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Wöchentlich

Ausgaben

8.

Werktäglich nachmittags, Samstags vor- n. nachmittags

mit einer tägliche»

Unterhaltungsbeilage.

Drahtanschrift: Dagblat« Wiesbaden.

Postscheckkonto: Frankfurt M. Rr. 7105.

Nr. 352.

83. Jahrgang.

Politische und maritime Fragen. — Stiller Ozean und Mittelmeer.

Fernsprecher-Sammel-Rr. 59631. Berliner Büro: Berlm-Wilmersdorf.

zu eil Masse _______

sammengedrückt wurden.

EeschSftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, autzer Eonn- und Feiertags.

der radikalsozialen Partei nisderlegte, eine einstündige Unterredung mit dem Staatspräsidenten Lebrun hatte, wobei freilich Zuverlässiges über den Inhalt dieser Unterredung bisher nicht bekannt geworden ist. Auch Kammer und Senat hielten in Frankreich gestern Sitzungen ab. Zn der Kam m e r gab es eine g r o ß e Militärdebatte, in der Kriegsminister Fabry wieder einmal glaubte, dis deutsche Aufrüstung a l s S ch r e ck g e s p e n st an die Wand malen zu können. Dabei machte er wieder die alte „Milchmädchen­rechnung" auf, daß Deutschland ein Heer von 800 000 Mann besitze, dem Frankreich nur 400 000 Mann gegen­überstellen könne. Eine unsinnigs Behauptung, die auch durch häufige Wiederholung nicht wahr wird. Konnte der Minister einen Zusatzkredit von dreißig Millionen Mark glatt durchdrücken, so zeigte sich die Kammer seinen anderen Wünschen nicht ganz so ge-

doch dieselben Nachteile enthalte. Vielleicht werde es möglich sein, bei der Wiederaufnahme der Konferenz im Januar von französischer Seite einen Plan einzu- bringen, der zwar auf dem französischen Standpunkt aufgebaut sei, der aber nichtsdestoweniger geeignet sein könnte, von allen beteiligten Mächten angenommen zu werden.

Aus diesem Grunde erwarte er auch eine ausführ­liche Aussprache mit den französischen Vertretern und Sachverständigen auf der' Londoner Flottenkvnserenz. Man könne jedoch schon jetzt mit Bestimmtheit erklären, daß überhaupt keine Rede davon sein könne, die gegenwärtigen französischen Neubauten auf­zugeben. Er halte es ferner für nicht ausgeschlossen, daß im weiteren Verlaufe der Konferenz auch Fragen aufgeworfen werden würden, di« eher politischen als maritimen Charakter hätten, so beispielsweise die des Stillen Ozeans und die des Mittel- meeres. Vielleicht fei es auch nicht ausgeschlossen, daß man über die Nordsee sprechen werde, besonders mit Rücksicht auf das deutsch-englische Flottenabkommen.

Frankreich wende an allen erweiterten Aus­sprachen teilnehmen. Die Macht seiner Flotte und die Ausdehnung seines Weltreiches machten es ihm zur Wicht, feinen Willen und feine Macht zu be­weisen. Die französische Öffentlichkeit könne jedenfalls Vertrauen zu ihm haben, denn er werde nicht an die Verteidigung Frankreichs auf dem Wäger rühren lauen, weil er sie für die Sicherheit des Landes als un- bödingt notwendig erachte.

Ein französischer Plan.

Paris. 27. Dez. Kriegsminister Pi 6 tri äußerte sich zu einem Vertreter des „Petit Journal" über die Schwierigkeiten der Londoner Flottenkonferenz. Die amerikanische und die britische Marine, führte Piötri aus, hätten von jeher versucht, ihre Vorrang­stellung zu behaupten, eine Neigung, gegen die sich nicht nur Japan wehre, sondern, die auch bei Frankreich auf starke Gegnerschaft stoße.

