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Wiesbadener Taablatt

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Nr. 69.

Mittwoch, 23. Marz 1938.

86. Jahrgang.

Der Führer ruft und alle, alle kommen!

3t. töow gilt Die ilöflimwpole öet Hatton.

Deutschland Vollstrecker des Wilson'schen Selbstbestimmungsrechtes. Ein Aufbauwerk ohne Beispiel. Unser Dank ist unser Ja. Die große Kundgebung im Berliner Sportpalast.

Sos gon$e Soll floi SoDtMor.

as. An der historischen Kampfstätte der nationalsozia­listischen Bewegung in Berlin, dem Sportpalast, eröff­nete Dr. Eoebbels gestern abend mit einer grossangelegten und immer wieder von der stürmischen Zustimmung der über­füllten Versammlung unterbrochenen Rede den Wahlkampf 1938. Aber nicht nur die im vollbesetzten Sportpalast Ver­sammelten vernahmen diese Rede, und damit die Parole für den kommenden Wahlkampf, im ganzen Reich sahen Millionen an den Lautsprechern, um so teilzu­haben an der ersten großen Kundgebung dieses Wahlkampfes. Auf die wohl hier und da auftauchende Frage, warum wir, die wir doch einverstanden sind, mit dem was geschah, ab­stimmen sollen, hat Dr. Goebbels die Antwort gegeben: erstens, die Welt soll wie seiner Zeit im Saargebiet den zahlenmäßigen Beweis erhalten, daß hinter dem vollzogenen Anschluß das ganze Volk im alten Reichsgebiet und in Österreich steht. Zweitens, Ö st e r r e i ch soll nicht allein abstimmen, denn von jetzt ab soll Österreich alles mit dem Reich gemeinsam tun. Drittens, das deutsche Volk der 75 Millionen soll nicht nur für die Wiedervereinigung von Österreich, sondern für die ganze gigantische Aufbauarbeit der letzten fünf Jahr dem Führer danken. Wenn Dr. Goebbels in feiner Rede weiterhin ausruftdie Welt wollte die Abstimmung, sie soll sie haben". So ist damit auch die außenpolitische Bedeutung dieser Ab­stimmung gekennzeichnet. Wie sie aussallen wird, darüber kann sich in der Welt niemand im unklaren sein, am wenig­sten irgend jemand, der in der gestrigen großen Kundgebung mit ihren Stürmen des Beifalls und des Jubels teilnahm. Auch das Ausland sollte diese Rede recht aufmerksam studieren, den Rechenschaftsbericht über fünf Jahre nationalsoziali­stischer Aufbauarbeit, den Rückblick auf die Geschichte der letzten Wochen und nicht zuletzt jene Sätze, in denen Dr. Goebbels mit Ironie die Tatsache herausstellte, daß, der Führer, in dem er Österreich den Weg in das Reich öffnete, zum Vollstrecker eines der Grundsätze des Präsidenten Wilson wurde, des Grundsatzes vom Sölbstbestimmungsrecht der Völker. Und wenn der Minister zum Schluß die Etappen der Außenpolitik des Führers schildert, von der Lösung der Tributfrage bis zur Wieder­vereinigung Österreichs und jedesmal den Satz hinzufügte und es gab keinen Krieg", so sollte auch das Ausland ein­mal darüber nachdenken, wie kehr sich diese Aktionen des Führers als Elemente des Weltfriedens erwiesen. Die Welt wird nun also ihre Abstimmung haben. Wir sind des Er- gebniffes gewiß, aber wir erwarten auch, daß die Welt aus diesem Ergebnis die Schlußfolgerungen zieht.

Beginn der großen Wahlschlacht.

Berlin, 22. März. Von den Massen im Sportpalast mit Stürmen des Beifalls und tosenden Heilrufen empfangen, eröffnete der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Reichs­minister Dr. Goebbels, den unter seiner Leitung stehenden größten Wahlkampf aller Zeiten mit einer ebenso inhaltsreichen wie aufrüttelnden und begeisternden Rede, die von den d e u t-

fchen und österreichischen Sendern bis in die fernsten Gaue Großdeutschlands getragen wurde.

