Wiesbadener Tagblatt
Montag, 28. März 1938.
Zweites Blatt. Nr. 73.
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„Unsagbar glücklich."
Wien, 27. März. Auf der Massenkundgebung im Nordwestbahnhof hielt Eeneralseldmarschall Hermann Göring vor den Wiener Volksgenoffen folgende Rede:
Meine lieben Volksgenoffen und Volksgenoffinnen!
Es ist wirklich wie ein Wunder! Träumt man oder ist es wahr, Laß jetzt endlich auch im deutschen Wien eine Versammlung von Nationalsozialisten in diesem Ausmatz stattfinden kann?
So wird man begreifen, was ich in diesem Augenblick empfinde, wo ich dieses grandiose Bild nun wirklich vor mir sehe und wie aus dem innersten Herzen heraus mein Gruß kommt: Ich grüße euch, die ihr frei geworden seid in Österreich! (Brausender Beifall und Sieg-Heil- Rufe.)
Ich bin unsagbar glücklich, heute hier vor euch sprechen zu können. Ich habe in den vergangenen Jahren nicht nur mit euch Österreichern gefühlt, sondern auch für Ö st erreich praktisch gearbeitet. Erstens kenne ich seit meiner frühesten Jugend dieses Volk. Ich habe selbst unter diesem Volk gelebt und habe zu ihm enge Bindungen, so daß ich auch persönlich immer wieder Anteil nehmen mußte an den Leiden und der Not der deutschen Menschen in Österreich. Zweitens mußte ich Jahre hindurch das furchtbare Leid miterleben, das den Führer erfüllte, wenn er mit sehnsüchtigen Augen vor dem Haus am Berg in die österreichischen Gaue hinüberblickte, wenn wir sahen, wie dieses Leid sich in seinen Mienen widerspiegelte, wie innerer Grimm ihn erfüllte, wenn immer wieder Meldungen von Leid, Terror und Not über unsere Brüder in Österreich eintrafen. Drittens — und dies ist die tiefste Ursache für mein Miterleben und Mitfühlen: Der Glaube an die Mission des Führers, daß Gott ihn nicht umsonst in Österreich zur Welt kommen ließ: Es war seine Mission als Österreicher, Ö st erreich zu Deutschland zu bringen! (Stürmische Zustimmungskundgebunden.)
Und nun meine Volksgenossen hat sich das Wunder vollzogen und wir haben es erlebt!
Österreich ist frei und gehört wieder dem Reich! (Brausender Beifall und minutenlange Sieg-Heil- Rufe.)
Wenn ihr, meine deutschen Volksgenossen, den Ablauf der Ereignisse dieser letzten 14 Tage betrachtet, so werdet ihr mit mir 'empfinden, daß es unsere Pflicht ist, in tiefer Demut und Dankbarkeit hinzuknien und dafür zu danken, daß diese Wandlung in so kurzer Zeit geschehen konnte. Was alles ist in diesen 14 Tagen geschehen, von dem Augenblick an, als der Schrei der Erlösung durch die Gaue Österreichs ging bis zum heutigen Tage!
Auch vor zwei Wochen war eine Wahl in Österreich angekündigt. Auch damals sollte das Volk Österreichs an die Urne treten, um angeblich über sein Schicksal zu bestimmen.
Heute stehen wir auch vor einer Wahl, aber welch ein gewaltiger Unterschied, welch eine völlig andere Lage! In den vergangenen Jahren mußten wir erleben, wie man hier in Österreich immer wieder versuchte — weil man die Macht besaß — all das zu unterdrücken, was deutsch hieß und deutsch fühlte, wie man mit Haß und Widerwillen sich gegen alles sträubte, was aus dem großen Reich kam. Man machte uns vieles nach. Wer das nutzte nichts.
Vom Juliabkommen zum Obersalzberg.
Wir versuchten zunächst im Abkommen vom 11. Juli 1936 die ersten Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß wenigstens den Menschen, die unsere Gesinnungsgenossen waren, und die hier gequält und terrorisiert wurden, das Leben erträglich gemacht wurde. Auch aus außenpolitischen Gründen glaubten wir alles tun zu müffen, um keine unvorhergesehene Lage aufkommen zu lassen. Wir forderten überhaupt noch nichts. Als sich die Verhältnisse aber immer mehr verschlechterten, als wir sahen, daß die österreichische Regierung nicht im geringsten daran dachte, das zu halten, was sie versprochen hatte oder in irgendeiner Form wirklich eine innere Befriedung herbeizuführen, vielmehr immer neue Schikanen und neue Ausflüchte ersann, mutzten wir uns schließlich sagen: So kann es nicht weitergehen!
