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Unterhaltungsbeilage- “ 8üt0;
86. Jahrgang.
Dienstag, 1. Marz 1938.
Nr. 50.
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Einsichtige Beschlüsse der Balkan-Entente: Anerkennung des Imperiums und Aufnahme der Beziehungen zu Franco freigestellt. — Mißbehagen in Paris.
Rumänien sichert sich gegen den Genfer Sanktionsparagraphen.
as. Berlin, 1. März (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die italienische Presse weist in Betrachtungen, die sich mit der Lage im europäischen Südosten befassen, auf einen ihrer Ansicht nach recht bedeutungsvollen Artikel der neuen rumänischen Verfassung hin. Es ist das der Artikel 91, der die rumänische Zustimmung zum Durchmarsch eines fremden Heeres von einem rumänischen Sondergesetz abhängig macht. Damit, so sagt das „Eiornile d'Jtakiä", habe Rumänien eine einseitige Revision des Statuts der Genfer Liga vorgenommen, da die Anwendung des Artikels 16 des Genfer Statuts, der das Durchmarschrecht festlegt, das große Risiko des Durchmarsches von Sowjettruppen für Rumänien bedeute. Mit Recht erblickt man in dieser. Haltung Rumäniens einen neuen Erfolg der Revisionsbetreibung gegen das Genfer Statut. Es ergibt sich aber an* daraus, daß die Freude der sranzösischen Presse über den Rücktritt der Regierung G o g a verfrüht war,, denn es zeigt sich nunmehr erneut, daß Rumänien eine selbständige Politik zu betreiben gedenkt und sich vor allem gegen jede Bindung an Sowjetrußland zur Wehr setzt und nicht als Brücke zwischen Moskau und Prag sich benutzen lassen will
Die italienische Presse hat in der Tat umsomehr Veranlassung mit der Regierung zufrieden zu sein, als die realistische Einstellung, die in dem oben erwähnten Paragraphen der rumänischen Verfassung zum Ausdruck kommt, auch in den jetzt abgeschlossenen Verhandlungen des Valkap- b und es sich durchgesetzt hat. Wenn man in diesen Verhandlungen, an denen außer Rumänien die Türkei, Griechenland und Jugoslawien beteiligt waren, beschloß das italienische Imperium anzuerkennen und „Agenten" zu General Franco zu entsenden, d. h. die Verbindung mit der nationalspanischen Regierung aufzunehmen, so kenn- teichnet auch das die Tatsache, daß der Balkanbund gewillt ist, eine Politik des Realismus zu betreiben. Kein Wunder also, daß man in Paris über diese Beschlüße gar nicht sonderlich erbaut ist. Der „Temps" gibt mehr oder weniger offen zu, daß die italienische Mittelmeer
politik einen Erfolg errungen hat, während andere Blätter eine sauersüße Miene machen und nochmals den alten Ladenhüter der kollektiven Sicherheit anzupreisen versuchen. 3n Italien hat man Anlaß, diese Beschlüsse mit Genugtuung auszunehmen, da man in ihnen mit Recht einen neuen Beitrag zur Befriedung im Mittelmeer erblickt und einen Schlußstrich unter jene Epoche, in der jene Staaten an den Sanktionen teilnahmen. Wenn sich jetzt auch hier ein Wandel vollzog, so ist das wohl nicht zuletzt auf die veränderte Einstellung Englands zurückzusühren. Den Franzosen aber, die noch immer an ihren alten außenpolitischen Methoden sesthalten, sollte diese Entwicklung im europäischen Südosten zu denken geben.
Die Beschlüsse von Ankara.
Ankara, 28. Febr. Uber die Tagung des Ständigen Rates der Balkan-Entente wurde am Montag eine amtliche Verlautbarung ausqegeben.
Einen breiten Raum nahm in den Besprechungen die Mitt c lm e c rfra gc ein. Dabei wird betont, daß die Länder der Balkan-Entente übereinstimmend der Meinung sind, eine Politik der guten Beziehungen und der Zusammenarbeit mit jeder der Hauptmächte des Mittelmeergebietes, also sowohl mit England, als auch mit Franrr ei ch und Italien, zu verfolgen.
In der Frage der Anerkennung des italienischen Imperiums wurde zur Kenntnis genommen, daß Jugoslawien bereits einen neuen Gesandten beim König von Italien und Kaiser von Äthiopien akkredicrt hat und daß Rumä iri e n das gleiche beschlossen „at. Der Rat der Balkan- Entente ist daher zu der Ansicht gekommen, daß auch Griechenland und die Türkei ihre Haltung in der äthiopischen Frage ihren freundschaftlichen Beziehungen zu Italien anpalsen müßten.
Ferner hat der Rat beschlosfen, seine Politik der N i ch t- einmischung in die spanischen Angelegenheiten aufrechtzuerhalten. Er hat cs weiter den Mitgliedern der Balkan-Entente freigestellt, Beziehungen zur Regierung des Generals Franco aufzunehmen und Agenten nach Nationalspanien zu entsenden, um auf diese Weise ihre wirtschaftlichen Interessen wahrzunehmen.
