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Montag, 3. Januar 1938.

Wiesbadener Tagblatt

Zweites Blatt. Rr. 1.

Lus Gau unüDrovim.

60 000 RM. Brandschaden weil das Bügeleisen nicht aus­geschaltet war.

- Wetzlar, 31. Dez. Nachts brach in dem Kaufhaus Linke Feuer aus, das zwar bald eingedämmt werden konnte, aber einen Schaden von 60 000 RM. verursachte. Die Ermittlun­gen nach der Brandursache ergaben, daß in einem Bügel- raum vergessen worden war, ein elektrisches Bügeleisen aus­zuschalten. ______________

Lahn und Westerwald.

x Limburg a. d. L., 1. Ian. Die Haushaltsrech­nung für das am 31. März 1937 abgelaufene Rechnungs­jahr schließt mit einem Überschuß von rund 6000 RM. ab, nachdem schon den einzelnen Fonds die nötigen Rücklagen­mittel zugeführt sind.

x Eppenrod bei Diez, 2. Jan. An die hiesige evangelische Pfarrgemeinde wurde der Vikar Otto Metz aus Norden­stadt bei Wiesbaden berufen.

Taunus und Main.

Naurod t. T., 2. Jan. 2m vollbesetzten Saalbau Taunus" fand am 1. Januar das Neujahrskonzert des MEV.Germania" statt. Den Reigen der Darbietungen eröffnete die Kapelle mit, dem flottgespieltenRevue- Marsch" und dem WalzerFür Herz und Gemüt". Nach dem Sangesgruß" hieß der Vereinsführer, Herr Etz, die An­wesenden auf das herzlichste willkommen. Es kamen dann unter Leitung von Chormeister Herrn Zetsche-Frankfurt a. M. die GesangsvotträgeDu fernes Land",Abschieds­gruß" undEestürtes Ständchen" zu Gehör. Anschließend daran folgte wieder ein MusikvortragMusikalisches Aller­lei". Die weiter vorgetragenen ChöreMahnung", Soldatenabschied" und insbesondere das keck-übermütige Pappelmäulchen" ernteten reichen Beifall. Auch die Vor­trägeEine Mühle liegt im Tal",Ein Traum" undDer Obendruf" ließen die sichere Hand des Dirigenten erkennen. Im zweiten Teil der Veranstaltung kam das Theaterstück Zwei Brüder" zur Aufführung. Sämtliche Darsteller er­hielten starken Beifall. Bei Sang und Tanz blieb man noch bis in die Morgenstunden froh zusammen.

Rus dem Rheingau.

Der Jahreswechsel im Rheingau.

)( Eltville, 2. Jan. Ein guter Schuß bejahender Lebens­freude mit der üblichen Begleitmusik von Böllern und Raketen gehört seit alters her auch zum Rheingauer Jahreswechsel. So war denn auch in diesem Jahre die Silvesternacht im Rheingau lebendig und böllernd, und da sie auch den lange ersehnten Schneefall brachte, hoben sich die mit alten Liedern und Chorälen zum neuen JahrSingenden und Blasenden" wie Stücke aus der guten alten Zeit von den Plätzen der Dörfer und Städtchen ab. Am Sonntag waren die Taunuswälder in ihrer Schneepracht vielbesucht, und abends herrschte vom Rheingau aus frohe Heimkehr.

)( Eltville, 2. Jan. Die Krieger- und Militär- kameradfchaft Eltville hielt zusammen mit den aus Ur­laub weilenden jungen Soldaten am Neujahrstag im Saale desBahnhof-Hotels" eine überaus besuchte Weihnachtsfeier. Kameradschaftsführer Salzig übetgab im Laufe der von der Kapelle Wahl-Bibo-Damm und der Mondolinengruppe von Lehrer Schwerdel musikalisch umrahmten Feier an die Kame­raden Josef Bader und Wilhelm Blecker'die Kysfhäuser-Ehren- zeichcn 2. Klasse und an Lehrer Ehr. Ries die bronzene Schieß­auszeichnung.

)( Östlich, 2. Jan. Der Beigeordnete unserer Gemeinde, Weingutsbesttzer Theodor Schneider, ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Ein großer Trauerzug begleitete ihn am Sonntagnachmittag auf seinem letzten Weg.

)( Mittelheim, 2. Jan. Am Silvestertag konnte in Rüstig­keit die älteste Einwohnerin unserer Gemeinde, Frau Anna Zobus, geb. Schalles, Ww auf 88 Lebensjahre zurück- schauen.

