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Seite 2. Nr. 51,

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 2. März 1938.

Der Ehrentag der Luftwaffe.

Ans der Ohnmacht zur Wiedergeburt.

GeneralfeldmarlchaU Hermann Göring schildert den harten Weg zur Befreiung des deutschen Lustraumes.

Überreichung des Marschaltstabes durch den Führer.

Berlin, 1. März^ Der 1. März wurde alslag der Luftwaffe" in Erinnerung an den Jahrestag der Freiheit der deutschen Luftwaffe in allen Standorten durch Flaggenparade und Appelle feierlich begangen. Das ganze deutsche Volk nahm teil an diesem stolzen Erinneruugstog. 2m Mittelpunkt der Veranstaltungen stand mittags eine Feier tat Reichsluftsahrtministerium, bei der der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Eeneraljeldmarschall Göring, dem der Führer vor Beginn der Feier in der Reichskanzlei den M a r f ch a l l st a b überreicht hatte, sprach. Er führte u. a. aus:

Meine Kameraden! Ms der Vertrag von Ver­sailles dem deutschen Volke als ein Lchmachfrieden aufge- zwungcn wurde, da zerbrach die deutsche Mehrmacht, be- zwunocn durch den Feind nicht auf dem Schlachtfeld, sondern durch eine Reihe von Umständen, die im inneren wie un Äußeren lagen. Es zerbrach vor allem aber durch den Frieden von Versailles jene Masse, die zum ersten Male im Weltkrieg einen kühnen Aufstieg genommen Hatte, zum Schrecken der Feinde wurde und nnenttbchruch als -teil der Streitkraft eines Volkes zerbrach die deutsche Luftwaffe. L .. , , _ .

Ruhmreich wie kaum eine andere Wasse hat sw in wenigen Jahren Unsagbares gekeistet und Heldenhaftes voll­bracht. Leuchtende Namen stiegen gleich Meteoren in ihr aus.

Die Trümmer von 1918.

. Nun lag die Waffe als solche zertrümmert. Blinder Haß zerschlug die eigenen Maschinen. Nur cm kläglicher Rest blieb übrig in der sogenannten zivilen Luft­fahrt, auch diese am Anfang gedrosselt, auch diese am Anfang kaum zum Leben fähig. 2m Innern unserer Heimat aber herrschte ein Feind, der auch keine Luftwasse gckrauchen konnte. Feiger Pazifismus oder ohnmächtiger Parlamentarismus zerstörte alles, was an Wehrkraft und Wehrgeist noch im deutschen Volke lebte. Nicht nur, dog eine Abrüstung durchgcführt wurde, einmalig in ihrem ge­waltigsten Ausmaß in materieller Richtung, nicht nur, daß Hurfterttausendc, Millionen von Gewehren zerstört wurden, Zehntausende von schwersten Geschützen, Zehntau,ende von Flugzeugen usw.; das war nicht das Entscheidende. Em Heer kann zerbrechen und kann neugeschaffen werden.

Des Furchtbare war, daß nun e i n e Abr ü st u n g einfctzte, seelischer und geistiger Art. Dos deutsche Volk wurde in seinem Charakter, in seinem Wehrwillen, in seiner Geisteshaltung abgerüstet, nun­mehr nicht mehr durch den Feind, sondern durch eigene Feigheit und innere Zerrissenheit.

Trotz allem aber konnte der Geist nicht völlig vernichtet

werden, der das deutsche Volk in allen seinen Schichten be­seelte, als es viereinhalb Jahre lang in einer einzigen Mauer von Rauch und Stahl und Tod und Verinchtung die Grenzen des Vaterlandes gegen eine ganze Welt in Waffen be­schützt hatte. Dieser Geist lebte in den Besten der Nation weiter. Vom ersten Tage ab arbeitete er jenem Ungeist entgegen, der Deutschlands Vernichtung hieß. Man konnte nicht das Andenken in der Luftfahrt toten oder vergessen, das Andenken an die strahlenden Heldengestalten eines Bölcke und Richthofcn, eines Immelmann und vieler anderer junger bester deutscher Männer. Es leb i weiter, dieses Andenken, und allmichlich begann es sich wieder zu verkörpern, begann es wieder Menschen zu beseelen, und allmählich wieder stieg der neue Geist empor, der Deutschlands Rettung werden sollte.

Der letzte Hort: Die Lufthansa.

In der Luft aber blick, Deutschland gefesselt. Mit Mühe und Not, durch ein Ausnutzen aber auch der letzten Moguch- keitcu entstand in Deutschland ein ei n z i g er H o r t, _ m dem noch die Luftfahrt leben konnte: die Dentsche tuft- Hansa, der deutsche Luftverkehr. Dort sammelten sich tat­kräftige Männer, wenn auch unter -ziviler Betätigung, wcmg- tens jenen Geist zu hüten und zu betätigen, und jene Sehn- ucht wieder aufkommen zu lassen, die durch mele ^ahrtau- ende den Menschen beseelt hat: sich von der Erdenschwere zu erheben in die freie Luft.

