Wiesbadener Tagblatt
Erscheinungszeit:
Nr. 72.
Samstag/Sonntag, 26./L7. Marz 1938.
86. Jahrgang.
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Die erste Führer-Rede im A bstimmungska/mpf.
Am 10. MI! Welle! GWeillslW w Heiligen W
Sein Mann und feine Fran darf fehlen. — Die Entscheidung vor dem Gewissen. — Ostpreußens Treueschwur.
Henlein fordert Ausschreibung von Neuwahlen
ränität,
Volke gegen dessen W
Nein, wahrhaftiger Gott, nein.' Wir haben diese „Mild-
Drohe Erfolge der nationalspanifchen Offensive
Prag, 26. März. (Funkmeldung.) Die Deutsche Sozial- demokratische Partei gab am Freitagabend eine parteiamtliche Mitteilung aus, aus der hervorgeht, daß Eelundheitsminister Dr. Ludwig Czech auf [em Pottefeuille verzichte» will.
Man unterschiebt so oft der politischen Trennung das Wort Selbständigkeit oder Souveränität. Was kann das für eine Selbständigkeit sein, die sechs Millionen Menschen in dieser Welt zu repräsentieren haben? Auf einer Erde, in der Kontinente die Wlkerschicksake bestimmen, in der die Politik von Staaten und Gebilden gemacht wird, die zum Teil Weltteile *“» — * -• • -
Und vor allem, welchen Sinn und welchen Wert kann eine Souveränität v-- - --
5n Eilmärschen auf Lerida.
Bilbao, 26. März. (Funkmeldung.) Wie aus dem Heeresbericht vom Freitag hervorgeht, setzen die nationalen Truppen nach Niederringung zahlreicher schwerbesestigter bolschewistischer Stellungen ihren Vormarsch im nördlichen Aragon in EUmärschen in Richtung auf Lerida, der Hauptstadt der gleichnamigen katalanischen Provinz, fort. Die Truppen des nördlichen und südlichen Kampfabschnitts der Huesca- Front konnten westlich von Sarimena die Verbiudnug miteinander Herstellen, wodurch das gesamte Alcou- bierre-Gebirge mit seine» wichtigen sowjetspanischen Stellungen eingeschlossen ist und gesäubert werden kann. Bei Huesca breiten sich die Nationalen strahlenförmig, insbesondere längs der Hauptstraße »ach Barbastro und Lerida »ach Osten aus. Am Ebro stehe» die Truppe« des Generals 8) a g «e nach der Einnahme des wichtigen bolsche-
emei verantwortungslosen Hetzpresse
anberes will als die Aufrechterhaltung einer verhängnisvollen Jllusionspolitik, die über kurz oder lang zusammenbrechen mutz. Ausscheiden des deutschen Sozialdemokraten?
Jubel in Königsberg.
Königsberg, 26. März. (Funkmeldung.) Die ge- waltige Kundgebung in der Schlageterhalle in Königsberg, wo der Führer am Freitagabend zu den Königsbergern und darüber hinaus zu allen Ostpreußen und zum ganzen deutschen Volke sprach, wurde zu einem Bekenntnis elemen- l°^'^8"°"kchaftlicher Kraft, wie es der deutsche Nordosten kaum je erlebt hat. Die tiefe Treue und Einsatzbereitschaft, mit der sich die ostpreutzischen Mensche» am Freitagabend in wahrhaft ergreifender Weise zum Führer erneut und mit letzter Rückhaltlosigkeit bekannte«, wird ih« aus seiner Reise durch alle deutschen Gaue begleiten. Die Rede des Führers hat folgenden Wortlaut:
Deutsche Volksgenossen und -genossinnen!