Frankreich halte es außerdem für gefährlich, sich aus mehrere Zahle im voraus zu binden, weil die gegen­wärtige Lage sich ändern könne. Man müsse sich viel­mehr darauf beschränken, unter den Flottenmächten ein Regime des gegenseitigen Vertrauens her- zuftellen und zu beschließen, sich jedes Jahr das Flotten- bauprogramm mitzuteilen. Wenn diele Voraussetzun­gen geschaffen seien, könne man an andereVereinbarungen gehen wie beispielsweise an die Beschränkung der einzelnen Einheiten aber nicht die derEesamt- tonnage. Piotr i bedauerte es, daß die Frage der quali­tativen Rüstungen, in der wesentlich weniger Meinungs- vevschiedenheiten bestünden, nicht von Beginn an auf­geworfen worden sei. Gerade, als die Konferenz sich aus 14 Tage vertagt habe, sei ein britischer Vor­schlag eingebracht worden. Die Japaner hätten diesen Vorschlag als ungenügend bezeichnet und Frankreich be- 7 trachte ihn als übertrieben, denn es sehe darin eine ge­wisse Neigung, wenn auch aus weniger lange Sicht, auf das Washingtoner Abkommen zurückzukommen, das je=

tägig, sodaß das R e k r u t i e r u Ng sg e fetz an den Heeres aus schuß zurückoerwiesen wurde. Sehr be­merkenswert war aber, daß der Kriegsminister sehr leb­haft über die revolutionäre Propaganda in den Kasernen klagte, und sich über die kommu­nistischen Zellen beschwerte, zweifellos ein sehr in- terefsanter Beitrag zum Thema französisch-sowjet­russische Freundschaft. Zm Senat wurde derweilen gestern das vielumstrittene Gesetz über die Auf­lösung der Verbünd e verhandelt, das nun noch­mals die Kammer passieren muß, da der Senat Änderungen vorgenommen hat. Der Regierungs­entwurf sah ursprünglich vor, daß die Auflösung von Verbänden nur auf Grund einer gerichtlichen Entschei­dung erfolgen solle. Das lehnte die Kammer ab, die die Auflösungsvollmacht dem Innenminister erteilen wollte, der damit eine außerordentliche Macht erhalten hätte. Der Senat hat sich nun darüber geeinigt, daß die Auflösung vom Ministerrat, das heißt also, vom Ge- jamtkabinett beschlossen und durch eine Verordnung des Staatspräsidenten verfügt werden muß. Diese Auf- fassung hat sich jetzt die Regierung zu eigen gemacht und die Kammer muß Hierzu Stellung nehmen, was voraussichtlich morgen, das heißt nach der heutigen außenpolitischen Aussprache geschehen wird.

Bergungsarbeiten

setzten bereits, kurz nach dem Unglück ein und werden zur Stunde noch fortgesetzt. Der Katastrophen-Hilfswagen de»

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4 Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wlrd ferne Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Erötzere Anzeigen müffen^pätestens einen Tag vor dem Erscheinungsiage aufgegeben werden.

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Bald darauf traf Reichsstatthalter Sauckel ein und über­nahm die ßeitnnfl und veranlaßte das Ersorderliche zur Bergung der Verletzten und Toten außerhalb des Bahn­gebietes. Von der Reichsbahn wurden Hilfszüge von Weimar und Halle nach der Unfallstelle geleitet und die Beseitigung der sieben beschädigten Wagen und der zwei beschädigten Lokomotiven des D. 44 und des Personenzuges 825 sowie die Bergung der Verwundeten und Toten in den Personenwagen durchgeführt. Der Präsident der Reichsbahn­direktion Erfurt, Lamertz, begab sich sofort nach Bekannt- werden des Unfalls an die Unfallstelle. Der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, traf in derselben Nacht um 3 Uhr mit mehreren anderen Herren an der Unfallstelle ein. Dr. Dorpmüller und Präsident Lamertz be­suchten am 25. Dezember früh die Schwerverletzten in den Krankenhäusern. 2m Einvernehmen mit dem Reichsstatt- halter Sauckel und dem Präsidenten der Reichsbahndirektion Erfurt wurde eine Pionierabteilung aus Riesa an die Unfallstelle gerufen zur Bergung der Toten und des be­schädigten Wagens aus dem Saalebett. Das Gleis Erfurt— Halle und das Gleis Halle—Erfurt waren um 19.30 Uhr wieder befahrbar.

