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Seite 2. Nr. 8.

Wiesbadener Tagblatt

Samstag/Sonntag, 8./9. Januar 1938.

Kurze Umschau.

Der Reichsar Leitsmini st er hat zum dritten Male aus der von ihm bei der Rückgliederung der Saar für die Kriegsopfer errichteten Saarspende 10 000 RM. zur Verfügung gestellt. Hieraus werden am 13. Januar 1938 in Erinnerung an die Abstimmung von 1935 im Saarland einmalige Eeidspenden an bedürftige Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene überwiesen werben.

Nach der ersten Arbeitslosen-Statistik im neuen Jahr, die mehr als traurig anmutet, gab es zum Jahresschlüßen der Tschechoslowakei 451 484 Arbeitslose. 2m Dezember ist die Arbeitslosigkeit allein um 118 000 gestiegen. Ein derartiges Ansteigen der Arbeitslosigkeit war nicht einmal im schlimmsten Krisenjahr 1933 zu verzeichnen.

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Wie die polnische Presse meldet, ist von fetten der litauischen Regierung jetzt endgültig die Schließung von vier großen polnischen Vereinen, dem Verband der Lehrer polnischer Schulen in Litauen, des gesamtpolnischen Verbandes der Werktätigen, des Verbandes der polnischen akademischen Jugend und des polnischen Klubs in Kowno, beschlossen worden.

Der französische Innenminister hat den Verkauf und den Vertrieb der italienischen ZeitungenS t a m p a und(5 a - zetta del Popolo" für ganz Frankreich ver­boten.

Bundespräsident Vargas hat in Porto Alegre eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er die brasilianische Jugend Träger des neuen Staatsgedankens" nannte und Andeutun­gen machte, als fei die Schaffung einer brasilani- schen Staatsjugend in Erwägung gezogen worden. Dieser Gedanke ist von der Presse in Rio bereits aus- gegriffen und erörtert worden. DasJournal" spricht sich für die Gründung eines Staatsjugendverbandes aus, durch den alle schädlichen Einflüsse auf die brasilianische Jugend ausge­schaltet werden könnten.

jeden Volkes spielt. Goga, dessen national-christliche Partei das Hakenkreuz im Banner trägt, hat in den wenigen Tagen seiner Regierung seine Einsicht in die zersetzende Tätigkeit des Judentums durch die Tat bewiesen. Er verbot die jüdischen Zeitungen in der Hauptstadt und in der Provinz und entzog den jüdischen Journalisten, die 79 % der Gesamtzahl der rumänischen Schriftleiter ausmachen, jede Vergünstigung. Der Einfluß der Juden im Wirtschaftsleben _ soll ausgeschaltet werden und parallel zur deutschen Rassengesetzgebung wird den Juden verboten, weibliche Hausangestellte unter 40 Jahren zu beschäftigen. Die jüdischen Einbürgerungen nach dem Kriege werden überprüft, und wahrscheinlich behalten nur die Juden, die vor dem Kriege im Lande ansässig waren, das rumänische Staatsbürgerrecht. .

Rumänien steht, hinsichtlich der Zahl seiner , jüdischen Einwohner, hinter Polen an dritter Stelle. Es ist deshalb verständlich, daß die Judensrage für die Rumänen nicht von heute oder gestern datiert. Schon vor 70 Jahren erließen 31 Mitglieder der gesetzgebenden Kammer ein Manifest gegen die Juden,welches", wie derVölkische Beobachter" schreibt, als eine wichtige Erkenntnis der Judenfrage gelten kann, als Zeugnis aber auch für die judenhörige Verblendung^ des liberalistischen Europas". Goga, der am 14. Juli 1935 in Jassy ein feierliches Bündnis mit dem ältesten Antisemit Rumäniens, dem 80jährigen Profesior Cuza schloß, schickt sich an, der Erfüller der bereits vor 70 Jahren erhobenen Forderungen zu werden. Die Juden beantworten seine Maß­nahmen auf ihre bekannte Art. Sie verschieben das in ihrem Gastland erraffte Geld ins Ausland, um auf diese Weise die rumänische Währung zu gefährden. Sie werden damit im rumänischen Volk, das von einer tiefen Empörung erfaßt ist, nur die Erkenntnis über das jüdische Parasitentum vertiefen.

