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83. Jahrgang.

ffntoflffntino Der abGWn Bevölkerung im besetzten Gebiet.

von Makalle

— also hinter den italienischen

Linien

— liegt, schwere Kämpfe statt, die schon seit Tagen

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mit unverminderter Heftigkeit andauern sollen. Die Abessi­nier versuchen nach diesen Berichten, den Nachschub von Truppen, Kriegsmaterial und Lebensmit­teln auf der Straße von Makalle nach Adua abzu­fangen. Die Kämpfe sollen für die Italiener, die sich nach den Behauptungen der Abessinier bereits auf dem Rückzug nach Adua befinden sollen, äußerst verlustreich sein.

An der Südfront hat im Abschnitt von Dolo bei der Heeresgruppe des Ras Desta erhöhte Eefechtstätig- k e i t eingesetzt. Der Sterndeuter des Kaisers hat voraus­gesagt, daß sich in diesem Abschnitt im Dezember an einem Donnerstag eine große Schlacht entwickeln werde, die vier Tage dauern und für die Abessinier glücklich verlaufen merbe.

erforderlich ist, andernfalls der Vormarsch der Italiener durch Gefährdung der hinteren Linien behindert ist

, Hier liegt auch «ine Meldung über ein Vorrücken starker abemni'cher Kolonnen zwischen dem Aschangisee und dem Amba Matsch, vor. Diese abessinischen Bewegungen deuten darauf hin, daß der Feind die italienischen Kräfte in dieser Gegend zu finden versucht, um vielleicht zum Gegenstoß durch Tembren über den Takasie auszuholen.

Blutige Kämpfe hinter der italienischen Linie?

Addis Abeba, 1. Dez. Rach abessinischen Meldungen finden am Abaropaß, der 65 Kilometer nördlich

Europa auf dem Petroleumtank.

Hmt« Sondersitzung des -ngttschen Kabinetts. - Laonl gibt die Hoffnung nicht auf Roms Widerstand gegen die Sanktionen.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Montag, 2. Dezember 1935.

fanklionsstaatlich und .dem Begriff ausländisch.im all­gemeinen besteht. So hat man an vielen Amchlaas- I au leit große Karten von Europa angeklebt, auf denen Staaten gekennzeichnet find, die sich den Sanktionen angsichloffen haben. Auch die Lage auf dem Krieas- !n> rt-11,? Va § selbst .ist doch keineswegs fo, daß sie ulcussoll.ni zum Einlenken zwänge. Allerdings ent­wickeln sich hinter der eigentlichen Kampflinie an der Nordfront immer wieder neue Gefechte, durch die der italienische Nachschub bedroht wird. Aber gegenüber sehr weitgehenden abessinischen Darstellungen wird in italienischen Kreisen betont, daß diese Kämpfe zwar nicht sehr angenehm seien, daß sie auch wohl die größeren Operationen beeinträchtigten, aber doch keines­falls unmöglich machten. Jedenfalls wird man gut tun aus diesen Kampfhandlungen hinter den italienischen äehen" e’ne a^u weitgehenden Schlußfolgerungen zu

Londoner Erwägungen.

London, 2. Dez. Das britische Kabinett wird heute zu einer Sondersitzung znsammentreten. Es soll geprüft werden, ob die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen gegen Italien auch das DI erfassen sollen. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt dazu, die einflußreichsten Minister seien überzeugt, daß die Auf- richtung einer Ölsperre gegen Italien infolge der Haltung Roms wahrscheinlich unvermeid­lich fein werde. Auf der anderen Seite wünsche aber kein Minister eine so einschneidende Maßnahme, wenn sie pch vermeiden lasse. In der Ölfrage sei die Haltung der Bereinigten Staaten von besonderer Wichtigkeit. Die Erklärungen Roosevelts und seines Staatssekretärs, sowie Äußerungen anderer Mitglieder der amerikanischen Regierung deuteten daraufhin, daß man mit einer äußersten Einschränkung, wenn nicht so­gar völligen Absperrung «der Ölzufuhr nach Italien rech­nen müsse.

