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Montag, 4. April 1938.

Wiesbadener Tagblatt

Zweites Blatt. Rr. 79.

aus alUfliMt.

Wilhelm Gus Hoff rettet englische TTlatrosen aus Seenot.

An Bord des »Wilhelm Gustloff", 4. April. (Funk­meldung.) In der Nacht zum Montag geriet der englische FrachtdampferPegaway" auf der Höhe von Terschelling, einer der holländischen Küste vorgelagerten Inseln durch Leck in schwerste Seenot. Auf die SOS.-Rufe des Dampfers eilte dasKdF."-SchiffWilhelm Gustloff" zu Hilfe und nahm gegen 8 Uhr MEZ. die Besatzung des Engländers, etwa 17 Mann, an Bord. Die Rettungsavbeiten waren bei dem starken Seegang außerordentlich schwierig.

Schwerer Tlordweststurm an der TlordseeKüste.

Hamburg, 4. April. (Funkmeldung.) Obwohl der den ganzen Sonntag über tobende schwere Nordweststurm über der Nordsee in der Nacht zum Montag erheblich nachließ, beträgt die Windstärke Montagfrüh noch immer 7 bis 8. Es ist damit zu rechnen, daß sich im Laufe des Tages die Wetterlage be­ruhigen wird.

Am Sonntagabend sandte der griechische DampferTele­machos" drahtlos Hilferufe. Sein Standort war etwa 15 See­meilen westlich von Norderney. Weitere nennenswerte Schäden sind bisher nicht bekannt geworden.

Eirlbeine und Regierungsprogramm. In einer ruhigen Straße Washingtons befindet sich die meistbeschäftigte Filmfabrik der Vereinigten Staaten. Vor etwa mehr als einem Jahr wurden in jenen großen Hallen, in denen jetzt die Juvitersonnen sechzehn Stunden täglich brennen, noch Karoiserien gebaut. Damals war die Bundeshauptstadt der Vereinigten Staaten für Filmhersteller ein unbekanntes Land. Seitdem ist eine entscheidende Wandlung eingetreten, innerhalb von vierzehn Monaten ist Washington zum Zentrum einer ausgedehnten Filmherstellung geworden. Ches der um­fangreichen Produktion, die int letzten Jahr 5 0 2 Filme herstellte, ist niemand anderes als das Weibe Haus in Washington, also die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Immer häufiger erscheinen jetzt an den ameri­kanischen Kinos PlakateHeute Gratis-Vorstellung!" Den Passanten lächeln Mädchengesichter verführerisch an, es wer­den ihm Sensationen und Unterhaltung versprochen. Da macht er sich für den Abend frei und sieht sich einenRegie- rungssilm" an. der häufig durch den Vortrag eines Beamten eingeleitet wird. Äußerlich unterscheiden sich diese Filme wenig von den durchschnittlichen Unterhaltungsfilmen. Es gibt auch hier Liebe. Gefahr, Gesang und Tanz, die Tendenz für die Rooseoeltschen Reformen ist geschickt in den Rahmen einer durchschnittlichen Svielhandlung gespannt.

7 Todesopfer beim 12. Internationalen 1000-7TIei len-Rennen.

Rom, 4. April. Während des 12. Internationalen Tausendmeilen-Rennens ereignete sich neben kleineren Un­fällen auch ein schwerer Unglücksfall. Der Lancia von B r u z z o und Mignanego fuhr um 17.15 Uhr in Bologna auf der Geraden zwischen Porta Zambori und Porta Masca- rella in voller Geschwindigkeit in die dichten Zuschauerreihen, da der Fahrer aus unbekannten Gründen die Herrschaft über den Wagen verlor.

Sieben Zuschauer wurden getötet, während 20 verletzt wurden, darunter mehrere schwer. Die beiden Fahrer sind gleichfalls schwer verletzt.

Tür 15 TTHltionen Lei Gotd verschoben.

Bukarest, 4. April. Der Bukarester Polizei war es in der letzten Zeit ausgefallen, daß unter den illegalen Gold- und Devisenhändlern auf der sogenannten Schwarzen Börse große Geschäfte mit Goldmünzen getätigt wurden. Als Käufer ent­deckte man das Bankhaus E a r l i st e a n u, das, rote sich herausstellte, das Gold für einen gegenwärtig in Paris wetten­den Direktor der Internationalen Schlafwagengeiellchaft namens FI a o i a n aufkaufte und über die Grenze nach Paris schMtzxtrUsteanu, der Mitinhaber der Bank Zahareanu und der Buchhalter der Bank, der Jude Trachtenberg, wurden ver­haftet. Bisher soll bereits Gold im Werte von 15 Millionen Lei nach Frankreich geschmuggelt worden sein.

In die Angelegenheit ist auch der frühere Justizminister Xuni verwickelt.

