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mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

Drahtanschrift: Zagblatt Wiesdaben.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

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Nr. 339

Donnerstag, 12. Dezember 1935

83. Jahrgang.

Werktäglich nachmittags, Samstags vor- u. nachmittag» Ferniprecher-Sammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

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Wieder Genfer Gespräche.

Die Hotelzimmer-Besprechungen haben begonnen. — Verschiebung der Llsanktionen. Antwort Mussolinis schon heute?

so sehr mit seiner Antwort beeilen wird. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, wird man schwerlich weder mit einer Annahme der Borschläge im ganzen, noch mit einer glatten Ablehnung rechnen können, viel- mehr werden weitere Verhandlungen nötig sein, m die 'tnan dann den Völkerbundsrat oder einen seiner zahl­reichen Ausschüsse wird einschalten müssen. Die

*yJn;l;e 1 hingegen, für deren Haltung die ^velt sich sehr viel weniger interessiert als für die Hal­tung Italiens, haben den Pariser Vorschlag bereits verworfen. Zn einer längeren Er­klärung der abessinischen Pariser Gesandtschaft wird jedenfalls jeder Vorschlag ab gelehnt, der eine Beeinträchtigung der territorialen und politischen Integrität mit sich bringt. Der abessinische Gesandte geht in einer Erklärung gegenüber dem Reutervertreter noch weiter und bezeich­net die Vorschläge als geradezu lächerlich, wenn sie auch nur annähernd dem entsprächen, was in der Presse gestanden habe. Abessinien werde lieber werter kämpfen, bis kein Abessinier mehr am Leben sei, als auf diese Weise den An­greifern nachzugeben. Wenn also die franzö­sische Presse jetzt wieder van dem „Marsch zum Frieden" spricht, so wird man doch wohl hinzufügen müssen, daß dieser Marsch, wenn er wirklich zum Ziele führt, zum mindesten ein Mansch mit großen Hindernissen sein wird. Zm übrigen wird man wohl gut tun, nichtmit einer allzu schnellen Entackicklung zu rechnen. Einmal wird man sich auf die erste Etappe der Rückfragen und der eingehenden Prüfung der Vor­schläge durch Italien vorbereiten müssen und erst dieser Etappe würden dann die eigentlichen Verhandlungen folgen können. Auf diese Taktik zielt Rom jedenfalls hin in der Hoffnung, daß es feine Position in Abessjnien selbst wesentlich verbessern kann, obwohl auch der neue Oberbefehlshaber, Marschall Badog- l i o, erst gestern wieder Pressevertreter aus die großen Schwierigkeiten hinwies, auf die ein Feldzug in Abessinien stößt.

Ist England sanktionsmüde?

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Dteie Verwunderung bezieht sich gleichzeitig darauf, daß England, wie das Blatt weiter schreibt, sich offenbar über die Staatshoheit und llna n t a stb a r kei t des a b e s s i nischen Gebietes h i n w « g s e tz e. Hierbei zeige sich nach Ansicht «der maßgebenden japanischen Kreise das wahre E e s i ch t der englischen Politik.

Besorgnisse um die Mittelmeerflotte.

London, 12. Dez. (Gig. Drahtmeldung.) Wie der politische Mitarbeiter der „Morning Post" glaubt, erwartet man in politischen Kreisen Londons, daß Italien den Friedensplan als Verhandlungsgrundlage annehmen, Abessinien aber ihn verwerfen werde. Am Mittwoch habe man in den Wandelgangen des Parlaments allgemein hören können, daß es der Regierung in diesem Falle die größten Schwierigkeiten machen werde, die Sühnemaßnahmen gegen Italien fortzusetzen und die Frage der Ölsperre weiter zu be­treiben. In Rogierungskreisen sei erklärt worden, in solchem Falle liege die Entscheidung hinsichtlich der Zu­kunft völlig in den Händen des Völkerbundes. Mit unterrichtete Persönlichkeiten seien aber trotzdem der Meinni^, daß die Regierung einer Fortsetzung ^er Sühnemaßnahmen abgeneigt sein würde, teils wegen der unbefriedigenden Lage der Flotte im Mittel- Meer und teils wegen der Schwierigkeit, eine wirksame ^'sperre zustande zu bringen. Die Regierung sei ssicht überzeugt, so erklärt „Morning'Post" in fettem -Lruck, datzFrankreichimFalleeines Angriffes «uf britische Schiffe wirksamen Beistand tristen würde. Daher rühre die Besorgnis wegen der Lage der Flotte. H