Das internationale Judentum erhebt natürlich ein großes Gezeter, das von der ihm hörigen Presie in alle Welt getragen wird. Die Botschafter Englands und Frankreichs gaben sich dazu her, in Bukarest für die Juden zu intervenieren und die Bestimmungen des Minderheiten-Vertrages von 1919 für sie in Anspruch zu nehmen. _ Das wird aber Goga ebenso wenig beirren wie es die Einsichtigen in anderen Ländern von dem an den Juden geschehenenUnrecht" überzeugen kann. Die Nachbarstaaten Rumäniens, selbst Österreich und die Tschechoslowakei, schließen ihre Türen vor den jüdischen Emigranten. Das Judenproblem ist für ganz Süd-Ost-Europa akut geworden. Polnische Blätter bedauern, daß sich ihr eigenes Land nicht zu ähnlich durchgreifenden Maßnahmen, wie Rumänien, entschließen kann.

Octavian Goga, der die Qualitäten eines Dichters, Wissenschaftlers und Staatsmannes in sich vereinigt, ist ein tiefer Verehrer Mussolinis, den er verschiedentlich besuchte. Während der Olympiade weilte er in Berlin, wo er sich mit dem Führer und anderen Männern der Bewegung aussprach. Ein Mann, der sein Volk über alles liebt, der, im damals zu Ungarn gehörenden Siebenbürgen geboren, im alten Öster­reich in Wort und Schrift für sein Rumänentum stritt und im Krieg für seine Nation mit der Waffe kämpfte. Er will Rumänien aus seinen völkischen Kräften heraus neu^gestalten. Für Europa aber bedeutet jedes Land, in dem das Judentum aus dem staatlichen Leben und der öffentlichen Meinungs­bildung ausgeschaltet ist, jedes Land' das die von Moskau drohenden Gefahren erkannt hat, einen Gewinn. Es ver­breitert die Basis, auf der allein eine allgemeine europäische Aussöhnung und Verständigung möglich ist. Die Wiedergeburt Europas setzt die Wiedergeburt seiner Völker voraus.

Die soziale Befriedungsaktion Chautemps'.

Ein neuer Versuch zu mäßigender Einwirkung auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Bemühungen um ein neues Arbeitsrecht.

Paris, 7. Jan. Ministerpräsident Chautemps hat Arbeitgeber- und Avbeitnchmervevbände für Mittwoch, 12. Januar, zu einer Aussprache eingeladen. In dem Schreiben an den Arbeitgeberverband sagt Chautemps, er wisse, daß von den Arbeitern die ständigen Streiks, das unge­setzliche Vorgehen und der politische Charakter vieler Aus­stände stark mißbilligt werde. Er höre aber aus der anderen Seite auch die Kkagen der Arbeitnehmeroerbände wegen des Widerstandes der Arbeitgeber gegen die Erneuerung der Rahmenarbeitsoerträge und gegen die Durchführung der Schiedssprüche. Statt diese Kämpfe, die auf Kosten der natio­nalen Belange gingen, andauern zu lassen, wolle er Arbeit­geber- und Arbeitnehmervertreter zu einer freimütigen, umfassenden Aussprache zu­sammenführen. Hierbei sollten Maßnahmen zur Ver­hütung und Mäßigung von Streitigkeiten sowie Vorkehrungen für ihre rasche, gerechte und friedliche Lösung, falls sie doch ausbrechen, besprochen worden. Wenn der Arbeitgeberverband auch so denke, möge er Vertreter zu der Besprechung am näch­sten Mittwoch entsenden, zu der auch Vertreter der CET.-Ee- werkschaft und des an der Erzeugung beteiligten Mittelstandes (Heine und mittlere industrielle- und Technikeroerbände) ein- geladen sind. Eine höfliche, freimütige wechselseitige Aus­sprache, unter Beteiligung der Regierung müßte die Möglich­keit bieten,die Ursachen der jetzigen Gegensätze klar heraus­zuarbeiten und in gemeinsamer Verständigung ein neues Arbeitsrecht auszuarb eiten, das die Vor­bedingung des sozialen Friedens und des allgemeinen Wohl­standes sei."

Glaubt Chautemps dieses Ziel in Zusammenarbeit mit den Kommunisten erreichen zu können?

Die Gewerkschaften demonstrieren weiter.

Paris, 7. Jan. Am Freitagvormittag hatten etwa 500 Gewerkschastsangehörige vor der Autoreifenfabrik Goodrich Aufstellung genommen, um trotz des Schieds­spruches des Ministerpräsidenten, mit dem sie nicht einver­standen sind, die Aushebung der Neutralisierung des Werkes zu verhindern.

