Wiesbadener Tagblatt
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Erscheinungszeit:
Nr. 40.
Donnerstag, 17. Februar 1938
86. Jahrgang.
Dio MliteiRW MA des Mkarelter öUetvertreters
Neues Verbrechen der GPU. in Paris
6 Ausgaben
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ÄUC 6,e Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen ~ Schlug der Anzeigen-Annahin- g-/- Uhr vorinsttags. Grogere Anzeigen müsten spätestens einen Tag vor den, Erschemungstage aufgegeben werden.
Keine Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion.
Eine Erklärung des niederländischen Augenministers.
Amsterdam, 16. Febr. In einer Denkschrift an die Erste Kammer der Generalstaaten stellt Augenminister P a t i j n fest, daß die niederländische Regierung nicht beabsichtige, diplomatische Beziehungen zu der Regierung $er Sowjetunion aufzunehmen. Für diese Haltung sei die Tatsache maßgebend, dag zwischen der Regierung der Sowjetunion und der umstürzlerischen Dritten,Internationale enge Bande beständen. Ferner sei auch die Tatsache maßgebend, dag die Sowjetunion die alten niederländischen Forderungen an Rügland einseitig für nichtig erklärt habe.
Umständen die wahren Ursachen seines, unter normalen Umständen niemals erwartbaren Todes feststellen müsse.
Im Zusammenhang mit dem Tode Les Sohnes Trotzkis hat in Paris die Meldung besondere Beachtung gefunden, dag der frühere Privatsekretär Trotzkis, der Jude Erwin Wolf, von Agenten der GPU. aus Sowjetspanien nach Moskau entführt und dort ermordet worden ist.
„ . Wolf war der Sohn eines jüdischen Großkausmanns aus Rklchenberg in Böhmen. Er hatte während des Aufenthaltes Trotzkis,n Norwegen lange Zeit als dessen Sekretär gearbeitet. Spater fuhr er als Berichterstatter der „News Chronicle nach Sowjetspanien, wo er im Herbst vorigen Jahres auf geheimnisvolle Weise verschwand. Nachforschun- gen des tschechoslowakischen Konsulats hatten damals nur das Ergebnis, daß Wolf im Gefängnis Lovento de Santa Ur^ala von der GPU. festgehalten wurde. Bon hier aus ist er nach übereinstimmenden Meldungen nach Moskau gebracht und erschossen worden
land erschüttert offenbar selbst bei Leuten, die man in Moskau für zuverlässig hält, den Glauben an das Sowjet- reglme Daraus ergibt sich auch die hermetische Abschließung Sowietruglands vom gesamten Ausland und vom gesamten ausländischen Gedankengut. Das sollte man endlich auch in Europa erkennen und der Fall Budenko sollte Anlaß werden, daß auch jene Länder, die heute noch immer glauben, mit den Sowjets Zusammenarbeiten zu können und zu müssen, sich endlich einmal Gedanken über dieses Regime machen. Es ist an der Zeit, daß diese Länder und daß Europa erwacht und das Sowjetregime so sieht wie es wirklich ist und wie es der Fall Budenko wieder gekennzeichnet hat.
Aus gut unterrichteter Quelle verlautet hierzu, daß die rumänischen amtlichen Stellen in den letzten Tagen mit der Prüfung eines Briefes beschäftigt waren, den Budenko vor etwa 8 Tagen aus Budapest an den damaligen Außenminister
g r a d z u r ü ck h a 11 e und nicht abreisen lasse. Heute seien sie sicherlich verhaftet. Er habe den bestimmten Eindruck gehabt, daß fein Leben in Gefahr sei. Am 4. Februar, dem Tage vor der Abreise des sowjetrussischen Gesandten O st r o w s k i aus Bukarest sei aus Wien ein verdächtiges Subjekt in Bukarest eingetroffen, das in der Sowjetgesandt- jchaft Wohnung nahm und sich im 3. Stock völlig abschloß. Niemand habe ihm sagen können, warum dieses Subjekt nach Bukarest gekommen sei. Am 5. Februar habe dieses Subjekt, offenbar ein sowjetrussischer Agent, zusammen mit zwei weiteren Agenten der GPU., die ohnehin bereits in der Gesandtschaft wohnten, ihn gerufen und dreimal von ihm dringend verlangt, daß er in Begleitung der Agenten Bukarest verlasse und sich nach Sinaja begebe. Dieses Ansinnen habe er abgelehnt mit der Begründung, daß er sich nicht wohlfühle. Die Agenten bestanden jedoch dringend auf der Befolgung ihrer Forderung. Daraufhin habe er das Gespräch auf seinen Chauffeur gebracht. Man habe ihm jedoch gesagt, daß dieser nicht nötig fei, da der Mann, der aus Wien gekommen sei ein sehr guter Kraftfahrer sei. „Aus all dem entnahm ich, daß man mir eine Falle stellen wollte, um mich zu ermorden oder zu verschleppen. Daraufhin I>abe ich am 6. Februar die Sowjetgesandtschaft verlassen; aber erst am 10. Februar bin ich von Bukarest abgereift, wo ich mich vier Tage lang verborgen hielt, bis ich dann schließlich die Grenze überschreiten konnte/'
Eine amtliche rumänische Erklärung.
