, Sekte 14. Nr. 118. «--------------------- -
v Ern Biebricher Kettenhund und die Meistersinger.
Von B. Stein.
. Weltbild. Lebenshaltung und Lebenswerk gestalten sich ber Wagner in einzigartiger Kongruenz zum Typus des wahrhaft großen Menschen. Was ibm Schopenhauer weit« anichaulich als Grundlage bot, fand in seiner naturverbundenen, Penonlichkelt stärkstes Entgegenklingen und in seinem künstlerischen Schaffen verklärte Gestalt. All- umfasiende Liebe, opferbereites Mitleid für jedes Wesen wird ihm zum Ausgangspunkt menschlicher Sitte und Sittlichkeit. eröffnet den Zugang zur höheren Ebene des Daseins.
Dienen in reiner aufopfernder Liebe, das einheitliche Erundmotiv seiner Meisterwerke, findet einen ergreifenden Ausdruck,in Wagners Leben, in seiner Liebe zu dem Tier. Wie in feinen Werken die Natur und ihre formenden Kräfte stark im Vordergründe stehen, wie er unvergleichliche Natur« buder unter Erfassung der Sonderstellung der Tierwelt Uus. ist Gegenstand musikwissenschaftlicher Untersuchung. Diese Einbeziehung ist keine Konstruktion, denn auch in Wagners Leben zeichnen seine Liebe zum Tier und der Schutz des bedrängten Geschöpfes wesentliche Linien in sein Charakterbild.
So ist er, als er im Juli 1852 den Lago maggiore bis nach Locarno hinauffahrt, empört über die Menschen- lanatUe, denn „auf dem Dampfschiff wurden Tiere, Hühner und Enten, die man transportierte, so niederträchtig gequält und dem schrecklichsten Verschmachten überlassen, daß Mick die scheußliche Gefühlslosigkeit der Menschen, die immer diesen Anblick vor Augen hatten, wieder mit rasendem Ingrimm erfüllt!"
Es entsprach darum tiefstem seelischem Bedürfnis, wenn ®r, um in die Breite zu wirken, später mit seiner Familie dem Bayreuther Tierschutzverein beitrat. Und aus denselben Gründen wird er Gegner der Lebendzergliederung (Pive- sektwn) und ist „gesonnen, nach äußersten Kräften Agitations- mittel zur Unterdrückung der medizinischen Vivesektion von Tieren zu finden." Das Wort des Brahmanen: TAT TWAM ASI! (Das bist du!) auf das Tier bezogen, ist für ihn weg- welsend, seitdem er einmal als neugieriger Jüngling in . völliger Unkenntnis alles jagdlichen Wesens eine Gastrolle (Als Aäger gegeben und einen Hasen krank geschaffen hatte. । An die Zeit seines Biebricher Aufenthaltes fällt ein ' Erlebnis, das besonders bezeichnend für Wagners Tier- liebe ist.
Wagners Hausherr, Architekt Frickhöfer, nach des Meisters Darstellung ein mürrischer Mann, hielt einen Bulldoggen als Wächter des Landhauses: Leo, der Kettenhund. Mit dem in seiner Freiheit beschränkten Tiere, das außerdem schlecht gepflegt wurde, hatte der Meister Mitleid. Er löste den Hund häufig von der Kette und nahm ihn mit auf sein Zimmer, wo er ihn durch Leckerbissen an sich gewöhnte. Dieser Mitleidsbezeugung gewann Frickhöfer eine nicht erwartete unangenehme Seite ab, denn er sah darin einen Tadel seiner Fürsorge für Leo. Infolgedessen verbat er sich Wagners Eingriffe in sein Vesitzrecht als Beleidigung, was einen lebhaften Briefwechsel zwischen Mieter und Vermieter zur Folge hatte. Durch den Briesverkebr Mathilde Maiers mit Wagner ist uns noch ein Entwurf eines dieser Briefe an Frickhöfer erhalten geblieben und man erkennt aus diesem Torso, wie sehr Wagner bemüht ist. seinem Gegner jeden Grund zur Verstimmung und Beschwerde zu nehmen, nur. um dem Kettenhund sein Los erleichtern zu können, „dessen grausame Vernachläffigung von Seiten seines Herrn mich zu fortgesetztem Mitleiden stimmte. So wollte ich ihn eines Tages", erzählt Wagner weiter (Mein Leben. S. 