Noch vor wenigen Tagen weilte ich in der südlichen Grogstadt des nunmehr geeinten deutschen Volkes und Reiches und verkündete dort, daß hinter diesem Zu- sammenschluß das ganze deutsche Volk stünde. Ich erwähnte dabei auch die nordöstlichste Provinz unseres Reiches. Heute bin ich hierher gekommen, um Sie zu mahnen, meinen Worten Geltung zu verschaffen und es am 10. Apris em»ulaien!„
Ich bin aber auch hierher gekommen, um den Wahlkampf
Liquidierung des bisherigen Systems verlangt
Prag, 25. März. Unter dem Vorsitz Konrad Henleins trat am Freitag der Politische Ausschuß der Hauptleitung der Sudetendeutschen Partei in Prag zusammen. Bei dieser Gelegenheit hielt Konrad Henlein eine wichtige politische Rede, in der er u. a. ausführte:
Die endgültige Einigung der gesamten I $LCtendeutschen Volkskräfte konzentriert den Willen von 1600 ÖOO deutschen Wählern auf ein einheitliches politisches Ziel und bringt diesen Willen durch eine Volksvertretung von insgesamt 81 Parlamentariern zum Ausdruck. Die Sudetendeutsche Partei ist demnach die weitaus größte Partei des Staates. Die vollzogene Einigung
hatte. Ich bin in dieses deutsche Grenzland gekommen, in der Überzeugung, nirgends mehr Verständnis für mein Handeln zu finden als in einem Gebiet, das früher selbst sehr leiden mußte unter dem Gefühl der Vernachlässigung und des Aufgegebenseins. Sie selber haben alle die Empfindungen mit durcherlebt, die man auf einem scheinbar verlorenen Posten hat, aber auch jene Empfindungen, die man dann erhält, wenn man wieder weiß, daß nunmehr hinter einem die große und gesammelte Kraft, der Glaube und die Entschlossenheit einer ganzen Nation stehen. (Begeisterte Zustimmung der Massen.)
Ich habe damals in meiner Kundgebung versichert, daß von jetzt ob diese Provinz nicht mehr als aufgegebener Posten gelten darf, sondern daß wir von jetzt ab die Empfindung, ja die Überzeugung haben dürfen, daß hinter diesem Land ganz Deutschland steht. Sie werden es daher verstehen, wie die Empfindungen in dem Lande und bei den Menschen sind, die soeben zum deutschen Volk und Deutschen Reich zurückgefunden haben.
Souveränität zum Nutzen des Auslandes.
besttze«, die das Ausland einem
„ „ Willen aufzwingt? Zu westen
Gunsten aber hat einst das feindliche Ausland Österreich diese Scheinsouoeränität gegeben? Etwa aus Liebe zu dem dort lebenden Teil des deutsche» Volkes? Warum hat man damals den Anschluß verboten? Vielleicht weil man damals diesen 6% Millionen Gutes tun wollte?
ltteile beherrschen? Was gibt das für eine Soüve- . die sechs Millionen umfaßt? Was kann das für eine besondere Souveränität sein, die von Auslands Gnaden a'bhängt, ja, die sogar von Auslands Gnaden einst zugebilligt worden war? '
i|t aber nicht nur eine Angelegenheit des Sudetendeutschtums, wndern ebenso sehr eine Angelegenheit des tschechischen Volkes, des Staates und jener europäischen Mächte, die durch Interessen oder Verträge an den Vorgängen innerhalb der Tschechoslowakei interessiert sind.
Die Einheit unserer Volksgruppe verändert in einem entiajeibenben Ausmaß die Struktur der innenpolitischen Ver- haltniste und verleiht den Sudetendeutschen die Bedeutung eines politischen Kraftfeldes, von dem entscheidende Wirkungen auf das künftige, Schicksal des Staates ausftrahlen müssen. Es ist Sache des tschechoslowakischen Volkes, dies zur Kenntnis zu nehmen und danach zu handeln.
Ich fordere daher fürs erste die Ausschreibung von politischen Wahlen in allen gesetzgebenden und verwaltungstechnischen Körperschaften! Nach Recht und G->->«- soll allen Staatsbürgern, vor allem den Sudetendeutschen,
wistische« Stützpunkts B u j a l a r o z nur noch 70 Kilometer vo« Lerida entfernt.
Auch im südlichen Aragon konnte südlich von Alcaniz der Vormarsch überraschend fort- Zefetzt werden. Hier stießen die nationalen Truppen im Abschnitt Alcorisa bis über den Oberlauf des Guadalope- Flustes in Richtung anf die Hauptstraße Alcaniz—Valencia vor und eroberten das Städtchen Castellote.
