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Der Sonntag-

Bei l ajje des Wiesbadener Tagblatts

Sonntag, 8. Mai 1938.

Der Vorhang fallt / Don Gerhard Schätze-

Der Schauspieler Lasar stand in der Kulisse. Er war nachlässig geschminkt. Die Augenlider zuckten. Zum 250. Male nun spielte er die Rolle Alexanders des Stoßen, jene Rolle, die er anfangs geliebt, in der er ausging und die ihn allmählich auffrag und zerstörte. Bis ins Private hinein war er, der große Star der Pariser Theater, alexandrisch im Blick, Haltung und Rede. Die Rolle hatte den Künstler über­wältigt, den Menschen erdrückt. Er war nichts mehr als Alexander. Ohne Reiz, ohne Lockung war sein Leben, nur Ki Abendstunden war er da, lebte und war Mensch. Und nicht Mensch, er war Gestalt und Figur, ein Mann namens Alexander. Als Lasar lebte er nur noch auf Pla­katen, in Anzeigentexten; ihm schien, als sei seine körperliche Existenz mit einer feinen Haut überzogen, die Alexander ähn­lich war. Sein Hirn war bis ins letzte Blutgefäß, bis in den feinsten Nervenstrang hinein durchdrungen von antiken, alexandrischen Gedanken und Auffassungen. Er hatte sich gestern erst dabei ertappt, daß er auf der Straße das Vor­handensein elektrischer Straßenbahnen mit Schrecken wahr­nahm und sic für eine Phantasieerscheinung hielt, daß er sich an den Kopf gegriffen und gefragt hatte, was diese Fahr­zeuge mit seinem Zeitalter zu tun hätten. Sein, Lasars, Zeit­alter war das Alexanders des Großen. Er war kein Euro­päer mehr des Jahres 1937. Seine Sorgen hießen: Persien, Griechenland, Mazedonien. Die Fragen des Tages waren für ihn: Kriege und Schlachten. Er hatte sich auf Umwegen nach 5au[e geschlichen, in seine kleine Villa. Wie ein Kind hatte er weinend auf dem Bette gelegen, zweifelnd und ge­ängstigt.

Der Inspizient stupste ihn an:Herr Lasar, ich gebe das Klingelzeichen, bitte!

Lasar ging auf die Bühne. Zwei Kollegen standen neben ihm, zupften an ihren Gewändern, räusperten sich. Lasar blickte nach oben. Jemand turnte dort oben in schwindelnder Höhe zwischen Drähten, Seilen und Kabeln. Ach der Be­leuchter, fiel ihm ein. Der Beleuchter? Was ging ihn, Alexander, ein Beleuchter an? Was waren das überhaupt für Begriffe? Soffitten, Schnürboden, Spitzlicht, Sperrholz­wände? Der Vorhang ging hoch, er merkte es kaum. Jemand sprach ihn an. Einer seiner Heerführer. Er antwortete auto­matisch. Er dachte an den Schnürboden, an die Galerie, die dort oben entlang lief, wo Beleuchter und Techniker standen und arbeiteten. Das, was die Rolle zu sagen ihm vorschrieb, kam von selbst über die Lippen.

Im Zuschauerraum stockte jeder Laut, Lasar, der große Schauspieler, sprach. Ein Erlebnis!

2n der vierten Parkettreihe saß Laroche, her Theater­arzt, nervös und gespannt. Er kannte Lasar, das Stück, die Aufführung. Seine Pflicht hielt ihn hier fest. Lasar war krank. Oder war das ein Mensch, der da oben stand? War das noch Kunst, war das erdachtes, überlegtes, empfundenes Spiel? Das war ohne Grenzen ins unwirklich Phantastische übersteigert. Die Presse hatte Lasar in dieser Rolle unüber­bietbar genial genannt, kein Superlativ von Bewunderung und Hingerissensein war unausgesprochen geblieben. Laroche sah tiefer; er wußte nicht, was sich tief im Innern Lasars ab- spielte, nur sein ahnendes Wissen trieb ihn zu Diagnosen. Und die letzte hieß: Sinnesverwirrung.

Der erste Akt ging vorüber. Unendlicher Beifall., Lasar kam vor den Vorhang, ein einziges Mal. Kein Schauspieler, kein Star, kein Abgott der Theaterfreunde verbeugte sich da: das war ein König, der seine Huld verschenkte, das war wirklich und leibhaftig Alexander der Große, der nach Siegen dem jubelnden Volke gelassen durch schlichte Geste kundtat: wartet, wartet, ich will noch weiter Siege holen!