)( Winkel, 2. Jan. Am 3. Januar können die Eheleute Weingutsbesttzer Ludwig Grün und Frau ihre diaman­tene Hochzeit feiern. Das Ehepaar erfreut fich noch einer guten Gesundheit. Es wird ihm an zahlreichen und ehrenden Glückwünschen an dem seltenen Fest nicht fehlen.

)( Geisenheim, 31. Dez. Am 1. Januar übernahm Wein­bauinspektor Martin Blees bei der Landesbauernschaft Württemberg in Stuttgart die Stelle des Abteilungsleiters für den Weinbau, nachdem er seit 1934 in der Preudilchen Reboeredlungs-Kommission das Rheingauer Weinbaugebiet betreut hat. Seit 1935 war Weinbauinspektor Blees Orts­gruppenleiter der NSDAP, in Geisenheim.

x Mensfelden, 2. Jan. Am bekanntenMensfelder Kopf", der in Segelfliegerkreisen alskleine Rhön" be­kannt ist, finden zur Zeit wieder HI.- Segelflieger- k u r s e statt. Durch Schaffung von Dächern zwischen den einzelnen Baracken ist nunmehr auch eine Unterstellung für die wertvollen Apparate vorhanden.

Dillkreis und Siegerland.

Jagdgast aus der Treibjagd erschossen.

Dillenburg, 2. Jan. Einen traurigen Ausgang nahm eine im Jagdrevier des Kreisortes DiMrecht veranstaltete Treibjagd. Als die Schützen gegen 5 Uhr nachmittags, als bereits stark Dämmerung heulte, über einen breiten Weg vorgingen, tauchte plötzlich ein Reh vor ihnen auf. Offenbar ohne Beachtung der nötigen Vorsicht, gab ein Jagdpächter aus Siegen aus einer Entfernung von etwa 120 Schritten einen Schuß ab, der den 34jährigen Kulturbaumeister Stangier aus Siegen in den Kopf traf und der sofort tödliche Wirkung hatte. Die Untersuchung des Unfalls hat bereits ergeben, daß ver­schiedene erhebliche Verstöße gegen die jagdgesetzlichen Bestim­mungen vorliegen.

Frankfurter Nachrichten.

Ein Erpresser niedergeschossen.

Franksurt a. M., 2. Jan. 2m Stadtteil Griesheim ver­suchte am Tage vor Neujahr ein junger 24jähriger Mann bei einem Hausbesitzer Gekd zu erpressen. Als ihm der Besitzer das Geld aushändigen wollte, wurde er von den verständigten Kriminalbeamten überrascht und sollte verhaftet werden, der Bursche aber flüchtete, er wurde verfolgt und floh weiter, als ihm selbst einige Schreckschüsse nachgejägt wurden. Nun gaben die Be­amten scharfe Schüsse ab, von denen zwei ihn niederstreckten und ihn erheblich verletzten. Der junge Mann kam in das Städtische Krankenhaus. Der Täter hatte schon früher bei dem Hausbesitzer einen Einbruch verübt, konnte aber damals nicht ermittelt werden, weil er mit einer Gesichtsmaske ge­arbeitet hatte.

Rus Hessen.

Schwerer Betriebsunfall.

Rüsselsheim, 2. 2an. Kurz vor Schichtwechsel ereignete sich in den O p e l w e r k e n ein schwerer Unfall. Der Arbeiter Braun aus Mainz-Bischofsheim, der mit 2nventurarbeiten be­schäftigt war, stürzte durch einen Schacht zwei Stockwerke tief und biieb mit schweren inneren Verletzungen liegen. Er wurde sofort ins Mainzer Krankenhaus übergeführt. Die Verletzungen sind so schwerer Natur, daß Lebensgefahr besteht.

Großfeuer in der Reujahrsnacht.

