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Nr. 340.
83. Jahrgang.
Rom zurückhaltend.
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Hat Hoare mit Rücktritt gedroht?
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Werftäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittag» Fernfprecher-Sammel-Nr. 59631.
Gefchöftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
f Bemerkenswert ist, daß der abessinische Kon- I u i k t mit allem seinem Drum und Dran in stärkerem Maße auf die Innenpolitik der vor allem in= teressierten Staaten einzuwirken beginnt. Das eng- lMe Unterhaus möchte gern eine nähere Auf- s Gärung über die Haltung der Regierung haben. Aus diesem Grunde hat" Baldwin eine solche Aussprache für den kommenden Donnerstag in Aussicht
Unabhängigkeit oder Sudan.
Die politische Entwicklung des heutigen Ägyptens datiert — mit Einschränkung gesagt — leit dem Jahre 1807, als Mohamed Mi nicht nur einen Sieg über das englische Heer erfocht, nicht nur die englische Flotte zum Verlassen der ägyptischen Gewässer Zwang, sondern das ägyptische Volk von der türkischen Oberho!heit befreite. Seit dieser Zeit stehen Vizekönige an der Spitze Ägyptens. Diese Erfolge aber verdankte das ägyptische Volk der starken Persönlichkeit Mohamed Ali und dessen kluger Politik, die darauf eingestellt war, nicht allzu enge Bindungen und Verpflichtungen irgend einem Fremdstaat gegenüber, weder England noch Frankreich noch der Türkei, einzugehen. Nach Mohamed Alis Tode befolgten seine Nachfolger diese Richtlinien in keiner Weise weiter und das führte immer tiefer in ein Abhängigkeitsverhältnis von anderen Staaten.
Im Jahre 1881 machte sich der Haß der ägyptischen Bevölkerung gegen das Ausländertum in einem blutigen Aufruhr Luft, dem dann bis zur Gegenwart periodisch viele andere folgten. England und Frankreich begegneten dieser Bewegung durch Entsendung von Truppen; die anderen europäischen Mächte, vor allem das Deutsche Reich enthielten sich jeder Einmischung. Stärksten Anteil an der Niederwerfung des Aufruhrs nahmen die Engländer, englische Truppen blieben im Lande „solange als es die Lage dort erfordert", wie der englische Bericht damals lautete. 'Im darauf folgenden Jahr 1'883 begann man von London aus die wirtschaftliche Durchdringung Ägyptens durch eine Umstellung der gesamten ägyptischen Wirtschaft auf Baumwoll- Handel. Darüber hinaus wurde allmählich die gesamte Verwaltung, der Verkehr, das Banken- und Nachrichtenwesen in englische Hände gespielt. London sagte zwar den Ägyptern eine gewisse Selbständigkeit zu, jede Maßnahme öffentlicher Art mußte jedoch vorher mit den englischen Funktionären erörtert werden; was soviel heißt, als daß die Verwaltung und die politische Führung nahezu restlos in englischen Händen lag. Zugleich erhielt das Sudangebiet politisch und wirtschaftlich eine neue Regelung durch die Errichtung eines englisch- ägyptischen Kondominions, eine Art Zusammenarbeit der Verwaltung und Bewirtschaftung, die aber schließlich im Jahre 1889 zu einer Abtrennung Sudans von Ägypten führte.
