Einzelbild herunterladen
 

Donnerstag, 17. März 1938.

Wiesbadener Tagblatt

Nr. 64. Seite 3.

n > 9

Bekenntnis zur unabänderlichen Freundschaft,

am

Bereit, unsere Freundschaft zu beweisen

dem

er­de:

Der Führer über das Verhältnis zu Italien.

Mailand, 16. März.Popolo d'Jtalia" veröffentlicht auf der Titelseite den Inhalt einer Unterredung, die Adolf Hitler unmittelbar vor dem Besuch der großen militä­rischen Kundgebung auf dem Ring dem Wiener Bericht­erstatter des Blattes Filippo Bojano, gewährt hat.

Garant des europäischen Gleichgewichts.

Glauben Sie mir", so sagte der Führer zu Bojano,i ch werde es unter keinen Umständen mehr ver­gessen, wasJtalien getanhat. Das ganze deutsche Volk hierbei machte er eine Handbewegung, als ob er die Gesamtheit der Deutschen von der Ostsee bis zur Donau zu- sammenschlietzen wollte wird niemals vergessen, was Mussolini und Italien getan haben. Unsere Freund­schaft steht über allen Formalitäten. Die Achse ist stark und fest, mehr denn jemals". Und dann nach einer kurzen Pause fügte der Führer hinzu:Wir sind bereit. Euch unsere Freundschaft und Dankbarkeit

drängten Menschen, die in überschäumender Begeisterung immer wiederHeil! Heil! Heil! rufen und mit Sprechchören den Führer immer aufs neue zu sehen verlangen.

Die Massen auf dem Wilhelmsplatz sind von einem wahren Freudentaumel erfaßt. Der Führer ist heimgekehrt! Jeder will noch einmal den Führer grüßen und ihm danken.Nach Hause, nach Hause geh'n wir nicht be­vor der Führer spricht", schallt es in der bekannten Melodie über den weiten Platz. Und jetzt wird gar zu dem Gesang geschunkelt. Soldaten und Arbeiter, Frauen und Mädchen, jung und alt, die ganze Bevölkerung der Reichshauptstadt, feiert auf dem Wilhelmsplatz die Rückkehr des Führers. Es ist eine Stimmung, wie sie nur der Berliner kennt, der hier nach der nationalsozialistischen Revolution in der deutschen Ost­mark eine Freudenkundgebung ganz großen Ausmaßes begeht.

Adolf Hitler spricht.

Freude und Begeisterung schlagen immer höhere Wogen. Ist ein Lied verklungen, schallen von neuem die Rufe nach dem Führer. Und als der Führer dann wirklich wieder mit Generalfeldmarschall Göring den Balkon betritt, kennt der Jubel keine Grenzen, denn jetzt fühlt sich jeder für sein Ausharren belohnt. Der Führer spricht, immer wieder von tosendem Beifall und jubelnden Kundgebungen unter­brochen.

Der Führer gibt in bewegten Worten den Gefühlen Aus­druck, die ihn an diesen Tagen des endgültigen Zusammen­schluffes des ganzen deutschen Volkes erfüllten. Er spricht von der großen Freude, die alle deutschen Lande er­griffen habe und vor allem das Land, das noch vor wenigen Tagen das unglücklichste war, und das heute das glücklichste geworden ist.

Ungeheueren Jubel findet feine Feststellung, daß unsere nun geschaffene große deutsche Volksein­heit niemals wieder zer stört werden könne. Den letzte» Worte» des FührersDeutschland ist nun Eroßdeutschland geworden" folgte ein tosender Jubelsturm, der wie ein Orkan über den Wilhelmsplatz braust. Solche unbeschreibliche« Kundgebungen der Freude, des Dankes und der Begeisteruug, wie sie der Wilhelmsplatz bei diesen Worten des Führers erlebt, hat dieser historische Platz der Reichshauptstadt auch in der mitreißeuden Geschichte der letzte« fünf Jahre wohl selten gesehen. Immer wieder auss neue branden die Heil- Rufe zum Balkon des Führers empor, der nach allen Seiten die begeisterten Maffen mit erhobener Rechten grüßt und seinen Blick über dieses brodelnde Meer von ausgestreckten Armen und geschwenkten Fähnchen gleite» läßt.