Die Antwort der Arbeitgeber.

Paris, 7. Jan. Der Präsident des Arbeit­geberverbandes gab am Freitagabend bekannt, daß er dem Ministerpräsidenten sofort auf sein Schreiben geantwortet hab« und die Landes - und Provinzialverbände einberusen habe, um die Aufforderung des Ministerpräsi­denten zu erörtern.

Unterredung mit Ministerpräsident Chamberlain An­schließend wurde eine amtliche Mitteilung veröffentlicht, die unter anderem besagt:

van Zeeland war von dem Wunsche beseelt, mit dem Ministerpräsidenten in persönliche Fühlung zu treten, um seine Ansichten über die allgemeine Lage und insbesondere über die Aussichten auf ein internationales Vorgehen auf Wirtschafts- und Finanzaebieten kennenzulernen, bevor er seinen Bericht über die Mission schließt, mit der er von der französischen und britischen Regierung beauftragt worden ist. Im Laufe der Besprechung faßte van Zeeland das Ergebnis seiner Untersuchungen, die er im vergangenen Jahre ange­stellt hat, zusammen. Man kam überein, daß van Zeeland jetzt seinen Bericht abschließen sollte, und er gab der Erwar­tung Ausdruck, daß der Bericht zur Übermittlung an die französische und britische Regierung im Lause der nächsten 14 Tage fertig sein wird, van Zeeland stimmte, so weit es ihn betraf, dem zu, daß der Bericht veröffentlicht werden könnte, sobald die französische und britische Regierung eine Gelegenheit gehabt hätten, ihn zu erwägen.

Der Streit um den Sandschak Alexandrette.

Französisch-syrische Verhandlungen.

Paris, 7. Jan. In Damaskus haben Besprechungen zwischen dem französischen Oberkommissar und Vertretern der syrischen Regierung zur Durchführung des syrisch-franzö- sifchen Vertrages über den Sandschak Alexandrette begonnen. Sie dürften voraussichtlich Wei Wochen dauern und be­treffen vor allem die Minderheitsbestimmungen, das Ver­waltungsrecht, das Kirchenrecht usw. Die Verhandlungen erstrecken sich auch auf die Einstellung von Franzosen in ver­schiedene Ämter, wo sie als Fachleute beschäftigt werden sollen. . _

Aus Damaskus wird gemeldet, daß man rm Sand­schak Alexandrette eine neue Partei ge­gründet habe. In ihr hätten sich Araber und Armenier vereinigt. Der Zweck der Gründung sei ein gemeinsamer Angriff auf die türkischen Forderungen.

Wo» betreibt VerMgermg bes FmWrieges.

TASS meldet: Festlegung des bolschewistischen Einflusses in der chinesischen Armeeleitung.

Der rote Hetzer am Werk.

Moskau, 7. Jan. Aus einer Übersicht, die Freitag, die parteiamtlichePrawda" über die Lage im chinesisch-japa­nischen Konflikt bringt, geht unzweideutig hervor, daß d i e Sowjets ihre Hoffnungen in China auf eine möglich sie Verlängerung des Konflikts gründen.

Das Blatt, das erst vor kurzem darauf hinwies, welche besondere Rolle die Sowjetbezirke in China bei der Stärkung des chinesischen Widerstandes spielen, erklärt ferner, daß diese rein kommunistischen Bezirke sich nur zeitweilig der chine­sischen Regierung unterstellt hätten, ihre kommunistische Ver­waltung jedoch auch weiterhin behalten würden. Die rote chinesische Armee werde mit den Truppen Tfchiangkaischeks zusammenarbeiten.

Bezeichnend ist, daß die Sowjetblätter im Zusammenhang mit den Veränderungen in der chinesischen Regierung auch von der Bildung einer Abteilungfür die politische Er­ziehung der Armee" int Generalstab berichten, die der TASS-Vertreter in Hankaudas wichtigste, Moment' in der ganzen Regierungsumbildung nennt. Offenbar hofft er auf eine Festlegung des bolschewistischen Einfluffes auch in der Leitung der chinesischen Armee.

noch geprüft wird, liegen bisher keine Stellungnahmen vor. Man'glaubt jedoch, daß die Vorschläge den Gegenstand einer Erörterung zwischen London, Washington und Paris bilden werden. . , _.