Immer tiefer geriet Ägypten in die Abhängigkeit von London, das konnte auch nicht aufgehalten werden durch die vielen Beziehungen auf allen Gebieten, die wunschgemäß von Ägypten aus mit dem Deutschen Reiche angeknüpft und vertieft wurden, nachdem die Ägypter nicht vergessen hatten, daß sich im Jahre 1881 das Deutsche Reich jeder Einmischung in die ägyptischen Angelegenheiten enthalten hat. Der von Loudon aus- geübte Druck steigerte zwangsläufig eine Erbitterung, die es u. a. den Engländern schwer machte, Ägypten zu Beginn des Weltkrieges auf feine Seite zu ziehen. Die Kriegserklärung Ägyptens wurde lediglich durch große Versprechungen in bezug auf eine spätere Selbständigkeit des Landes erkauft. Als dann bei Kriegsende diese Versprechen nicht eingelöst wurden, erwuchs aus der Erbitterung eine autonomistifch-nationale Bewegung unter der Führung von Zaglul Pascha, der dann nach einiger Zeit mit vielen seiner faimtischen Anhänger verbannt wurde. Immerhin hat diese Bewegung, die wir heute als den Wafd kennen, schon festen Fuß in der Bevölkerung gefaßt, was starke Bedenken in London hervorrief. Man wollte einlenken, weil die bisher erfolgte englische Ägyptenpolitik offensichtlich gefährlich war, und so kam es im Jahre 1923 zu einer llnabhängigkeitserklävung, die jedoch nicht ohne versteckte Vorbehalte seitens der Engländer war. Enlifches Militär blieb weiter in Ägypten, und auch die Verwaltung war weiter in englischen Händen. In der Zeit von 1927 bis 1930, als sich die nationale Bewegung des Wafd immer weiter ausbreitete, setzte man sich zusammen, um einen englisch-ägyptischen Vertrag zu entwerfen; einige Entwürfe kamen dabei auch heraus, jedoch von einer Ratifizierung eines Vertrages war nicht die Rede.
Die Verfassung vom Jähre 1923 und diese Vertragsentwürfe sind schließlich die Pole geworden, um die sich die ägyptische Innenpolitik alle die Jahre über gedreht hat. Drei Persönlichkeiten traten im innenpolitischen Leben des Landes, besonders in letzter Zeit, in den Vordergrund. Nesiim Pascha, der jetzige konservative Ministerpräsident, Nahas Pascha, der ungestüme Führer des Wafds, und Mohamed Pascha Mahmud, der ehemalige liberale Ministerpräsident. Alle drei standen in politischem Kampfe gegeneinander, wenn sich auch wechselseitig zwischen allen Dreien Berührungspunkte, so z. B. zwischen Mahmud und Nessim in der englandfreundlichen Politik, ergaben. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn angedeutet wird, daß aber zugleich diese drÄ politischen Führer einerseits gegeneinander
London, 13. Dez. (Gig. Drahtmeldung.) f schreibt, niemand nehme an, daß der Friedenzsch:
Rückt England von dem Pariser Plan ab?
Die angeblichen Ursachen für die Haltung Londons.
x Werbt, niemand nehme an, daß der Friedensschritt die Rich- : Eg genommen hätte wie jetzt, wenn er vom britischen Kabi- nett ausgegangen wäre. Gr trage das Kennzeichen --der besonderen Bedürfnisse, die sich für r f-aottl aus seiner Lage ergaben. Laval habe k !*'ne eigenen Beweggründe, aber die britische Regierung sei infolge einer Indiskretion, durch die vertrauliche Berichte m bde Pariser Presse kamen, in Schwierigkeiten gekommen, indessen fei nichts Unwiderrufliches geschehen.
Der Völkerbund eingeschaltet
Die Ölsperre zurückgestellt. — Mittwoch Hitzung des Rates. Radikalsozialistischer Vorstoß gegen Laval.
suchen Hasen in Verteidigungszustand zu setzen. Keiner der französischen Häfen im Mittelmeer sei überdies imstande die größten britischen Kriegsschiffe auszunehmen.