Wiederum glaubten wir um des allgemeinen Friedens willen handeln zu müssen. Dabei waren wir der Meinung, daß die österreichische Regierung, wenn sie auch noch so verbohrt war, doch nicht so verbrecherisch sein würde, um es zu einem autzenpoltischen Konflikt zu treiben. Der Führer lud den damaligen Kanzler zu sich und redete mit ihm in ernsten Eewiss.enstönen. Wenn nun Herr Schuschnigg behaustet, er wäre genötigt worden, wenn er behauptet, er sei unter Druck gesetzt worden, so ist dies unwahr. Er ist allerdings unter den Druck seines eigenen Gewissens gesetzt worden! Und wieder versprach er unter dem Eindruck der klaren und festen Haltung des Führers Abhilfe zu schaffen. Ihr Nationalsozialisten solltet eine Gleichberechtigung bekommen, ihr solltet wenigstens ein bescheidenes politisches Leben führen können. Man versprach es.
Der Führer hielt jene denkwürdige Rede im Reichstag, in der er völlig loyal und im Vertrauen auf das gegebene Wort dem damaligen Bundeskanzler noch einmal vor der ganzen Weltöffentlichkeit die Bruderhand entgegenstreckte.
Der Wortbruch Schuschniggs und sein Wahlbetrug.
Schon die Antwort, die wenige Tage später erfolgte, war eigentlich das Signal, daß dieser Herr garnicht daran dachte, das gegebene Wort zu halten. (Anhaltende Pfuirufe.) In dem Augenblick, da die Regierungsclique hier wieder unter sich war und alle die wieder beisammen saßen, die haßerfüllt auf das nationalsozialistische Deutschland starrten, wurde dieser Schwächling wieder unter neuen Druck gesetzt, und er gab diesem Druck nur allzu gerne nach.
So entstand die Farce jenes ungeheuerlichen Wahlbetruges, der noch die Gerichte beschäftigen wird. (Stürmische Beifallskundgebungen.) Wir werden vor der ganzen Welt beweisen, daß hier die Ber- treter der Demokratie genassührt worden sind, wie noch nie, daß hier eine angebliche demokratische Abstimmung oorgenommen werden sollte, deren Ergebnis man schon längs festgesetzt hatte. Wir haben Unterlagen, daß bereits mit 97 v. H. abgestimmt worden war. (Heiterkeit.) Wir haben Unterlagen, daß bereits nach der Abstimmung dieser oder jener von unseren Gesinnungsgenossen wieder aufs neue zu verhaften sei und ähnliches mehr. Dieser Schwindel ist entdeckt!
Dann aber kam jene Rede, die den Auftakt zu den Wahlen des Herrn Schuschnigg geben sollte, jene Rede, in der
Generalfeldmarschall Göring bei seiner Rede während der Maffenkundgebung in der Nordwestbahnhalle in Wien. (Weltbild, K.)
er noch einmal in der Pose des „Führers" mit schwungvollen Worten und Tönen, auch hier wieder nur ein schlechter Imitator, versuchte, seine Männlein aufzurufen. Wenn man wirklich Überzeugungen hat, bann kämpft, dann stirbt man für diese Überzeugungen. Für die Überzeugung des Herrn Schuschnigg ist kein einziger gestorben. Es sind nur einige ausgerissen! Das ist alles, was sie für ihre Überzeugung getan haben, aber sie haben dabei noch die Kasse mitgenommen! (Heiterkeit.)
Ebenso kläglich, wie sie regiert haben, ebenso kläglich und ebenso feige war ihr Abtritt. (Stürmische Zustimmung.)
Wenn sich Herr Schuschnigg in jener Rede auch einen Augenblick wie weiland Andreas Hofer fühlte, so möge er daran denken, daß es nicht auf den Vollbart ankommt, sonder-n daß etwas mehr dahinter sein muß, um dem Tiroler Sandwirt zu gleichen.
Die Entscheidung des Führers.
In der klaren Erkenntnis, daß dieser Wahlbetrug eine grobe Irreführung und Täuschung der ganzen Weltöffentlichkeit werden sollte, um bann ungestört den stärksten Terror bis zur Vernichtung der wahrhaften deutschen Menschen in Österreich folgen zu lassen (Pfuirufe), in dieser klaren Erkenntnis handelte der Führer. In diesem Augenblick war es uns klar, daß jetzt wirklich die Entscheidung gekommen war.
