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Wöchentlich
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Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittags
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Unterhaltungsbeilage.
mit einer täglichen
Drahtanschrift: Sogblatt Wiesbaden.
Postscheckkonto: Frankfurt 0. M. Nr. 7105.
Nr. 349
83. Jahrgang.
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Jahrhundert.
Napoleon I.
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Fernsprechcr>Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
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Europäisches Schicksal.
„Man tut nicht zweimal dachelbe in einem
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Weitere italienische Truppen-Entsendungen nach Libyen?
London, 21. Dez. (Eig. Drahtmeldung.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, Nachrichten aus Italien zufolge, werde zur Zeit die baldige Entsendung einer weiteren mechanisierten Division nach Benghasi an der libyschen Küste vorbereitet. Die augenblicklich genaue Starte der italienischen Streitkräfte in Libyen sei schwer zu berechnen. Mussolini habe zwar vor einigen Wochen seine Absicht mitgetetlt, eine Division aus Libyen zurückzuziehen, und es sei auch bekannt, daß gewisse Einheiten zurückgezogen wurden. Aber ein klarer Beweis, daß die gesamte Division Afrika verlassen habe, sei niemals vorhanden gewesen. Vielmehr wisse man, daß mehrere hundert Motorfahrzeuge verschiedener Typen in der Zwischenzeit nach Libyen entsandt worden seien.
| Ungebrochener Widerstand und Siegeswiste.
»Italien setzt seine Aktion zur Erreichung der von Mussolini vvrgezeichneten Ziele entschlossen fort."
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Die Abessinier melden die Rückeroberung von Makalle.
Addis Abeba, 21. Dez. (Eig. Drahtmeldung.) Nach abessinischen Meldungen von der Nordfront sollen Teile der Heeresgruppe Tequms mit größeren Truppen- abteilungen die Stadt Makalle und die umliegenden Gebiete zurückerobcrt haben.
Eine Nachprüfung der Nichtigkeit der Meldung von Addis Abeba aus ist zur Zeit noch nicht möglich.
Militärische Bereitschaft?
London, 20. Dez. Wie verlautet, hat die britische Regie- img mit mehreren Völkerbund'sstaaten Fühlung genommen, um festzustellen, bis zu welchem Grade die Staaten bereit : seien, ein angegriffenes Land nicht nur mit dem Mittel wirtschaftlichem Sühnemaßnahmen, sondern auch militärisch za unterstützen.
x Reuter glaubt annehmen zu können, daß in erster Linie Mittelmeermächte rote Spanien, Jugoslawien und Griechenland befragt worden sind. In amtlichen Kreisen werde in dieser Angelegenheit große Zurück- Haltung beobachtet.
Wie erinnerlich, hat in der Uwterhaus-Aussprache am Donnerstag die Möglichkeit weiterer Besprechungen über diesen Gegenstand eine Rolle gespielt.
Weitere Verhandlungen mit Frankreich in Aussicht.
London, 21. Dez. (Eig. Drahtmeldung.) Die Frage der »gegenseitigen militärischen Unterstützung I der Völkerbundsstaaten im Falle eines Angriffes wird von | «er Morgenpresse als Kernfrage der zukünftigen Ent-
Eine chemiWlliA Ratstagung am 10. Wim?
Pariser Pressestimmen zur letzten Entwicklung der Lage.
Mit elementarer Notwendigkeit hat die große politische Welt, die ihre verfehlte Formung 1919 fand, in diesen Wochen erleben müssen, baß ihr System keinen Glauben mehr findet. Der englische Versuch, zugleich f ü r die Völkerbundsidee und gegen bas statische Prinzip der öffentlichen „Weltmeinung" zu arbeiten, ist mißglückt. Auf alle Fälle bereitet sich die sogenannte „Linke" in der Genfer Welt vor, die Macht wieder an sich zu reißen, die ihr durch den Gang der Dinge entglitten waren. Herriot denkt, man könne heute mit Moskau gegen die völkischen und dynamischen Kräfte in den Nationen angehen. Mit anderen Worten: der Ruf „Zurück zu 1919" wird automatisch ausgelöst, weil die entfesselte Macht sich in einem „Kolonialkonflikt entladen hat und damit an dem beftehenden und bestehen sollenden System von 1919 rüttelt . . .“
Was jetzt auch geschehen mag, ein großer Versuch, der Neuordnung der Welt ist mißglückt. Die Versailler Mächte sind ideell zuvückgeworfen worden, und es entsteht die Gefahr, daß aus dieser „Reaktion" eine abermalige Versteifung der großen Politik entspringt. Wort- masken, wie „kollektive Sicherheit", das heißt Garantie des Status guo, des 1919 geschaffenen Machtzustandes, sind abgefallen. Ein ungeheurer Aufwand — „Sanktionen", „Bestrafung des Friedensbrechers" — wurde sinnlos, weil sich die großen Weltmächte nicht einig werden konnten — wer die Zeche zu bezahlen habe . . .
