Wiesbadener Tagblatt „„„ _________
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Nr. 60.
Samstag/Sonntag, 12 /13. Mürz 1938.
86. Jahrgang.
Das Hakenkreuzbanner über Wien.
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Die Proklamation des Führers. — Einmarsch der deutschen Truppen. — Die nationalsozialistische Regierung Seitz-Jnquart. — Jubel diesseits und jenseits der Grenze. — Eine grotze Stunde deutscher Geschichte.
Das Ende eines Verrats.
(Von unserer Berliuer Schrift le itunz.)
as. Die Würfel in Österreich sind gefallen. Herr Schuschnigg und mit ihm sein ganzes undeutsches Sy st em sind verschwunden, der Verrat am deutschen Frieden ist gescheitert. Schuschnigg und seine Hintermänner sind l)tnweggefegt von der Empörung über die geplante Wahlkomödie, diesen großen Ve- trug und diesen Verrat am deutschen Frieden. So verlogen diese geplante und jetzt zum Scheitern gebrachte Wahlkomödie war, so verlogen war auch dieRund- funkansprache, mit der' Schuschnigg sich vom österreichischen Volke glaubte verabschieden zu können. Die amtliche deutsche Erklärung stellte diese Lügen richtig und zeigt klar, daß nicht deutsche Regierungsstellen, sondern verantwortungsbewußte deutschösterreichische Männer Schuschnigg und seinen Klüngel zur Ordnung gerufen haben. Die verlogene Wschiedsrede, diese Eeschichtsfälschung, reiht sich wwrdig der gesamten Politik Schuschniggs an, die, das haben die letzten Tage mit erschreckender Klarheit gezeigt, ein einziger Verrat am deutschen Frieden war. Wir wissen heute, daß Schuschnigg schon vier Tage nach den Berchtesgadener Gesprächen einem amerikanischen Journal! st en streng vertrauliche Mitteilungen darüber machte, daß er eine Abstimmung, die jetzt verhinderte Wahlkomödie, plane. Er hat, wie gestern schon betont wurde, seinen Ministern nichts von dieser Absicht mitgeteilt und ebensowenig der Reichsregie- runa, er hat also den Führer genau so zu hinter- gehen versucht, wie seine eigenen Mitarbeiter. Mer auch schon vorher hatte sich ja immer wieder gezeigt, daß, worüber die deutsche Presse aus gesamtdeutschem Jnteresie nicht viel gesprochen hat, Schuschnigg das Abkommen vom 11. Juni 1936 nicht gehalten hat. Im Gegenteil. Die Unterdrückungen der Nationalsozialisten wurden überall in Österreich fortgesetzt, ja noch verstärkt. Genau so wenig ist von Österreich das Presseabkommen mit dem Reich gehalten worden. Während sich die deutsche Presse einer Zurückhaltung sondergleichen befleißigte, waren immer wieder in den österreichischen Blättern die schwersten Verstöße festzustellen, ohne daß die Regierung Schuschnigg eingriff.
Herr Schuschnigg hat gestern die Dinge so darzustellen versucht, als ob es keine Erregung in Österreich gebe und als ob er Herr der Lage geblieben sei. Die zahlreichen Meldungen aus Österreich über blutige Zusammen st öße und Krawalle zeigen jedem Leser, daß auch diese Bchauptung eine freche Lüge war. ü st erreich drohte im Chaos unterzugehen, in einem Chaos, das Schuschnigg und seine Hintermänner verschuldet^ haben. Die neue Regierung, die in den Stunden der höchsten Erregung und in den Stunden, da die große Gefahr eines marxistischen Aufstandes drohte, die Zügel ergriffen, hat sich an das Reich gewandt mit der Bitte, in Österreich die Ruhe Herstellen und eine Ordnung mitbegründen zu helfen, die dem Wesen dieses Landes und seines Volkes gerecht wird. Der Führer ist entschlossen, von jetzt ab Ruhe und Ordnung im deutschen Österreich zu garantieren. Es ist nicht nötig zu betonen, daß eine Annektion Österreichs nicht in Frage kommt. Es ist auch nicht nötig zu betonen, daß alle Grundsätze des Völkerrechts von uns eingchalten werden. Das sind für uns Selbstverständlichkeiten. Es wird in Österreich keine Wahlkomödie nach den verlogenen Methoden Schuschniggs mehr geben. In einer freien und ehrlichen Entscheidung wird das deutsche Volk in Österreich über sein Schicksal und sein« Zukunft entscheiden. So wird es den Deutschen in Österreich endlich möglich sein, gemeinsam mit ihren Brüdern im Reich das gemeinsame deutsche Schicksal zielbewußt zu gestalten zum Wohle Europas und zum Besten des Friedens in der ganzen Welt.
