Wiesbadener Tagblatt
Dienstag, 17. Dezember 1935.
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Warschau: ein diplomatischer Erfolg des Reiches.
für den Zeitungslefer zu schreiben; dem Leser solle sie eine
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yaupychrrftlerter: Fritz Günther.
Stellvertreter der Hauptfchriftleiters: Karl Heir^ Kaitj.
Verantwortlich für Politik, Knltatpolitif und XunS: Fritz GSnther; für W* j politischen Nachrichtendienst: Karl kein; Aunz; für unpolitische Bei::3..e und ] vermischtes: Dr. Heinrich Reichert; für Stadlnachrichten, Wirtschaft, Handels und Gewerbe: Willi pempel; für Umgebung, Provinznachrichten und derJ Sportteil: Heinz Lenbardt; für die Anzeigen: Gtto Kaiser, sämEWW in Wiesbaden.
Preisliste Nr. 4.— Durchschnitts-Auflage Nov. 1935:19010, Sonntags allein: 2178X 1 Druck und Verlag des Wiesbadener Tagblatts: , ■]
£ Schellen berg'sche Hofbuchdruckerei, Wiesbaden, kanggafse 2\, ^Tagblatt-^auvH Gesamtleitung: . "3
Dr’ phil. Gustav Lchellenberg und verlagsdirrktor Heinrich pgbA»
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Seite 2. Nr. 344.
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Verstoß gegen die Pflichten des Gastrechts.
Der Berliner Vertreter der „Politiken" ausgewiesen.
Berlin, 16. Dez. Der bisherige Berliner Vertreter der Kopenhagener Zeitung „Politiken", der dänische Jude Thorwald Steinthal, ist aus dem Reichsgebiet kuE fristig ausgewiesen worden. Steinthal hat durch fortgesetzte unwahre und gehässige Berichterstattung an seine Zeitung die Interessen des Deutschen Reiches wiederholt schwer g«- schädigt und die Pflichten des Gastrechtes, das ihm i” Deutschland seit Jahren gewährt wurde, aufs Gröbste per» letzt.
Ein falsches Lob sei für die Kunst genau so schlecht, wie..falscher Tadel. Es müsse gefordert werden, daß sich der Kritiker zu seinen Steigungen und Abneigungen bekennt, denn weil ja das Urteil nur subjektiv sein könne, komme es darauf an, dieses Subjekt des Kritikers also die kritische Persönlichkeit, die sich in der Öffentlichkeit ver- nehmen lasse möglichst deutlich zu erkennen. Es sei Adolf Hitlers festester und wichtiger Grundsatz, daß Gesinnung und Leistung vereint erst das ausmachen, was als nutzbringend anerkannt werden könne. Die beste Gesinnung nutze nichts, wenn ihr nicht eine wertvolle Leistung entspreche und die Leistung allein sei nicht anzuerkennen, wenn der Leistende nicht von reiner Gesinnung erfüllt sei. Der Kritiker muffe die menschliche Eignung besitzen, mit der Seele eines anderen Menschen umgehen zu "können. Der Weg, den die Kunst einschlage, bestimmt stets das Genie, meistens das künstlerische, manchmal aber auch — wie z. B. im Falle Lessing — das. kritische. Künstler und Kritiker würden sich am besten verstehen, wenn beide eingesehen haben, daß es in der Kunst überhaupt nicht gelte zu herrschen, sondern nur zu dienen.
Der Präsident der Reichsfilmkammer, Prof. L e h n i ch, führte aus, daß er es als feine Aufgabe betrachte, dem deutschen Film
Produktionsbedingungen zu schaffen, die den talentierten und genialen Künstler sowohl wie dem wirtschaftlichen und erfolgreichen Kaufmann die Möglichkeit geben, jährlich eine Anzahl künstlerischer Spitzenleistungen herzustellen und das Durchschnittsniveau des deutschen Filmes zu heben. Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen dieses Aufbauwerkes sei die Mitarbeit der deutschen Presse. Es sei des- hailb notwendig, den Film in der Presse genau so ernst zu behandeln, wie das Gebiet einer anderen Kunst- sorm. Die wohl zu verstehenden personellen Schwierigkeiten bei der ebenfalls iroch jungen Filmkritik dürften nicht dazu führen, daß Dilletanten auf dem Gebiete des Films zu seinen kulturellen und wirtschaftlichen Fragen Stellung nehmen.. Die Reichsfilmkammer werde die deutsche Presse bei der filnrfachlichen Ausbildung zahlreicher junger Kräfte mit allen Kräften unterstützen. Die Filmkritik müsse Verständnis besitzen für die großen künstlerischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen der Film durch einen erheblichen Mangel an Autoren, Regisseuren und Darstellern, auch an Kapital ausgesetzt sei.