Ein Wagenoberteil wurde in die Höhe gehoben und legte sich quer auf die Vorspannmaschine des D-Zuges. Ein Güterwagen blieb umgekippt und zur Hälfte über dem Wasier schwebend auf der Brücke hängen. 1

Ein Mann, der in dem Personenzug saß, wurde bei dem Zusammenprall durch Las Wagendach hindurch geschleudert und fiel auf das Geländer der Brücke. Dort hielt er sich etwa 20 Minuten fest. Man konnte jedoch durch das Eisen- gewirr nicht an ihn herankommen, sodaß er sich schließlich in die Saale hinunterfallen ließ. Der Sturz blieb für ihn wunderbarer Weise ohne Folgen, sodaß er schwim­mend das Ufer erreichen konnte. Er beteiligte sich dann noch an den Rettungsarbeiten vor allem um sein- Frau zu suchen, die aber leider zu den Toten zählte. Zur

Schuldfrage

werden selbstverständlich bereits eingehende Ermittlungen angestellt. Es herrschte am Dienstagabend ein überaus starker Feiertagsverkehr. Der D-Zug 44 verkehrte in drei Teilen. Der erste Teil war bereits planmäßig durch. Der zweite Teil, der das Unglück verursachte, kam mit 20 Mi­nuten Verspätung.

Anscheinend hat der Lokomotivführer diese Verspätung eiuholen wollen und hat cs dadurch an Aufmerksamkeit fehlen lassen. Er hat, wie die bisherigen Ermittlungen ergeben haben, das Haltesignal sowie das davor stehende Vorsignal nicht beachtet, die beide einwandfrei ans Halt standen. Dieser Tatbestand wird von dem Lokomotivführer Kurt Dechant, der fchwer verletzt im Naumburger Krankenhaus liegt, zugegeben.

Die

Schweres Eisenbahn-Unglück in Thüringen

Zugzusammenstoh auf einer Saalebrücke.

33 Tote — 27 Verletzte.

Erfurt, 26. Dez. Die Reichsbahndirektion Erfurt teilt mit: Am 24. Dezember um 19 Uhr stieß der D-Zug 44 Berlin—Bafel bei der Einfahrt in den Bahnhof Groß- Heringen auf den ausfahrenden Personenzug 825 Erfurt—Leipzig. Personenzug 825 wird planmäßig in Groß- Heringen von dem FD. 111 überholt und muß bei der Aus­fahrt das Gleis der Gegenrichtung Halle—Erfurt kreuzen. D. 44 überfuhr das auf Halt stehende Vor- und Haupteinfahrtssignal des Bahnhofes Eroß- Heringen und damit dem durch diese Signalstellung ein­wandfrei gesicherten ausfahrenden Personenzug 825 in die Flanke. Durch die Abhängigkeit der Stellwerks­anlagen ist festgestellt, daß bei der Ausfahrt dieses Zuges das Einfahrtssignal nicht auf Fahrt gezogen werden kann. Bei dem Zusammenstoß wurden sieben Wagen des Personenzuges zertrümmert. Einer fiel dabei in die Saale. Durch den Unfall wurden 33 Personen getötet, 10 schwer- und 7 mittelschwer, außerdem 10 leicht verletzt. Die Verletzten wurden von der Universi­tätsklinik Jena, den Krankenhäusern Apolda und Naum­burg ausgenommen. Durch den Krach des Zusammenstoßes sind sofort S A. - A b t e i l u ng e n, Sanitätsabteilungen und die Polizei und Einwohner des Ortes Unier-Neufulzs herbeigeeilt. Kurz darauf erschienen die vom Bahnhof Groß- Heringen angeforderten Sanitätsabteilungen und Ärzte.