817), „von seinem Ungeziefer reinigen, wozu ich ihn, damit er die hiermit beschäftigte Magd nicht ängstigte, beim Kopse festhielt: trotz des großen Vertrauens, das der Hund zu mir gewonnen hatte, schnappte er einmal unwillkürlich auf und verwundete mich, anscheinend sehr geringfügig, am Vorderglied des rechten Daumens: keine Wunde war zu sehen, nur stellte es sich bald heraus, daß die innere Knochenhaut durch Quetschung in einen entzündlichen Zustand geraten war. Als der Schmerz beim Gebrauche des Fingers immer mehr überhand nahm, ward mir verordnet, bis zur völligen Genesung meine Hand namentlich zum Schreiben nicht mehr zu gebrauchen". Und in unnachahmlicher feiner Selbstironie fügt er hinzu: „Der Fall war geeignet, mich über menschliche EebrechliiNeit ernstlich Nachdenken zu lassen. Ich brauchte also zur Vollendung meines Werkes (Meistersinger) nicht nur Gesundheit des Geistes, gute Einfälle und sonstige erlernte Geschicklichkeit, sondern auch einen gesunden Daumen."
In dem Briefwechsel aus dem „V i b e r n e sf mit der Mainzer Freundin (Mathilde Maier) spielt der Hund Leo in jenen Wochen eine besondere Rolle, und Wagner, der nur mit dem Bleistift schreiben kann, unterzeichnet seine Briefe nach Mainz als „BI e i - O n k e l".
Wagner blieb dem Übeltäter Leo. der ihm tn fal>ch angewandter Notwehr nicht nur wehe getan sondern ihn auch in eine sehr mißliche wirtschaftliche Lage gebracht batte, auch ferner in treuer Fürsorge zugetan, obwohl Frickhöfer ihm — Was bat man sich um fremde Hunde zu kümmern? — deshalb die Wohnung kündigte. Und als Wagner im nächsten Jahr in Wien weilt, vergißt er seinen Schützling in der zugigen Hundehütte am Rhein nicht. Wird das arme Tier
Wiesbadener Tagblatt Samstag/Soimtag, «.7». 9M um.
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Training zum Avusrennen.
Ein Sportwagen in der durch Strohballen geschützten Südkurve. Sie ist der schwierigste Punkt der verkürzten Avusstrecke, weil hier die Fahrer fast völlig abbremsen und dann erneut auf Touren kommen müssen.
(Weltbild, K.)
bei der grimmigen Kälte eine Decke haben? Das beunruhigt ihn so sehr, dag er seine Befürchtung Mathilde Maier mit« teilen muß. Und eine glückhafte Beruhigung erfüllt ihn bei der Nachricht aus Mainz, daß die Freundin selbst einen rannten Teppich nach Biebrich gebracht hat.
Mit mehr Treue als von Leo wurde Wagner seine Liebe »um Tier von seinen eignen Hunden vergolten. „Weib, Hund und Vogel" sind viele Jahre lang fast seine einzigen Hausgenossen. Von seinem Wachtelhündchen Peps weiß er seinen yreunben immer wieder zu berichten, wie er mit ihm arbeite und ihn durch lautes Bellen rechtzeitig an den nachmittäglichen Spaziergang erinnere.
Und dann der Papagei Pavo, dem die ganze Stube zur Verfügung stand und der, wie Peps zum Spaziergang, den Meiller zum Mittagstisch rief mit den Worten: Richard! Freiheit ! Santo S v i r i 10 !
Beim Verlust dieser Tiere, denen er selbst in schöner
Umgebung ein Grab schaufelt, klagt er. zutiefst getroffen: „Das war wieder ein hartes Stück für mich."
Später nimmt der kleine Fips Pepsens Stelle ein. die vor diesem in der Rigaer Zeit der mächtige Neufundländer Robber benutzt hatte, um in den Orchestervroben durch harmlose Angriffe auf den hin- und herfuchtelnden Bogen des Kontrabassisten allerlei Unfug zu verüben. In der Bayreuther Zeit hielt Wagner meist Bernhardiner: nach dem mächtigen Ruß kamen die urwüchsigen Tiere, denen man Namen aus Wagners Werken gab: Marke, Brange (Brangäne), Kunde (Kundry), Fasold und Fafner, Frisch und Fricka, Froh und Freia.