Der zweite Akt ging vorüber. Der Arzt hatte seinen Platz verlassen. Er stand hinter einer Kulisse, wiegte bedenk­lich den Kopf: das war keine Schauspielerei, das war Hell­seherei, Wissen um die letzten Dinge, Begreifen und Ver­stehen eines längst toten Jahrhunderts. Lasar mußte wahn­sinnig sein, um so spielen zu können.

Rach dem zweiten Akt zeigte sich Lasar nicht. Er ver­langte nach Wasser, trank ein Glas in gierigen Zügen aus, sah niemanden. Der kleine Inspizient strahlte ihn an. In seiner Garderobe saß er, leichenfahl, vor dem Spiegel, das linke Augenlid flackerte. Das Lichtzeichen rief ihn zum dritten Akt, der den Höhepunkt des Konfliktes brachte: Alexander an sich und seinem Glücke zweifelnd, mit den Göttern hadernd, ängstlich geworden und mißtrauisch gegen seine Umwelt.

Der Intendant kam hinter die Bühne, er sprach den Theaterarzt an:Lasar hat seinen besten Tag. Er war nie so gut. Fürchte nur, er wird sich überschreien!"

Laroche sah durch die Spalten der Kulissenwände auf Lasar. Dieser Mann schien ohne alle menschliche Fesseln, ein Dämon sprach aus ihm. Die Stimme war metallisch, und noch, wenn er leise sprach, in seiner Qual und Angst riß er an aller Menschen Herz und Nerven. Selbst die Arbeiter, die mit Versatzstücken und Requisiten auf den Umbau zum nächsten Akt wartend hinter den Kulissen in ihren dicken Filz­pantoffeln standen und gingen, blieben verwundert lauschend stehen.

Da gellte ein markerschütternder Schrei durchs Haus. Lasar hatte aufgeschrren, war umgefallen.

Der Vorhang fiel. Der Arzt stürzte auf die Bühne. Lasar war bewußtlos. Es vergingen Tage, ehe die Ärzte wagten, die Diagnose nach sorgsamer Prüfung und Beobach­tung bekanntzugeben: Lasar war sinnesverwirrt. Er lebte in dem Glauben, Alexander der Große zu sein. Für ihn gab es keine andere Welt mehr als die Antike.

Monate waren vergangen. Ein Konsilium von Ärzten hatte Vorschlägen, Lasar auf besondere Weise zu heilen: seine ViÜa war mit einfachen Mitteln umgestakter worden, man beließ Lasar in dem Wahn, Alexander zu sein. Die Diener liefen im Hause _ in antitert Gewändern, sprachen in der Art jener Zeit. Lasar blieb ruhig und wie ein König. Entwarf die Pläne für neue Schlachten, wollte erobern. Seine ?ireunde spielten die Rolle, die sie auch im Stück gespielt alten, gingen auf seine Gedankengänge ein es war wie ein Maskenfest. Scanne Duclos, die in jenem Stück die Rolle einer griechischen Königstochter gespielt hatte, und von der man wußte, daß ihr die ganze Zuneigung des Schauspielers Lasar galt, war ständig um ihn. Lawr liebte Scanne, und darauf bauten die Arzte ihren Plan. Selbst der Dichter jenes Stückes war bereit, an der Heilung und Gesundung Lasars mitzuarbeiten. Er dichtete sein Stück weiter; die

Fortsetzung, ganz ins Private abgedrängt, sollte im Lasarschen Hause weitergehen, in dem Sinne, daß die griechische Prin­zessin eines Tages dem großen Alexander die Hand reicht und sein Liebeswerben nicht länger abweist. Es galt nur, Lasar in den Fortgang seines unwirklichen Daseins hinein- zudrängen.

Geraume Zeit blieb Lasar Alexander. Wer dann kam eine Wendung. Eines Morgens erwachte er und rief nach seinem Diener, aber nicht wie immer in letzter Zeit, sondern wie früher:Mario! Rufen Sie doch mal an, ob heute Probe ist!"

