rrenstas, 8. März 1938.
Wiesbadener Tagblatt
Zweites Blatt. Rr. 56.
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Heisende Einbrecher.
Am frühen Morgen des Samstag wurde das Schaufenster des Pelzgeschäfts Wilhelm Zeumer in Karlsruhe eingeschlagen und von der Auslage ein Bund gefärbte Persianer (20 Stück), ein weiteres Bund gefärbte Persianer (28 Stück), zwei unfertige Silbersuchsfelle und ein Stuck Seal Elektrik für Paletot gestohlen. Die unbekannten Tater fuhren mit einem Personenkraftwagen vor das Geschäft, liegen den Motor laufen, schlugen die Schaufensterscheibe ein, trugen dann schnell die Pelzwaren in das Auto und fuhren davon. Einige Stunden iväter wurde in Frankenthal (Pfalz) ein Einbruchsdiebstahl in das Photohaus Earl Fischer versucht. In den letzten Monaten wurden in Deutschland, kürzlich auch in Frankfurt a. M. Mannheim und Ludwigshafen, zahlreiche solcher Schamenstereinbruche begangen, die den Raub von Pelzwaren, zu einem kleineren Teil auch Photoavvaraten, zum Ziel hatten, sodaß es nicht ausgeschlossen ist, daß die beiden neuen Fälle auf das Konto der gleichen Einbrecherbande geht.
Das „Gespenfl von Skierniewice“.
Warschau, 8. März. (Funkmeldung.) Aus der Suche nach dem „Gespenst von Skierniewice", wie der Mörder der Familie des Generals Skozicki und seiner beiden Angestellten genannt wird, hat die Polizei im Laufe der letzten Nächte in Lodz mehrere Razzien durchgefübrt. Mehrere Verwandte des Verbrechers wurden verhaftet, da sie im Verdacht stehen, von den Mordvlänen Kenntnis gehabt zu haben. Bei einer Freundin des Mörders fand man einige aus der Wohnung des Generals gestohlene Kleidungsstücke.
Ilber die Gründe, die zu dem furchtbaren Verbrechen führten, besteht noch keine Klarheit. Es wird darauf binge- wieien, daß der Verbrecher zwar die gesamte Wohnung durchsucht hat. aber nur einige Kleidungsstücke mitnabm, während er das Bargeld und verschiedene Schmuckstücke unberührt lieh.
Kreuzer „Äöltt“ vorübergehend im norwegischen Hasen Ehristiansund. Der deutsche Kreuzer „Köln" wird Christian- sund kurz anlaufen, um einige leichtere Seeschäden auszubessern, die in einem orkanartigen Sturm während seiner jetzigen Fischereischutzsahrt eintraten.
Beim Skilaufen verunglückt. Der 16jährige Bäcker Albert B r e i n d l aus München verunglückte am Abereck im Hoch- riesgebiet tödlich. Bei der Abfahrt vom Abereck geriet er zu weit nach rechts an den senkrechten Absturz des Berges, der durch eine überhängende Mächte verdeckt ist. Die Wachte gab plötzlich nach, und der Skiläufer stürzte mit den Schnee- und Eismassen in die Tiefe. Er fiel auf einen Felsen auf und starb nach einigen Stunden, ohne das Bewußtiein wieder erlangt zu haben. — Fast an der gleichen Stelle verunglückte ein weiterer Münchener Skifahrer durch Sturz über die Wand. Glücklicherweise fiel er auf das Schneefeld auf. Mit einem schweren Schädelbruch wurde er durch den Eebirgsunsalldlenlt des deutschen Roten Kreuzes ins Tal gebracht.
Der .Zapfeustreich" bat Geburtstag. Hundert Jahre sind es jetzt geworden, seitdem der große (Eineueier der deutschen Heeresmusik. Generalmusikdirektor W. Fr. Wieure ch t, im Jahre 1838 bei den preußischen Eardetruvven zum erstenmal sein Tonwerk „Großer Zapfenstreich" ertönen ließ. Diesem Mann, der im Symvbonieorchester Meisterhastes vollbrachte bis er sich den Militärkapellen widmete, haben wir in erster Linie den raschen künstlerischen Ausstieg und die Vollkommenheit der Ausdrucksmittel unserer Militärmusik zu verdanken, denn Wieprecht ruhte nicht eher, bis er die Grundlagen zu einem Klangkörper geschaffen hatte, auf dem
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erfolgreich aufgebaut werden konnte. Diese „Premiere" des Großen Zapfenstreiches erregte seinerzeit in Berlin großes Aufsehen, waren es doch nicht weniger als 10 8 6 Militär« musiker und 15 0 Svielleute, die zum ersten Male diese machtvollen Weiheklänge in die Nacht hinein- schmetterten.
