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Nr. 328.

Sonntag, 1. Dezember 1935.

83. Jahrgang.

Das dritte Ozeanluftschiff.

Großmächte in Südamerika.

Freundschaftsgrutz Deutschlands an die ABC-Staaten.

LZ. 129 vor der Fertigstellung. — Neue Baupläne. — Eine Ringbauhalle in Friedrichshafen.

England lobt den Zeppelin.

as. Berlin, 30. No«. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat Wieder einmal einen Beweis feines Könnens gegeben, es ist bekanntlich durch die bvlschewistisch-kommun isttsche Re­volte in Brasilien zu einer Rekordleistung gezwungen worden. Diese Leistung ist von den englischen Blättern vorbehaltlos anerkannt, die nicht nur das „stolzeste Schiff, das je das Luftmeer durchkreuzte", lobten, son­dern auch anerkennende Worte für die Besatzung und den Führer dieses Luftschiffes, Kapitän Lehmann, fanden. Größer noch als der „Graf" und damit auch leistungsfähiger noch wird das neue Luftschiff ,LZ. 129“ werden, das kurz vor der Vollen­dung steht und das voraussichtlich seine Werkstätten­fahrten im Januar oder Februar aufnehmen wird. Noch aber ist dieser neue Luftriese nicht vollendet, aber schon trifft man in Friedrichshafen alle Vorbereitungen für den Bau des 3. Ozeanluftschiffes, des „LZ. 130“. Im großen und ganzen wird dieses neue Luftschiff als Schwefterfchiff des ,LZ. 129“ gebaut, es wird im allge­meinen die gleichen Ausmaße auffoeifen, doch wird man sich naturgemäß alle Erfahrungen zu eigen machen, die man auf den Fahrten des ,KZ. 129“ sammeln wird. Vor allem aber soll auf dem 3. Ozeanluftschiff noch besser für die Passagiere gesorgt werden, als das in dem jetzt im Bau befindlichen Luftschiff der Fall ist, obwohl dies bekanntlich schon alle Annehmlich­keiten bietet, so auch mit einem Rauchsalon ausgerüstet ist, wahrend die Zeppelin-Passagi ere bis jetzt auf das Vergnügen des Rauchens verzichten mußten. Der Bau des „LZ. 130“ wird aber wesentlich schneller vonstatten gehen, als der Bau des jetzt fast vollendeten „LZ. 129“. In Friedrichshafen wird nämlich insofern eine sehr be­deutsame Erweiterung der Anlagen geschaffen, als eine Ringbauhalle im Entstehen begriffen ist, die schon im Frühjahr fertiggestellt sein soll. Hier werden künftig

die 36eckigen Duraluminiumringe des Schiffskörpers fertiggestellt, die dann zur weiteren Verarbeitung in die große Werfthalle 1 geliefert werden. In dieser Halle liegt augenblicklich noch der „LZ. 129“ und von dieser Halle aus wird er auch noch seine ersten Flüge durchführen, weil dort am besten die Hilfsmittel für kleine Veränderungen und Verbesserungen zur Ver­fügung stöhen. Im Frühjahr wird aber dann der „LZ. 129“ in die für diese Zwecke freigemachte und ein- gerichtete Löwenihaler Halle bei FriÄrichshafen über­siedeln und zum Herbst dann die bis dahin fertigge­stellte neue Halle auf dem Weltluftschiffhafen Rhein-Main bei Frankfurt a. M. als

Her erhalten. So wird also schon im Frühjahr die eM große Halle in Friedrichshafen für den Neubau „LZ. 130“ frei und vom Herbst nächsten Jahres ab werden dann für Bauzwecke sogar zwei Hallen in Friedrichshafen zur Verfügung stehen. Das Bau­tempo wird sich dadurch naturgemäß wesentlich beschleu­nigen lassen, zumal da dann die Ringbauhalle ständig die vormontierten Haupt- und Nebenringe anliefern kann. So wird der fest von der Deutschen Zeppelin- Reederei bestellte „LZ. 130“ wesentlich schneller fertig­gestellt werden können, als das Schwesterschiff. Durch die zielbewußte Steigerung der Leistungsfähigkeit der Friedrichshafener Zeppelinwerft wird die Deutsche Zeppelin-Reederei in die Lage versetzt werden, den Weltluftschiffverkehr auf weiteren Transozeanstrecken mit mehreren Luftschiffen höchster Leistungsfähigkeit verhältnismäßig bald aufzunehmen, wenn auch mit der Fertigstellung des „LZ. 130“ erst im übernächsten Jahre zu rechnen ist. Der „Graf Zeppelin“ dürfte dann, wenn die beiden jetzt geplanten Neubauten, für die die Konstruktionspläne fertiggeftellt sind, einmal fertig sein werden, vor allem als Schulschiff für den Luft- schiffer Nachwuchs dienen, denn es ist ja mit neuen Schiffen nicht getan, sondern es gehören dazu Besatzungen, in denen die alte Friedrichs­hafener Tradition lebt. ,

Glückwünsche des Führers an den Kaiser von Japan.

Zur Geburt seines zweiten Sohnes.

Berlin, 29. Nov. Der Führer und Reichskanzler hat seiner Majestät dem Kaiser von Japan anläßlich der Ge - bart seines zweiten Sohnes aufrichtigste Glück­wünsche übermittelt.

