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Wiest) ailcntr Tagt) latt

Erscheinungszelt:

86. Jahrgang

Samstag /Sonntag, 19./20. Februar 1938

Nr. 42.

Wöchentlich mit einer täglichen

ameiaenortiie- Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im «nzMenteil Grund- pr«s67 Rpf. der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 5, Nacklastliaffel B. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Platzen wird leine Gewähr übernommen. Schlich der Anzeigen-Ann-hme 2'/- Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erlcheinungstage aufgegcbcn werden.

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Unterhaltimgsbcüage.

Ganz Deutschland hört den ßiihrer!

Am Vorabend der Reichstagssitzung. Auch Österreich hört mit.

Die Kroll-Oper in festlichem Gewände.

ns. Berlin, 19. Febr. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Mit größter Spannung wartet die ganze Welt auf die große Rede des Führers. Einige besonders nervöse Blätter des Auslandes ergehen sich zwar immer noch in wilden Kombinationen über die Bedeutung und den Umfang der Neuordnung des deutsch-österreichischen Verhält­nisses. An den amtlichen Stellen aller hält man sich überall stark zurück und wartet zunächst einmal die Erklärungen ab, die der Führer morgen mittag im Reichstag abgeben wird und die auch eine Folge der. Berchtesgadener Verein­barungen auch vom österreichischen R und f u n k ebenso übernommen werden, wie anderseits der de u t s ch e R u n d f u n k d i e R e d e verbreiten wird, die der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg am 24. d. M. halten wird. Ob es, dann nach der Rede des Führers in Paris zu dem Botschaftertressen. kommen wird, das in einigen französischen Blättern angekündigt wird der Londoner und der Berliner Botschafter sollen ebenso wie der Gesandte in Wien mit Delbos beraten, bleibt abzu- »warten. Denjenigen Gemütern, die es immer noch nicht glauben wollen, daß die Stresafront nicht mehr besteht und die immer noch einige Hoffnungen auf Roin setzen, verrat das Giornale d'Jtalia" mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, daß man in Rom nun allmählich die Geduld ob der Ver- st an d n i s I> o s i g k e i t derDemokratien" über die deutsch-österreichische Politik verliert. All der Unsinn, vom

Aufmarsch italienischer Truppen an der österreichischen Grenze, von Hilferufen Schuschniggs an die römische Adresse, werden von dem italienischen Blatt sehr nachdrücklich dementiert.Was will man eigentlich", so fragt das Giornale d'Jtalia" und fügt hinzu:Würde es nicht ver­brecherisch fein, Österreich mit seinen sieben Millionen Ein­wohnern gegen das Reich mit seinen 66 Millionen auf,zu­ll, regel n?" Diese ganze Polemik gewisser Auslandsblätter, fährt das italienische Blatt fort, enthüllt nur den geisti- gen Ab st and, der das Italien Mussolinis von den Demokratien trenne. Das ist eine sehr deut­liche Antwort auf gewisse Kombinationen. 2m übrigen aber wird sich die Welt noch 24 Stunden gedulden müssen. Sie wird dann den Führer selbst vernehmen.

Für die Reichstagssttzunq ist ein besonders würdiger Rahmen geschaffen worden. Die Kroll-Oper ist namlrch nach Entwürfen des Reichsbühnenbildners Benno von Arendt ausgeschmückt worden. Das Vordach über dem Eingang zieren fünf stilisierte Adler zwischen denen goldene Girlanden hängen. Darüber schwingt sich ein Fahnenhalb­kreis, der die Konturen des Vordaches noch steigert. Parallel zum Bürgersteig läuft eine zweite Fahnenreihe, durch die das frische Tänncngrün glänzt, mit dem die Hausfront verkleidet ist. Auch im Innern hat Professor von Arendt mit wenigen Mitteln starke künstlerische Wirkungen erzielt. Gut riesiges Hoheitszeichen in Mattgold beherrscht die ganze Buhne Der Adler breitet seine Schwingen vor einem Tuch aus goldener Seide, das durch seine Raffung wie eine große Sonne wirkt. Rechts und links wird die Bühne von zwei großen terrakotte­farbenen Standarten eingefaßt.

