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Nr. 16.
Donnerstag, 20. Januar 1938.
86. Jahrgang.
Auf dem Wege zum Einheitsministerium der nationalen Verteidigung.
Er soll die Rüstungsindustrie ankurbeln.
SS. Berlin, 20. Ian. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Das neue französische Kabinett Chautemps tritt heute nachmittag zu seinem ersten Kabinettsrat zusammen, in dem die Regierungserklärung festgelegt wird, mit der sich morgen nachmittag die Regierung der Kammer und dem Senat vorstellen wird. Außerdem soll dieser Kabinettsrat eine Verordnung billigen, durch die die Zusammenarbeit zwischen den drei Wehrmachts- ministcrien unter einh-eitli,cher Leitung festgelegt werden soll. Diese drei Ministerien sind, wie ans der gestern veröffentlichten Min-isterliste hervorging, zunächst noch nicht zusammengelegt worden, doch sollen dem Kriegsminister Da lädier größere Machtbefugnisse eingeräumt werden. Er soll gewiße Aufsichtsrechte auch über die Marine und die Luftfahrt erhalten. Wichtiger aber erscheint noch, daß ihm auch ein stärkerer Einfluß auf die Rüstungsindustrie eingeräumt werden soll. Es ist ja bekannt, daß über die Rüstungsindustrie in Frankreich in letzter Zeit lebhaft geklagt wurde. Die 40-Stunden-Woche habe, so wurde immer wieder betont, dazu geführt, daß die Kriegsschiffbauten nicht rechtzeitig fettig wurden und daß auch das Bauprogramm für die Luftflotte nicht eingehalten werde. Hier scheint Daladier vor allem eingreifen zu wollen.
Stojadinowitsch in Essen.
Herzliche Begrüßung durch die Ruhr-Bevölkerung.
Essen, 20. Jan. (Funkmeldung.) Der jugoslawische Ministerpräsident, Dr. S t o j a d i n o w i t s ch, traf am Donnerstagmorgen kurz nach 9 Uhr mit dem Sonderzug in Essen ein. Hier wird Ministerpräsident Stojadinowitsch das in friedlicher Aufbauarbeit stehende Deutschland an den eindrucksvollsten Stätten seines industriellen Schaffens kennenlernen. Sein erster Besuch in Eßen gilt der wiedererstandenen Waffenschmiede des Reiches.
Auf dem Bahnhof begrüßten Gauleiter und Oberpräsident Terboven und der Oberbürgermeister der Stadt Essen den Ministerpräsidenten und seine Begleitung sowie die jugoslawischen Journalisten. Rach der Begrüßung begaben sich die Gäste im Kraftwagen zu den Kruppwerken. Auf dem Bahnhofsvorplatz und in den Straßen, durch die die Wagenkolonne ihren Weg nahm, begrüßte eine zahlreiche Menschenmenge herzlich den Freund Deutschlands.
Singapore, Britanniens mächtigster Stützpunkt im Fernen Osten.
London, 20. Jan. (Funkmeldung.) Uber die am
2. Februar beginnenden großen See- und Landmanöver bei
Japan mobilisiert seine inneren Kräfte.
Fürst Konoe vor den Provinzgouverneuren.
Warnung vor antijapanischer Agitation.