Nachdem der Führer geendet hat, wird der Platz geräumt, nachdem zuvor bekanntgegeben worden ist, daß der Führer nunmehr die begeisterten Grüße der Maffen nicht mehr erwidern kann.

2m einzelnen erinnerte Muffolini dann kurz an die Bil­dung der Achse Rom Berlin im Oktober 1936, zu einer Zeit, als die nationalsozialistische Bewegung in Österreich, wie er hinzufügte, erstarkte. Damals habe Italien das Regime in Ö st erreich darauf auf­merksam gemacht, daß es nicht dauernd in anti­deutscher Funktion leben könne. Bei seiner Begegnung mit Schuschnigg in Venedig im April 1937 habe er dem Bundeskanzler klar gemacht, daß die Unabhängigkeit Österreichs eine Frage sei, die vor allem die Österreicher an­gehe, und daß die Achse Rom Berlin die Grundlage der italienischen Politik ist. Eine vorsichtigere Haltung Schuschniggs hätte nun die Lösung des Problems vielleicht auf- gehalten, aber auf die Dauer nicht verhindern können.

Am 7. März, also vor kaum einer Woche, sei mittags 12 Uhr ein Abgesandter Schuschniggs zu ihm gekommen, um seine Meinung über die Idee einer Volks­befragung zu hören.Ich habe", so fuhr Mussolini fort,ihm geantwortet, das ist ein Fehler. Diese Bombe wird ihm in der Hand zerplatzen."

Denen, die jetzt in diplomatischen und journalistischen Kreijen die Frage aufwerfen, warum Italien nicht einge-

Rom, 16. März. In seiner mit stärkster Spannung warteten Rede vor der italienischen Kammer befaßte sich Duce ausführlich mit den Ereigniffen der letzten Tage. Öster­reich habe als Staat aufgehört zu leben und habe sich mit Deutschland vereinigt. Die Volksbefragung * 19. April werde die vollzogene Tatsache be­siegeln.

Der Duce zog dann eine , interessante geschichtliche Parallele zwischen der Einigungsbewegung in Italien in den Jahren 1859 bis 1871 und der jetzt zwischen Deutschland und Österreich vollzogenen Einigung, wobei er betonte, daß das Drama Österreichs nicht erst in unserer Zeit begonnen habe, sondern daß seine Wurzeln bis ins Jahr 1848 zurückreichten. Die Dinge hätten nach dem Weltkriege immer schneller zu der jetzt vollzogenen Lösung getrieben. Was in den letzten Tagen geschehen fei, hätte sich naturnotwendig auch trotz der Verträge schließlich ereignen müssen.

Der Führer, so berichtet das Blatt, begann mit strahlen- Blick sofort mit Filippo Bojano, der vom Prinzen Philipp von Hessen begleitet war, von Italien und seiner Haltung zu sprechen, indem er auch die in seinem Telegramm an Mussolini bereits zum Ausdruck gebrachten Gedanken aus­führlicher wiederholte.

zu zeigen, wenn Italien sie eines Tages be­nötigen sollt e."

Dann ging der Führer mit treffenden Worten auf Öster­reich über, wobei er, so sagt Bojano, folgende Worte fand: Dieses Volk von Österreich fühlte den inneren Drang, mit Deutschland vereint zu sein. Haben Sie gesehen, wie es auf unser Kommen reagiert hat? Haben Sie die Begeisterung gesehen? Das österreichische Volk wurde lange von einer Handvoll Männern getäuscht und unter­drück t." Bojano schließt seinen Bericht über die Begegnung mit dem Führer mit dem Ausdruck seiner verstärkten llber- zeugung, daß diese Tage tatsächlich äußerst bedeutungsvoll für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland sind. Noch sei nicht Zeit gewesen, das Gewicht und die Tragweite der Tatsachen zu übersehen und Gefühle abzuschätzen, die diesen tiefgreifenden Wandel Österreichs be­gleitet hätten, denn er sei zu schnell gekommen. Sicher aber sei, daß 75 Millionen Deutsche in diesem Augenblick mit brausender Begeisterung den Führer des Reiches Adolf Hitler begrüßen. Was geschehen sei, sei von außergewöhnlichem Wert für die Zukunft des deutschen Volkes und für seine Be­ziehungen der engen Freundschaft und Zusammenarbeit mit Italien und schließlich für Europa und den Frieden. Das Volk in Österreich habe einen Führer gefunden, der vom Fanatismus für die Ideale und für die gerechten Ziele be­seelt sei.

griffen habe, antwortete Mussolini mit stärkster Betonung und unter lebhaftem Beifall der gesamten Kammer:Wir haben nie eine direkte, indirekte ober schriftliche Verpflichtung in dieser Richtung übernommen."