Angesichts der Gefahr, daß Mussolini eine Ölsperre als Kriegsakt behandeln konnte, sei Laval ersucht worden Vorkehrungen für restlose und wirksame Unterstützung zur See mit größter Schnelligkeit zu betreiben. Hierbei habe er anscheinend geantwortet, dies sei ihm un m ög lich, bevor nicht Friedensbedingungen in der Art des Hoare-Laval-Planes dem Duce unterbreitet und von diesem verworfen worden feien. Allgemein glaubt man, daß ein wesentlicher Teil der englischen 'Kabinettsmitglieder von der Notwendigkeit der Annahme dieser franzö- Mchen Bedingung überzeugt worden sei. Dies habe zu den Pariser Verhandlungen und den Pariser Besuch Hoares ge-
„Morning Post" glaubt zu wissen, daß anfangs eine geteilte Meinung über den Inhalt des Planes unter den Ministern geherrscht habe. Seine Verwerfung hätte jedoch zum Rücktritt Hoares gefiihrt.
Man habe sich dann im Kabinett auf der Grundlage ge- elnigt, daß der Friedensplan nur als felbftloser-Ver- su ch einer Gröffnung von Verhandlungen und nicht als eine Regelung betrachtet werden solle, die von der britischen und französischen Regierung als gerecht vertreten werden würde. 2n politischen Kreisen glaubt man,- daß nunmehr die englische Regierung freie Hand habe, sich von der Verantwortung für den Plan loszusagen, falls er von
genommen. Wichtiger ist allerdings noch, daß in Frankreich der radikalsozialistische Abgeordnete Pierre Cot eine Interpellation eingebracht hat, die fich mit den Friedensvorschlägen besaßt, wobei betont wird, daß man sich gegenwärtig anschicke, Italien das zu gewahren,, was es mit den Waffen nicht erobern konnte. Vielfach vermutet man, daß es sich hier um einen Vorstoß Herriots handelt, der einen Sturz des Kabinetts Laval aus innenpolitischen Gründen nicht wünscht, dem aber ein Rücktritt des Kabinetts wegen außenpolitischer Probleme nicht unerwünscht sein würde, zumal es zwischen ihm und Laval schon in der letzten Sitzung des Kabinetts über die abessinische Frage zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen sein soll. Wenn auch für das französische Kabinett der Satz gilt, daß nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird, so muß doch Laval immerhin mit einer wachsenden Opposition rechnen. Im ganzen wird man annehmen können, daß die Tage bis zur Ratssitzung nicht viel an äußeren Ereignissen bringen werden, daß man dafür aber umfo eifriger hinter den Kulissen verhandeln wird.
Freie Hand für Eden.
London, 12. .Dez. Wie verlautet, hat der in Genf weilende Minister für Völkerbundsangelegenheiten, Eden, von der britischen Regierung völlig freie Hand für die wichtigen Besprechungen erhalten, die mit den Bemühungen um eine Beilegung des Konfliktes zwischen Italien und Abessinien zusammen- bängen.. Entsprechend den Wünschen seiner Regierung werde sich sein Vorgehen natürlich im Rahmen der Völkerbundspolitik halten.
Diese Bemerkung wird in unterrichteten englischen Kreisen dahin ausgelegt, daß England an dem Gemeinsamkeitsgrundsatz sowohl in der Frage der Friedensverhandlungen als auch in der Frage einer etwa notwendig werden Ausdehnung der Sühnemaßnahmen festhalte-n werde. Ob und wann die in Paris ausgearbeiteten Friedensvorfchläge veröffentlicht werden, hängt von dem Gang der Ereignisse in Genf ab.
Vorübergehende Rückkehr Lavals nach Paris.
Paris, 13. Dez. Wie der Sonderberichterstatter der Agentur Havas aus Genf meldet, beabsichtigt Ministerpräsident Laval am Freitagabend oder Samstagfvüh nach Paris zurückzukehren. Auf jeden Fall will Laval am kommenden Dienstag im Senat bei der Aussprache über die Gesetzentwürfe gegen die Kampfbünde zugegen sein. Am Mittwoch, den 18. Dezember, wird der Ministerpräsident jedoch wieder nach Genf kommen, um als Vertreter Frankreichs im Völkerbundsrat über die Friedensvorschläge und die Antworten der beiden kriegsführenden Mächte mit,zuentscheiden.