Die Kritik des einzelnen Filmwerkes fei immer noch Gegenstand der lebhaften Klage. Es widerspreche nationalsozialistischer Auffassung, in jedem Lustspiel, in jeder Operette und in jedem Unterhaltungsfilm weltanschauliche Gedankengänge zu suchen. Sachliche und fachliche Kritik, die positive innere Einstellung zum Film verrate, müsse verlangt werden. Es sei eine große, fruchtbare und lohnende Aufgabe der deutschen Presse, den Kampf um die Höherentwicklung des Publikumsgeschmacks zu unterstützen.
Großreinemachen in Memel.
Aushebung der Einbürgerungsoerordnung von Bruoelaitir.
Memel, 16. Dez. Das Direktorium des Memelgebietes hat die von dem Direktorium Bruvelaitis am 28. März 1935 ' erlassene Verordnung über den Erwerb der Eigenschaft als ff Bürger des Memelgebietes aufgehoben und damit die j früheren Bestimmungen vom Jahre 1929 mit den Adände- \ rangen von 1931 wieder in vollem Umfange in Kraft gesetzt. -
Die Verordnung von Bruvelaitis, die im Zusammen-s Hang mit der Wahl des memelländischen Landtags erlassens wurde, sah für die Einbürgerungen außerordentliche Erleich-^ terungen vor, sodaß der willkürlichen Einbürgerung Dütj und Tor geöffnet war.
Einberufung des Landtags.
Memel, 16. Dez. Der memelländische Landtag ist für f den 20. Dezember, 17 Uhr, zu einer Sitzung einberufen wor> den. Der Landtag wird dann die aus der letzten Sitzung z in erster und zweiter Lesung beratenen fünf Wirtschafts-Z gesetze weiter beraten.
Der Berliner Vertreter des „Figaro" will berichten können, daß die Unterredung in deutschen Kreisen keinen großen Eindruck gemacht habe. Man betrachte die deutsch- englische Unterredung als eine Sondierung und nehme an, daß ernste Verhandlungen nicht vor zwei bis drei Monaten beginnen, da man nicht mit einer früheren Lösung des italienisch-abessinischen Streites rechne.
Der Berliner Havas-Vertteter' meldet u. a., es habe nicht den Anschein, als wolle Deutschland in den in der amtlichen Mitteilung erwähnten zwei Punkten seine abwartende Haltung aufgeben. Der Reichskanzler sei der Ansicht, daß der Augenblick zur Regelung der offenen internationalen Fragen noch nicht gekommen sei. Immerhin lege die deutsche Diplomatie Wert darauf, freundschaftliche Beziehungen zu England aufrechtzuerhalten.
nicht haltbar. Beide, die Kunst sowohl als auch die Kritik dienen einem höheren Ideal, dem Ideal der nationalen Ehre und dem Ideal einer wahrhaft deutschen Kultur."
Der Präsident der Reichsmusikkammer, Prof. Raabe, wies darauf hin, daß es
ligung des Kunstwerkes und der Kunstleistung bieten, Würdigung, die selbstverständlich picht objektiv sein könne, weil jedes Urteil subjektiv sei sie müsse aber deutlich erkennen lallen, welchen Eindruck Werk oder Leistung auf den Kritiker gemacht habe. Solche Urteile seien nicht Feststellungen eines Tatbestandes, sie hätten keine All- gemeingültiakeit, sie seien eben Meinungsäußerungen einer bestimmten Person und dürften daher niemals anonym fein. Da der Künstler seine Arbeit immer als etwas Ernstes, oft als etwad Heiliges empfinde, habe er Anspruch darauf, daß der Kritiker bei der Beurteilung neuer Werke in genügendem Maße vorbereitet sei. Daher sei die Abschaffung der Nachtkritik notwendig. Nur der Snob habe das unabweisbare Bedürfnis schon beim Morgenkaffee zu lesen, was über eine Ausführung in der Zeitung gezagt werde. Aber für den Snob werde im neuen Deutschland nicht mehr gearbeitet.
hängt wird. Der Beruf des Krttikers sollte davor geschützt fein, auf Grund einiger Entgleisungen als ein hemmendes Element gewertet zu werden. Aus dem Erlebnis des Kunstwerkes zolle der Kritiker in Verbindung mit seiner sprachlichen Meisterschaft eine kunst- lerrsche Leistung an sich schaffen. Der hier und da aunteigenbe Mangel an Leistung gehe als Querschnitt durch bas Kunstschaffen aller Völker und Zeiten. Aber man dürfe ©te Kritik nicht für Mängel verantwortlich machen, unter denen sie selber leide.