Der Bundesstaat Österreich, so fuhr Muffolini fort, habe sich auch tatsächlich immer davor gescheut, Hilfe zu verlangen, da ihm von Italien geantwortet worden wäre, daß eine Un­abhängigkeit, die durch fremde militärische Hilfe geschützt werden muß, nicht lebensfähig sei. Tatsächlich sei die große Mehrheit des österreichifchen Volkes für den Anschluß. Und was heute in Österreich geschehe, entspreche vollkommen den Ereigniffen zwischen 1859 und 1871 der italienischen Einigungsbewegung. Auch damals seien die piemontesifchen Truppen nicht als ein feindliches Heer, sondern als nationale Truppen gekommen und empfangen worden. Mussolini er­innerte in diesem Zusammenhang unter dem Beifall der Kammer daran, daß das erste Bündnis, das das junge Italien damals einging, mit Preußen abgeschlossen wurde.

In der Welt gebe es gar viele oberflächliche Leute, die jetzt keineswegs über die wahren Verhältnisse im faschistischen Italien unterrichtet seien und die jetzt glaubten, sie könnten Italien mit dem Hinweis auf die Millionenzahl von Deutschen an der italienischen Grenze irgendwie beeindrucken. Dazu sei vor allem zu sagen, daß das faschistische Italien sich nicht gerade leicht beeindrucken lasse, wie das auch während des ost- afrikanischen Krieges gegenüber 52 Staaten bewiesen worden sei. Italien habe einen harten Willen und einen gestählten Mut und gehe gerade auf sein Ziel zu.

Italien fei fo wenig von den Ereignissen an seiner Grenze gestört, rief der Duce aus, daß es auch bei der Annahme ganz ruhig bleibe, daß schon in wenigen Jahren, während die Italiener ein 50-Millionen-Volk geworden seien, die Deutschen 80 Millionen zählen würden. Der Duce hob dann hervor, daß es sich bei der deutsch-italienischen Grenze um die Grenze von zwei befreundeten Völkern und um unan­tastbare Grenzen handele, wie das der Führer immer in kategorischer Weise erklärt habe. j,3m übrigen sind für die Faschisten alle Grenzen heilig. Man spricht nicht über sie, man verteidigt sie."

Als das österreichische Drama", so erklärte der Duce ab­schließend,in den letzten Tagen zum Schlußakt kam. haben die Weltgegner des Faschismus darauf gelauert, ob sie eine passende Gelegenheit finden könnten, um endlich die beiden totalitären Regime gegeneinander auszuspielen und ihre Solidarität zu zerschlagen, was übrigens, das wollen mir gegenüber den berufsmäßigen Pazifisten noch besonders be­tonen, das Vorspiel für einen neuen Weltkrieg gewesen wäre. Diese Rechnung der Demokratien, der Freimaurerei, der Dritten Internationale war falsch. Ihre Hoffnung war einfach kindisch. Sie war aber zugleich auch b e - leidigend, da sie auf unseren Charakter und unsere politische Einsicht einen Schatten werfen wollt e. Stolz erklärte der Duce des faschistischen Italiens:

Die Stunde der Bewährung der Achse war gekommen! Jetzt wisse« die Deutsche», daß die Achse keine je»er diplomatische» Konstruktionen ist, die sich nur bei normalen Anlässen wirksam erweisen, sondern, daß es sich «mein fest geschmiedetes Instrument handelt. Ein Instrument, das sich gerade in einer außergewöhnlichen Epoche bewährte.