In der Mittagsstunde des 12. März, der als historischer Tag in der Geschichte des neuen Deutschland fortleben wird, ist ganz Berlin ein Flaggenmeer. Immer stärker setzte der Ansturm zum Wilhelms- platz ein, immer mehr Volksgenossen kamen von allen Seiten herbei, um hier sozusagen ingeschichtlicherStunde die Proklamation des Führers zu hören, die Reichsminister Dr. Goebbels verlas, und die hier durch Lautsprecher übertragen wurde. Ungeheuer war der Jubel, als der Minister verkündete, daß der Führer sich entschlossen hat, den Millionen Deutschen in Österreich nunmehr die Hilfe des Reiches zur Verfügung zu stellen, und daß seit heute Morgen über alle Grenzen Deutsch-Österreichs die Soldaten der deutschen Wehrmacht marschieren. Aber nicht nur Berlin hallt von diesem Jubel wider. Überall im Reich wird die Kunde mit gleicher Begeisterung ausgenommen, und dieser
^ubel setzt sich fort über die Grenzen Deutsch-Österreichs, in dem nun heute zum ersten Male die Hakenkreuz sahne siegreich weht. Hier hat sich ein Wandel vollzogen, wie er starker gar nicht gedacht werden kann, wie er allerdings aber auch nur gewissen Auslandskreisen, die sich über die wahre Lage in Österreich täuschen ließen, überraschend kam. Von der Vaterländischen Front, die Herr Schuschnigg als wahre thront pries, ist nichts mehr zu spüren. Ihre Geschäftsstellen sind heute morgen nicht geöffnet worden.
Die Führer dieser Front haben sich ins Ausland i n Sicherheit gebracht. Von ihren Mitgliedern ist nicht die Spur zu bemerken, denn sie waren zum allergrößten Teil nur aus Existenzgründen diesem seltsamen Gebilde beigetreten. Die N S D A P. dagegen, gegen die der schärfste Vernichtungskampf geführt wurde, steht heute stärker denn je da. Hunderttausende, die sich zur NSDAP, bekannten, haben thre Existenz verloren, Tausende haben in den Gefängnissen gesessen, aber alle diese Zwangsmaßnahmen haben nicht den Sieg des Nationalsi^ialismus verhindern können. Wenn Herr Schuschnigg in Innsbruck sagte, daß er die Front nicht von der Etappe erschlagen lasten werde, so hat sich gezeigt, daß die Front kampflos verschwand, daß aber diejenigen, die der einstige Bundeskanzler als Etappe bezeichnete, gekämpft haben und nunmehr den Sieg davontrugen
Wieder erleben die Deutschen unter der Führung Adolf Hitlers Tage, in denen Geschichte gemacht wird.
Göring mit der Vertretung des Führers beauftragt.
Berlin, 12. März. (Funkmeldung.) Der Führer hat für die durch die Ereignisse notwendig gewordene Zeit seiner Abwesenheit von Berlin Eenc- ralfeldmarschall Göring mit seiner Vertretung beaustragt.
Der Führer in München.