An der Grenze der Internationalen Nie­derlassung in Schanghai ist es zwischen einigen japanischen Soldaten und zwei britischen Polizisten zu Schlägereien gekommen, die sich zum Teil auch innerhalb der Niederlassung abspielten. Die Tätlich­keiten wurden dadurch veranlaßt, daß einer der englischen Polizisten kritische Bemerkungen über die Haltung der Japaner gegenüber den Chinesen gemacht hatte.

Der britische Oberbefehlshaber in Schanghar, Vrtgade- qeneral T e l f or - Sm ol ot, hat daraufhin beim zapa- nischen Militärattach« General Harada einen scharfen Pro­test erhoben und zum Ausdruck gebracht, daß die in die Schlägerei verwickelten japanischen Soldaten die britische Zone verletzt hätten. Er warnte gleichzeitig vor der Wieder­holung eines solchen Zwischenfalles. die zu denschwerst- möglichen Konsequenzen" führen könne.

Von der Ternel-Front.

Langsames Fortschreiten der nationalen Operationen.

Salamanca, 8. Jan. (Funkmeldung.) Dem nationalen Heeresbericht zufolge konnte auch am Freirag eine stark befestigte bolschewistische Stellung an der Teruel-Front erstürmt werden. Mehrere mit zahlenmäßig bedeutend überlegenen Kräften mit Unterstützung von Tanks durchgeführte Gegenangriffe der Bolschewisten wurden blutig zurückgewiesen. Die nationale Luftabwehr schoß zwei bolschewistische Bombenflugzeuge ab, die brennend über den nationalen Linien abstürzten.

Attlees Lügen werden entlarvt.

San Sebastian, 7. Jan. In Begleitung von zwei Beauf­tragten der Spanischen Einheitspartei in England ist am Donnerstag das Mitglied des Londoner Stadtrates William Edward Ware in San Sebastian eingetroffen. Er erklärte, daß er das nationale Spanien kennenlernen wolle, um nach seiner Rückkehr dem englischen Volke die Wahrheit über die Lage und die Kämpfe in Spanien berichten und die be­trügerische Agitation, die derBolschewist Attlee" nach seiner Madrid-Reise entfalte, zunichte imichen .zu können. Sein Freundeskreis habe ihn beauftragt, den nationalen Spaniern Grüße und den Ausdruck ihrer Verbundenheit sowie die besten Wünsche für den baldigen vollständigen Sieg zu Lber- b ringen.

van Zeeland bei Chamberlain.

Abschluß seines Berichtes über die internationale Finanz- und Wirtschaftslage.

London, 7. Jan. Der ehemalige belgische Ministerpräsi­dent van Zeeland hatte am Freitag eine vierstündige

Die Konfliktsquelle Schanghai.

London, 7. Jan. Wie der diplomatische Korrespondent des Reuterbüros berichtet, ist heute beim Foreign Office ein Bericht über die japanischen Vorschläge an den Schanghaier Stadtrat eingegangen. Da er zur Zeit

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Reichshauptstadt ehrt den Nationalpreisträger Dr. Filchner.

Der deutsche Nationalpreisttäger Dr. Wilhelm Filchner trifft am 12. Januar von seiner letzten Forschungsreise in Tibet wieder in Berlin ein. Die Reichshauptstadt ehrt ihn durch Verleihung der silbernen Ehrenplakette, hie ihm Oberbürgermeister und Stadtpräsident Dr. Lippert im Rahmen eines besonderen Empsangc^ überreicht..

Hauptschriftleiter: Fritz Güntber.

Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Aar! Heinz Kunz.

verantwortlich für Politik, Kulturpolitik und Kunst: Fritz Günther; für den volitiscken Nachrichtendienst: Karl Heinz Knttx; für unpolitische Beiträge und vermischtes: Dr. Heinrich Reichert; für Stadtnachrichten, wirtschaft, handel und Gewerbe: Willi Pempel; für Umgebung, Provinznachrichten und den Sportteil: Hein; Lenhardt; für den Bilderdienst: die betr. Ressortleiter;

für den Anzeigenteil: Otto Kaiser, sämtlich in Wiesbaden.

Preisliste Nr. 5. vurchschnitts»Auflage Dez. 1937: 22053, Sonntag» allein: 27025.

Druck und Verlag des Wiesbadener Tagblatts: m

f Schellen berg'sche hofbuchdruckerei,wiesbaden, £anggafle 2\, .Tagbla tt> hau» .

Gesamtleitung:

-Dr, pl^i, Gnstav Schettund verlagsdirektor.heinrich pefrt«