Eine völlige Einmütigkeit bestand zwischen dem Führer und den nationalsozialistischen Vertrauensleuten innerhalb Österreichs. Auch nach ihrer Meinung war jetzt die Stunde des Handelns gekommen^ aber sie glaubten nicht mehr mit demokratischen Methoden verhandeln zu können, sondern sie nahmen das Gesetz des Handelns in ihre eigenen starken Hände und zwangen die anderen, zurllckzu- treten. (Lebhafter Beifall.)
Wenn die nationalsozialistische Erhebung so rasch, so durchgreifend und so unblutig zum Durchbruch kam, so ist dies vor allem auch das Verdienst der ruhigen, festen, klugen und entschloffenen Haltung des jetzigen Reichsstatthalters Seyß-Jnquart und seiner Vertrauensleute gewesen. (Tosende Zustimmung.)
Das bewies aber auch die Richtigkeit der vorher betriebenen Politik, denn wären unsere Vertrauensmänner nicht in der Regierung gewesen, so wäre dieser Ablauf nicht möglich geworden.
So begann die nationalsozialistische Erhebung Österreichs. Und wenn wir, die wir seinerzeit den 30. Januar 1933 in Deutschland miterleben konnten, glaubten, daß dieser Tag uns schon die letzte Erfüllung und Vollendung gebracht hätte, dann durften wir hier noch einmal erkeben, wie aus dem Kraftquell des Nationalsozialismus heraus wiederum eine deutsche Erhebung in die Höhe getragen wurde und sieghaft zum Durchbruch kam.
Nicht Eroberer, sondern Brüder und Befreier.
Gerufen von der österreichischen Regierung, marschierten die ersten deutschen Befreiungstruppen in Österreich ein zum
Zeichen unvergänglicher Zusammengehörigkeit der beiden Länder. (Stürmischer Beifall.)
Sie brauchten ihre Gewehre und Geschütze nicht zu laden, sie kamen nicht als Feinde und Eroberer, sie kamen als Brüder, umrauscht vom Jubel eines befreiten Volkes.
Und über sie hinweg zogen Geschwader auf Geschwader der Luftwaffe, auch nicht,' um Bomben zu werfen, sondern um als erste dem befreiten Österreich den Gruß Deutschlands zu überbringen. (Erneute anhaltende Zustimmungskundgebungen.)
Und nun geschah das Einzigartige, für die Welt Unvorstellbare: Allen voran eilte der Führer herbei, und wie ein Lauffeuer ging durch Österreichs Gaue der Rus: Der Führer hat die Grenzen überschritten, der Führer in Braunau, der Führer in Wels, der Führer in Linz, ein unbeschreiblicher Jubel erhob sich, denn ein jeder wußte, jetzt kommt der Führer, jetzt sind wir gerettet für alle Zeiten! Denn wo der Führer steht, das wußte man, da steht Deutschland. (Stürmische, sich immer wieder erneuernde Heilrufe.)
Ihr werdet es mir glauben, daß es für mich unsagbar bitter war, in jenen historischen Stunden in Berlin abseits stehen zu müssen, weil ich meine Pflicht dort als Vertreter des Führers erfüllen mußte. Mit meinem Herzen aber war ich bei euch und erlebte mit euch ebenso den befreienden Jubel, wie ich mit euch gelitten hatte unter bei furchtbaren Not. (Spontane Heilrufe.)
Nunmehr konnte die Welt die völlige Ohnmacht und ganze Kläglichkeit des bisher herrschenden Systems erkennen, und auch dem Ausland wurden die Augen geöffnet, das sich in einer völligen falschen Einstellung gegenüber dem Problem Österreich befunden hatte.
Es mußte erleben, daß hier nicht ein Volk von dem mächtigen deutschen Nachbarn bedroht und vergewaltigt wurde, sondern daß dieses Volk unsagbar glücklich darüber war, daß das nationalsozialistische Deutschland zu ihm kam, weil cs selbst deutsch war. Österreich war und blieb deutsch und bleibt deutsch für alle Ewigkeit. (Brausender
Beifall.)
Aber nicht nur das Ausland war über die wahre Lage getäuscht worden, auch Hunderttausende im öfter- reichischen Volk hat man jahrelang getäuscht und irregeführt. Man hat ihnen eine furchtbare Angst vor dem Nationalsozialismus eingeredet. Man warnte vor der „Braunen Pest"! Wie sieht über diese „braune Pest" aus? Was hat diese „braune Pest" aus Deutschland gemacht?