München, 12. März. (Funkmeldung.) Keine Stadt im ganzen Reich konnte an dem historischen Geschehen Österreichs stärkeren Anteil nehmen als München. Jubel und Freude waren um so größer, als der Führer gerade an dem heutigen, für die Geschichte des deutschen Eesamtvolkes so bedeutsamen Tag in der Hauptstadt der Bewegung eintraf. Kurz nach 10 Uhr vormittags erfolgte seine Ankunft auf dem Flughafen München—Oberwiesenfcld. In dem Empfang, den die freudig überraschte Münchener Bevölkerung dem Führer bei seiner anschließenden Fahrt vom Flughafen in die Stadt bereitete, kamen der über st römende Jubel und das stürmische Elücksgesühl über die Lösung der österreichischen Frage zu begeistertem Ausdruck.
_ Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, f i n d e t d e r Stapellank des zweiten .KdF."- Schiffes am 12. März nicht statt. Der genaue Zeitpunkt des Stavel- laufes und die Benachrichtigung über den endgültigen Termin werden rechtzeitig mirgetcilt. Der Führer wird zum Stavellauf anwesend sein.
Der Führer an alle Deutschen!
Wortlaut der Proklamation.
Deutsche!
Mit tiefem Schmerz haben wir seit Jahren das Schicksal unserer Volksgenossen in Österreich erlebt.
Eine ewige geschichtliche Verbundenheit, die erst durch das Jahr 1866 gelöst wurde, im Weltkriege aber eine neue Besiegelung erfuhr, fügt L st erreich seit jeher ein in bie deutsche Volks- und Schickialsgemeinschaft. Das Leid, das diesem Lande erst von außen und dann im Eimern zugefügt wurde, empfanden wir als unser eigenes, so rote wir umgekehrt wissen, daß für Millionen Deutschöster- retcher das Unglück des Reiches die Ursache der gleichen Bekümmernis und Teilnahme war!
Als in Deutschland die Ration dank dem Siege der nationalsozialistischen Idee wieder den Weg zu dem stolzen Selbst- bewußtsein eines großen Volkes fand, begann in Österreich eine neue Leidenszeit bitterster Prüfungen. Ein Regime, dem jeder legale Auftrag fehlte, versuchte seine von der überwältigenden Mehrheit des öster- reichtschen Volkes abgelehnte Existenz durch brutalste Mittel des Terrors, der körperlichen und wirtschaftlichen Züchtigung und Vernichtung aufrecht zu erhalten. So konnten wir es als großes Volk erleben, daß mehr als sechs Millionen Menschen unserer eigenen Herkunft von einer ziffernmäßig kleinen Minorität unterdrückt worden, dre es einfach verstanden hatte, sich in den Besitz der hierzu notwendigen Machtmittel zu bringen.
,Der politischen Entrechtung und Knebelung entsprach ein wirtschaftlicher Verfall, der in furchtbarem Gegensatz stand zur Blüte des neuen Lebens in Deutschland.
Wer konnte es diesen unglücklichen Volksgenossen verdenken, daß sie ihre Blicke sehnsüchtig nach dem Reich richteten? Nach jenem Deutschland, mit dem ihre Vorfahren durch so viele Jahrhunderte verbunden waren, mit dem sie einst im schwersten Kriege aller Zeiten Schulter an Schulter fochten, dessen Kultur ihre Kultur war, zu der sie selbst auf so vielen Gebieten höchste eigene Werte beigesteuert hatten? Diese Gesinnung unterdrücken, hieß nichts anderes als Hunderttausende von Menschen zu tiefstem Seelenleid verdammen.
Allein, wenn vor Jahren dieses Leid noch geduldig ertragen wurde, dann war mit dem steigenden Ansehen des Reiches der Wille, die Unterdrückung zu beseitigen, immer heftiger geworden.
Deutsche!
Ich habe in den letzten Jahren versucht, die früheren Machthaber in Österreich vor diesem ihrem Wege zu warnen. Rur ein Wahnwitziger konnte glauben, durch Unterdrückung und Terror den Menschen die Liede zu ihrem angestammten Volkstum auf die Dauer rauben zu können. Die europäische Geschichte beweist es, daß in solchen Fällen nur ein um so größerer Fanatismus gezüchtet wird. Dieser Fanatismus zwingt dann die Unterdrücker, zu immer schärferen Methoden der Vergewaltigung zu greifen, und diese wieder stemmt den Abscheu und den Hab der davon Betroffenen.