Dr. Goebbels über schöpferische Kritik.
Berlin, 16. Dez. Am Samstag fand in Berlin eine Tagung der in ter deutschen Presse tätigen Kritiker statt. Gegen Mittag wurden die an der Tagung Teilnehmenden von Reichsminister Dr. Goebbels in seinem Ministerium empfangen. Auf diesem Empfang richtete Dr. Goebbels wegweisende Worte an die Erschienenen. Nunmehr, fast drei Jahre nach der Machtübernahme, erscheine es angegeigt, die grundsätzliche Auffassung, die der National- lozralismus über die fachmännische Kritik habe, einer gewissen Klärung entgegenzuführen.
Diese fachmännische Kritik habe im wesentlichen die Aufgabe, das Gute und das Minderwertige voneinander zu scheiden und es miteinander in Vergleich zu setzen. Indessen sei der Beruf des Kritikers in erster Linie eine Sache der Berufung.
Obwohl der Kritiker an der Formung des künstlerischen Werkes in feiner Weise beteiligt |ei, müsse er doch anderer- leits so viel künstlerisches Verständnis und soviel Einfiih- lungsvermögen mitbringen, daß er es gerecht zu beurteilen vermöge. Gewiß solle die Kritik hart fein, den Dilettantismus abwehren und Rang- und Wertunterschiede machen. Aber auf der anderen Seite müsse sie sich in Erfüllung ihrer großen Aufgabe auch davor hüten, alles das, was sie nicht als höchstwertig empfinde, von vornherein abzulehnen und abzutöten.
Die Kritik fei ja nie unfehlbar gewesen und werde es ja auch nie sein. Sie sei es auch heute nicht.
Es sei, so fuhr der Minister fort, ein verhängnisvoller yel)Iei, der kritischen Betätigung, den Eindruck zu erwecken, als wäre das einmal gefällte Urteil endgültig und unantastbar. Die Kritik soll vielmehr den Leser zu eigenem Nachdenken anregen und ihn veranlassen, sich an Ort und Stelle selbst ein Urteil zu bilden.
Wir haben in ter Geschichte Beweise genug dafür, daß sich die Kritik in den fundamentalsten Fragen über Wert und Unwert eines Künstlers geirrt hat, und den gleichen _ 2 rrtumsmöglichkeiten ist auch die zeitgenössische Kritikerschaft unterworfen. Es gilt darum, abzuruckcu von dem Hochmut und der Unfehlbärkeit, der schon manchem wahren Künstler das Leben und Schaffen verleidet hat.
Der Präsident der Reichstheaterkammer, Dr. Rainer Schlösser, stellte seine Ausführungen unter den Gesichtspunkt, daß ter Nationalsozialismus eine alles umfassende Weltanschauung ist.
Auf dem Gebiet des Theaters
wachse aus den gestrigen Vorstellungen ter Schaubühne eine neue und aus der gestrigen Dramaturgie des Theaterstückes oder des Dramas eine untere, welche unserem Wesen und unserer Tradition entspreche. Der Tieferblickende erkenne, daß die Erundeinstellung des Publikums sich verändert Habe. Dem Kritiker falle die schwierige Aufgabe zu, das ab- bröckelnde Alte zurückzuweisen und das Neue, welches sich anbahnt, zu erkennen und zu stützen. Man dürfe das Nene nicht mit alten MaWiben messen, wohl aber müsse man das Alte mit neuen Maßstäben zu messen wissen. Die kritische Aufgabe sei nicht eine beschreibende, sondern eine wahrhaft schöpferische, nicht eine schlechthin berichtende, sondern eine verantwortungsvolle. — Auch Präsident Schlösser forderte eine gründliche Vorbereitung des Theaterkritikers. Das Hoffnungsvolle müsse gefördert, das noch nicht Zulängliche als solches erkannt werden. Wo sich aber bereits Früchte dieser aufbauenden Kulturarbeit zeigen, da müsse man erwarten, daß gerate die Presse, welcher die verantwortliche Rolle eines Mittlers und eines Interpreten zufalle, ebensoviel Instinkt, Urteilsfähigkeit. Bildung, Takt, Respekt und Gewissenhaftigkeit mitbringe. Denn ohne etwas von einer Sache zu verstehen, könne man nicht über sie schreiben und ohne ein sicheres Gefühl für den inneren Willen der Entwicklung könne man nicht über diese entscheiden. Höchste Objektivttät heißt hier höchste Subjektivität.