Der Märchenzug von Zakopane. Unter Führung von Staatssekretär Kleinmann leistete vor kurzem eine Abordnung deutscher Eisenbahn-Fachleute einer Einladung der Polnischen Staatsbahnen Folge, um Neuerungen im polnischen Verkehrswesen zu studieren. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der auf der Pariser Weltausstellung preisgekrönte Touristen-Wohnzug. ein Hotel auf Rädern, das die polnischen Wintersportvlätze bereist, beficktigt. Dieses „Hotel auf Rädern", das von Krakau aus regelmäßig alle Winter- sportplätze der Ost- und Westkarvathen sowie der polnischen Tatra besucht, setzt sich aus mehreren Wohnwagen, einem Speisewagen, einem Badewagen, einem eigenen Wagen mit Tanzfläche. Kino und Bar, sowie einem Sonderwagen für die Pflege und Aufbewahrung der Schneeschuhe und sonstigen Wintersportgeräte zusammen. Hier lebt man in voller Pension wie in einem Luxushotel, und während dieser Zug. der aus der Pariser Weltausstellung mit dem „Grand Prix" ausgezeichnet wurde, durch die schneebedeckte Karvathen- landschaft fährt: drehen sich die Paare in fröhlichem Tanz zu den Klängen einer Kapelle. Irgendwo auf freier Strecke hält dieser Märchenzug. man steigt aus und schnallt die Skier an, um, von einem Führer und Skilehrer geleitet, aufzusteigen in die weiße Gebirgsvracht. llnd um die Mittagszeit tönt die Sirene der Lokomotive, ankündigend. daß das Essen fertig ist. So fährt man Tag für Tag ins Blaue, oder besser gesagt, ins Weiße, und während man des Abends an der Bar auf Rädern seinen Erholungstrunk schlürft, werden die Skier im Eerätewagen neu gewachst und „gebügelt" für den nächsten Tag. Die Verpflegung kostet mit der Fahrt 7 Zloty am Tag. und es gibt kaum eine idealere Winterreise, als mit diesem Luxuszug, der der Fortschrittlichkeit der Staatsbahnen des europäischen Kontinents das beste Zeugnis ausstellt.
Fliegerbomben gegen Hagel. Wie der französische Meteorologe Charles Brächet in der Zeitschrift „La Science mitteilt, wurde int vergangenen Jahre sunt ersten Male int Departement Rhone mit Hilfe von Fliegerbomben systematisch der Hagel bekämpft, wobei das Gebiet während 25 schwerer Gewitter von jeglichem Hagelschlag freiblieb.
Magische Augen mit Ultrakurrwelle. Eine neue Erfindung wurde soeben in England abgeschlossen, die zum ersten Mal auf dem schon vielfach angestrebten Weg des „Magischen Auges" wirklichen Erfolg verspricht. Der Erfinder. John B a i r d . bedient fick zu diesem Zweck der Ultrakurzwellen. mit denen er die Fernsicht eines 50 bis 80 Ktlo- meter entfernten Objektes durchführen kann ohne daß dieses einen Sender besitzt. Diese Ultrakurzwellen vermögen den dichtesten Nebel zu durchdringen und zeichnen jede Einzelheit so auf eine Platte, als ob Nebel überhaupt nickt existierte. Die auf diese Tafel projizierten Bilder, aus denen man genau die Entfernung eines Gegenstandes ersehen kann, haben, wenn fick die • jetzigen Veriuckserfolge in der Prarrs bestätigen. für die Schiffahrt und für den Flugverkehr etne sensationelle Bedeutung.
Schweres Flugzeugunglück in Indien. Bei Allahabad ist am Montagmorgen ein Flugzeug der Air France abgesturzt. Die drei französischen Fluggäste, zwei Männer und etne Frau, sowie die vier Mann starke Besatzung kamen ums Leben.
Schweres Eisenbahnunglück in Sowjetspanien.
19 Tote. 168 Verletzte.
Paris, 8. März (Funkmeldung.) Nach einer Havas- meldung aus Barcelona ereignete stck in der Nacht vom Samstag zum Sonntag — wie erst jetzt bekannt wird — auf der Strecke zwischen Lerida und Tarragona ein schweres Eisenbahnunglück. Etn Schnellzug ktteß mit einem Eüterzug zusammen, wobei 19 Personen ge- tötet und 168 mehr oder weniger schwer verletzt wurden.
Ein Rekord der Technik. Eine Tuchfabrik tn England hat einen interessanten Rekord ausgestellt, der wohl nicht so leicht zu schlagen sein könnte. Sie hat das Eyiertment gemacht, auszurechnen, wie lange die moderne Technik zur Herstellung eines fertigen Anzugs braucht. Man lieg zwolr Schafe fckeeren, die Wolle spinnen, das gesponnene Garn zu Tuch verweben und das Tuch zu einem Herrenanzug verarbeiten. Der gesamte Vorgang dauerte zwei Stunden und zehn Minuten.
Der Gauner und das Denkmal. Wegen eines kleinen Deliktes stand kürzlich ein Mann namens Nikolaus Frangovol vor dem Bukarester Strafgertcki. Bet oer Durchsicht seiner Vorstrafen ergab fick, daß «rrangoool es war.