In kümmerlichen Berhältnissen, aber doch unüberwind­bar konnte dieser Geist in der kleinen Gruppe der deut­schen Luftfahrt erhalten werden. Aus ihr heraus ent­wickelte sich dann, langsam immer stärker werdend, der deutsche Luftverkehr. Bald überflügelte er an Sicherheit und Tatkraft, an Maschinenleistnng und an Bodcnorganisation den Luftverkehr der ganzen Erde. Überall tauchten nun die deutschen Berkehrs- slugzeuge auf, im Süden ebenso wie im Norden, in Wen, Afrika und in Europa. Wied er war beste deutsche Wertarbeit zum Siege gekommen.

Und in dieser allmählich sich ausbreitenden, Lufthansa konn­ten jetzt auch wieder jene jungen Deutschen sich betätigen, vic nun einmal Gottlob nicht oblassen konnten von dem Ge­danken, sich in die Luft zu erheben.

Das war ungefähr der Stand bei der Machtübernahme. Militärisch aber war es nicht nur die Klausel von Ver­sailles, die das Entstehen einer deutschen Luftwaffe verhin­derte, sondern es war ja auch jener feige Pa.)Nrsmus des Parlaments, das der fungen deutschen Reichswehr keine Mittel und Möglichkeiten gab, sich fliegerisch zu betätigen. Lediglich int Offizierskorps lebte der Geist der Flieger weiter, der sich praktisch jedoch nicht auswirken konnte. Denn zu argwöhnisch blickte der Feind, aber auch zu feige war die eigene poli­tische Leitung.

Die Schwierigkeiten des getarnten Aufbaus.

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Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie, vor de« Oberbefehlshaber der Lustwaffe, GeneralfeUmiarschall Eörmg^^

Als nun durch den glorreichen Sieg des Nationalsozia­lismus endlich in Deutschland eine neue Zeit anbrach, als unser Hakenkreuzbanner auf allen Zinnen wehte, da wurde die Möglichkeit gegeben zum Aufbau einer deutschen Wehr­macht. Denn im Programm dieser nationalsozialistischen Be­wegung stand unverrückbar fest, daß wieder ein, starkes Volks Heer, alle Teile der Nation umfassend, zur Sicherheit des Reiches e r st e h e n m ü ß t e. Das war ein wesentlicher und wichtiger Programmpunkt, der einen Mann beseelte, der selbst allezeit der erste und beste und tapferste Soldat Deutschlands geblieben ist.

Bei den Schwesterwaffen, Heer und Marine, war der Ausbau verhältnismäßig leichter. Sie beide waren wenn auch nur in kleinen Kadres Vorhände,i und eine Vergröße­rung Ausbreitung konnte hier zunächst fast unbemerkt vor sich gehen. Schwieriger war es aber bei der Luftwaffe. Heer und Marine konnten unmöglich allein die Grenzen schützen, wenn nicht auch der vertikale Luftraum gesichert war. So mußte neben einem neuen Heer, einer neuen Kriegsmarine auch eine neue Luftwaffe ent­stehen. Zunächst getarnt. Noch war Deutschland zu schwach, noch sahen eifrige Augen von außen auf alles, was int Innern geschah. Und doch erinnere ich mich, wie wenige Tage nach der Machtergreifung der Füh rer, dermich da­mals berufen hatte, in Preußen Ordnung zu schaffen, mir erklärte, weit wichtiger sei es, dem deutschen Voile

eine neue Luftwaffe zu schaffen. Mid als er diese schönste und herrlichste Aufgabe in meine Hande legte, konnte und durfte kein dcutscher Soldat und Flieger stolze, sein als ich. Es galt nun zuerst, wieder die Menschen zu sammeln, die Geister aufzurichten, und es galt, das, was von Gutem vorhanden war an Motoren, Zellen und Instrumen­ten weiter zu entwickeln. Es galt zunächst eine Luftflotte aufzubauen - eine Risiko flotte unter deren Schutz bann die gesamte Aufrüstung durchgefuhrt werden konnte.

Schwer war dieser getarnte Aufbau. Viel verlangte er von den Mitarbeitern. Nach außen mußten s red a s Ehrenkleid des Offiziers ab legen aber im Innern blieben sie umso mehr und starker Soldat

Wie Deutschland immer bereit war, in A b r u st uns s Verhandlungen einzutreten und darauf emzugchen, Jo war Deutschland auch damals bereu, auch «ui dte v elen anderen Abrüstungsoorschlage einzugehem stber immer unter der einen Bedingung, daß ent gewisses Mindestmaß gewähr­leistet wurde. Wie es bei den anderen Verhandlungen über die Abrüstung war, so zerschlugen sich auch diefe Ver­handlungen. _____ ,, ,, .. .

Die Rrftkoflotte stand.

Dieses Deutschland war nun gezwungen und verpflichtet, wie es auch die anderen taten, sich eine Luftwaffe zu schaffen, die allein die Sicherheit bot, deutsches Volk und deutfches

Der Führer und Eeneralfeldmarschall Göring nach der feierlichen Überreichung des Feldmarschallftabes. (Presse-Hoffmann-Wagenborg-M.)