Als Vertreter ter Presse sprach Schriftleiter E. Ak. Koehn. Er betonte, daß die Krittler die Möglichkeit zu einer Aussprache über die Kritik mtt aufrichtiger Freute begrüßt haben.
Sinn der Kritik.
Der Kritiker habe sich als eine kulturelle Notwendigkeit erwiesen. Der Künstler wie der Kritiker seien ten Wirkungen des gleichen Kulturwillens ausgesetzt. Es könne daher kein Zweifel darüber aufkommen, daß sie beide auch dem gleichen Ziele zustreben das gleiche ideale Wollen haben — üüd mit ten gleichen Schwierigkeiten fertig werden müssen. Der nationalsozialMsche Kunst- und Kuliurwille sei heute noch so vielfachen Deutungen und Mißverständnissen ausgesetzt, daß es unsagbar schwer für ten schaffenden Künstler |ei, im Gestrüpp ter Meinungen und Auslegungen ten rechten Weg zu finden.
Intern ter Kritiker sein Erlebnis künstlerisch gestalte, soll er selbst zmn Diener der Kunst werten. Aber er soll auch nicht darunter leiten, daß seiner Berufsbezeichnung ein Makel des Unernstes und ter Zweifelhaftigkeit ange-
Andererseits sei es durchaus unangebracht, von teni Kritikern zu verlangen, daß sie es doch .ffelbst hefferi machen" sollen. Es ist nicht an dem, so betonte A Goebbels, daß ein wirklich schöpferischer Kritiker zugleich au* - ein genialer schöpferischer Künstler sein müsse. Es gibt i» J Gegenteil Menschen, die auf dem speziellen Gebiet der Aus- i Wertung eine ganz außerordentliche Begabung besitzen daß ' man sich manchmal fragt, ob nun das Kunstwerk wertvoller ict oder die Kritik. Diese Menschen haben eine Witterung I Tür das' Künstlerische, aber es ist die Frage, ob sie auch die ? Kraft besitzen, die künstlerische Form zu gestalten. 3tn 1 übrigen ist cs eine selbstverständliche Voraussetzung, daß fi* - ter Kritiker auf sein Fach versteht. Es darf nicht dahin- i kommen, daß der Laie zum Kritiker erhoben wird wie i sich z. B. niemand anmaßen sollte, eine Oper zu kritisieren - wenn er nicht selbst die Partitur lesen kann und sie gelesen 1 hat. Kritik erfordert also ein unerhörtes Vertiefen in dies Probleme ter Kunstgestaltung.
Der Kritiker soll ein gereiftes und gerechtes,^ vornehmes und sachliches Urteil abgeben, ein Urteil’! das ten Mut nicht raubt und Ehrfurcht vor ter Serftungl zeigt, das nicht abschlieht, sondern a n r e g t. In seiner inneren Einstellung muß er dem praktischen Arzt gleichen,- der zu eingebildeten und wirklich Kranken geführt wird und dessen Haupttugend darin besteht, sich niemals in Ungeduld I an mer ken zu lassen. Er solle sich peinlichst davor hüten, I momentanen Stimmungen zu unterliegen, fällt er doch sein 1 Urteil nicht für sich, sondern für die Öffentlichkeit.
Darüber hinaus aber soll der Kritiker bei aller Schärfe i des Urteils eines auch nicht außer Betracht lassen: das gute,! ehrliche und anständige Wollen! So wie die Nation neben! ter hervorragenden Leistung auch das gute Wollen als etwas 1 Unentbehrliches empfindet, so muß auch die Kritik dieses j gute Wollen in ten Kreis ihrer Berechnungen mit hinein- J beziehen.
Deshalb darf man das Unten nicht deshalb verdammen,H weil es ein Oben gibt. Wie leicht kann man mit allzu j herbem Urteil einem von denen, die heute noch in den An- i fängeit stehen, eine Barriere vorlegen, die ihm sein ganzer! Leben verbaut! Eine große und auch schwere Aufgabe teil der Kritiker zu erfüllen: er hat mit richtiger Witterung und 1 ohne dabei den Dilettantismus zu schonen, ten Werdenden den Weg fteizunrachen. Wo immer er ©reges aufspürt, muß 1 er als warmherziger Freund und Förderer auf den Plan! treten, als Wegweiser und Wegbereiter des kommenden! Genies.
Möge aus dieser Tagung, so schloß der jJiiutjter, ein i enges Vertrauensverhältnis zwischen den schöpferrschen s Künstlern und Kritikern erwachen, so daß beide sich verant- i wörtlich fühlen für eine neue Blüte einer echten großen ] deutschen Kunst.