Das britische Kabinett werde ■über drei Punkte zu entscheiden habens 1. die Frage, ob eine Ölsperre, die das italienische Feldheer bald lwhmlegen würde, 'eine militärische Maßnahme nach Art einer begrenzten Blockade darstellen würde; 2. die Frage, ob eine Öl- sperre wirksam sein würde, solange amerikanische Aus- fnhrhändler nur von der öffentlichen Meinung und von .dem sittlichen Druck ihrer Regierung beeinflußt werden: T die Frage, ob eine Ölsperre Friedensverhandlungen beschleunigen oder verzögern würde.

Da noch zehn Tage zur Verfügung stünden, bevor der 18er-Ausschuß zusammentrete, sch heute eine end­gültige Entscheidung nicht zu erwarten.

Die Kämpfe in Abessinien.

or, ,a®; 2. Dez. (Drahtbericht unserer Berliner

Abteilung.) Das englische Kabinett tritt heute zu einer. Sondersitzung zusammen, um sich .mit der welt­politischen Lage zu beschäftigen. Besondere Beschlüsse sind allerdings kaum zu erwarten, nachdem eine ge- unsse Klärung der Situation eingetreten ist Die Engländer halten absolut fest an der a?e e f e i u n g s f p e r r e, die vom 18er-

Aus chutz der Sanktionskonferenz am 12. Dezember be- Moßen werden dürfte, und es ist ihnen, wie schon be­richtet wurde, gelungen, die Franzbsen auf ihre Seite zu bekommen, wobei nicht ohne weiteres zu erkennen

^«he Zugeständnisse London dafür Paris gemacht

Unter diesem Druck hat Mussolini seine früheren Erklärungen abge^chwächt. Italien wird auch die.Petroleumlieferungssperre wie die übrigen Sanktionen hinnehmen. Tiotz- 1nan im englischen Kabinett aber heute doch wohl Maßnahmen besprechen, zu denen man sich ent- !chlietzen Mußte, wenn die Petroleumsanktionen zu Weiterungen führen sollten. Europa sitzt eben doch noch immer um ein in diesen Tagen geprägtes Wort zu gebrauchen, zwar nicht auf dem Pulverfaß, wohl aber auf dem Petroleumiank, was unter Umständen auch nicht ungefährlich ist. Andererseits kann man hören, daß Laval feine Vermittlungsaktion fort­setz t und daß er Mussolini veranlassen möchte, noch vor dem Zusammentritt des 18er-Ausschusses, das heißt also

Zem ^eschluß über die Petroleumsanktionen, seine Mindestforderungen bekannt zu geben. Diese Nach­richt hingt durchaus glaubwürdig, nur ist es sehr wenig wahrscheinlich, daß Mussolini heute sich mit Forderun- gmr begnügt, die die Grundlage für Verhandlungen bilden, konnten. Mit allem Nachdruck führt Rom den Kampf gegen die. Sanktionen und erst gestern wieder hat Mussolini auf einem Empfang von Vertretern der Organisation der Kriegsmiitter und Kriegswitwen ver­sichert daß Italien durch die Wirtschafts- .janktionen nicht tief getroffen werden könnte, weil niemand « ahne, wieviel Kraftereferoe vorhanden feien. Es ist auch kennzeichnend, daß die Regierung 70 Millionen Lire b e will igle ßjir den Bau einer Erdöl- raffinerie, die das in Albanien gefundene Petroleu m verarbeiten soll. Jedenfalls ist von irgendeinem Nachlassen des Widerstandes gegen die Sanktionen nicht das mindeste zu bemerken. Dabei be­müht man sich neuerdings, dem Publikum klar zu machen, oaß ein Unterschied zwischen dem Begriff

’La££?'<et“ der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund-

Die Kunst der Staatsführung.