Mit was für Begriffen wird man nun in Genf die Völker zu gewinnen suchen? Welche alten, überalterten Ideen wird man hervorholen, um die offenbare Blamage zu verdecken? — An was sollen die Völker und ihre „öffentlichen Meinungen" nun glauben? —
Werden die Völker überhaupt noch geneigt sein, an Ideen zu glauben, die ihnen aus Genf importiert werden? —; Sie wollen Frieden, die Völker, sie wollen endlich Ruhe. Aber es fehlt an dem wahrhaftig ordnenden Prinzip, das ihnen zu dieser Ruhe und diesem Frieden verhelfen könnte.
Man hat die Gesamtlage auf die Formel gebracht: Reaktionär oder revisionär? — Diese Formulierung stimmt abstrakt zweifellos. Nur bleibt es eine offene Frage: Wer will denn heute wirklich revidieren? Wer will die innere Umstellung gegenüber 1919, gegenüber der mit dem Versailler Diktat verbundenen Völker- bundssatzung und -idee wirklich vollziehen? — Italien ist eigene Wege gegangen. Es sucht sein Lebensrecht mit der Faust. Es gerät dabei in die Netze des vorhandenen Machtsystems der alten Kolonialmächte. Italien hat aber kein „Revisions"-Programm. Aus England kamen viele verstehende Stimmen, es wurde auch einiges praktisch-politisch versucht, aber ein schöpferischer Revisionismus kann doch auch bei ihm nicht festgestelll werden. Die aus einer alten klugen Erfahrung in politicis geborene Porsichtslüsung Hoares im gegenwärtigen Konflikt hat eben bewiesen, Laß man mit allen revisionistischen Tendenzen sehr vorsichtig umgeht. Deshalb ist.man auch nicht weitergekommen.
Dabei waren die Spannungen doch in den letzten Wochen auf eine erstaunliche Höhe gekommen. Das Fieberthermometer Europas stieg unheimlich. Wenn man nun beobachtet, wie die inneren Spannungen in manchen westlichen Staaten genau die Entwicklung nehmen, die wir — in unserer eigenen Art — erlebt
Wicklung im italienisch-abessinischen Streit bezeichnet. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" meldet, die Frage, welche Beiträge andere Völkerbundsstaaten zur kollektiven militärischen Sicherheit leisten wollen, sei bisher neben Frankreich an Jugoslawien, die Türkei, Spanien und Griechenland gerichtet worden. Diese hätten zwar ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, sich an der praktischen Unterstützung in diesem weiteren Sanktionsabschnitt unter Artikel 16 der Satzung zu beteiligen, aber alle hätten aus Erwägungen dieser ober jener Art betont, es sei unwahrscheinlich, daß sie sofort aktive Schritte unternehmen könnten. Der diplomatische Korrespondent der „Morningpost" meldet, mit Frankreich sei eine Vereinbarung zwischen der französischen und britischen Admiralität vorhanden, daß die britische Flotte notfalls Bizerta und andere französische Mittelmeerhäfen benützen könnte. Die Zurückhaltung Frankreichs, in einen Streit mit Italien verwickelt zu werden, habe bisher wenig Vertrauen eingeflößt. Was die anderen Mittelmeermächte angehe, so müsse bedacht werden, daß ihre Mitarbeit wegen ihrer geringen Flottenstärke weniger für einen Einsatz in Betracht komme. Ihre Zustimmung und ihre Mitarbeit sei mehr das Sinnbild einer kollektiven Maßnahme.
Außerdem bezögen sich die bisher abgegebenen Versicherungen nur auf die gegenwärtige Lage, in der nur die milderen Sühnemaßnahmen in Kraft sind. Wie sich die Mächte aber im Falle des Ölausfuhrverbotes verhalten würden, sei eine Frage die noch ernstlich erwogen werden müsse.
Entschließung des Großen Faschistischen Rates.
* Rom, 21. Dez. Der Große Faschistische Rat, der am Freitagabend um 10 Uhr zusammengetreten war, hat Ich nach dreistündiger Sitzung auf den 18. Januar aöenÄs 10 Uhr vertagt.