^6 habe weiter versucht, die dafür verantwortliche» Machthaber zu überzeugen, daß es auf die Dauer aber auch für eine große Ration unmöglich, weil unwürdig ist, fortgesetzt zusehen zu müssen, wie Menschen gleicher Volkszugehörigkeit nur wegen ihrer Abstammung oder ihrem Bekenntnis zu diesem Volkstum oder wegen ihrer Verbundenheit mit einer Idee unterdrückt, verfolgt und eingekerkert werden. Uber 40 000 Flüchtlinge hat allein Deutschland bei sich aufnehmen müsien, 10 000
Mit flatternden Fahnen über die Grenze.
Deutsche Regimenter marschieren.
München, 12. März. (Funkmeldung.) Die Hauptstadt der Bewegung ist durchpulst von freudiger Erregung. Die Straßen lagen nachts wie immer menschenleer, doch lange Autokolonnen deuteten auf bevorsteheude große Ereignisse hm. Frostklarer Sternenhimmel über dem Königlichen Platz, m die Stille llingender gleichmäßiger Schritt der Wachen an den Särgen der 16 Gefallenen vom 9. November 1923.
. , $te Worte, die über ihrem Sterben stehen, »und Ihr habt doch gesiegt, sind dem nächtlichen Besucher in dieser Stunde besonders nahe. Gesiegt hat wie damals so auch heute deutsche Mannestum über Verrat und über politische Schwäche. Österreich ist erwacht!
2m Wagen eilen wir über Starnberg, Mitteu- w a l d bei Schar »itz an die Grenze. Bis nach Mitten- gewaltige Gebirgslandschaft in tiefster Ruhe. Ader mit dem ersten Sonnenstrahl wird es in den Ortschaften lebendig, und die ersten Flaggen erscheinen an den Masten und an den Häusern. In Mittenwald selbst stoßt man auf die ersten Truppen, Eebirgs- . endlos erscheinender Kolonne zieht Kompanie aus Kompanie bart rechts an der Straße m i t G e s ch ü tz e n eLtffZ Ausrüstung der Grenze zu. Stolz weht an der Spitze der Marschko^nne die Fahne des Regiments.
KurznachtzllhrüberschreitetbeiScharoitz die Spitze, geführt von einem Leutnant, die Grenze. Am Schlagbaum stehen die Grenzer, und die Beamte« der österreichischen Gendarmerie erheben den Arm zum Gruß. Die Bevölkerung eilt den er st en Soldaten mit Hakenkreuzfähnchen in der Hand jubelnd entgegen. Der Kommandeur des eingetroffenen Regiments nimmt mit seinem Stab vor dem Gemeindehaus von Schar- n i tz Aufstellung. Vor dem Schulhans weht die Fahue Adolf Hitlers.
Die Truppen der deutschen Wehrmacht marschieren unter tosender Begeisterung in Seefeld ein. Dicke Bündel von Hakenkreuzfähnchen tauchen auf, werden im Handumdrehen ausgeteilt, die Jugend springt auf die Wagen und weiß nicht, wo sie mit ihrer Freude hin soll. Aber nicht minder die Erwachsene». Im Ru sind Fahrzeuge und Soldaten umringt. Auch Volksgenossen aus dem Reich werden mit in de» Strudel hiueiugezoge«. Die Bevölkerung, -je Gendarmerie, die Eemeindebeamteu, alles läuft auf dem Marktplatz zusammen, wo inzwischen das Mufikkorps des Regiments Ausstellung genommen hat und mit flotten W-isen den Tag einweiht. Wie in Scharnitz, so melden sich auch in Seefeld sofort die Gemeindebehörden bei der eiyziehendea Truppe, der sie sich zur Verfügung stellen. Ja Seefeld er- stattet auch die erste Abteilung des Bundesheeres Meld»»»