Die beiden Nationen, deren Einigungsbeweguntz zeitlich, wie nach den Methoden, parallel abgelaufen ist, können, in einer gemeinsamen Auffassung der Politik und des Lebens geeint, gemeinsam marschieren, um unserem gequälten Kontinent ein neues Gleichgewicht zu geben, das endlich die friedliche und fruchtbare Zusammenarbeit aller Völker ermöglicht.

*

as. Zur gleichen Stunde, in der Berlin den Führer mit ungeheurem Jubel und einer Freude sondergleichen begrüßte, sprach Mussolini vor der italienischen Kammer. Gewiß war an und für sich die Haltung Italiens aus den Tatsachen selbst, aus den italienischen Pressestimmen und nicht zuletzt

Molini WW ölt öenlW Wim

Die Achse BerlinRom einfestgeschmiedetes Instrument".

y

'SR5? 4

-

Tragödiendicbler Tragödienheld.

Zum 125. Geburtstag Hebbels (18. 3.)

Von Universitätsvrofeffor Dr. Philipp Witkop.

Was sollte ein Tragödienschreiber denn anderes sein als ein Tragödienheld?" schreibt der 32jährige Hebbel aus der abgründigen Not seines Lebens. Und wahrlich, kaum em Dramatiker ist so durch tragische Prüfungen hindurch­gegangen. Als Sohn eines kleinen Bauern in Wesselburen (Die Armut , sagt er von seinem Vater,batte die Stelle seiner Seele eingenommen") erlebt er eine Kindheit, die ftniter und öde", ohne jeden geistigen Ausblick ist. Der Volksschule kaum entwachsen, muß er den Vater als Hand­langer auf den Bau begleiten. Nur seine völlige Unbrauch­barkeit lost ihn von dieser Arbeit und macht ibn zum Schrei­ber beim Kirchsplelvogt. wo er mit dem Kutscher unter der Bodentreppe schläft,' aber in der kleinen Bücherei des Vogtes seine ersten literarischen Anregungen findet.

Es ist ergreifend, zu verfolgen, wie er mit seinen ersten Gedichten und Novellen in denNeuen Pariser Mode- blattern (!) unterkommt, wie er in Hamburg seine Vor­bereitung zur Universität durchsetzt mit allen Demütigungen der Freitische und Stipendien, wie er sich durchhungert durch die Studlenrabre Heidelbergs und Münchens, von Kaffee und Brot genährt, wie er auf furchtbaren Fußreisen, ohne Mantel im Regen und Schneegestöber nach Hamburg zurück- kehrt, wo er in Elise Sensing halb Lehrerin, halb Näherin eine rückhaltlose, opfertreue Freundin findet, die ihm mit den Sparpfennigen ihrer Nadel weiterhilft, die ihm zwei Kinder gebiert, aber ihn doch in tragischer Schuld in eineVerbindung ohne Liebe", ohne seelisch-geistige Eben­bürtigkeit verstrickt.

Und mit Staunen und Ehrfurcht erfährt man in seine» Briefen, Tagebüchern und Dichtungen, wie er durch alle per­sönlichen Schicksale immer reiner und höbe: zum überversön- Uchen Sinn und Bild alles Lebens, zur Welt der ewigen Ideen und Gestalten aufsteigt.Wenn ich auch mit den Wellen kämpfen und ringen muß, so reicht das Haupt doch über sie Binaus und mein Blick erfaßt die ewigen Sterne. Ich lebe schon im Weltall." (1837.)

Zwiespalt und Kampf, ein unaufhörliches Ringen und Muhen zwischen den Gegensätze», eine verzweifelte Sehn­sucht. beide zu umspannen: Das ist für Hebbel die Urtatsache des Lebens. Der Dualismus (Zweiheit, Zwiespältigkeit der Welt). geht durch alle unsere Anschauungen und Gedanken, burm leb es einzelne Moment unteres Seins hindurch, und er selbst ist unsere höchste, letzte Idee." So wird das Leben zum Kampf, die Welt zum Schlachtfeld.Cs ist keine Sünde, es ist die Bringung des Lebens, daß der Mensch seine Kräfte gebraucht: Kraft gegen Kraft: in Gott ist die Ausgleichung."

Friedrich Hebbel.