Die Operationen zeichnen sich durch die glänzende Zusammenarbeit aller Waffengattungen aus. Auf der über 100 Kilometer breiten Front belegen die Flieger ununterbrochen die Befestigungen und Truppen- ansammlungen der Bolschewisten und behindern ihren Nach- m)ub. Der Gegner macht den Eindruck mangelhafter Organisation; dazu kann er seine Verteidigungspläne nicht wirksam anwenden, da das geschickte llmgehungs- manöver der Nationalen ihn vollkommen überrascht hat.
en gesetzgebenden und Nach Recht und Gesetz hr < <- - ------o— ----------v.t Sudetendeutschen, die
Gelegenheit geboten werden, zu den Ereignissen der letzten Wochen Stellung zu nehmen. Ich erhebe diese Forderung, weil ich der getarnten Welt beweisen will, daß die Eini - gung der Sudetendeutschen keine Angelegenheit des Augenblicks ist und ohne Zwang herbeigeführt wurde. Darüber hinaus aber geht es um die große Ent- tcheldung, ein politisches System zu liquidieren, das dem Sudetendeutschtum eine unendliche Fülle von Not und Leid, sowie politischer und wirtschaftlicher Rechtlosigkeit gebracht hat und 6e|eitigt werden muß.
2^ tDarne aber gleichzeitig die tschechoslowakische Sffent- Ilchkelt davor, in diesem historischen Augenblick bedenkenlos zu folgen, die nichts ----- verhängnisvollen
tätigtet“ der andere« Welt zur Genüge kennengelernt. Nicht aus Liebe zu Deutschösterreich wurde ihm damals die sog. „Souveränität“ ausgebürdet. Nein: Es war das eigenste Interesse des Auslandes, das dazu Veranlassung gab. Deutschland sollte geschwächt werde«! Es sollte zerrissen sein, um daun ohnmächtig zu bleibe«, wie in de« Zeiten seiner Vergangenheit. Das war der Zweck dieser „Souveränität“! Das war auch der Sinn des Verbotes des Anschlusses! Nicht die Liebe zum deutschen Volk war die Ursache oder die Liebe zum Deutschösterreicher, sondern ausschließlich der Gedanke, Deutschland und damit das gesamte deutsche Volk zu schwächen. Diese Souveränität bestand also nur zum Nutzen des Auslandes.
Wirtschaftlich war Österreich lebensunfähig.
Und wirtschaftlich? Was hat ein Staat, der politisch lebensunfähig ist, wirtschaftlich zu erwarten? Die Folgen der politischen Souveränität waren in Österreich wirtschaftlich nur Not, Elend und Sorge! Und diese ist verständlich. Heute können sich so kleine Staat sgeibiibe nur unter ganz besonderen historischen Voraussetzungen als lebensfähig erweisen. Wer aber mit der Hypothek des größten Zusammenbruchs alter Zeiten, des Weltkrieges, wirtschaftlich belastet ist, besitzt in so kleinem Rahmen überhaupt keine wirtschaftliche Lebensfähigkeit und Lebensvoraussetzung. Vor allem aber: Wie kann ein Gebiet heute wirtschaftlich lebensfähig sein, wenn ihm die Glaubenskraft an seine eigene Existenzmöglichkeit fehlt?
Wir haben es ja bei uns erlebt: Alle Versuche, Deutschland wirtschaftlich zu retten, waren vergeblich, solange es nicht gelang, dem deutschen Volke jenen neuen, großen 2,m puls, jene neue Zuversicht zu geben und die pvli- tilche Wiedergeburt durchzuführen, die allein auch die Kräfte für die wittschaftliche Lebensbehauptung mobilisierte. Erst seitdem das gelang, begann Deutschland wieder aufzublühen. Wie aber soll ein Sana, in dem ein solcher politischer Impuls undenkbar ist, jemals wieder eine wirtschaftliche Blüte erleben? Worin kann aber die politische Mission eines solchen Landes liegen, das umgekehrt auch wirtschaftlich zum Untergang bestimmt ist? Und Österreich hat diese wirtschaftliche Vernichtung ja auch tatsächlich erldbt! Es sind grauenhafte Ziffern, die das bestätigen. Ich brauche sie Ihnen hier ja nicht im einzelnen zu unterbreiten. Vielleicht am eindringlichsten sprechen hier die Ziffern der Sterblichkeit und die der Geburten. Sie sind vernichtend.