Warschau, 16. Dez. Die Unterredung des Berliner eng- : lischen Botschafters mit dem Führer findet in ter polnischen j Presse lebhaftes Echo. „Gazeta Polska" schreibt ins .. ihrer Berliner Meldung, die Ansicht diplomatischer Kreise s Becsc gehe dahin, daß die Verhandlungen zwischen Berlin, Paris und London in ter Frage der Rüstungsbefchränkungen und des Lustpaktes erneut lebhaft geworden seien. Die Anknüpfung dieser Gespräche sei ein diplomatischer Erfolg des Reiches, ein neues Zeichen für ten englischen Realismus und ein Beweis für die Besserung der diplomatischen Stellung Deutschlands. Weiter heißt es in ter Meldung, Reichskanzler Hitler habe wiederholt seine Bereitwilligkeit zu Rüstungsbeschränkungen erklärt, und zwar unter der Bedingung ter Gleichheit zwischen Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Die brittsche Diplomatie stehe diesen Vorschlägen befahrend gegenüber und sei der Ansicht, daß die Verbindung der Frage eines westeuropäischen Lustpaktes und eines Rüstungsbeschränkungsabkommens mit anderen mehrseitigen Paktplänen mehr schaden als nutzen könne.
London: wenig Fortschritt erzielt.
London, 16. Dez. Die führenden Blätter zeigen großes Snteresse für den kürzlichen Empfang des Berliner britischen Botschafters durch den Führer.
Reuter meldet aus Berlin, trotz ter Länge ter Unterredung und ihres freundlichen Tones sei wenig Fortschritt erzielt worden. Der Führer habe anscheinend an dem allgemeinen deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage festgehalten. Das Ergebnis der Besprechungen macht es anscheinend unwahrscheinlich, daß die besprochenen Fragen im gegenwärtigen Augenblick weiter behandelt inerten können.
3ti einer ergänzenden Berliner Reutermeldung heißt es, daß die Unterredung mit Phipps vor einiger Zeit vereinbart worden sei. Sie diente ausschließlich informatorischen Zwecken; anscheinend sei keine Rede davon, daß der britische Botschafter irgend welche neuen Weisungen oder Vorschläge entgegengenommen habe, die es rechtfertigen würden, der Unterredung übertriebene Bedeutung beizumessen.
Der Berliner Berichterstatter des „Daily Telegraph" veröffentlicht die Berliner amtliche Verlautbarung und fügt hinzu, es heiße, daß der Führer Punkte seiner Reichstagsrehe vom letzten Mai wiederholt habe. Damals habe er sich zu Besprechungen über ein Luftabkommen und zu einer allgemeinen Rüstungsoerminderung bereiterklärt.
Auch ter Berliner Berichterstatter der „Morning Post" berichtet, daß die Besprechung kein fruchtbares Ergebnis gezeigt habe. Nur eine amtliche Verlautbarung gebe eine flüchtige Andeutung, als ob etwas zustande gebracht worden fei. Hitler habe feine Einwendungen gegen den Luftpakt wiederholt und wieder an die 13 Punkte ter Reichstags rede vom Mai erinnert. Der politische Mitarbeiter des Blattes sagt, Hoare habe am 5. Dezember im Unterhaus ter Absicht Ausdruck gegeben, es fei unwahrscheinlich, daß ein Fortschritt mit dem westlichen Lustpakt erzielt werden könne. Das Ergebnis der Berliner Unterredung habe somit in London keine Überraschung verursacht. In gut unterrichteten Londoner Kreisen glaube man, daß nach Hitlers Ansicht weder mit dem Luft- pakt noch mit ter Frage ter allgemeinen Abrüstung ein Fortschritt möglich sei, bevor der italienisch-abessinische Streit geregelt sei.
Paris: eine Sondierung.
Paris, 16. Dez. Die gesamte ftanzösische Presse schenkt ter Unterteilung des Reichskanzlers mit dem britischen Botschafter große Beachtung. Ihre Tragweite wird jedoch von den einzelnen Blättern verschieden beurteilt.
Der Vertreter des „Excelsiot" betont, es handele sich nicht um englisch- deutsche Verhandlungen, die zu einet Überraschung nach ter Art tes Flottenabkommens führen werden, sondern um die Fortsetzung ter im Februar begonnenen Verhandlungen zwischen London, P a r i s u n d Berlin zur "Lösung ter Probleme der Rüstungsbeschränkung und tes Luftabkommens zwischen den Locarnomächten.