I Nach dem amtlichen Bericht hat der Rat „die poli- üsche Lage geprüft, wie sie sich nach der von englischer beite erfolgten Verwerfung der Pariser Vorschläge ergibt, die der Initiative Frankreichs zu danken sind, und Wie der Große Faschistische Rat in feiner Sitzung vom ll8. Dezember einer eingehenden Prüfung unterzogen hatte.“
E Folgende Entschließung ist durch Zuruf angenommen worden: „Der Große Faschistische Rat stellt fest, daß das italienische Volk gegenüber der offenkundigen Des- «rientierung und den Widersprüchen in der Haltung der S a n k t i o n s l ä n d e r in der strengen Wrteidigung 'des eigenen Rechts unerschütterlich einmütig bleibt, in dem es mit der Gold spende einen wacht voll en Beweis feines Widerstands-
Siegeswillens gibt. Er entbietet den Soldaten und Schwarzhemden, die in Ostafrika mutig für hie Sache der Nation kämpfen, seinen Gruß und stellt Wt, daß die Aktion des faschistischen Italiens mit un- -sugiamer Entschlossenheit für die nötige Erreichung her vom Duce für die Geschicke des Vaterlandes vor- Nzeichneten Ziele fortgesetzt wird."
E Schließlich hat der Große Faschistische Rat von einer Erklärung Kenntnis genommen, die vom Vorsitzenden hes Reichsoerbairdes der italienischen Industrie, Graf Mo lpi, vorgelegt worden war. In dieser Erklärung -heißt es, daß die faschistischen Verbände der Industrie Md der Landwirtschaft sowie der industriellen und der Landwirtschaftlichen Arbeiter als sichere Wortführer Mer Kategorien der in die syndikalistische Organisation pes Regimes eingegliederten Arbeit und Arbeiter am ibnde des ersten Monats des „Wirtschaftskrieges" er- itzaren, daß der G e i st der Difz i P H n und des Widerstandswillens der organisierten Massen mit dem An- ■htruern des vergeblichen „Erstickungsversuches" weiter WSinrmt, daß ferner die italienischen Erzeuger unter jhrn gegenwärtigen Umständen die Gelegenheit er= greifen, um eine immer größere wirtschaftliche Autarkie fa verwirklichen, die sie in höchstem Grade von den barmen der Abhängigkeit vom Auslande befreit, die Kne schwere Belastung für die Freiheit und die Unab- ^gigkeit des italienischen Volkes bilden.
L Die erwähnten Verbände wollen ihre eigene Tätigest im Rahmen der von der Faschistischen Partei vor- reiteten und geleiteten Aktion erhöhen, insbesondere bezug auf Kosten- und Preisgestaltung, eine rasche greifbare Aktion, die das korporative System NMig ördert und die Wirtschaftspolitik in diesem ^scheidenden Augenblick im Gleichgewicht hält.
Friedliche Kundgebung der Kräfte.
Paris, 21. Dez^ (Eia. Drahtmeldung.) Dic Pariser 6amstagmorgenpre|)e sieht als Folge des Rücktritts des englischen Außenministers eine' Schwerpunktoerschiebung voraus. Frankreich gewinne für Italien an Bedeutung. Andererseits steht sie auf dem Standpunkt, daß nicht der zurückgetretene englische Außenminister Sir Samuel Hoare, sondern eher Ministerpräsident Baldwin an Ansehen verloren habe.
Nach dem „Oeuvre" steuert die englische Regierung jetzt auf eine außerordentliche Sitzung des Völkerbundsrates gegen den 10. Januar hin zu, die als friedliche Kund- gcbung der Kräfte gedacht fei, die der „Völkerbundsgedanke" nötigenfalls einem Angreifer entgegenstellen könne. Dadurch solle die italienische Regierung oerhand-
lungsbereit gemacht oder wenigstens an einer Störung der Ordnung in Europa verhindert werden.
Das „Journal" und mehrere ander« Blätter verwahren sich gegen bie Bemerkung Baldwins, daß England bei der Einleitung der Sühnemagnahmen gegen Italien allein gestanden habe. Dieser gegen Frankreich gerichtete Vorwurf sei ungerecht, denn Frankreich habe seine Gemeinschaftspflicht nicht versäumt.
Was wäre geschehen, so fragt der „Figaro", wenn Frankreich Truppen gegen Italien in Bewegung gesetzt hätte? England könne seine Flotte .ins Mittelmeer schicken, ohne daß das eine tatsächlich feindliche Handlung gegen Italien sei, denn das Mittelmeer sei international. Aber Frankreich hätte durch Truppenverschiebungen an der französisch-italienischen Grenze Italien gezwungen, seine Grenzdeckung zu verstärken, und das würde Italien als feindliche Haltung aufgefaßt haben.
Größte Auflage aller Tageszettungen Groß-Wiesbadens.
Sonntag, 22. Dezember 1935.