In den demokratischen Staaten hat man für das ' Deutschland Adolf Hitlers im allgemeinen nur ein Etikett: Diktatur. Und im Unterton schwingt dabei die Vorstellung mit, idaß eine auf äußere Machtmittel ge­stutzte Ein-Mann-Herrschaft iiber ein diesem Regime : widerstrebendes Volk gemeint sei.

' . _.®s Lkbt sinnfällige Widerlegungen dieser Auf- fassung. Wer Zeuge war der Veranstaltung, mit der ; ö» „Deutschlandhalle" in Berlin ihrer Bestimmung ; übergeben wurde, bekam unmittelbaren Anschauungs- ■ unterricht von dem, was man draußen „Diktatur" nennt. Schon dieser Hallenbau, der sinnlos wäre, wenn «is Volk in feiner breiten Schicht nur als Objekt des Regierens angesehen würde, nicht aber als lebendiger Teilnehmer an .dem gemeinsamen Schicksal, das Regie­rende und Regierte .umschließt, ist eine Widerlegung. Unb die 20 000 Menschen, die ihn an jenem Eröffnungs­abend füllten, und zu denen der Führer sprach, waren die andere Widerlegung. In diesem übersichtlichen, .weiten, hellen Raum, der trotz seiner gewaltigen Aus­maße die Menschenmassen zusammenhält, wurde die un­mittelbare Fühlung, die zwischen dem Hörer und dem Redner vom ersten Worte an bestand, viel deutlicher spürbar, als etwa bei den gelegentlichen Riesenveran­staltungen im Freien.

Die .R ed e .des Führers war sichtlich durch das Bewußtsein dieses sofort gewonnenen lebendigen Kon­taktes in Form und Inhalt bestimmt. Es war eine freie, fast unvorbereitet wirkende Auseinandersetzung mit den grundsätzlichen Fragen der Volksführung und mit den Einwendungen, die von Nichtverstehenden oder auch solchen, die nicht verstehen wollen, dagegen erhoben werden. Adolf Hitler fragte im Hinblick auf den neuen Hallenbau, warum eigentlich die Demokratie, die ihrer Meinung nach dem Volke doch so nahe stünde, keine Versammlungsstätten für das Volk wie diese gebaut hätte. Die Fragestellung allein schon war eine Wider­legung der Auffassungen von einer volksfvemden oder gar dem Volkswillen entgegengesetzten Diktatur im Deutschland von heute. Man könnte das, was sich feit drei Jahren bei uns vollzieht, eine Demokratie von oben nennen. Das, was man verlassen hat, ist die Form der politischen Willensbildung aus einer Fülle be­ziehungslos nebeneinander stehender widerspruchsvoller Einzelmeinungen. An ihre Stelle ist eine zielklare Führung getreten, aber — und das eben ist der Sinn dieser neuen Demokratie von oben — diese Führung ist darauf bedacht, im geführten Volke einen klaren Willen in der Richtung der von ihr gesehenen Ziele zu er­wecken und zu mobilisieren.

Aus dieser Notwendigkeit einer bis in alle Kreise ■des Volkes hinein wirksamen Willensbildung, die, wie Adolf Hitler mit Recht aussprach, wenn sie da ist, nun wieder als Antriebskraft für die Staatsführung wirkt, ist auch zu begreifen, daß der Nationalsozialismus dem Individualismus, der einst unsere Politik beherrschte absagte. Das Gemeinsame, auch wenn es das Ein. fächere, Primitivere war, mußte in den Vordergrund gestellt werden gegenüber dem allzu Persönlichen, wenn dieses sich der Bildung-eines Gesamtwillens entgegen­stellte. Sicherlich verhindert gerade diese Absage an den Individualismus viele aus der alten Zeit, den Anschluß an die den Staat heute tragende Bewegung zu finden. Aber .sollten sie sich nicht darüber Rechenschaft ablegen, welche gewaltige Kraftanhäufung gerade da­durch möglich geworden ist, daß der Wille von Millionen durch den Appell an ihr einfachstes Begreifen und unter Hinwegsehen über alle persönlichen Sondertümeleien zusammengefaßt und gleichgerichtet wurde? Der Blick nach außen sollte sie das ebenso lehren wie eine Liber­prüfung der Entwicklung im Innern.