Wir habe« nicht erfahren, daß das Ausland damit auch nur das geringste Mitleid gehabt hätte. Es hat sich nie darum gekümmert, daß in diesem wunderschönen Lande (Fortsetzung auf Seite 3).
Lieber Tagblatt-Leser!
2hr Brief hat mir Freude bereitet. Sie verstehen nicht, warum wir einen Wahlkampf führen, wo es doch nur eine ."two.rt auf die gestellte Frage geben kann. Sie meinen, etl!e. Aufforderung zum Ja sei eine Beleidigung für jeden anstanoigen Deutschen. Sie haben zweifellos recht, für die überwiegende Mehrheit unseres Volkes gibt es keine andere Willensbekundung. Aber, und das dürfen Sie nicht vergessen, am 10. April geht es um die letzte, auch die allerletzte Stimme. Der Wahltag muß das deutsche Volk in einer noch nie dagewesenen Geschlossenheit zeigen. Das Ausland lauert ja nur darauf, uns irgendwo eine Lücke in der Front der Einigkeit nachweisen zu können. Das darf ihm nicht gelingen. Das nationalsozialistische Deutschland hat, wie Sie in Ihrem Briefe mit Recht sagen, Wunder vollbracht. Aber es hat nie leichtgläubig Wunder erwartet, die das Schicksal ohne Zutun über uns ausgüsse. Seine Erfolge sind das Resultat einer kaum abzuschätzenden Kleinarbeit. Und so verlaßt sich auch diesmal die Bewegung nicht auf das Selbstverständliche, sondern ringt in einem intensiven Wahlkampf um_j ede Stimme, um mehr noch, um jedes Herz. «,.J:rI.e?urten Nicht alle Menschen mit Ihren Maßen messen. Richt jeber hat, wie Sie, Interesse für die Lektüre der Ee- schlchte, aus der uns die einmalige Größe des Augenblicks, den wir mit dem vollzogenen Anschluß Öster- teichs erleben durften, geradezu anfprmgt. Sie können das Interesse auch nicht von jedem verlangen. Wie vielen fehlt die Zeit und die Frische, sich am Abend noch ein Buch vorzu- neljmen. Denken Sie, um ein Beispiel herauszugreifen, an die Manner, die irgendwo mit Schippe und Pickel arbeiten. Ihnen Gllen meist, haben sie den Teller zur Seite geschoben, die Äugen zu. Wenn Sie das an sich selbst vorstellen, dann verstehen Sie sicher auch, daß die gewaltigen Ereignisse in dem einen ober anderen nicht die volle Resonanz fanden, die sie in ledern beutscken Herzen verdienen. Kleine Inseln der ••l-L* 8 “ * t i 9 f e i t könnten entstehen, besonders bei Be- rulluchti^ung der Fälle, in denen persönliche Sorgen, Krankheit m Ber yamilie, das Geschehen in der Volksgemeinschaft für Augenblicke uberichatten. Der Führer aber, der in seiner Jugend selbst mit harter Arbeit sein Brot verdienen mußte, kennt bte|e Manner. Er weiß, gelingt es uns, sie aus ihrem Sorgenfreis heranszureißen, dann sind sie die Unentwegtesten und Getreuesten. Er will auf keinen von ihnen verzichten und tritt an jeden heran und wenn er es, zeit- uch und räumlich, könnte, würde er jedem die Hand auf die «chulter legen und vielleicht sagen: Sieh auf Kamerad! Wir rennen uns aus gemeinsamer Arbeit, aus den Schützengräben Dor Verdun, aus den Löchern Flanderns. Meine Arbeit gilt gerade Dir. Für verlogene Versprechen bin ich mir zu schade. Du weißt, daß es Dir heute schon besser geht, und ich darf