Sabotage bei der englischen Luftwaffe.
Zwei Flugzeuge neuesten Typs böswillig beschädigt. — Moskauer Arbeit?
London, 1. März. (Funkmeldung.) Zwei der neuesten britischen Flugzeuge, die kurz vor den ersten Probeslügen standen, waren aus dem Flugplatz oon Manchester beschädigt worden. , .
In einer amtlichen Erklärung wird gesagt, äag man an zwei Flugzeugen, die auf dem Ringway-Flugplatz in der Nähe oon Manchester Probeflüge ausführen sollten, Beschädigungen entdeckt habe. Es liege Grund zu der Annahme vor, daß die Flugzeuge in böswilliger Absicht beschädigt worden seien. Der Fall werde von der Poli- zeiqeprüft.
.Mews Chronicle" will Einzelheiten zu den «avomge- akten an den beiden Flugzeugen erfahren hccken. Danach sollen in die Benzintanks Löcher gebohrt worden
sein. Beim Start der Flugzeuge babe man jedoch rechtzeitig die Löcher entdeckt.
Neue Unruhen in Palästina.
Befestigung der englischen Polizeistationen.
Jerusalem, 1. März. (Funkmeldung.) Nach einer Ruhepause. die durch außerordentlich starke Regeniälle veranlaßt wurde, haben sich jetzt wieder zahlreiche Zwischenfälle im ganzen Land ereignet. Bei Safet wurde ein Araber aufgefunden, der von unbekannten Tätern erschossen worden war. Im Gebiet von Emek wurde ein Jude durch mehrere Pistolenschüsse tödlich verletzt. Die Bahnlinie bei Gaza wurde durch Bombenwürfe beschädigt. Schließlich stnd zahlreiche Omnibusse außerhalb der Städte unter Feuer genommen worden. Aus Sicherheitsgründen bat sich die Polizei veranlaßt gesehen, im Bezirk von Nablus ihre Stationen durch Militär besetzen zu lasten. Wie dazu ergänzend mitgeteilt wird, soll mit einer Befestigung der P o l i z e i st a t i o n e n an der Nordgrenze oon Palästina begonnen worden sein.
Italien in Vorfreude
auf den Führer-Besuch.
Bekräftigung der Achsenpolitik.
Der Besuch des Führers und Reichskanzlers in Italien wird in der ersten Hälfte des Monats Mai jtattfinden. Der Führer und Reichskanzler wird während seines etwa achttägigen Aufenthalts in Italien Rom, Florenz und Neapel besuchen. In Rom wird er im Quirinal Wohnung nehmen. Das reichhaltige F e st p r o g r a m ni steht u. a. eine Flottenschau, eine Parade der Wehrmacht, Vorführungen der Land- und Luststreitkröfte sowie drei große Veranstaltungen der Nationalen Faschistischen Partei zu Ehren des Führers vor.
Mailand, 1. März. (Funkmeldung). Die erste Ankündigung der Einzelheiten über Den Besuch Adolf Hitlers in Italien wird von der italienischen Presse in größter Aufmachung wiedergegeben. Wiederum schmücken große Photos des Führers die Titelseiten der Blätter, die an die amtliche Verlautbarung im herzlichsten Tone gehaltene Beqrüßungsartikel anschließcn.
Der „Popolo 6’3mlia“ schreibt,die Ankündigung des bevorstehenden Besuches Hitlers in Italien erfolge in einem für das internationale Leben besonders interessanten Augenblick, in dem verschiedene bedeutende Strömungen in Europa in offenem Gegensatz zu den zerstörenden Kräften eine Politik der Zusammenarbeit durchsetzen wollen Diese Politik des Verstehens und der Zusammenarb-^ habe sich m der Achse Berlin —Rom als Element, des neuen Lebens und des Wiederaufstieges in Europa gefestigt. Die Reise Adolf Hitlers nach Italien bekräftige den Fortbestand der Achse und der Z u j a m m e .1 a r b e i t. . .
„Eorricre della Sera" weist darauf hin, daß der Befum des Führers und Reichskanzlers in Italien eine besonders bezeichnende Kundgebung für die feste deutsch-italiemiche Freundschaft sein werde. Von der ersten Ankündigung an babe die Nachricht von der Jtalienreise Hitlers im italienischen Volke die begeisterste Freude ausgelöst. In.der Geschichte unseres noch unsicheren und verwirrten europäischen Lebens werden die italienischen Tage Adolf Hitlers ohne Zweifel ein Ereignis von größter Bedeutung und von größten internationalen Rückwirkungen darstellen.