Gießen, 2. Jan. 2n der Neujahrsnacht kurz nach der Mitternachtszeit brach in dem Kreisorte Holzheim in einem großen Gebäudeblock, in dem vier Scheunen aneinander­gebaut roarenz Eroßfeuer aus. Dem mit rasender Schnelligkeit um sich greifenden Feuer fielen die mit Heu, Stroh und Futtervorräten vollgefüllten vier Scheunen der Land­wirte Balthasar Wilhelm Klotz, Wilhelm Grieb VII., Wilhelm 2ung XII. und Wilhelm Laux IV. zum Opfer. Mit den vollständig niedergebrannten Scheunen und ihrem gleichfalls völlig vernichteten 2nhalt sind auch größere und kleinere land­wirtschaftliche Maschinen von den Flammen zerstört worden. Die Viehbestände konnten bis auf etwa 25 Hühner, die in das Flammenmeer hineinflogen, ebenfalls gerettet werden. Mit der endgültigen Niederkämpfung des Feuers hatte die Feuer­wehr noch bis zum Neujahrsmittag viel Arbeit zu leisten. Die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei von Gießen, sowie die Gendarmerie nahmen noch in der Neujahrsnacht die Er­mittlungen nach der Brandursache auf. Der Brandschaden wird auf etwas 40 000 RM beziffert.

Beim Silvesterschießcn schwer angeschosseu.

- Gießen, 2. 2an. 2m Hofe einer Gießener Gastwirt­schaft begrüßte ein junger Mann aus Wiesbaden den An­bruch des neuen 2ahres dadurch, daß er mit einem großen Terzerol in die Umgegend schoß. Dabei ging eine Kugel durch eine Tür in die Gaststube, wo eine junge Frau aus Eschwege, die zum Besuch ihres Mannes nach Gießen ge­kommen war und mit dem sie zur Silvesterfeier in der Gast­wirtschaft weilte, von dem Geschoß in den Rücken getroffen wurde. Die Verletzte mußte sofort in die Klinik eingeliefert werden, wo sich am Neujahrsmorgen eine Operation als not­wendig erwies.

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Berwundeten-Transport auf Kamelen.

Unter wie großen Schwierigkeiten die britischen Truppen Wacht an der indischen Nordgrenze halten, veranschaulicht diese Ausnahme, die den Transport verwundeter Eingeborenen-Soldaten mit Hilfe von Kamelen durch einen seichten Fluß zeigt. (Presse-Hoffmann, Zander-K.)

Odenwald und Bergstraße.

Todesopfer einer Spielerei.

= Bickenbach, 2. 2an. An Weihnachten fanden die Eltern sudheimer ihren 14jährigen 2ungen mit einem Schuß tot auf dem Sofa auf. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben ergeben, daß der 2unge sich eine Schreckschußpistole von einem Kameraden zur Benutzung von scharfen Patronen hatte Herrichten lassen. Bei dem Hantieren mit der geladenen Waffe hat sich dann der Schuß gelöst, der den Jungen direkt ins Herz traf und tötete.

Raubüberfall in Aschaffenburg.

27 000 RM. Lohngelder erbeutet. 20 000 RM. Belohnung für die Aufklärung des Falles.

Aschaffenburg, 2. Jan. Der an Silvester in Aschaffenburg am hellichten Tage verübte Raubüberfall steht einzigartig da in der Kriminalgeschichte der Stadt. Der überfallene und beraubte Bürobote einer Aschaffenburger Firma hatte die 27 000 RM. Lohngelder teils in Silber, teils in Papier in der Aktentasche. Das Silbergeld war in Beuteln mit dem AufdruckReichsbank" und das Papiergeld in Bündeln verpackt. Die Aktentasche hatte der Bote auf dem vorderen Eepäckständer seines Fahrrades. Als er auf dem Rückwege von der Bank an einer Straßen­kreuzung etwas langsamer fuhr, wurde er plötzlich von einem Manne, der nach Angaben von Zeugen schon vorher dort gestanden haben soll, mit seinem Fahrrad um gerissen, und erhielt einen Schlag ins Gesicht. Der Bote stürzte, kam unter das Rad zu liegen und wurde von dem Täter mit vorgehaltener Pi st ole in Schach gehalten. Gleich­zeitig kamen von der gegenüberliegenden Seite zwei Komplizen des Verbrechers, die auch schon vorher dort gestanden haben sollen, und die ebenfalls unter Vorhaltung einer Pistole den Boten bedrohten. Beide rissen die auf dem Gepäckständer liegende Aktentasche an sich. Einer der drei Verbrecher lief dann schnell zu einem in unmittelbarer Nähe bereitstehenden Personenkraftwagen und fuhr mit diesem langsam an. Die beiden andern Täter, die inzwischen die Aktentasche mit dem Geld an sich'genommen hatten, hielten mit vorgehaltener Pistole den überfallenen weiter in Schach, und zogen sich langsam nach dem Wagen zurück, der dann in schnellstem Tempo in Richtung HanauFrankfurt davonführ. Der Wagen war angeblich eine doppelfarbige Limousine, schwarz-dunkelbraun oder dunkelbraun, viertürig mit Tritt­brettern und soll hinten ein quadrattsches doppelseitiges Kennzeichen an der linken Seite in der Höhe der hinteren Stoßstange geführt haben, das die Nummer IIIA 25025 oder 52025 oder 25052 gehabt hat. Für die Aufklärung dieses Falles, der mit ähnlichen Straftaten in Verbindung steht, ist eine Eesamtbelohnung von 20 000 RM. ausgesetzt, die außer­halb des Rechtsweges an das Publikum gezahlt werden, wenn alle Fälle klargestellt werden.