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Land gegen feindliche Angriffe zu sichern; und wir waren daher gezwungen, sofort an einen großen Ausbau der Luftwaffe heranz ii gehen.

Ein weitschauender Erlaß des Führers Zur Schaffung der deutschen Luftwaffe lag vor, und endlich kam her Tag, da wir auf die Anfrage:Gibt cs eine deutsche Luftwaffe er­klären konnten:Jawohl! Die deutsche Luftwaffe steht!"

Ein Ruhmesblatt des neuen Deutschlands.

In den Märztagen 1935 brausten zum ersten Mate deutsche Geschwader über Berlin hin­weg und gaben der Welt Kunde: auch die deutsche Luft­waffe ist wieder auferstanden. Denn eine Tarnung war bei dem großen Aufbau nicht mehr langer möglich. Die Risikoflotte stand, und nun ging es mit frisier Arbeit an das große Werk Am 15. Marz 1935 i er« folgte die Freimachung der gesamten Wehrmacht ict« Tag, an dem Deutschland nun wieder den harten Auf- stie'g zur Großmacht begann.

Ich glaube, wenn später die Geschichte dieses neuen Deutschlands geschrieben wird dann werden die, die nach uns kommen, immer wieder das Haupt schütteln und sich frage . Wie konnte das 9-schaffen werden? Ww war eine solche ungeheuere Ausweitung auch in materiellen Dingen Überhaupt möglich? Das stolzeste Ruhmesblatt der deutschen Luftfahrt wird stets bleioen: die Aufrüstung der "uftwafse des Dritten, des national,oztalistifchen Reiches. So wie für mick> jener 1. März 1935^ dessen wir Z-ute gedenken, ein stolzer Tag war. als ich zum Oberbefehlshaber dreier Luft­waffe berufen wurde. _

Und nun, meine Kameraden von einst! jetzt konnte ich mein Wort einlösen, das ich den Kameraden des Richt- Hofen-Geichwaders an jenem furchtbaren Tage in Aschaffenburg gegeben hatte, als wir gezwungen auseinandergehen mutzten. Jenes Wort:Was >ch kann, werde ich tun, das Gefchwader mutz und wird neu erstehen." Jetzt stand es neu! Und so habe ich mein Wort eingelöst.

Es ist für mich eine Dankespflicht, die aus tiefem Herzen kommt, wenn ich auch in dieser Stunde jenes Mannes gedenke, dem wir einst in diesem Saal das letzte Geleit ge­geben haben, unseres ersten Eeneralstabschefs^ jenes wunder­vollen Menschen und Soldaten, General Wevers. Aber dieser mein Dank gilt auch allen, die t n ö i es en Jahren mitgearbeitet haben, um die deutsche Luft­waffe wieder zu dem zu machen, was sie heute ist. Unmensch­liche Leistungen das bekenne ich stolz sind vollbracht worden und waren nut möglich aus der Haltung der Truppe heraus Möge das deutsche Volk stets stolz auf seine Luft­waffe sein, und möge dieses deutsche Volk seine besten Sohne dieser Luftwaffe anvertrauen, weil in ihr höchster Ruhm winkt. Ein kühner Geist ist die Grundhaltung. Einsatz und Opferbereitschaft über alles hinweg bis zum Letzten ist Selbstverständlichkeit. Und immer wieder predige ich es euch: eine Kameradschaft muß euch zusammenbinden und Zu­sammenhalten, weil sie in schwersten Zeiten vielleicht dar letzte Band ist, um Schweres zu überwinden.

Furchtbar, wenn der Einsatz befohlen wirb.*

Möge die Kameradschaft in unserer Waffe immer vorbild­lich sein So, in dieser Haltung, wird die Waffe einen Garanten des deutschen Friedens bilden. Aber, ick, gestehe cs offen' Furchtbar, wenn der Einsatz befohlen wird Dann wollen wir dem Volk cs schwören, dann wollen

Hauptschriftleiter: Zritz Günther.

Stellvertreter der Hauptschriftleitrrs: Karl Heinz Aunz.

verantwortlich für den politischen Teil: Rar! Sein; 2Cnn;; für Aunst und Unter» Haltung: Dr. Seinrich Reichert; für Sradmachrichten und wirtschafrsteil: Willi pent pcl - für Umgebung, provinznachrichten und den Sportteil: Heinz Len Hardt; Y für den Bilderdienst: die bett. Lefiortleiter;

fflr den Anzeigenteil: Otto Laiser; sämtlich in Wiesbaden.

Preisliste Nr. 5. Durchschnitts-Auflage Jan. 1938 : 21946, Sonntags allein: 27187. Druck und Verlag des Wiesbadener Oagblatts:

L. Schellenberg'sch e Hofbuchdruckerei, Wiesbaden, Langgasse 21, .Cagblatt^au»*. Gesamtleitung:

Dr. phil. habil. Gustav Schellenberg und verlagsleitcr Heinrich Pabst.

Die heutige Ausgabe umsatzt 14 Seite» und dasUnterhaltungsblatt".