Bukarest, 16. Febr. Die Nachricht von Budenkos Eintreffen in Rom hat in Bukarester politischen Kreisen g r ö ß - tes Aufsehen erregt. Am Mittwochabend ist eine amtliche Erklärung folgenden Wortlauts erschienen:
„Auf Grund der von den Gerichtsinstanzen der Haupt- ftadi geführten Untersuchungen wurde ohne jeden Zweifel festgestellt, daß der Geschäftsträger der UdSSR, in Bukarest, Herr Theodor Budenko, auf dem Gebiete Rumäniens k ei ne mA n sch lag zum O p nf e r fiel. Herr Budenko befindet sich nicht mehr im Lande und hat, wie aus seiner an das Außenministerium gerichteten Erklärung hervorgeht, Rumänien freiwillig verlassen."'
Interview im „Giornale d'Italia".
Rom, 16. Febr. Der frühere sowjetrussische Geschäftsträger in Bukarest, Budenko, der vor einiger Zeit überraschend aus der rumänischen Hauptstadt ver- • schwanden war, und von dem allgemein angenommen wurde, daß er mit den üblichen Methoden der GPU. nach Sowjetrußland verschleppt und ermordet worden sei, ist in Wirklichkeit aus Rumänien geflohen, um den Zugriffen Moskaus zu entgehen. Budenko hatZuflucht in Rom gefunden.
V^enko schildert in einem Interview im „Giornale d^talia", wie er den GPU.-Häschern, die sich bereits in der Bukarester Sowjetgesandtschaft eingenistet hatten, entflohen ist. Darin teilt er mit, daß er von Anfang an in Bukarest das E e f n hl hatte, aufs schärfste von'den Agenten de rGPll. überwacht zu werden. Auch habe er bald erfahren, daß man in Moskau über seine Bergangenheit Nachsorichungen angestellt und entdeckt hatte, daß er im Alter von 14 wahren an einer nationalistischen Erhebung teilgenommen hatte, als die Wrangel-Armee ihren Vormarsch in Sudrußland unternahm. Vergeblich habe er in Bukarest auf leine Frau und sein ßjähriges Töchterchen gewartet. Schließlich habe er erfahren, daß man sie in Lenin-
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MiilMWWM LiWhetze.
Europa erwache!
-Eigen Tagen berichtete der Draht, daß die Bukarest eine außerordentlich scharfe Note wegen des Verschwindens ihres Geschäftsträgers Budenko überreicht hatten. Man erfuhr dann weiterhin, daß sowjetrussische an der rumänischen Grenze zusammengezogen wor- nfnrtJ616.#’ Unt den Moskauer Drohnoten größeren Nachdruck zu verleihen. Jetzt nun ist Budenko in Rom aufgetaucht und aus den ausführlichen Schilderungen, »®>®rnale d Italia“ gab, ist ohne weiteres zu entnehmen, daß er nur mit größter Mühe den Ä?8 -Cn entging Diese Spitzel Moskaus hatten ihn bereits zu einer Autofahrt eingeladen, wofür aber nicht der Wagen Budenkos, sondern ein fremder Wagen benutzt werden sollte. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Autofahrt nicht, wie die GPU.-Spitzel vorgaben, in dem Kurort Sinaja, ihren Abschluß gefunden hätte, sondern vielmehr rn dem Hafen Constanza, wo gerade zu jener Zeit ein Sowjetdampfer eingelaufen war, nachdem Monate hindurch kein Schiff aus Sowjetrußland diesen Hafen angelaufen batte. Man wollte also ganz offensichtlich nach berühmter Frankreich bei der Entführung des Generals Miller durchaus bewährte Methode arbeiten und den Mann, dessen man habhaft werden wollte, zunächst in einem Auto ver- |a)leppen, um ihn dann auf einem Sowjetdampfer wegschaffen zu lassen. Daß dieser Anschlag mißlang, ist lediglich der Aufmerk|amkeit Budenkos zuzuschreiben. Es zeigt sich somit aber klar, wie unverschämt der Protest Moskaus in Bukarest war, da ja niemand anders als die Sowjets selbst, Budenko verschwinden lassen wollten. Auch die Tatsache, daß man in Sowjetrußland bereits die <yrau und das Kind Budenkos verhaftete, zeigt einwandfrei daß Moskau sich Geiseln schaffen wollte. Alle diese Dinge werden durch die VeEsentlichungen des italienischen Blattes jetzt einwandfrei Alargestellt. Wir warten nun sehr gespannt darauf, was diejenigen marxistischen Blätter jetzt zu sagen haben, die die „bösen Faschisten" für das Verschwinden Budenkos verantwortlich machen wollten und die sogar davon faselten, daß Berlin in Bukarest Leute gedungen habe, die Budenko um die Ecke bringen sollten. Dabei lag von vornherein der Verdacht sehr nahe, daß Budenko entweder den GPU.-Leuten in die Hand gefallen war, ober aber, daß er, wie sich nunmehr als richtig herausstellt, rechtzeitig sich verbergen und dann entfliehen konnte. Immerhin sind wir gespannt, wie jene marxistischen Blätter sich jetzl vor ihren Lesern rechtfertigen werden, wobei wir allerdings annehmen, daß sie mit dem kurzen Gedächtnis mancher Menschen rechnen, da sie sonst nämlich aus den Richtigstellungen ihrer eigenen Lügenmeldungen überhaupt nicht herauskämen.