Tatarescu zeiht Moskau der Lüge.

Eine Erklärung des rumänijchen Außenministers zum Fall Budcnko. I

Bukarest, 19. Febr. (Funkmeldung.) Der rumänische stell­vertretende Ministerpräsident und Außenminister Tatarescu gewährte dem Bukarester Vertreter der halbamtlichen Breme" eine Unterredung, in der er zu der sensationellen Entwicklung des Falles Budenko, an dem Rumänien ja in erster Linie interessiert ist, Stellung nahm. Der Minister er­klärte, daß ihn das von der TASS, verbreitete Kommunique des sowjetrussischen Außen­kommissariats verwundert habe. Er glaube, daß diese sowjctrusstschc Verlautbarung nicht ehrlich sei. Tatarescu gab der Vermutung Ausdruck, daß Moskau den Fall in einem Lichte zeigen wolle, das nicht der Wahr­heit entspreche.

2m gleichen Interview sagte Tatarescu, der am Sonntag einen Beiuch in Belgrad macht, daß er zufrieden sei, wieder mit seinem Freunde Dr. Stojadinowit sch zusammen zu tresfeu, mit dem er die ehrliche und weitgehende Zusammenarbeit fortsetzen wolle. Bei der Rückkehr von der Tagung des Balkanbundes in Ankara werde er in Bul­garien halt machen, wobei er sich bemühen wolle, eine Lösung aller noch offenen Fragen zwischen Rumänien und Bulgarien zu erreichen. Dagegen stehe eine Reise nach Paris noch nicht fest. Zu der Frage der deutsch­österreichischen Beziehungen lehnte Tatarescu eine Er­klärung ab.

Schließlich kündigte Tatarescu an, daß die Frage einer noch engeren jugoslawisch-rumänischen Zusammenarbeit noch erörtert werde. ___________________

Messaggero" veröffentlicht Faksimile des Diplomatenausweises Budenkos.

Budenko wiederholt seine Erklärungen. Ansprachen im Rundfunk.

Rom, 19. Febr. (Letzte Funkmeldung.) 2m Zusammenhang mit der von Moskau in Zweifel gesetzten Identität Budenkos ist derMessaggero" in der Lage, als erstes Dokument das Faksimile der Identitätskarte zu veröffentlichen, die das rumänische Außenministerium dem sowjctrusstfchcn Diplomaten am 14. Januar dieses Jahres ausgestellt hatte. Das Blatt schreibt dazu, gegenüber solchen Dokumenten wird die Moskauer Regierung die Identität anerkennen und sich mit dem Mißerfolg der GPU. absinden müssen.

Außerdem hat Budenko am Freitagabend in rumänischer und französischer Sprache am römischen Rundfunk für das Ausland gesprochen und wird am Samstag, 20.28 Uhr, für die italienischen Rundsunkhörer über seine Er­lebnisse erzählen.

Am Freitag hat Budcnko seine bereits vor der ans- ländischcn Presse abgegebenen Erklärungen wiederholt und hinzugesügt, er sei überzeugt, daß der Klang seiner Stimme den grotesken Schwindel endgültig zum Verstummen bringe, seine Identität in Zweifel setzen zu wollen.

Deutscher Schicksalsroeg.