Man spricht davon, daß er beabsichtige, die Arbeitszeit in den Rüstungsbetrieben zu erhöhen, nachdem übrigens schon vor kurzem die Möglichkeit geschaffen wurde, in der RüstMrgsindustrie kleinere Abweichungen von der 40= Stunden-Woche vorzunehmen. Es dürfte aber Daladier nicht nur auf eine Erhöhung der Produktion, sondern auch auf eine gleichmäßigere Verteilung der Produktton auf die drei Wehrmachtsteile ankommen. Auch in dieser Hinsicht sind in letzter Zeit viele Klagen laut geworden, so u. a. darüber, daß die Belieferung der Kriegsflotte mit Seeflugzeugen völlig ungenügend geworden sei, seitdem die Flugzeugwerke unter Leitung des Lufttahrtministeriums verstaatlicht wurden. Jedenfalls mißt man in Pariser politischen Kreisen der Erweiterung der Machtbefugnisie Dwladiers große Bedeutung bei, zumal auch immer wieder über eine weitgehende Politisierung der Luftwaffe unter Pierre Cot geklagt wurde. Auch solchen Dingen soll Daladier einen Riegel vorschieben. Ans der ganzen Machterweiterung des Kriegsministers ergibt sich einmal, welche große Rolle auch im neuen Kabinett die Rüstungsfragen spielen und es ergibt sich ferner daraus, daß Frankreich einen weiteren, wenn auch noch nicht den endgültigen Schritt zur Bildung eines Einheitsministeriums der nationalen Verteidigung tut. Eine Änderung der Befehlsgewalt, die in den Händen des Generalstabs liegt, ist dagegen nicht vorgesehen.
Singapore weiß der Flottenkorrespondent des „Daily Telegraph" nähere Einzelheiten zu berichten. 2 7 Kriegsschiffe, darunter Einheiten der indischen Flotte, 100 Flugzeuge, unter ihnen Maschinen aus Indien und dem Irak, sowie Truppen in einer Stärke von 10 000 Mann nähmen an diesen kombinierten Übungen teil. Zum ersten Male werben die neuangelegten Küstenbatterien, die auch 46,7-Zentimeter-Geschütze haben, erprobt.
Uber den riesigen Ausbau von Singapore zum mächtigen Stützpunkt Großbritanniens im Fernen Osten berichtet der Korrespondent dann weiter, daß die Arb eiten,'die im Jahre 1923 «begonnen wurden, erst im Jahre 1939 volle ndet sein werden. Für die Befestigungsarbeiten, Flugplatzanlagen, Dockbauten (darunter ein Trockendock für 50 000-Tonnen-Schiffe) seien 17 Millionen Pfund ausgegeben worden. Der Stützpunkt in Singapore sei die größte Anlage dieser Art, die bisher von einem Lande begonnen worden sei. Seine Vollendung werde einen unschätzbaren Beitrag für Englands Verteidigungsstärke im Fernen Osten darstellen. Singapore beherrscht bekanntlich einen der wichtigsten Seewege der Welt, die Straße von Malakka.
Tokio, 20. Jan. (Funkmeldung. Ostasiendienst des DRV.) Auf einer außergewöhnlichen Konferenz der Pro- oiuzgouverneure, die am Donnerstag in Anwesenheit des gesamten Kabinetts stattfand, gab Fürst Konoe Richtlinien für die geistige Mobilisation des japanischen Volkes bei Eintritt in das neue Stadium des chinesisch-japanischen Konfliktes.
Nachdem Fürst Konoe den Verlaus der bisherigen Ereignisse und die gescheiterten FriedenÄemühungen dargelegt hatte, erklärte er, „daß die chinesische Nationalregierung weder dem Entgegenkommen Japans noch den guten Dien st en Deutschlands Rechnung tru g.“ Sie habe sich vielmehr offen zu einer sowjetrussisch und kommunistisch eingestellten Politik bekannt. Japan werde nunmehr mit der neuen chinesischen Regierung die chinesisch-japanischen Beziehungen regeln und ein neues China aufbauen.
Japan wolle mit allen Nationen Zusammengehen, wenn sie ihrerseits mit Japan für die Herstellung des Friedens im Fernen * Osten zusammenarbeiten wollten. Die Krise im Fernen Osten würde aber verschärft werden, wenn dritte Mächte weiterhin gegen Japan agitierten oder antijapanische Strömungen in China unterstützten.
Deutschlands Mitwirkung an Ausgleichsversuchen.
Aus Wunsch Japans und Chinas.