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Eerichtssaal.

Deutschland in schwerster Notzeit betrogen.

Der Besatzungs-Schadensall" des Fabrikanten Zensen.

Koblenz, 30. Dez. Am Mittwoch und Donnerstag wurde in dem Bestechungsprozeß gegen John und Genossen der Fall des Brotfabrikanten Zensen behandelt, dessen Be­trieb ungefähr ein Jahr von der Besatzung beschlagnahmt war. Zensen ist des Betrugsversuchs angeklagt, denn seine ungerechtfertigten Schadensersatzansprüche an das Reich in Höhe von 35 000 Mark sind nicht anerkannt worden. Wie von den Beteiligten, insbesondere von dem leitenden Mantr des Besatzungsamtes, John, in diesem Fall gelogen wurde, ist ein regelrechter Hochstaplerroman. Als die Brot­fabrik beschlagnahmt wurde, hatte Zensen bereits vom Reich 13 000 Mark zur Errichtung einer neuen Fabrik bekommen. Nachdem er nach Aufhebung der Beschlagnahme die alte Fabrik wieder in Besitz genommen hatte, ging der Betrieb merklich bergab.

2m Jahre 1930 klagte Zensen einem damaligen An­gestellten der Stadt über den schlechten Geschäftsgang der jedoch mit Besatzungsschäden nicht das geringste zu tun batte. Durch diesen Angestellten kam Zensen mit John in Verbindung, der sofort ein erneutes Entschädigungsver­fahren für Zensen in Gang brachte. Er entwarf einen An­trag mit vollkommen falschen Angaben über Zeitpunkt und Dauer der Beschlagnahme der Brotfabrik und schob alle Eeschaftsschadigungen bis zum Kundenverlust auf Konto Besatzungsschäden"; sogar alle Schulden Zensens stammten plötzlichaus der Besatzungszeit".

Da Zensen die vorgeschriebene Frist zur Anmeldung der Bechtzungsschäden längst hatte verstreichen lassen, räumte John zunächst diese formalrechtliche Gefahr aus dem Wege. Er selbst schrieb einen Antrag, in dem er Zensen erklären ließ, daß er bereits im Jahre 1925 auf dem Be- satzungsamt vorstellig geworden sei und dort mit einem Beamtennamens Johnen" über einen Entschädigungs­antrag verhandelt habe. John schrieb also seinen eigenen Namen falsch, um die Briefurheberschaft Zensens, der selbstverständlich den von John formulierten Antrag als seinen eigenen unterschrieb, glaubhafter zu machen. Um noch sicherer zu gehen, hatte John sechs Tage später in einem Schreiben an Zensen an seinem Antrag noch allerhand auszusetzen und kritisierte insbesondere, dag der Schaden in der Gesamthöhe von 35 000 Mark angegeben fei, während er im einzelnen begründet werden müsse. Darum beantwortete John wieder im Namen Zensens sein eigenes Schreiben in gewünschtem Sinne. So bekam man einwandfreie Atten".

Als die Feststellungsbehörde trotz aller Kniffe den An­trag Zensens glatt ablehnte, trat der Angeklagte Dr. Muller in die Erscheinung, der eine Beschwerdebegrün­dung beim Reichswirtschaftsgericht anzufertigen hatte. Müller fahndete nun danach, ob nicht ein Beamter der Fest­stellungsbehörde inzwischen verstorben sei. Tatsächlich fand man einen solchen in der Person des Regierungsassessors Dr. Latoskis, und man benannte den Verstorbenen, der 1925 bei der Feststellungsdehörde tätig gewesen war, als Zeugen dafür, daß Zensen den Schadensersatzanspruch rechtzeitig an­gemeldet habe. John, Zensen und Müller haben drei' Schwindeleien bereits eingestanden.