Der Pariser Vertreter des Blattes berichtet, in Paris Arische einige Sorge hinsichtlich der Art, in der die britisch« st^Merung die gemeinsamen Vorschläge in Genf unterbreiten «erde. Man neige in Paris nämlich zu der Auffassung, daß voarr das britische Kabinett zu mehr verpflichtet habe, als Mn in London erwartet habe und daß das Kabinett ver­rucht habe, einiges von dem verlorenen Boden im Fünfer- uusschuß zurückzugewinnen.

Anterhausantrag gegen zu große Zugeständnisse.

London, 12. Dez. (Gig. Drahtmeldung.) Sieben ii „x fanget-bet Regierun g, nämlich fünf Konservative üs? zwei Simon-Liberale, haben im Unterhaus zu möglichst "ADiger Erörterung und Entscheidung eine E n t - 'M"«tz^ng angemeldet. Darin heißt es, das llntsr- ~t“5. werde einer Schlichtung des italienisch-abessinischen n£t*®es Nicht zustimmen, wenn sie die internationalen Ver- Jjungen Englands auf Grund der Völkerbundssatzung ^jT^kuchichtigt lasse, indem sie den „Angreiferstaat nach seinevi tnX heiausgefovderten Angriff" größere Zugeständnisse

als er durch friedliche Verhandlungen erhalten hätte.

Bisher kein Luftangriff auf Addis Abeba.

Wiedereröffnung der Läden.

Addis Abeba, 11. Dez. Der auf Grund verschiedener Meldungen für die Akorgenstunden des Mittwoch allgemein erwartete italienische Luftangriff ist bis 1U Uhr vormittags nicht erfolgt. In abesiinischen Kreisen hält man es jedoch nicht für unmöglich, daß er doch noch zu einem spateren Zeitpunkt eintritt.

Sm Laufe des Vormittags wurden die Läden inder Stadt wieder geöffnet. In der ersten Aufregung haben ungefähr 2 0 0 0,0 Me nichen Addis Abeba verlassen. Das Gesandtschostsoiertel war bereits um 6 Uhr morgens von Tausenden umlagert, die dort Schutz zu finden hofften.

Die abessinischen Behörden haben eine vierfache Ver­stärkung des Polizeidiewstes eingerichtet. An allen Straßen­ecken wurden zur Bekämpfung von Bränden infolge von Bombenabwurf große Fässer mit Wasser aufgestellt. -

Abessinien lehnt ab.

QI, ,as: Berlin, 12. Dez. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Jir Genf beginnt heute die Tagung des Ider-Ausschusses der Sanktionskonferenz. Ursprünglich erwartete man von dieser Sitzung bekanntlich die Ver- hängung der Erdölliefe rungss per re über Italien und damit eine wesentliche Verschärfung der ganzen Lage. Inzwischen hat sich die Situation durch das fraitgösisch- englifche Friedensangebot geändert. So scheint es jetzt schon sicher, daß der Ausschluß, wenn er heute nach- mittag Zusammentritt, die Öllieferungs sperre nicht ausspricht, ja, sich möglicherweise nach einer rein formalen Sitzung, vertagen wird. Das Haupt­gewicht liegt in Genf auch diesmal wieder nicht auf der eigentlichen Ausschußsitzung, sondern auf den ver- traulichen Besprechungen der Staatsmänner. Diese Besprechungen haben sofort nach Ankunft Lavals und Edens begonnen. Sowohl der französische Minister­präsident als auch der _ englische VAkerbundsminister dürfte dabei bemüht sein, festzustellen, auf welche Widerstände, der neue Friedensplan stößt und dürfte versuchen, diese Widerstände zu überwinden. Tatsächlich ist man ja keineswegs überall von dem Vorschlag ent­zückt. Man sieht darin hier und da die Belohnung des Angreifers und das halbamtliche Organ des Völker­bundes selbst beschuldigt sozusagen die Staatsmänner des Verstoßes gegen die Völkerbundssatzung. Auch die norwegische Presse wendet sich scharf gegen das Pariser Angebot.