Friedrichs des Großen testamentarische Bestimmung, ihn bei seinen Windspielen auf der Schloßterraffe von Sanssouci belzusetzen. wurde nicht erfüllt.
Des Meisters stolzer Bernhardiner Ruß ruht im Erbbegräbnis der Familie Wagner in Wabnfried.
SVea&y aus clLLclIüM.
28 Opfer eines Amokläufers.
Tokio, 21. Mai. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DNB.) Ein plötzlich aeistesgestörter Bauer der Provinz Okayama schoß mit einem Jagdgewehr auf alle in seinem Umkreise befindlichen Menschen und tötete 28 Dorfbewohner. Darauf flüchtete er und entkam in den nahegelegenen Bergen. Als die verfolgende Polizei ihn dort umstellt hatte, tötete er sich selbst.
Neuschnee in den Allgäuer Bergen. Aus den Allgäuer Bergen werden Neuschneefälle gemeldet. Die Schneedecke reicht bis über die Waldgrenze herab. Die Temperaturen liegen auch im Tal in der Nähe des Gefrierpunktes.
Schweres Krastwagennnglück bei Posen. Arn Donnerstagabend kam es in der Nähe von Pofen zu einem folgenschweren Kraftwagenunfall. Ein Personenkraftwagen streifte beim überholen eine mit Stroh beladene Fuhre und wurde dadurch zur Seite gerissen. Der Chauffeur verlor die Gewalt über die Steuerung und der Wagen raste gegen einen Chauffeebaum. Aus dem völlig zertrümmerten Auto wurden die Leichen der vier Insassen geborgen. Wie festgestellt wurde, versuchte der Kraftfahrer, die breit beladene Fuhre mit 120 Kilometer Geschwindigkeit zu überholen.
Sowjetslugzeug abgestürzt. Das Sowjetflugzeug N 212, das von den im Nördlichen Eismeer gelegenen Kaiser-Franz- Josefs-Jnseln auf das Festland zurückfliegen wollte, ist in der
Nähe von Archangelsk infolge Motorstörung abgestürzt. An Bord des Flugzeuges befanden sich 16 Personen, unter ihnen der Rekordflieger Babuschkin. Bei dem Unglück kamen vier Personen, unter ihnen auch Babuschkin, ums Leben. Die übrigen Insassen konnten mit schweren Verletzungen geborgen werden.
Schnellzug überfährt drei Streckenarbeiter. Auf der Strecke London—Lichfield hat am Freitagoormittag ein Schnellzug drei Streckenarbeiter überfahren. Die Verunglückten waren auf der Stelle tot.
Storchenschicksal in Afrika. Mit der Erforschung des Vogelzuges beschäftigte sich der Katastertechniker Herbert Bieling in Bleckede. Er erhielt in letzter Zeit verschiedene Rückmeldungen über die von ihm beringten Vögel. So wurde ein von ihm am 6. Juni 1936 in Bleckede beringter Aungstorch als Skelett in der Nähe des Sees in Heilbron (Britisch-Siidafrika) gefunden. Das ist eine Entfernung von zirka 10 000 Kilometer vom Beringungsort. Ein am 2. Juni 1936 auf dem Hause des Bauern Strathusen in Bleckede (Altwendischthun) beringter Jungstorch wurde in Nag- Hamadi am Nil geschossen. Ein bereits am 11. Juli 1931 auf dem Gehöft des Bauern Schuldt in Bitter von ihm beringter Iungstorch wurde im Vrandfort-Sautvan-Distrikt (Südafrika) tot aufgefunden. Auch über einen beringten Star liegt eine Rückmeldung vor. Er wurde am 2. Juni 1932 in Bleckede beringt und im letzten Jahr in Plomb bei Avranches (Manche) in Frankreich gefunden. Man kann aus diesen Rückmeldungen erkennen, daß die Störche die südöstliche Zugstraße wählen, während bei den Staren die südwestliche Richtung eingeschlagen wird.
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