Kz. T)Cr Weg des deutschen Volkes, aus seinen Anfängen her zu uns, war oft von tragischen Schicksalen über­schattet. Viel Blut floß im Vruderstreit. Aber kaum ein Kapitel der deutschen Geschichte erschüttert uns tiefer als d t e Losspaltung Österreichs vom Reich. Unter der Herrschaft Karls des Großen begann die Eroberung des heutigen österreichischen Raumes. Er wurde Bestandteil des Reiches, dessen Schwergewicht sich im ausgehenden Mittelalter nach den österreichischen Gebieten hin verschob. Die Habs­burger erwarben die Krone, und da sich die Kaiser in dieser Zeit nach dem Erstarken der Territorialsürstentümer, ohne eine einflußreiche Hausmacht nicht durchsetzen konnten, widmeten die Habsburger ihr Hauptinteresse dem Ausbau ihrer Erb- lande Aus der anfänglichen Zweckbestimmung wurde Selbst­zweck Diese Entwicklung prägte sich im Ausmaß der Ver­selbständigung der Landesfürsten immer charakteristischer aus. Die Reformation und der Dreißigjährige Krieg m ihrem Ge­folge zerschlugen die ohnehin brüchig gewordene Einheit des Reiches. Der Gegensatz Nord-Süd, von der religiösen Seite her unterbaut, klaffte wie eine ewig schwärende Wunde. Öster­reich dehnte sich in der Folgezeit nach Südosten, ans. Es nahm fremdstämmige Elemente, Slaven der verschiedensten Schattierungen, in sich auf und war bei dem Umfang der Er­werbungen nicht in der Lage, die neuen Bürger einzudeutschen. Österreich wurde Nationalitätenstaat. Dynastie und politischer Katholizismus waren die Klammern, die die auseinanderstrebende Vielfalt zusammenhielten. Es war kein Reich mehr vorhanden, in dem das österreichische Deutschtum Rückhalt finden konnte, aus dem es seine Krastreserven für die Kulturausgaben im Slldosten hätte ergänzen können. Das staat­liche Eigendasein Österreichs hob sich klar vor dem Hinter­grund der deutschen Kleinstaaterei ab. Mit dem Aufkommen der Großmacht Preußen im Norden begannen die Kämpfe um die Vormachtstellung im deutschen Raum, wozu Österreich wegen seiner fortschreitenden Überfremdung nicht mehr berufen war. Die Kämpfe fanden in den drei schlesischen Kriegen Friedrichs des Großen ihren ersten blutigen Ausdruck. Deutsche Menschen starben hüben und drüben im Bruderstreit, während die übrigen Großstaaten Europas die Welt unter sich aufzuteilen begannen. Vor seinem Tode gelang es dem großen Preußenkönig die deutschen Staaten in einem lockeren Bunde zusammenzufassen. Österreich gehörte ihm nickt an. Deutsches Schicksal, das sich 1866 in einem zweiten Waffen­gang erneuerte. 1870 blieb Österreich außerhalb der Reichs­grenzen. Es waren nicht wenige Deutsch-Österreicher, die das mit Bitternis erlebten, zumal sich das Deutschtum in einem ständig härter werdenden Abwehrkampf gegen die Slaven befand, die von den Habsburgern in der Hoffnung, so ihre Dynastie aufs Beste zu sichern, in jeder Weise gefördert wurden.

Der Weltkrieg und sein Ausgang bewiesen die Fehlspekulation der Habsburger. Der Zerfall ihres Reiches war nicht mehr aufzuhalten. Die in seinen Grenzen wohnenden Nationalitäten schlossen sich ihren benachbarten Mutterländern an. Die Tschechen gründeten einen eigenen Staat. Für Deutsch- Österreich aber, dem man entgegen dem vielgepriesenen Selbst­bestimmungsrecht der Völker 1918 den Anschluß an das Reich verbot, begann ein Leidensweg ohnegleichen. Ein Rumpf, feiner Glieder beraubt. Wien, einst Zentrum eines aus­gedehnten Wirtschaftsraumes, wurde mit seinen 2 Millionen

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Der Führer eröffnete die Internationale Automobil-Ausstellung in Berlin.

Der Führer beim Abjchreiten der Front der Ehrcnkomvagme Krastrad,»utze Links von ihm Generaloberst von Brauchitsch. (Scherl-Wagenborg-M.)

Der Bührer und Ecneralseldmarschall Göring bei der Besichtigung eines Modell«, (ÄherlMagenhorg-M.)