiger Bruch an der beträchtlichen Verkürzung des Beines. Bis zu acht Zentimeter Verkürzung find beobachtet worden. Außerdem wird der Fuß durch die Schwere des Beines nach außen gedreht. Große Schmerzen treten bei jedem Bewegungsversuch auf. Das Bein abzuspreizen ist dem Verletzten überhaupt nicht möglich. Die Behandlung ist sehr langwierig, manchmal bleibt eine Verkürzung zurück.
Bei den Oberschenkelschaftbrüchen kommt es infolge des starken Muskelzuges ebenfalls zu beträchtlichen Verkürzungen. Die Einrichtung des gebrochenen Beines muß in solchen Fällen in Narkose geschehen. Um die richtige Haltung zu erhalten, wird gewöhnlich ein Streckveübanb angelegt und mit einem Gewrchtszug belastet. Ist bas Bein einigermaßen fest geworben, beginnt die Nachbehandlung mit Dlassage und Bewegungsübungen.
Zu erwähnen ist noch, daß bei rachitischen Kindern eüt Oberschenkelbruch entstehen kann, ohne daß eine bedeutende Gewalteinwirkung vorausgegangen ist. Natürlich stellt das eine Folge der schlechten Knochenbildung bar.
Obsttage. "
Obsttage sind eine ausgezeichnet diätetische Maßnahme, um eine Entwässerung des Körpers herbeizuführen. Die günstige Wirkung bes Obstes dürfte wohl auf die Tatsache zurückzuführen sein, Mj Obst arm an Natrium, dagegen sehr reich an Kalium ist, wel- chrs entwässernd wirkt, indem es die Harnabsonderung anregt.
^hr gut wirken solche Obsttage daher bei Herzerkrankungen, dre mit Wasseransammlung in den Geweben einhergehen, dann bei Nierenerkrankungen, bei Leberverhärtung und bei Fettsucht. Man a»bt zweckmäßig 1 Kg. rohes Obst am Tage als ausschließliche Nah- rung. Anfangs kann man mehrere Obsttage hintereinander halten. später vielleicht einen bis zwei in der Woche.
Gehe rechtzeitig zum Arzt