Gerade der Fall Budenko rückt im Zusammenhang mit den mannigfachen Erschießungen von Sowjetdiplomaten aber auch eine andere Frage in den Vordergrund. Es ■ ist überall üblich, daß die zuverlässigsten und besten Leute als Diplomaten in fremde Länder gesandt werden. Wenn nun schon die Sowjetdiplomaten, die doch sicherlich bei ihren jeweiligen Ernennungen in Moskau als sehr zuverlässig galten, ein derartig geringes Vertrauen zum Sowjetregim haben, daß man geradezu von einer Massenflucht der Sowjetdiplomaten sprechen kann, was soll dann erst der „Mann auf der Straße" von diesem Regime halten und denken. Diese Frage stellen, heißt sie auch dahin beantworten, daß eben der Mann auf der Straße nur durch die Terrorherrschaft Stalins bei der Stange gehalten werden kann. Schon die geringste Berührung mit dem Aus-
Ein Sohn Trotzkis unter geheimnisvollen Umständen gestorben.
Paris, 17. Febr. (Funkmeldung.) In einer Pariser Klinik ist der Sohn Trotzkis, Leon Sedow Trotzki, nach einer Operation unter geheimnisvollen Umftän - den gestorben. Nach allgemeiner Ansicht sprechen alle Anzeichen dafür, daß Paris erneut der Schauplatz eines Verbrechens der GPU. geworden ist.
Der Sohn Trotzkis hatte die Operation gut überstanden und der Heilungsprozeß hatte einen normalen Verlauf genommen. Um so größer war die Bestürzung im Freundeskreise Trotzkis, als am Mittwochabend von der Klinik plötzlich eine kurze Mitteilung ausgegeben wurde, daß der Tod cingetieten fei. Die Freunde des Verstorbenen bringen nunmehr auf eine genaue Untersuchung der Leiche mit bet Begründung. der Sohn Trotzkis fei nach der Operation in der Klinik durchaus wohlauf gewesen, so daß man in Anbetracht bet zahlreichen Attentats-, Entsührungs- und Vergiftungsversuche, Lewen et zu Scheiten ausgesetzt war, unter allen
Budapest an den damaligen Außenminister hat. 5n diesem Bries bedankt sich Budenko ----jng, die er während seiner kurzen Amtszeit von der rumänischen Regierung erfahren habe. Er erklärt weiter, daß er sich in Ungarn aushalte und von dort nach Italien fliehe, um der GPU. zu entgehen, vor der er sich in Rumänien nicht mehr sicher fühle. Dieser Bries ist von Mieescu an seinen Nachfolger Tatarescu übergeben morden, der die Echtheit des Briefes nachprüfen ließ.' Die Schriftsachverständigen haben ihn als einwandfrei echt aner« Rinnt
Das Moskauer Mordsystem bloßgestellt.
Budenko vor den Henkern der GPU. nach Rom geflüchtet. - Ermordung des Trotzki-Sohnes in Paris Russische Flieger bringen sich in Sicherheit.
Ganz Deutschland hört den Führer!
Eine Bekanntgabe von Dr. Goebbels.
a, 16- Febr. Der Reichspropagandaleiter der
RsDAP., Dr. Goebbels, gibt bekannt:
Am 20. Februar, mittags um 13 Uhr, spricht der Führer zum Deutschen Reichstag und damit zum deutschen Volk und jur Welt. Alle Deutschen werden während der Rede des Führers am Lautsprecher ver- [?mmelt sein. Wer zu Hause nicht die Möglichkeit hat, die Übertragung der Rede des Führers zu hören, dem wird m Sälen und Gaststätten dazu Gelegenheit gegeben Die Gau- und Kreispropagandaleitungen der NSDAP', haben hierfür alle Vorbereitungen getroffen.
Zwei sowjetrussische Fliegeroffiziere nach Estland geflüchtet.
Reval, 16. Febr. Am Dienstagabend landete im Kreise Verro in Südost-Estland ein sowjetrussisches zweisitziges Flugzeug. Die beiden Insassen, ein 24jähriger Oberleutnant und ein 20jähriger Leutnant, erklärten, bas Flugzeug gehöre dem Aeroklub in Luga, wo der Oberleutnant Leiter der örtlichen Gruppe des „Ossoaviachim" und der Leutnant Vorsitzender des Aeroklubs gewesen wären. Sie hätten das Flugzeug zur Flucht aus Sowjetrußland benutzt in der Meinung, bedroht zu sein. Ihre Eltern seien als „Schädlinge" nach dem Ural verschickt worden und sie selbst hätten befürchtet, der augenblicklich im Gang befindlichen „Säuberungsaktion" innerhalb der sowjetrussischen Luftwaffe zum Opfer zu fallen.