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Wenn jetzt der Termin und in großen Umrissen das Programm für die Italienreise des Führers hekanntaegeiben wird, so löst diese Mitteilung in Deutschland und in Italien gleich große Genugtuung und Freude aus. Für gewisse' ausländische Kreise, die immer wieder auf einen deutsch-italienischen Gegensatz spekulieren, bedeutet diese Ankündigung freilich eine Enttäuschung und fuhrt in diesen Kreisen erneut die Festigkeit der Achse Berlin- Rom nachdrücklich vor Augen. In Italien sind bereits seit längerer Zeit große Vorbereitungen für den feierlichen Empfang des Führers im Gange, um den Millionen der m Rom zusammenströmenden Italiener die Möglichkeit zu geben, den Führer der befreundeten Nation würdig begruben zu können. Eine besondere Kommission, die von Außenminister Graf Ciano geleitet wird, ist schon seit Januar mit den Vorarbeiten beschäftigt. Zu ihren Arbeiten gehört u. a. der Plan einer neuen Triumphstraße, durch Die der Führer die italienische Hauptstadt betreten wird. -M Zusammenhang mit diesem Projekt ist auch ein neuer Bahnhof errichtet worden. Die neue Begegnung Hitlers und Mussolinis wird sowohl im deutschen und italienischen Volk als auch im gesamten Ausland als eine weitere Festigung der Achse gewertet werden.
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zwischen einem Einlenken des Senates und einer Parlamentsanslösung und der Ausschreibung von Neuwahlen.
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Der Finanzausschuß der französischen Kammer hat nach Vortrag des FinanMinisters einstimmig die Schaffung einer unabhängigen Landesverteidigungskasse gebilligt. Der Ausschuß wird am Mittwoch Kriegsminister Daladier anhoren, um anschließend die Möglichkeit einer neuen Land-isverterd'.- gungsankeihe zu prüfen
Der ehemalige Ministerpräsident Leon B I n m beschäftigt sich im „Populaire" mit dieser Frage und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Senat seine ablehnende Einstellung gegenüber gewisien Punkten der Gesetzesvorlage ausgeben werde. Man müsse sich fragen, was eintreten wurde, wenn der Widerstand des Senates znm Sturz oder zum Rücktritt der Regierung (ähren ------— —
punkt aus betrachtet,--„----,-----
Mitglied der Mehrheit 6es Senates mit der Neubildung des Kabinetts beantragen. Er, Leon Blum, fei der Ansicht, daß ~~ ; ___Aussicht auf Erfolg bz». auf
Dauerhaftigkeit habe. Wenn man berücksichtige, daß ein Solches Kabinett bei der Mehrheit der Kammer kein Bar- iranenewhnn erhalten würde, so gebe es nur noch die Dahl
solches Ende prophezeit. Insbesondere sind es die unglaublichen Anschuldigungen, die da® Entsetzen des Publikums her-
Dazu kommen die aus Anlaß des Gedenktages der Roten Armee sichtbar gewordenen neuen Lücken im obersten Kom- mandostad, die die allgemeine Beunruhigung in der Armee noch vergrößern. Die neue „Säuberungs welle" unter der Seneralüät hat. von einigen Ausnahmen abgesehen, nunmehr fast alle führenden Militärs aus der Zeit Tuchatschewski-Garmarnik erfaßt, so daß sich zur Zeit im Verhältnis zum Vorjahr folgendes Bild ergibt: Von fünf Marschällen sind zwei und von fünf Armee- kommandanten ersten Ranges sind vier beseitigt.. Auch der einzige Armeekommisiar ersten Ranges ist beseitigt. Beide Großadmirale sind verschwunden. Bon gehn Armeekomman-
Schaudern und Entsetzen.
Moskau, 1. März. (Funkmeldung.) Der neue, am 2. März beginnende Schauprozeß gegen die 21 Sowjetfunktionäre hat auch unter der Moskauer Bevölkerung einen furchtbaren Eindruck hervorgerufen. In den Morgenstunden und am Abend des Montags bildeten sich vor den Verkaufsstellen der Zeitungen riesige Menschenfchlangen, die sichtlich mit Schaudern die Nachrichr von dem neuen Strafgericht gegen die früheren Parteigewaltigen entgegennahmen. Obwohl Bucharin, Rykow und Jagoda, dre früher jahrelang an der Spitze der Sowjetunion sianden, bereits seit geraumer Zeit Durch die unab- läSige Agitation der Presse als „Volksfeinde" und ..Spione" gebrandmarkt roorden waren, hätte ihnen doch niemand ein
Fortdauer der Krissnstiminung in Paris.
Paris, 1. März. (Funkmeldung.) Der Konflikt, der zwischen der Kammer und dem Senat in der Frage des Ar- beitsftatuts ausgebrochen ist, bauert an, nachdem die Kammer die vom Senat abgeänderten Artikel, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt hat. Eine Einigung zwischen den beiden Parlamenten ist nur möglich, wenn der Senat sich zu Zugeständnissen bereiterklärt. Sollte dies nicht der Fall fein, so wäre eine Krise unausbleiblich und. wie dies Ministerpräsident Lhautemps selbst erklärt hat, der Rücktritt der Regierung unvermeidlich.
3o MM U leimt del Hiostet Wei!
Vollkommene Verwirrung in der Roten Armee.