Eden und Laval werden zweifellos Vorschlägen, die Frage der Ölsanktionen zu vertagen so lange, bis das Schicksal des Friedensvorfchlages feftsteht. Mussolini hat den englischen und den französischen Botschafter gestern empfangen und zunächst nur dden Eingang der Vorschläge betätigt mit der Zusage, die Vorschläge zu prüfen. Gerüchtweise ist zu hören, daß Mussolini be­reits heute nachmittag in einer Rede vor dem Senat auf die Friedensvorschläge antworten wird, doch will es uns zweifelhaft erscheinen, ob sich der Duce wirklich

Die Friedensvorschläge den Gesandten in Addis Abeba übermittelt.

London, 12. Dez. Wie Reuter aus Addis Abeba meldet, ist der französisch-britische Fviedensplan bei den Gesandten Englands und Frankreichs in Addis Abeba eingelaufen. Er werde nach gemeinsamer Prüfung dem abessinischen Außenministerium überreicht werden. Es sei noch nicht bekannt, ob 'ber Kaiser von Dessie nach der Hauptstadt zurückkehren werde, um die Vorschläge zu prüfen. Japan spricht von einem „Austeilungsplan".

Tokio, 12. Dez. (Gig. Drahtmeldung.) Die Zeitung „Kokumin Shimbun" beschäftigt sich eingehend mit den F medensvorschlügen im Abessinienkonflikt und bezeichnet sie als einen Au fte i lung s pla n, der in Japan größtes Aufsehen erregt habe. Amtliche Kreise, so sagt das Blatt, hätten bisher jede Stellungnahme vermieden, feien aber über Englands Haltung gegenüber China und dem Neunmächtepakt verwundert.

Konferenz im Schatten.

3ut gleichen Zeit, in welcher in Helsingfors die Ministerpräsidenten der skandinavischen Länder und Dänemarks zusammengekommen sind, um sich über die für ihre Länder wichtigen Fragen politischer, wirt­schaftlicher und wohl auch kultureller Natur zu unter­halten, tagt in Riga eine Konferenz, an der die führenden Männer der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen teilnehmen.