Das ist es, was ich euch in großen Umriffen sagen will, damit die, denen erst jetzt die Äugen anfgegangen sind, die bisher mit Scheuklappen herumgelaufen sind, die immer nur in der Angst vor dem Nationalsozialismus zitterten, endlich erkennen, was die nationalsozialistische Bewegung ist, welche ungeheueren Kräfte sie mobilisiert hat und wie sie ein neues, starkes, glückliches Deutschland aufgebaut hat.
Wie der Nationalsozialismus das neue Reich schuf.
Ich führe euch zurück in jene Tage, als durch einen Stoß in den Rücken, durch Verrat die deutschen Heere die Fronten räumen mußten, in jene Tage, wo das System-Deutschland sein schmachvolles Leben begann. Partei stand gegen Partei. Ein Parlament in ohnmächtiger Zerrissenheit, jeder vertrat seine persönlichen Jntereffen. Überall wurde Haß gepredigt. Die einen schrien: Wir sind Sozialisten, die anderen: Wir sind Nationalisten! Beide erklärten, Nationalismus und Sozialismus seien unvereinbar, seien wie Feuer und Wasser auf ewig getrennt......Und heute? Statt der Zerriffen-
heit des Volkes, start der Vielheit der Parteien und Stände steht die deutsche Volksgemeinschaft! Wir haben den verlogenen Bürgerlichen den Nationalismus und den verlogenen Marxisten den Sozialismus entrißen, um diese beiden hohen und Hehren Begriffe im Nationalsozialismus zu vereinigen. (Lebhafter Beifall.)
Unsegen des Marxismus.
Im Gefolge der geschilderten Zerrissenheit, Feigheit und Schwäche herrschten in Deutschland Überall Not und Elend. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 1, 2, 3, 4, 5, 6 und mehr Millionen. Die Wirtschaft war zerbrochen, die Fabriken lagen still, die Schlote rauchten nicht, ein Wirtschaftsfriedhof, so weit man sehen konnte. Die Äcker starben, wenn der Bauer die Saat in den Boden gebracht hatte, und wenn das Korn sproß, gehörte es ihm nicht mehr.
Planvoller Wiederaufbau.
So trieb ein 68-Millionen-Volk in den Untergang hinein. Und dann tarn die nationalsozialistische Bewegung und
räumte auf. Nun konnte der Aufbau beginnen, nun kam di« Blüte der Wirtschaft, und diejenigen von euch, die jetzt ins Reich hinausfahren können, werden sehen, was die neue Volksgemeinschaft bedeutet, was Wirtfchafts- aufbaü heißt, und werden erkennen, daß überall, wo man Hinsicht, fleißige Hände sich regen, um Neues und Großes zu schaffen. Früher hatten wir Sorge, die Arbeitslose unterzubringen, Beute haben mir nicht genug Arbeiter, um all das schaffen zu können, was wir schaffen wollen.
Ist es nicht ein wunderbarer Wandel? Nur vier Jahre hat es gedauert, um eine Millionenarmee von Arbeitslosen wieder in Arbeit und Brot zu bringen. Allerdings war es notwendig, eine planvolle Ordnung durchzuführen und die Wirtschaft nach bestimmten Grundsätzen aufzubauen und zu lenken. Ich weiß, man malt das Schreckgespenst der Zwangswirtschaft an die Wand. Unsere Wirtschaft ist keine Zwangswirtschaft, sondern eine Ordnungs- wirtschaft. Zwangswirtschaft ist jene gewesen, bei her man schließlich gezwungen wird, die Wirtschaft einzustellen.
Deutschland ist dank der nationalsozialistischen Wirt- schastsorduung krisenfest geworden. (Lebhafter Beifall.) Durch den Vierjahresplan wollen wir alles, was wir aus eigener Kraft schaffen und Herstellen können, bis zur letzten Möglichkeit ausschöpfen, denn über allen Wirt- schastsprizipien und Gesetzen steht für uns die Sicherung des deutschen Menschen und des deutschen Lebens. (Aufs neue stürmische Kundgebungen.)
Schritt für Schritt mit dem Aufblühen der Wirtschaft ist eine wundervolle Symphonie der Arbeit entstanden. Hand in Hand hiermit ging der Ausbau des Verkehrs. Schon