Berlin, 19. Jan. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro von amtlicher Seite erfährt, war im Verlaufe von Gesprächen, die Ende Oktober 1937 zwischen den deutschen Botschaftern in Nanking und Tokio mit den bärtigen Regierungsstellen sttrttfanden, von den Regierungen der beiden in Konflikt befindlichen Länder der Wunsch nach einer Mitwirkung Deutschplunds bei dem Versuch, einen Ausgleich zu fin
den, ausgesprochen worden. Um dem Interesse des Friedens zu bienen, an dessen Wiederherstellung Deutschland im gleichen Maße wie der gesamten Welt gelegen ist, hat die deutsche Regierung geglaubt, sich den beiden ihr befreundeten Ländern für den gedachten Zweck zur Verfügung stellen zu sollen. Dabei wurde deutscherseits von Anfang an betont, daß Deutschlands Haltung im Konflikt neutral sei und daher seine Mitwirkung nicht über die einfache Übermittlung von Nachttchten hinausgehen könne, die die eine der beiden Regierungen an die andere gelangen lassen wolle. Nach diesem Grundsatz ist bisher verfahren worden. Mit der am 16. Januar erfolgten Veröffentlichung des Manifestes der japanischen Regierung ist der Konflikt zwischen Japan und China in ein neues Stadium getreten.
Der nationale Heeresbericht.
Salamanca, 20. Jan. (Funkmeldung.) Wie der nationale Heeresbericht meldet, haben die nationalen Truppen in der Schlacht um Teruel neue große Erfolge errungen. In den 'Abschnitten Pedriza und Losilla haben die Bolschewisten Angriffe unternommen, die von den Nationalen blutig abgeschlagen wurden. Bei Losilla wurden die zurückslutenden Bolschewisten, die beim Angriff auch Tanks verwendet hatten, bis zum Alfambra-Fluß verfolgt. Auch an anderen Punkten ist die nationale Angriffsfront bis zu diesem Fluß vorgeschoben worden. Unter den mehreren hundert bolschewistischen Gefangenen befindet sich auch der Kommandant der Muleton-Stellung. Das von den Nationalen erbeutete Kriegsmaterial ift sehr zahlreich. Die nationalen Flieger unterstützten weiterhin die Angriffe der nationalen Infanterie, sie zersprengten bolfche-
Rekord der Reichsanleihe.
Starke Überzeichnung — 1,2 Milliarden RM. untergebracht.
Berlin, 19. Jan. Die am 18. d. M. geschlosiene Zeichnung aus die 4% %igcn auslosbaren Schatzanweisungen des Deutschen Reiches von 1938, Erste Folge, hat ergeben, daß der vom Reichsanleihekonsortium übernommene Betrag von 7 5 0 Mill. RM. erheblich überzeichnet worden ist. Um die Zeichner, die mit einer vollen Zuteilung gerechnet und dies überwiegend bereits bei der Zeichnung zum Ausdruck gebracht hatten, befriedigen zu können, ist das Reichsanleihekonsortium an das Reich wegen nachträglicher Äber- lasiung des mehrgezeichneten Betrages herangetreten. Das Reich hat, um den dringenden Anforderungen zu entsprechen, dem Reichsanleihekonsortium weitere 200 Mill. RM. gleichartiger Schatzanweisungen überlassen, so daß der durch das Reichsanleihekonsortium untergebrachte Betrag sich nunmehr auf 950 Mill. RM. beläuft. Hiernach kann im allgemeinen mit einer vollen Zuteilung der Zeichnungen gerechnet werden.
Einschließlich der fest übernommenen 250 Mill. RM. stellt sich damit der gesamte Anleihebetrag dieser Emissionaufl200Mill. RM.
»
* Große Aufgaben erfordern große Anstrengungen! Vor dieser alten Wahrheit steht nicht nur die deutsche Reichsregierung, sondern das gesamte deutsche Volk. Die gewaltigen Aufgaben, die im Zuge des Vierjahresplans und im Zusammenhang mit dem ganzen nationalen Wiederaufbau durch die Regierung Adolf Hitlers zu leisten sind, verlangen auch in finanztechnischer Hinsicht den Einsatz aller Kräfte, die frühere andere Wege bei der Unterbringung der vorhandenen Kapitalsmengen gewandelt sind. Heute findet sich nicht nur der einfache Arbeiter und Angestellte, sondern auch der Verfügungsberechtigte über größere Kapitalmengen nationalen Pflichten gegenüber, die eine Zusammenfassung und wirksame Konzentrierung der gesamten privaten Eiissatzmöglichkeiten verlangen. Die gesamte deutsche Wirtschaft steht im Dienste der Nation, aber sie hat die Freiheit, für dieses hohe Ziel auch ein starkes und spürbares Bekenntnis abzulegen. Als ein solches Bekenntnis darf das Rekordergebnis der neuen Reichsanleihe gewertet werden. Mit seinen fast 1,2 Milliarden wurde es zu dem bisher größten Erfolg, den das Reich bei der Konsolidierung seiner kurzfristigen Schuldenlast erkämpfen konnte.