Als er nach der Nachttischuhr sehen wollte, erstaunte er. Komischer Traum! Was ist mit mir? Bin ich int Theater eingeschlafen, auf offener Bühne?" Er erhob sich mit einem Ruck, sah über das Bett hinaus nach vorn, als erwarte er dort das große von Lichterstreifen umrahmte Tor der offe­nen Bühne, hinter dem im Dunkeln das Publikum saß. Rein, er war nicht im Theater, das war sein Schlafzimmer. Wer wie sah das aus? Hatte er gestern abend zu mel getrunken? Hatte man alle Requisiten in seine Wohnung geschleppt? Wollte man ihn narren? Er sah sich um. Sein Nachttisch war nicht da, die Lampe fehlte, auf einem Schemel lagen lange Gewänder, die er gut kannte, sein Rollenkostüm. Aber wo war sein Anzug?Sch muß betrunken sein!" dachte er und rie; das zweite Mal nach dem Diener:Mario!"

Der Diener stürzte ins Zimmer, angetan mit einem leinenen Gewand, kniete an seinem Bette nieder und sprach demütig, ohne ihn anzublicken:Großer König, Euer arm­seliger Knecht wird Eure Befehle erfüllen, schnell wie Merkur. Habt die Gnade, sie auszusprechen!"

Lasar blickte auf seinen Diener.Betrunken!" war sein erster Gedanke. Oder war das ein Scherz, war er selber so betrunken gewesen, daß er diese merkwürdigen Anordnungen getroffen hatte? Nein, das gab es bei ihm nicht. Und spaßeshalber, als wolle er sehen, wie weit der Diener den Mummenschanz triebe, ging er auf den Ton ein:Berichte, was es Neues gibt".

Mario blieb in [einer ehrfürchtigen, sklavischen Haltung hocken:Die Feldherrn warten, großer König!"

Lasar kniff die Augen zusammen:Führe sie herein!" sagte er und kam sich ein wenig lächerlich vor. Der Diener verschwand, dann kamen dieFeldherren", fünf an der Zahl, herein und verbeugten sich. Ma, wahrscheinlich habe ich Ge­burtstag ober sonst irgendetwas ist los, die wollen ein wenig Theater spielen, dachte Lasar belustigt. Die Freude kann ich ihnen schon machen. Der Komödiant regte sich in ihm. Ich werde mittun, keine Sorge! Und er setzte sich aufrecht: Was wollt Ihr?"

Einer der Verkleideten fragte, wie Lasar geschlafen habe, redete ihn aber als Alexander an. Lasar kniff sich ins Bein. Das war Laroche, der Theaterarzt. Selbst der machte den Unfug mit? Merkwürdig. Und die anderen die ganze Bande kannte er doch das waren Kollegen was hatten sie mit ihm vor? Er mußte auf der Hut sein, so spaßig sahen sie gar nicht aus!

Lasar gab mit einem Lächeln Antwort. Man fragte ihn nach seinen Befehlen und Wünschen. Aber das wurde zuviel für ihn. Er legte sich wieder lang und starrte in die Luft. Eigentlich hatte er wenig Lust für diese Narrenspossen, es lockte ihn nur, zu erfahren, wie weit diese Komödie ging. Für nichts und wieder nichts hatten die sich nicht so viele Umstände gemacht. Er wollte sie reden lassen. Wer sie blieben stumm. Da sprach Laroche auf ihn ein, redete unverständlich von einer neuen Schlacht, sprach von Lanzen und Meilen und sterbenden Kriegern. Aber Lasar drehte sich auf die Seite, schloß die Augen und tat, als schliefe er weiter. Die fünf gingen leise hinaus. Kaum hatte die Tür sich hinter ihnen geschlossen, sprang er auf, schlich auf nackten Füßen zur Tür und horchte. Das war die Stimme des Arztes, die kannte er genau. Was sprach er da? Neue Bewußtseinsstörung seien Sie heute besonders vorsichtig latente Krise Kon­trolle Überreizung...

Lasar verstand nicht viel, der Arzt sprach nicht sehr laut. Er wollte schon die Türe aufreißen, aber da hörte er Jeannes Stimme!

Er eilte zurück in [ein Bett. Scanne kam hierher? Was war das für eine abenteuerliche Verschwörung? Was hatte diefes komödiantische Ständchen für einen Sinn? Es klopfte an der liir, Scanne Duclos trat ein und sah ihn an. Sie trug Ledersandalen, die Füße ohne Strümpfe, das griechische

Die Verwandlung.