_ ..Der politische Berichterstatter der „Morninq Post" werft darauf hin, daß sich mit Schnelligkeit eine kritische politische Lage entwickele. Der Berichterstatter "ffnat sodann eine Darstellung der Beweggründe d-e das Kabinett zur Annahme des Pariser Planes veran- M sollen. Danach fei die Regierung während der Mten Wochen wegen der Unzulänglichkeit der im Mittelmeer wegen der Schwierrgketten der Einrichtung einer witf= «wen Slsperre immer besorgter über die Folgen der Sübne- eoiitrk geworden.
Der volle Ginsay der französischen Flotte würde nach ^mrzosychem-Gesetz auch die Mobilmachung des französischen ooeres erfordern. Viele französische Kriegsschiffe würden
n,r SJwIm, 13. Dieij. (Drahtbericht unserer Berliner AbterlungZ Der'18er-Ausschuß hat gestern, ohne dag das Wort DI in feiner Sitzung gefallen wäre, die Olfperre gegen Italien zunächst zurückgestellt. Er hat Ker auch nicht die französisch-englischen Friedensvor- jchlage erörtert, nachdem der Vertreter Polens festge- stellt hat, daß der Ausschuß hierfür nicht zuständig sei. So haben sich Laval und Eden mit kurzen Erklärungen Begnügen können und müssen, Erklärungen, die vor allem den Zweck hatten, den Eindruck zu verhindern, als ob England und Frankreich ; Genf vor vollendete Tatsachen stellen wollten. Die beiden Staatsmänner bekundeten vielmehr, daß es sich nur um Anregungen handele, die den Beginn von Verhandlungen er- :< möglichen sollten. Der Versuch, nunmehr den Fünfer- Ausschuß wieder zu neuem Leben zu erwecken, d. h. den Ausschuß, der die ersten Vermittlungsvorschläge machte, fft nicht geglückt, _ wie denn überhaupt in Genf eine >|tarre pppAfitiau gegen den französisch- eng lisch en Vorschlag fühlbar wird. Einige - Ausschußmitglieder sehen in diesem Vorschlag eine B e - [ lohnung des Angr eifers, also gerade >das f Gegenteil von dem, was bisher erreicht werden sollte l So entschloß man sich, den Rat in das Verfahren l ei nzus cha l ten. Die für Dienstag vorgesehene | Ratssitzung wurde auf Mittwoch, den 18. Dezember, I verschoben und auf die Tagesordnung dieser Sitzung | wurde der italieni sch-abessünische Konflikt gesetzt. ' Es ' sst sicher, daß man in Genf in eine besonders schwierige E Sage kommt, wenn einer der Gegner den Pariser Vermittlungsvorschlag ablehnt. Nach den bisherigen r Äußerungen kann man aber kaum annehmen, daß k Addis Abeba in diesem Vorschlag eine geeignete Ver- - Handlungsgrundlage erblickt. In Rom vermeidet w a n weiterhin jede Äußerung zu diesem Pariser Vorschlag, warnt aber vor einem Optimismus, K- wie ihn die französische Presse zur Schau trägt. Trotz- \ dem wird man aber annehmen können, daß es zunächst zu italienischen Rückfragen kommen wird. Im übrigen zeigt sich Rom entschlossen, seine Aktionen in Ostafrika E stwtzusetzen und denkt garnicht daran, die militärischen l Maßnahmen aufzugeben. So wird heute der König F eine Schwarzhemdenbivision besichtigen, die unmittel- l bar darauf nach Ostafrika eingeschifft werden soll.
d-r 22 MlUnn-ter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund. bC dREmeter betten Spalte >m Tertteil 45 Rpf., ionst laut Preisliste Nr. 4, Z? dl- Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzei T bchlutz der Anzeigen. Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
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Freitag, 13. Dezember 1935.