Nach den Feiertagen.

Ruhepause in der Politik. — Nur in Frankreich Sitzungen des Ministerrates, des Senates und der Kammer. — Heute außenpolitische Aussprache in Paris.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Freitag, 27. Dezember 1935.

Die Kämpfe in Abessinien. x

a?; Berlin, 27. Dez. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Im tiefen Frieden und in würdiger Stille ; hat das deutsche Volk bas Weihnachtsfest verlebt, wenn auch bas schwere Eisenbahnunglück in i Th bring e n seinen Schatten auf die Feiertage warf, f Die Poli tick hat in diesen Tagen, was Deutschland anlangt, völlig geruht. Die meisten Minister hatten Berlin verlassen und in allen Kanzleien herrschte i Feiertagsruhe. Auch England hat die Feier­tage fern der Politik verbracht, doch dürfte der neue Außenminister Sir Anthony Eden seine Sorgen um r den Abessinienkonflikt nicht ganz haben ausschalten können. Zn Abessinien selbst sind die Weihnachts­feiertage nicht ohne Kämpfe geblieben. Die Abessinier setzten ihren Vormarsch gegen Aks um, von wo - "us sie die italienische Front hoffen ausrollen zu können, fort. Das Tempo des Vormarsches hat sich da- ' hei durch die sich immer wiederholenden Angriffe italienischer Bombenflugzeuge sehr verlangsamt. Zum ersten Male ist es aber den Abessiniern gelungen, ein italienisches Flugzeug zur Landung zu : Zwingen. Die Italiener sollen südlich von Aksu in . sehr gut getarnte Verteidigungsstellungen geschaffen haben. Ob es den Abessiniern gelingen wird, diese zweifellos mit allen modernen Waffen ausgestattete italienische Stellung zu nehmen, bleibt abzuwarten. „ Jedenfalls aber erwartet man in Addis Abeba noch vor dem Ablauf dieses Jahres größere Kämpfe um A cks u m. Die diplomatischen Bemühungen um die i Liquidation des Abessii^enkonfliktes haben an den Feiertagen geruht, abgesehen davon, daß sich ein vor- t sichtiger Hinweis auf diesen Konflikt in der Weih­en a ch t s ansp rache d e s Papst es findet, die sich aber auch mit der Feststellung begnügen wird, idaß die : Hoffnung auf eine Beendigung des Konfliktes sich bis- i her nicht verwirklicht hat. •

Vermutlich werden diese Dinge heute wieder stärker in den Vordergrund treten, da heute in der franzö­sischen Kammer die außenpolitische Aussprache stattfinden soll. Bereits gestern ist in Paris, wo ja der 26. Dezember kein Feiertag ist, die außenpolitische | Lage im Ministerrat ausführlich besprochen worden i und zwar auf Grund eines Berichtes, den Laval er- l stattete. Die französische Presse vermeidet im allge- l meinen Voraussagen für die heutige außenpolitische f Debatte, verweist aber vielfach darauf, daß nach dem i Ministerrat Herriot, der bekanntlich den Vorsitz in

Das Unglück nahm vor allem deshalb so schwere Formen an, weil der Zusammenstoß seine höchste Wuch^ ge­rade auf der Saalebrücke erreichte. So stürzte ein Wagen des Personenzuges in den Fluß, der an dieser Stelle etwa drei Meter tief ist. Die dort geborgenen Toten werden so­weit sie nicht durch den Sturz getötet wurden, zum größten Teil ertrunken fern. Mehrere Wagen des Per- fonenzuges wMden ineinander geschoben. Die Oberteile der Wagen lösten sich von den Fahrgestellen, die zu einer mit Holzteilen vermengten unförmigen

> von eisernen Schienen, Stangen und Rohren zu-