Am 18. März 1813 wurde zu Wesselburen in Dithmarschen der Dichter Friedrich Hebbel als Sohn eines atmen Maurers geboren. Friedrich Hebbel stammt aus dem Volk. Er ist, wie selten ein Dichter, mit seinem Schaffen in diesem Volk und mit seinem deutschen Mutterboden verwurzelt. (Scherl-Wagenborg-M.)

Aus versonlichem Leid. Trotz und Schicksal schrillt der schauer- liche, grausame Aufschrei im Brief an die schwangere Elise: Wer einer ist wie ich. der muß nach oben und »ach unten Steifen und wird freilich oft ein Menschenfresser. Gott hat das so eingerichtet."

llrsprünglch ist diesGefühl des vollkommenen Wider- Iprures tn allen Dingen" für Hebbel ausweglos,Et- imungsdtang ohne Hoffnung und datum Qual ohne Ende". Aher wie der reife Goethe in der Welt der Natur die Zwei­heit und Gegensätzlichkeit gerade als die Kraft erkennt, die oas ruhende Leben zur Spannung und Entwicklung treibt, als das. llrgesetz__von Polarität und Steigerung, so wird

Hebbel in der Welt der Geschichte die Zweiheit und

Gegensätzlichkeit als die geistige Spann- und Entwicklungs­kraft deutlich.

Mit Hegel siebt er die Weltgeschichte als den ungeheuren Kampfplatz des Weltgeistes, auf dem immer neue Staats­formen. Religionen und Weltanschauungen gegen die alten vordrangen, miteinander kämpfen und sich schließlich zu einer aeiteigerten Einheit aufheben, bis der Kamps auf der höheren Ebene von neuem Beginnt. In diesem Kampfe wecken die Helden des neuen Zeitalters immer wieder die Feindschaft des alten, das sie noch nicht begreift, sie fallen als Märtyrer, aber sie wissen daß ifir Tod nicht unnütz ist, daß sie der neuen, BoBeren Anschauung die Balm gebrochen haben. Das tragt Versöhnung und Genugtuung in den bisher sinnlosen Kampf der Welt und Geschichte. Das wandelt den zweifeln­den und verzweifelnden Grübler zum heroischen Vorkämpfer des Weltgeistes.

. So stellt Hebbel seine dramatischen Konflikte in die Brosen Wendepunkte der Geschichte, wo Judentum, Römer- tum Germanentum, Christentum aufeinander stoßen.

Da steht er auf den Schlachtfeldern des Geistes und beutet den Sinn und Plan im Aufprall und Untergang, ge­mäß seiner Forderung:ein dramatischer Dichter muß auch persönlich etwas von einem Feldherr« haben.

Und damit gewinnt er auch für sich jene Vorstellung, die er mehrfach in seinen Briefen kündet:Wenn der Mensch sein individuelles Verhältnis zum Universum in seiner Not­wendigkeit begreift, so hat er seine Bildung vollendet und eigentlich auch schon aufgeBört. Individuum zu sein. Denn der Begriff dieser Notwendigkeit, die FäBigkeit. sich bis zu ihm durchzuarbeiten und die Kraft, iBn festzuBalten, ist eben das Universelle im Individuellen, löscht allen unberechtigten Egoismus aus und befreit den Geist vom Tode, indem er diesen im wesentlichen antizipiert."

Und wie immer wieder das Schicksal sich dem CBarakter beugt so gibt es auch dieser Berben und hohen Vollendung Versöhnung und Friede. Die Verheißung erfüllt sich, die er sich selber tn dunkelsten Stunden gegeben:

Greife ins All nur hinein!

Wie du gekämpft und geduldet. Sind dir die Götter verschuldet. Nimm dir. denn alles ist dein!

In Christine EngeBausen. der großen.Tragödin des Burg.tBeaters, findet er eine Lebensgefährtin von einer schöpferischen, Größe und Würde, wie sie einem Künstler in der Ehe so selten geworden ist. Sie wirb ihm zum Urbild seiner großen tragischen Frauengestalten .rote Mariamne und Kriemhild und verkörpert sie zuletzt auf der Bühne. So kann er. über fein Leben Binschauend, gemütig-dankbar be­kennen:Der Himmel Bat mich für. die erste Hälfte meines Lebens aufs reichlichste durch die zweite entschädigt, vor allem