Dr. Goebbels begann mit einem Rückblick auf die internationale Lage vor zwei Monaten, die im wesentlichen durch eine beispiellose, infame Hetze gegen Deutschland und seine Staatsführung gekennzeichnet war. Die Wischen Drahtzieher dieser düsteren Machenschaften hätten der Welt einreden wollen, daß es in Deutschland drunter und drüber gehe und der Führer überhaupt nicht mehr in der Lage sei, eine eigene, selbstbewußte und entschlossene Politik zu be­treiben. Auf diese niederträchtigen Angriffe habe Deutschland wochenlang geschwiegen in dem Bewußtsein, daß die Stunde der Antwort bald kommen werde. Dr. Goebbels erinnerte an die historische Reichstagsrede des Führers vom 20. Februar, die dieses internationale Lügengewebe mit einem einzigen Hieb zerriß. 2n dieser Reichstagsrede habe der Führer auch darauf hingewiesen, daß es sicb eine Großmacht wie Deutsch­land auf die Dauer nicht gefallen lassen könne, wenn ihre Volksgenossen an den eigenen Grenzen gequält und mißhandelt würden.

Schuschniggs Verrat.

Entrüstete Pfuirufe brandeten auf, als Dr. Goebbels, auf das Abkommen von Berchtesgaden eingehend, den Namen Schuschnigg nannte und das Verhalten des damaligen Bundeskanzlers eindeutig als Verrat und Wortbruch kenn­zeichnete.

Anläßlich des Besuches der österreichischen Arbeits­kameraden veröffentlichen der Gauleiter und der Eau- obmann der DÄF. folgende Erußworte:

Hessen-Rassau grüßt die deutschen Volksgenossen aus Österreich, die als erste zu einem Besuch aus der deutschen Ostmark in das Rhein-Main-Eebiet kommen. Sie haben Ge­legenheit, das Aufbauwerk unseres Führers Adolf Hitler kennen zu lernen, an dem sie nach der glücklichen Ber­einigung der beiden deutschen Staaten zu einem deutschen Reich teilhabe« dürfen. Ich wünsche unseren Kameraden recht erlebnis-, freud- und erholungsreiche Tage, von denen sie mit neuer Kraft an ihre Arbeit zurückkehren werden.

Seil Hitler!

gez.: Sprenger,

Gauleiter von Hessen-Nassau und Reichsstatthalter in Hessen.

Zum erstenmal besuchen deutsche Volksgenossen aus Österreich unseren Gau und haben teil an den gewaltigen Errungenschaften der NS.-Gemeinschast »Kraft durch Freude". Sie werden in Hessen-Nassau ein reich entwickeltes Wirtschafts- und Arbeitsleben kennen lernen, die Schönheit und Vielgestaltigkeit der rhein-mainischen Landschaft sehen, echte Kameradschaft bei de» Menschen gleiche» Blutes fiwden

Der Minister legte dar, daß es des Führers ehr­lichste Absicht gewesen sei, zum Frieden zu kommen, während demgegenüber Schuschnigg entschlossen gewesen sei, unter dem Schein der Loyalität das Abkommen zu brechen. Das Volk habe auch instinktiv gefühlt, daß es Schuschnigg darauf anlegte, die Großzügigkeit und Loyalität des Führers aufs gröblichste zu mißbrauchen.

Diese illoyale Haltung mußte den bis dahin müh­sam zurückgehaltenen Volkszorn unweigerlich zum Ausbruch kommen lassen. So standen unter diesen Um­ständen innerpolitische Auseinandersetzungen bevor, deren Ausgang nicht abzusehen war. Es drohte die Gefahr des Bllrgerkrieges. In diesem Augenblick aber habe der Führer das in seiner Reichstagsrede gegebene Versprechen einlösen müssen und wollen, das Versprechen, nicht zu dulden, daß deutsche Volksgenossen an den Grenzen des Deutschen Reiches gequält würden und daß Österreich ein Schlachtfeld des Bolschewismus und damit ein zweites Spanien würde.