Eine Annäherung der baltischen Länder hat ganz ohne Zweifel in jeder Beziehung während der letzten anderthalb Jahre stattgefunden, mindestens die ernst­haften Versuche dazu. Ist es nicht eigenartig, daß ange­sichts solcher Bestrebungen die Ministerpräsidenten der Staaten zusammenkommen, und daß bei dieser Zu­sammenkunft weder die litauische, noch die lettische, noch die estnische Sprache gesprochen werde? Die Verhand- lungsteilnehmer bedienen sich vielmehr des Englischen. Das muß eigentlich als Zeichen dafür gewertet werden, daß kulturell keine sehr innige Verbindung zwischen Estland, Lettland und Litauen besteht. Und das kann auf vielerlei zurückzuführen sein. Da sind die Ein­flüsse, die von auswärts kommen, aus England vor allem nach Estland, aus Frankreich nach Litauen und schließlich nicht zu vergessen der gewaltige Einfluß, der von Moskau ausgeht. Seit einiger Zeit sind wechsel­seitige Wirtschaftsabkommen zwischen den Regierungen der iirei baltischen Länder in Kraft. Gut unterrichtete und aufmerksame Beobachter haben immer nur fest- stellen können, daß diese Wirtschaftsabkommen noch nicht zu dem Erfolge geführt haben, den sie eigentlich bezwecken. Ganz im Gegenteil ist praktisch eine Locke­rung der gegenseitigen wirtschaftlichen Beziehungen eingetreten, die schon zu Maßnahmen geführt haben, die einer gesunden Entwicklung des gegenseitigen wirt­schaftlichen Verkehrs entgegenftehen. Hier handelt es sich um schärfere Bestimmungen im nahen Grenz- und Warenverkehr. Insofern wäre also die wirtschaftliche Entwicklung der Länder untereinander zurzeit etwa auf ein totes Gleis gelangt, das neue Weichen er­halten müßte, um dem erstrebten Ziele zuzuführen. Die bisherigen Wirtschaftsabkommen .genügen scheinbar nicht. Mit keinem Worte ist aber davon die Rede, daß sich die gegenwärtig tagende Konferenz in Riga in her­vorragendem Maße mit wirtschaftlichen Dingen befassen will; man legt ihr mehr politische Bedeutung bei. Bis jetzt besteht ja auch in dieser Hinsicht eine Absprache, nach der sich jede der Regierungen vor irgendwelchen außenpolitischen Absichten und Maßnahmen mit den anderen beiden Regierungen der Baltenländer ins Be­nehmen setzen soll. Unter den außenpolitischen Themen, die in dieser Woche in Riga zur Erörterung stehen, wird sich aber wohl kaum der Ostpakt befinden; um ihn ist es still geworden seit dem Abschluß des Bündnis­vertrages zwischen Paris und Moskau, und die balti­schen Staaten haben genau wie Polen bei jedem Ver­such und bei jeder Fühlungnahme in bezug auf diese

• Frage stets die kalte Schulter gezeigt.

Steht auch ganz außer Zweifel, daß die hochpoliti­schen Fragen der europäischen Politik in die Gespräche der Konferenz von Riga mit einbezogen werden, der abessinisch-italienische Konflikt und die Sanktions­politik, so dürften diese Dinge doch wohl erst in zweiter Linie dort zur Sprache kommen. Man möchte beinahe agen, die Baitenkonferenz stünde im Schatten der großen europäis chen Politik und hätte nur •in diesem Sinne mit ihr zu tun. Selbstverständlich hat die internationale Politik ihre Auswirkungen auf die Baltenländer, und die stärkste dieser Auswirkungen scheint beinahe die zu sein, daß sich unter diesen Ländern immer stärker das Bestreben abzeichnrt, sich enger zu- sammenzuschlietzen und vielleicht auch nach Norden nach Finnland und nach Süden nach Polen gemeinsam zu Schauen. Wie schon erwähnt, kommt der größte Druck, den die drei Baltenländer auszuhalten haben, von Sowjetrußland, und um ihm zu begegnen, erscheint ohne weiteres eine Anlehnung an den südlichen und nördlichen Nachbarn, die ja auch an Sowjetrußland grenzen, geeignet. Dies besonders deswegen, weil ja sowohl von Polen wie von Finnland von jeher eine starke Ablehnung gegenüber Moskau bekundet worden ist. Aber auch derartige Absichten, wenn sie tatsächlich vorhanden find, haben ihre Schwierigkeiten. Eine der größten ist wohl das immer noch nicht bereinigte Ver­hältnis zwischen Polen und Litauen. Sowohl von Estland wie auch von Lettland aus sind ja schon mancherlei Anregungen an Kowno ergangen, eine Ve­reinigung dieser Angelegenheit herbeizuführen, und sicherlich werden die Besprechungen der Rigaer Kon­ferenz diesen Dingen in hohem Maße gewidmet jein.