Man darf sagen, daß die freiwilligen Zeichner mit ihrem starken Einsatz auch die ursprünglich gehegten Erwartungen übertroffen haben. Schon die Unterbringung einer Anleihesumme von etwa einer Milliarde erschien vielen als ein Wagnis, das, wie der Fall der englischen Rüstungsanleihe des letzten Jahres zeigt, nicht mit der Aussicht auf einen lOOprozentigen Erfolg unternommen werden konnte. Es erwies sich jedoch, daß die Voraussetzungen für die neue Reichsanleihe sehr genau und sehr gründlich geprüft worden waren. An sich wäre es möglich gewesen, die Auflegung der Anleihe bei der vorhandenen Flüssigkeit des Geldmarktes schon im November vorzunehmen. Die Verantwortlichen wollten jedoch mit gutem Grund jede Beengung des Weihnachtsgeschäftes vermeiden. Auch spielte eine gewisse Rücksichtnahme auf die Steuertermine im letzten Monat des Jahres mit. Überdies sagte man sich, daß gerade eine Emission in den ersten Januartagen von dem starken Rückfluß am Geldmarkt, der nach jedem Weihnachtsfest eintritt, profitieren konnte. Aus all diesen Gründen entschloß man sich, den Zeichnungstermin vom 3. bis zum 18. Januar anzusetzen. Der Erfolg der Anleihe spricht dafür, daß diese Überlegungen richtig waren.
Es ist bekannt, daß noch vor wenigen Tagen in den Bankkreisen die Möglichkeit in Betracht gezogen wurde, daß durch eine vorzeitige Schließung der Listen nur eine begrenzte Zuteilung in einer Eesamthöhe von einer Milliarde zustanüe- käme. Eine solche Begrenzung hätte dem Zwecke dienen können, eine weitere Emission vorzubereiten und die überschüssigen Kapitalien in eine Anleihe hineinzuleiten, die vielleicht mit einer weiteren Ausdehnung der Laufzeit ausgeschrieben werden konnte. Auch eine Aufstockung der Anleihe vor Ende der Zeichnungsfrist wurde, wie in Vankkreisen betont wird, in Erwägung gezogen. Dabei hätte allerdings der überschietzende
wistische Truppenansammlungen und brachten den Sowjetspaniern hohe Verluste bei.
Der Frontberichterstatter des nationalen Hauptquartiers meldet ergänzend, daß die nationalen Truppen nach dem Zusammenbruch des bolschewistischen Gegenangriffs im Mule- ton-Gebier dem Gegner bis nach Cafa Miguel verfolgten und diesen Ort besetzten. Bei Casa Miguel wurden 50 Bolschewisten getötet und 50 gefangen genommen. Unter den wichtigen Stellungen, die am rechten Ufer des Alfambra-Flusses von den nationalen Truppen genommen wurden, befindet sich auch die Höhe 1000. Die Bahnlinie von Sagunto nach dem Mühlengebiet Ojas Negros liegt in einer Ausdehnung von mehreren Kilometern unter nationalem Feuer. In diesem Abschnitt erbeuteten die Truppen Francos zwei sowjet- russische Tanks und machten 40 Gefangene. Weiter südlich besetzten sie den Eutshof Chantre Masia, wo die Bolschewisten eine Batterie in Stellung gebracht hatten. Schließlich ist auch der Flecken San Simon genommen worben.
Günstiger Fortgang der Schlacht bei Teruel.