Mit Nachdruck wandte sich Minister Dr. Goebbels gegen den vielfach in der internationalen Presse erhobenen Vorwurf, Deutschland habe die österreichische Bevölkerung durch einen militärischen Gewalt st reich unter eine Diktatur gebeugt. Minutenlange stürmische Zustimmungskundgebungen unterstrich seine Feststellung:Wir sind nicht in Österreich eingebrochen, sondern die österreichische Regierung

lFortsetzung auf Seite 3).

und wahre Freundschaft schließen. Die Tage des Besuches unserer Gäste aus der deutschen Ostmark solle» so zu einem Erlebnis werden, das das enge Band zwischen Grotz-Deutsch- lands Osten und Westen noch enger knüpft.

Seil Hitler!

gez.: Willy Becker, Eauobman» der Deutschen Arbeitsfront im Gau Hessen-Nassau.

Marsch der Volksverbundenheit.

Allmählich geht der Frühlingsabend in die Nacht über. Vom langgestreckten grünen Dach des Bahnhofsgebäudes leuchten die Fahnen des Dritten Reiches. Hell im Licht der Scheinwerfer liegt der Bahnhofsplatz. In dünner Kette be­ginnen die Volksgenossinnen und -genossen die Straßen zu säumen. Noch kannst du dir einen Platz wählen. Doch schnell verdichten sich die Menschenschnüren zu Mauern. Ganz Wies­baden ist aus den Beinen,seine Ö st e r r e i ch e r" festlich zu empfangen. Gegen 8 Uhr ist kaum ein Durchkommen mehr. Vom Bahnhof bis zum Rathaus und zum Dernschen Gelände dehnen sich zu beiden Seiten der Straße tief ge­staffelt Zehntausende.

Die Bahnhofsuhr zeigt neun. Schon einige Zeit brennen die Fackeln der SA. Die leuchtende Kette der Flammen zieht sich golden vor den schwarzen Massen hin. Hinter den unregelmäßigen Konturen der Absperrung springen silber­hell und schäumend die Wasser des Reisingerbrunnens, heben sich die Umrisse der Vaumreiben in den Himmel. Von ferne dringt Musik ab und zu in die Reiben der Wartenden, die fiebernde Erregung durchzittert. Eng gekeilt stehen wir und vertreiben uns die Zeit, indem wir die Marken der vorüber- rollenden Autos uns zu erraten bemühen. Ein Feldküche rasselt leer vorbei. Die Tschakos der Schupobeamten glänzen. Es lodern die Fackeln.

Doch nun nähert sich die Musik. Die Köpfe recken sich. Heil-Rufe dringen von fern heran. Raketen jagen in die Luft. An der Spitze der Formationen unter Stahlhelmen marschiert österreichische SA. Strafte energiegeladene Gesichter. Jubel bebt auf. Tücherwinken, hochgereckte Hände.

Der Marsch der tausend Arbeitskameraden aus Linz zum Marktplatz gleicht einem Triumphzug. In aller Eile haben einige Häuser illuminiert. Von Balkone», aus den Fenstern herab und aus den Verschalungen von Bau­gerüsten beugen sich jubelnde Frauen und Männer. Tücher werden geschwungen und Fahnen. Hinter dem Spalier der lohenden Fackeln die kühn geschnittenen Gesichter der Deut­schen aus Österreich. Auf den Einsriedigungsmauern der Vorgärten stehen die Wiesbadener, ein Vater hält seinen Jungen hoch empor.Ein Volk ein Reich ein Führer!': Hin und her gehen die Rufe. Lachen flackert die Reihen entlang. Zwischen die Urlauber haben sich Mädchen geschmuggelt. In bunter Reihe geht s nun dahin. Hoch auf den breiten Schultern eines Bergbauern ein Pimpf, der eine Fahne schwingt. Wie ein leuchtender, jubilierender Bogen wölbt sich der Chor der Stimmen über der scheinbar zu eng gewordenen Straße. Hell in das Licht der Schein­werfer ragt das Rathaus. An der Mauergasse nimmt da»

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Glückliche Ankunft auf dem Wiesbadener Hauptbahnhof.

(Photo: Efpert Ä.)

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Wiesbadens Bevölkerung bereitete ihnen einen jubelnden Empfang.

Den Arbeitskameraden zum Grutz!