Hier erzählt die von Film und Bühne her be­kannte Staatsschauspielerin Maria Koppenhöfer, wie sie einmal ihrer eigenen Rolle in der Wirklichkeit be­gegnete und dadurch selbst verwandelt wurde.

Mit dem Rollenbuch in der Hand ging Maria Koppen- höfer langsam, nachdenklich durch den Bühnenausaang in die im Sonnenglanz des Vorfrühlings aufleuchtende kleine Stadt hinaus. Anheimelnde Häuser hockten dicht und klein bei­einander.

Es war eine besonders kleine Straße in der kleinen Stadt, durch die Maria Koppenhöfer hier hinging. Eine von den Straßen, in der, geht er zum ersten Male hindurch, der Großstädter ein Leben lang wohnen möchte. Wenn er bann darin wohnt aber ist ja eine andere Sache. Jedenfalls, so eine Straße war es, durch die Maria Koppenhöfer ging und sich innerlich mit einer Rolle auseinandersetzte, die ihr gar nicht lag.

Eine Frau schritt vor ihr her. Mit kurzem, eckigem Gang. Mittelgroß und mit einem harten Gesicht. Eine Frau, Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre. Ihre Kleidung war sehr einfach. Beim Gehen ruckte der Kopf fast eigensinnig in den Schultern.

Vielleicht ist es eine Marktfrau", dachte Maria Koppen­höfer und ging wie unbewußt hinter ihr her, die Straße

Gewand, das ihr ausgezeichnet stand, ließ sie außergewöhnlich groß erscheinen. Sie kam auf ihn zu, setzte sich auf den Rand des Bettes und ergriff seine Hand. Sie schluckte, als bemühe sie sich, das Weinen zu unterdrücken und flüsterte:Großer König!" Lasar sah sie an und fühlte, daß er blaß wurde. Ihr Gesicht war dem seinen, als er sich aufrichtetc, ganz nahe. Er nahm ihre Hand, die die seine umschloß, und zog sie zu [einem Munde. Er erschrak fast, als er sich sagen horte:Dich liebe ich so sehr!" Und et küßte sie. Über ihre Wangen flössen Tränen, sie zitterte. Sie fuhr zurück, wandte sich um und ehe er recht begriff, was geschehen war, hatte sie das Zimmer ver­lassen. Er hörte sie draußen aufschluchzen, und er hörte auch Laroches Stimme, offenbar sprach er ihr Trost zu.

Lasar war verzweifelt und wütend zugleich; es schoß ihm durch den Sinn, sie sind krank, fie sind alle närrisch geworden! Das ist kein Spaß mehr. Er wollte aus dem Bette steigen und nachschauen, was vor seiner Schlafzimmertüre vor sich ginge da kam der Arzt mit einem Fremden herein. Lasars Wut nahm sofort überhand, er schrie sie an:Was soll das heißen? Wer hat Sie gerufen?

Der Arzt trat auf ihn zu:Großer König, nicht aufregen, ganz ruhig... dabei ergriff er Lasars Arm.

