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Wiesbadener Tagblatt

Erscheinungszeit:

86. Jahrgang

Donnerstag, 5. Mai 1938,

Nr. 104,

Wöchentlich

mit einer täglichen

Druck und Verlag:

L. L Wellenberg'Ich« tzofbnchdnuierel. »Tagbla« - Sans'. K«nlvrrcher-Tammel-Nr. 59631. Drahtanschrift, Tagblatt Wiesbaden. Poftlcheckkonw: Frankfurt O. M. Nr. 7«05.

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Tor dem Beginn der grossen Flottenparade.

Der Führer in Neapel eingetroffen

König und Kronprinz begrüben Adolf Hitler. Die Bevölkerung Süditaliens umjubelt den Schöpfer des Grotzdeutfchen Reiches.

Der feierliche Empfang.

Neapel. 5. Mai. (Funkmeldung.) Vor dem Haupteingang des Bahnhofs haben 1000 Iungfaschisten Aufstellung ge­nommen. Kopf an Kopf drängt sich die Menge auf dem lang­gestreckten Platz, um Zeuge des historischen Geschehens zu werden. Auch die flachen Dächer der umliegenden Häuser sind dicht besetzt.

Das marmorne Treppenhaus des Bahnhofes ist mit kost­baren Teppichen ausgeschlagen und in einen einzigen Blumen­hain verwandelt: ein leuchtender Willkommensgruß des Südens.

Die Generalität versammelt sich auf dem Bahn­steig. Von Minute zu Minute wächst die Spannung. Aus der Ferne schallen Trommelwirbel und das dumpfe Brausen der lebensfrohen Stadt herüber. Am Simmel zieht ein Flugzeug­geschwader weite Schleifen.

Plötzlich scharfe Kommandos an das Militär: Unter den Klängen der Eiovinezza rollt der Sonderzug des Königs ein. Und 10 Minuten später, pünktlich um 10.10 Uhr, kommt der Sonderzug des Führers!

Während noch die Klänge des Deutschlandliedes die Halle erfüllen, tritt der König auf den Führer und Reichskanzler zu. um ihn mit Handschlag willkommen zu heißen. Dann begrüßt der Kronprinz den Führer. Dann schreitet der Führer in Be­gleitung des königlichen Gastgebers, gefolgt yom Kronprinzen, von den Spitzen der Partei und des Staates sowie der hohen Generalität die Front der Ehrenformationen ab. Brausender Jubel empfängt den Führer als er am Eingang des Bahnhofes erscheint. Gleichzeitig intonieren die Iungfaschisten mit ihren Trompeten die deutschen Hymnen, denen die beiden italie­nischen folgen.

Abschied von Rom.

Rom, 4. Mai. Kurz nach 22.30 Uhr hat der Führer vom festlich geschmückten Bahnhof di Termini aus nach über­aus herzlichem Abschied vom italienischen Regie­rungschef die italienische Hauptstadt im Zuge verlassen, um sich nach Neapel zu begeben.

Trompetenklänge vom Bahnhofsvorplatz verkündeten gegen 22.30 Uhr das Nahen des Führers. An der Seite des Duce und gefolgt von den mit ihm in Rom weilenden deut­schen Ministern und den Mitgliedern der italienischen Regie­rung betrat Adolf Hitler die Halle. Er schritt die Front der Ehrenkompanie ab, während die Musikkapelle die deutschen und italienischen Hymnen spielte.

Bevor der Führer und Reichskanzler den Zug bestieg, verabschiedete er sich mit herzlichem Händedruck vom Duce. Unter den Klängen des Deutschlandliedes und lebhaft be­grüßt von den am Bahnsteig zurückbleibenden Persönlich­

keiten, denen der Führer zuwinkte, verließ dann der Zug kurz nach 22.30 Uhr den Bahnhof.

Als der Duce das Bahnhofsgebäude ve.rließ, wurden ihm stürmische Ovationen dargebracht'

Fahrt durch das pontinische Neuland.

Als der Sonderzug des Führers am Donnerstag um 8 Uhr früh in Campoleone, wo der Zug während der Nacht abgestellt war, seine Fahrt sortsetzte, leuchtete die strah­lende Sonne des Südens über der römischen Cam­pa g n ar Der Zug fährt durch L i t t o r i a, der vom Faschis­mus aus dem Boden gestampften Stadt, inmitten der ehe­maligen Pontinifchen Sümpfe. Ungeheuer ist in dieser vom Faschismus geborenen Stadt der Jubel der Bevölkerung. Die Siedler und Bauern, die hier durch die Tatkraft des Duce eine neue Heimat in ihrem schönen Land erhalten haben, grüßen den Führer bei der Durchfahrt mit stürmischer Be­geisterung und brausendem Jubel. Der Führer steht am Fenster seines Zuges, seine Blicke schweifen über das weite Land, das der Faschismus für die Erzeugungsschlacht Italiens im Frieden erobert hat, über neue Gebäude und Werke, die sich als steinerne Zeugen der Tatkraft des faschistischen Impe­riums über den grünen Feldern erheben. Mit erhobener Rechten dankt er den Angehörigen der faschistischen Forma­tionen und der Jugend, den Männern und den Frauen des italienischen Landvolkes, den Bauern und Soldaten, die dieses schöne Land wieder fruchtbar und wertvoll gemacht haben. In Fondi, Pomia, Minturno, überall erleben wir das gleiche packende Bild. Das Volk Süditaliens grüßt den Führer in überschwenglicher Begeisterung in allen Orten und aus der ganzen Strecke.

Ehrensalut der italienischen Flotte.