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der vor Jahren einen der frechsten und ortgtnellsten Gaunerstreiche verübt batte, die wobl jemals tn der europäischen Kriminalgeickickte vorgekommen stnd. Er verkaufte das berühmte Ovid-Denkmal. das auf dem Hauvtvlatz der ruma- nitoen Hafenstadt Constanza steht an tue autolauBtaen Bewohner eines Dobrudfcka-Dorfes. die tbm dafür bare 30 000 Lei bezahlten. Auf dem ganzen Balkan lachte man damals über diese Eulenspiegelei Tranen, die dem etnfalls- reichen Betrüger später eine längere Gefängnisstrafe etntrua. den Dobrudickabauern aber den Ruf von rumänischen „SÄtld- bürgern" verschaffte.
300 Moscheen zu verkaufen. Istanbul, die alte Sultanstadt am Bosporus, verändert fein Eestcht. Im Vollzüge der neuen Stadtplanung ist nunmehr jeder erwachsene Bewohner des einstigen Konstantinopel aufgefordert worden, einen Baum anzupflanzen und ihn folange zu hüten und zu pflegen, bis er sich zu voller Gröhe entwickelt hat. Dann wird die Steuerverwaltung den gesamten Baumbestand, der Istanbul zu einer wahren Gartenstadt machen wird, gegen eine kleine Entschädigung übernehmen und weiterhin pflegen. Wer kein eigenes Stück Land, bzw. einen Garten besitzt, erhält von der Stadt den Platz für „seinen Baum zugewiesen. Zugleich erfährt man, daß von den 800 Moscheen Istanbuls 300 zur Zeit verkäuflich find. Es handelt stck hier freilich nicht um die Prachtbauten, denn ine sollen auch im neuen Istanbul erhalten bleiben, sondern um größtenteils alte und baufällige hölzerne Gotteshäuser, die beute längst nicht mehr religiösen Zwecken dienen, sondern als Zufluchtsstätten von Obdachlosen verwendet werden. Da gegenwärtig auf je 100 Einwohner eine Moschee fallt, wird der Verlust nicht zu bedauern sein, fraglich ist nur, ob. stck ein Käufer für diese halbverfallenen und armseligen einstigen Gotteshäuser findet.
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Vollblütigkeit.
Es gibt eine echte Vollblütigkeit, bei der tatsächlich die Gesamtblutmenge über das normale Maß hinaus vermehrt ist, und eine falsche Vollblütigkeit oder örtliche Blutsülle, bei der die vermehrte Blutfülle auf einen bestimmten Bezirk begrenzt ist.
Bei der echten Vollblütigkeit sind die Schleimhäute und die Haut stark gerötet. Besonders im Lesicht wird diese Rötung auffällig. Der Blutandrang zum Kopse erzeugt Schwindelgefühl. Kopfschmerzen und die als recht unangenehm empsundenen Wallungen. Da sich die Blutüberfüllung auf alle Organe erstreckt, sind auch alle Organe krank. Die Ueberlastung des Herzens und der Gesäße führt zu Schlaganfällen; Nieren- und Stoffwechselkrankheiten, Kurzatmigkeit und Brustbeklemmungen sind Zeichen dafür, daß die Organe unter der Ueberfülle von Blut ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden können. Bei der örtlichen Blut- fülle treten die gleichen Erscheinungen auf, aber eben nur auf einen Bezirk bezogen. Das Wesentliche an dieser Erkrankung besteht darin, daß die an sich ganz normale Blutbilduna im Uebermatz gesteigert ist, und zwar ohne, daß alle Organe, welche Blut bilden, sich zu vergrößern scheinen. Dabei werden nicht nur die gewöhnlichen roten Blutkörperchen vermehrt gebildet, sondern auch die Dlutzellen, welche die Gerinnung befördern, und die weißen Blutkörperchen. Vielleicht ist die Regulation der Blutbildung irgendwie gestört; manche glauben, daß die Funktion der Milz aussällt.
Ursachen für die Vollblütigkeit find Uebermaß an Men und Trinken und zu geringe Bewegung bei meist schlechter Verdauung. Freilich können auch Erkrankungen des Herzens oder raum- beengende Geschwülste der Grund fein.
Bei der B e h a n d l u n g muß vor allem auf richtige Diät geachtet werden. Ausgezeichnet wirken Rohkost und vor allem Einschränkung der Flüssigkeitsmenge. Ein Hauptaugenmerk muß auf ausreichenden und geregelten Stuhlgang gerichtet werden. Wech- selsußbäder und Wadenwickel leiten das Blut vom Kopfe weg. Als fehr wohltuend wird auch ein Aderlaß empfunden oder das Setzen von Schröpfköpfen. Die ganze Lebensweise muß so eingestellt sein, daß jede Ueberanstrengung vermieden wird. Mäßige Bewegung, wie mäßiges Bergsteigen und Spaziergänge, ist dagegen sehr erwünscht. Schädlich wirkt etn plötzlicher Wechsel der Höhenlage, wie er z. B. bei Benutzung von Bergbahnen unvermeidlich ist. da die schon an fick zu sehr belasteten Gesäße nicht genügend Deh- nungsvermögen befitzen, sich rasch umzustellen.
Sind Herzerkrankungen oder Geschwülste die Ursache für örtliche Vollblütigkeit, mutz das Grundleiden behandelt werden.
Code rechtzeitig zum Arzt
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