Lasar riß sich los; die Ader, die über der Nasenwurzel senkrecht die Stirn hinauflief, schwoll bedrohlich an:Laßt mich in Frieden, geht zum Kuckuck mit eurem König!" Dann sprang er auf. Er hörte draußen Jeannes Stimme. Viel­leicht'war auch Angst um sein Leben dabei, denn die fünf schienen wirklich verrückt zu fein und konnte man wissen, was Wahnsinnigen einfiele und was sie taten? Er hatte bas Gefühl, jetzt gehe es um Scanne und ihn. Denn das alles war kein Theaterspielen, keine Posie war das wahnsinnig waren die Kerle, man mußte Hilfe herbeirufen. Et stürzte hinaus. Sein Gesicht war weiß, die Ader über her Nasen­wurzel stand wie ein drohendes Mal über den fest aufein­ander gepreßten Lippen. Laroche eilte ihm nach, ergriff ihn am Arm und versuchte, ihn ins Zimmer zurückzuziehen. Lasar hatte bereits die Tür aufgerisien da standen die andern drei Männer, da stand Mario, da stand der Chauffeur und vor ihnen stand Scanne. Alle sahen voll Entsetzen auf ihn. Scanne schrie auf. Einer der Männer packte sie am Arm und zog sie zur Seite. Auf Lasar stürzten zwei Männer zu, packten ihn und drehten ihm die Arme auf den Rücken, wäh­rend Lasar Scanne zuries:Paß auf, sie sind wahnsinnig, sie sind verrückt, sie wollen uns umbringen!" Seine Stimme ging in ein heiseres Keuchen über, die Jacke, die man ihm mit aller Gewalt überzog, verursachte arge Schmerzen. Scanne, flieh, hole die Polizei..." Einer der beiden bären­starken Männer stopfte ihm ein Tuch in den Mund. Lasar versuchte trotz dieses Knebels zu schreien. An den Schläfen sprangen dicke bläuliche Wern hervor, wie Blitze. Laroche rief den Männern zu:Festhalten, ich muß ihm eine Ein­spritzung machen!" Jemand flüsterte Scanne zu, die vor Angst in eine Ecke geflüchtet war:Er ist tobsüchtig ein Anfall, der vorübergeht!" Das hörte Lasar ganz genau. Die Männer trugen ihn auf sein Bett. Er fühlte sich gefesselt daß es eine Zwangsjacke war, wußte er nicht. Er hatte Angst, und [eine Augen suchten irrend umher. Sein Toben ließ nach. Man hatte ihm auch die Füße gefesselt. Die beiden Männer, die wie Folter- und Henkersknechte erschienen, standen am Fußende des Bettes. Lasar blieb ruhig liegen. Sein Herz ging in großen Stößen. Was wollte der Doktor nur von ihm? Laroche sah ihn an, er hatte eine Spritze in der Hand. Lasar bäumte sich auf unter dem Stich. Dann ging eine plötzlich anschwellende Hitze vom Arm aus durch seinen Körper. Sie sind wcchrhaftig wahnsinnig, dachte er, sie haben die Nerven verloren, unzurechnungsfAhig sind sie man wird ihnen nicht einmal etwas anhaben können..." Dann hörte er wie von ferne die Stimme des Arztes, ver­stand jedoch nichts, und sehen konnte er ihn auch nicht, die Lider waren zu schwer geworden. Laroche sah Lasar aufmerk­sam an. Tränen standen ihm in den Augen. Unter der Wir­kung der Spritze war Lasar eingeschlafen.

Keiner von ihnen allen hatte begriffen, daß Lasar wieder gesund geworden war, daß der Traumschlcicr des Irreseins von ihm gewichen war und daß er so handeln mußte, wie er es getan. Aber die Erregung, dieses Sichauf- bäumen gegen eine so merkwürdige Umwelt, gegen dieses wahnwitzige Treiben nahestehender und fremder Menschen konnte nicht ohne neue, schlimmere Wirkungen bleiben. Lasar sank in Schlaf und Nacht, in jene grausam finstere Nacht, aus der es kein Entrinnen gab. Zum zweiten Male hatte sich [ein Geist verwirrt und damit war alles zu Ende.

hinunter, durch Sonne und Kinderlärm, Kramladenduft uno neugierige Blicke achtlos hindurch. Und je weiter sie ging, desto bekannter kam ihr diese Frau vor. Sie ging schneller und sah der Fremden im Vorübergehen wie suchend einmal in das harte Gesicht. Es war vom Leben gezeichnet. Um die Lippen hatte sich in diesem Gesicht ein leicht spöttischer Zug festgesetzt, der von ferne an ein verächtliches Lächeln er­innerte. Trotzdem war das Kinn weich geblieben, und in den Augen schimmerte der verstaubte Glanz einer alten Hoff­nung immer noch durch.

So könnte sie sein", dachte Maria Koppenhöfer, die junge Schauspielerin, und ihre Finger bogen das Rollenbuch zusammen. Als habe sie etwas vergessen, blieb sie plötzlich stehen und ließ die Fremde an sich vorbeigehen. Und als fie ihr dann wieder langsam und unauffällig nachschritt, ging sie bereits mit einem ihr gar nicht eigenen, kurzen, eckigen (Bang und um ihren Mund setzte sich, von Schritt zu Schritt mehr, ein leicht spöttischer Zug fest, der von ferne an ein leicht ver­ächtliches Lächeln erinnerte.

Ganz im Banne ihrer unverhofften Begegnung schritt Maria Koppenhöfer den Bürgersteig hinunter, jener Fremden nach. Nur wenige Schritte hinter ihr überquerte fie die Straße und wußte nur eins:

Ich muß fie einmal sprechen hören."

Die Fremde stieg die wenigen Stufen zu einer Gastwirt­schaft hinaus und trat durch die Tür. Nach kurzem Zöger»