Und nun liegt der Golf von Neapel vor dem Blick ausgebreitet. Die Ponza-Jnseln, die Bucht von Pozzuoli und leicht verschwommen in der Ferne das sonnige Capri, die Insel der Träume. Die in der Bucht liegenden Kriegs­schiffe der italienischen Flotte schießen zu Ehren des Führers und Obersten Befehlshabers der deutschen Wehrmacht Salut. Die Vorstädte Neapels sind überreich geschmückt, und überall jubeln die lachenden Menschen des Südens dem Führer zu. Es bietet sich ein farbenfrohes, malerisches Bild. Als der Zug in langsamer Fahrt kurz darauf in die in festlichem Schmuck prangende Bahnhofshalle von Napoli Mergellina einfährt, brandet dem Führer als Gruß der Jubel und die Begeisterung dieser herrlichen Stadt entgegen.

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley suchte am Mittwoch den griechischen Ministerpräsidenten Metaxas auf. 2n Anwesenheit des deutschen Gesandten, Prinz Erbach, über­reichte er bei dieser Gelegenheit dem Ministerpräsidenten das diesem vom Führer versehene Großkreuz des Deut­schen Adlerordens. Anschließend wurde Dr. Ley von König Georg IT. in Privatandienz empfangen, der sich mit ihm längere Zeit über Fragen des Arbeitsgebietes der Deutschen Arbeitsfront unterhielt.

Men, mm Mer WA.

Von Dr. Heinrich Reichert.

Unvergängliches brachte beim, wer je einmal Italien richtig geschaut. Geschaut nach langem Studium und mit wachen Sinnen. Unvergeßlich, wer als Künstler in den Süden zog und das Schone des Landes mit seiner Geschichte und der deutschen Vergangenheit zu verbinden wußte.

Der StaatsbesuchdesFührersinJtalienist sicher ein politisches Ereignis. Aber kein geringerer,Kenner des Führers als Dr. Goebbels hat einmal gesagt, daß er ein großer Künstler sei. und daß das ganze Denken des Bau­meisters des Dritten Reiches ein architektonisches sei. Man denke beispielsweise an seine richtunggebenden Reden über Kunst und künstlerisches Schaffen in ihrer unnachahmlichen Klarheit und an die fürstlichen Bemühungen um eine große, des neuen Deutschlands würdige Kunst. Man vermag nur zu ahnen, was das Italien der Form dem Führer zu geben vermag, der es erstmalig erlebt.

Land der Form, geworden aus Natur und Geschichte! Es ist, als ob die Natur selbst den Sinn der Bewohner dieses Landes anreizen wollte, mit ihrer Form zu wetteifern, alle Künste zu wecken und Größtes zu vollbringen. Es ist ein Land der Gegensätze. Esiige Wildnis im Norden, «zeuers- glut in den Bergen des Südens, blaues Meer, (teile, zer­klüftete Gebirge. Ebenen und Schwermut, wie sie einst Goethe erlebte, als er die Campagna für die stimmungsvollste Landschaft der Welt bezeichnete. Diese Bodenform des Landes ist die Wiege einer unglaublichen Architektur. In Sardinien ragen noch die Nuraghen aus der Steinzeit empor, kegelförmige Türme, wie sie sonst in der Welf nicht mehr zu sehen sind, in Orvreto krönt die schönste Kirche der Welt einen Tuffsteinstumpf von urweltlichen Ausmaßen, die Zinnen der Berge verlangen von selbst nach der krönenden Stadt, die Ebenen ließen die griechischen Tempel Paestums und Siziliens wie selbstverständliche Huldigungen emvor- wachsen, die Meeresküsten forderten die wuchtigen, trutzigen und doch so verträumten Kastelle der Hohenstauferzeit, die Todesdrohung des Vesuvs und des Aetnas bedingten von selbst die leichte festliche Jrdischkeit von Städten wie Neapel und Catania.

Und was die Natur gruudlegte, vollendete von selbst die Geschichte. Die vielen Stadtstaaten wetteiferten nach dem Zerfall der deutschen Kaisermacht untereinander, sich im Bauwillen zu übertreffen. 70 Palasttürme reckten sich im kleinen S. Gimignano bei Florenz empor. Vor dem schönsten Dome in Orvieto wächst Gras zwischen den Steinen und Tiere weiden dort. Florenz verkündete mit feierlicher Pracht den Stolz seiner Patriziergeschlechter, Neapel kleidete sich in Licht und Somlosigkeit. das marmorne Märchen Venedigs entstieg dem Meere. Das ewige Rom aber schuf Kolossal­bauten. in Masie und Größe des Materials und Einzig­artigkeit der Form welterobernden Willen und seine un­erhörte Macht zu künden, Mailand baute im Bürgerstolz das Marmorgebirge seines Domes. Es kam die Renaissance mit ihre edlen Formen und noch jetzt überfällt uns von selbst die Feierlichkeit, wenn wir die Piazza Signoria in Florenz über­schreiten. Das ist die Aristokratie der Form. Das Barock aber, mit Michelangelo beginnend, bezog auch Baum und Strauch. Natur und Anlage in seine Linie und fügte zur Musikalität der Linie das Leben ewigspringender Wasser, fallender Tropfen und raschelnder Blätter. Wenn der Führer vom Palazzo Pitti. wo er in Florenz wohnt, die

Triumodiahrt inm Quinual: Links: Blick auf die Via bei Trionfi während des Einzugs Adolf Hitlers. Rechts: Auf den Jubel der Massen hin sind der König und Ka^er und der Führer auf dem Balkon des Quirinal-Schlosses erschienen, um der Menge für die Huldigungen zu danken. (2 Weltbild, X.)

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