Diejenigen aber, die sich sozusagen in ihrem eigenen Persönlichkeitswert getroffen fühlen und dem Dritten Reich deshalb den Vorwurf machen, daß es den Men­schen nicht zu schößen wisse, solltensich klar darüber wer­den, wie sehr die Staatsfüchrung heute hinter allen sach­lichen Fragen die unmittelbare seelische Beziehung zu Len Menschen sucht. Der Mensch ist mehr denn je in den Mittelpunkt ■der Politik gerückt, und man kann, um den grundsätzlichen Wandel der Zeit zu kennzeichnen, wohl sagen: alle großen Staatsmänner der Vergangenheit, Bismarck und Friedrich den Großen nicht ausgenommen, waren Menschenverächter. Adolf Hstler glaubt an den Menschen.

Diele, die in .den Vorstellungen der alten Zeit be­fangen sind, sehen manchmal neidisch auf England, dessen demokratischen Freiheiten ihnen als das glückliche Gegenstück zu dem erscheinen, was in Deutschland gilt. Sie vergessen nur, daß dieses heutige England nur mög­lich geworden ist als das Produkt einer politischen Schulung und einer Willenserziehung, die der von der nationalsozialistischen Bewegung erstrebten recht ver­wandt ist. Als der Führer seine Rede ausklingen ließ

Mon-tt RM. 2- ein.

Wei» leinen Anspruch auf Siefenje?

„Dauernde Aufsässigkeiten und Zusammen­rottungen."

A ®e5- .Die italienischen Behörden im besetz- ten. ö.et dortigen Eingeborenenbevölkerunq entgegenkommenderweise bei der Besetzung die Massen be- n’ ^urch die Bevölkerung zu schonen. Die Folgen hiervon waren dauerndeÄufsässigkei- t e n u n d d u . a m m e n r o t t u nge n unsicherer Elemente, die hinter der ita.ienischen Front Unruheherde bildeten.

Angesichts dieser Lage hat der neue italienische Ober- kommlssar und Oberbefehlshaber 6er italienischen Streit« kraste in ^.itarnfa, B a d o g l i o, den Befehl zur Entwaff- nU£n ^nmih^eht ™?.drI£erunS in den besetzten Gebieten geben amtt xfr ein Mißstand, der sich in den letzten Wochen gemacht hat, von General Badoglio abgc- stellt worden. ° °

Auseinanderziehung der Nordfront.

Asmara, 1. Dez. Obwohl das neue italienische Ober- l^r^b°T,^n^Lbe8t€ifIi*en Gründen über die augen- blicklichen dbwegungen an der Nordfront nach Mög- lichkeit lnruckha ist, lassen sich doch aus amtlichen Ve- richten "Id ^M^mationen, die nur sehr knapp gehalten sind, gewisse bchlußsolgerungen über die Bewegungen der abessi- m.schen Streitkräfte Ziehen. Es ist unverkennbar, daß sich die N o r d f r o n t w e 11 e r auseinanderzieht Als Aufmarschlinie gilt ^r Fluß Takasse und sein rechter Neben- ■ lufl Ehewa. ^ie wichrig^en Stellungen sind bereits von .Italienern in dmer Gegend bezogen worden. Es hat sich dabei als n? ® nb erwiesen, die Hochebene von Tembien zu umgehen, da eine restlose Säube­rung dieses Gebte-es von versprengten feindlichen Gruppen

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Nr. 329.