Feuer auf dem Rennplatz Daglsiug. Während des Trab­rennens in Daglfing am Sonntag brach auf der Haupttribune den Rennplatzes ein Brand aus, der sich bei dem starken West- sturm rasch ausbreitete und in kurzer Zeit die ganze aus Holz erbaute Tribüne erfaßte. Das Feuer ist in den im Erdgeschoß gelegenen Wirtschaftsräumen entstanden.

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Dienstag, den 5. April 1938.

6.00 Moigenlied, Alorgenspruch, Gymnastik. 6.30 Konzert. 7.00 Nachrichten. 8.00 Zeit, Wasserstand. 8.05 Wetter. 8.10 Froher Klang zur Werkpause.

9.40 Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 11.30 Programm, Wirtschaft, Wetter. 11.40 Das Bild der Ahnen. 11.55 Offene Stellen.

12.00 Konzert. 13.00 Zeit, Nachrichten, Wetter. 13.15 Konzert. 14.00 Zeit, Nachrichten. 14.10 Heitere Welt der Bühne. 15.00 Bilderbuch der Woche. 15.30 Streit um Hanna. 15.50 Zerredet nicht alles.

16.00 Konzert. 18.00 Der Rhein grüßt die Donau.

20.00 Deutsch-Österreichische Komponisten der Gegenwart.

21.00 Dem Gedenken des Dichters Thilo von Trotha. 21.15 Konzert. 22.00 Zeit, Nachrichten. 22.10 Wetter, Nachrichten, Sport. 22.15 Der Reichs- Vnder Frankfurt im Wahlkampf. 22.30 Unter­haltung und Tanz. 24.00 Musik.

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Teepilz.

Der Teepilz ist eigentlich gar kein Pilz, sondern eine Mischung von Hefeartei» und einem Bakterium, die in gesüßtem Tee gut ge­deihen. DecTeepilz" wird auf folgende Art bereitet: Von dem kiwrpelartlgen Gebilde wird mit der Schere ein Stück ab­geschnitten und in ein großes Glasgefäß mit Tee gelegt. Nach ein paar Tagen entsteht durch Gärung ein leicht alkoholisches Getränk von angenehm erfrischendem Geschmack.

In den letzten Jahren erfreut sich dieses Getränk immer grö­ßerer Beliebtheit in weiten Volkskreisen. Alle möglichen, schier wunderbaren Heilwirkungen werden ihm zugeschrieben, es gilt als wahres Lebenselixier. Die wissenschaftlichen Untersuchungen frei­lich haben keinerlei Wunderkräfte, überhaupt keine besonderen Heil­wirkungen in dem Getränk feststellen können.

Tennisellenbogen.

Beim Tennisspielen, aber auch beruflich bei Schustern, Glas­bläsern, Kofferträgern, Schreinern, Schneidern, Maurern,*Wäsche- rinnen usw. kommt es zu einer eigenartigen Entzündung am Ell­bogengelenk, die bedingt wird durch eine wiederholte Ueberanstren. gung, vor allem durch eine Ueberstreckung. Meist ist diese chro­nische Verstauchung verbunden mit einer Gelenkkapselentzündung oder mit einer Entzündung des Schleimbeutels, der Knochenhaut, der Sehnen und dec Muskeln.

Gewöhnlich tritt die Erscheinung nur rechts aiff Merkwürdiger­weise zeigt sich diese durchaus nicht seltene Erkrankung vor allem in den mittleren Lebensjahren, und zwar bei einem bestimmten Typ von Menschen, so daß man an Stoffwechselstörung dachte.

Bemerkbar macht sich die Erkrankung durch stechende und ziehende Schmerzen, die gewöhnlich bis in die Finger ausstrahlen. Vor allem bei gebeugtem Vorderarm sind die Schmerzen ziemlich heftig. Zu sehen ist höchstens eine geringe Weichteilschwellung. Die Heilung nimmt sehr lange Zeit in Anspruch, ist aber meist mög­lich. Der Arm muß gestreckt in einer Schiene ruhig gestellt wer­den, Umschläge mit Ichthyolsalbe wirken entzündungswidrig. Unter Umständen wird der Arzt auch noch umstimmende Heilmittel anordnen. Wichtig ist ferner, für Stuhlregelung zu sorgen.

In den letzten Jahren wird Bestrahlung mit Höhensonne be­sonders gelobt. Rüben der schon erwähnten Ruhigstellung von Ellenbogen und Hand wird das Gelenk durch ein Loch eines Tuches, das im übrigen das Gelenk bedeckt, riit Höhensonne so lange be­strahlt, bis eine kräftige Rötung der Haut auftritt. An der be­strahlten Stelle muß der Erkrankte ein angenehmes Wärmegefühl empfinden. Das Verfahren ist nur durch den Arzt anzuwenden.

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