Reinfall eines Wiener Hetzblattes.

Phantastevilder eines bösen Willens.

Berlin, 29. Nov. Der „Völkische Beobachter“ schreibt unter der Überschrift: „Ein Märchen der Wiener Hetzpiesse oder: Lugen haben kurze Beine" folgendes:

„Das Wiener Hetzblatt „Telegraph“ hat in feiner Ausgabe Nr. 280 feinen Lesern erzählt:

„In einer bekannten Industriestadt Mitteldeutschlands sei es zu einem heftigen Zusammen st otz zwischen Arbeitslosen und Polizei gekommen, wobei zahl­reiche Personen, darunter auch mehrere Schutzleute, erheblich verwundet wurden.“

Leider hat der „Telegraph" es unterlassen, den Namen der mitteldeutschen Stadt anzugeben. Da wir genau so wenig wie die von Neid auf die Erfolge der Arbeit des nationalsozialistischen Deutschlands erfüllte Schriftleitung des Wiener Schmierblattes die Aufklärung geben können, wo sich in Deutschland der geschilderte Vorfall denn nun zuge­tragen hat, setzen wir für die Namhaftmachung dieses Ortes einen Preis aus.

Wir können der allzu tüchtigen Sckmftlettung des Telegraph“ und der „zuverlässigen Seite“ ihres Korrespon­denten auch in diesem Falle nur die Anregung auf den Weg geben, uns, wenn schon, dann aber auch hieb- und stichfest zu unterrichten. Einstweilen jedoch wissen wir im eigenen Hause besser Bescheid als die jüdisch beeinflußte ausländische Hetz­presse! Wenn nämlich der „Telegraf" weiter von einem „Reichsarbeitsbeschaffungsamt" faselt und über Vorgänge im Reichs-Flug- und Reichs-Maiineminlste- rium Bescheid wissen will, so sind uns auch diese Einrich­tungen in Deutschland völlig unbekannt. Sie sind genau so wenig vorhanden, wie jemals die „Jührertagung der NSDAP, unter Vorsitz Hitlers" stattgefunden hat, die der unnötig besorgte „Telegraph" als Anlaß seiner Schwinde­leien erfand.

Die Herren Hetzapostel mögen sich, wenn auch schweren Herzens, aber doch daran gewöhnen, daß in Deutschland in­mitten einer auch unruhigen Welt tiefer Friede herrscht und gearbeitet wird.

Das deutsch-estländische Warenaustausch-Abkommen verlängert.

Einigung in allen Fragen.

Reval, 29. Nov. Die Verhandlungen über die Rege­lung des deutsch-estländifchen Warenaustausches im Jahre 1936 haben zu einer Einig unginallenFragen ge­führt, worauf heute die Unterzeichnung des Abkommens in Reval erfolgt ist. Dieses Abkommen sieht die Verlängerung des Vertrages vom 4. Januar 1935 auf ein weiteres Jahr vor und enthält int wesentlichen nur einige Veränderungen auf dem Gebiete des Absatzes estländischer landwirtschaft­licher Erzeugnisse in Deutschland. Die deutsche Abordnung begibt sich am Freitag zurück nach Berlin.

Judenfeindliche Kundgebungen in Polen.

Schwere Zusammenstöße mit der Polizei.

Warschau, 30. Nov. (Eig. Drachtmeldung.) Im Kreise Opoczno in der Wojwodschaft Kielee ist es in den letzten Tagen in mehreren Ortschaften an Markttagen zu größeren judenfeindlichen Kundgebungen gekommen. In zwei Ort­schaften wurden jüdische Marktstände zertrümmert, die Waren gestohlen., einzelne Inden verprügelt und Scheiben in jüdischen Häusern eingeschlagen.

Zu schweren Zusammenstößen kam es in der Nähe von Opoczno mit einer zur Verstärkung herbeige­holten Polizeiabteilung, die von Dorfbewohnern aiMgriffen wurde. Nachdem eine Warnungssalve erfolglos ge- blisben war und aus der Menge RevolverschLsse fielen, machte auch die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Vier Leute wurden getötet und eine Anzahl ver­wundet.

Kurze Vertagung

der Londoner Flottenkonferenz.

London, 29. Nov. Die Londoner Flottenkonferenz ist, wie verlautet, erneut ausgeschoben worden. Das Eröffnungs­datum ist jetzt auf Montag, den 9. Dezember, festgesetzt wor­den. An diesem Tage wird der Ministerpräsident Bald­win die Flottenkonferenz vormittags um 10.30 Uhr eng­lischer Zeit im Locarnoraum des Foreign Office eröffnen. Der neuerliche Aufschub wird auf die Befürchtung zuruckge- iührt daß die amerikanische Abordnung nicht rechtzeitig zu dem früher festgesetzten Datum, dem 6. Dezember, in London eintreffen könne.

Die Meldung, daß Deutschland mit den südameri- kamscheu ABC-Stauten, also Argentinien, Bra­silien und Chile eine Vereinbarung getroffen habe, nach der die gegenseitigen diplomatischen Ver­tretungen den Rang von Botschaften er­halten sollen, ist wahrscheinlich von vielen deutschen Zeitungslesern kaum beachtet worden, Höchstens, daß sie noch gerade überflogen wird, ihre Bedeutung wird von nur einem verhältnismäßig kleinen Teil der Politik und der Wirtschaft sofort erkannt und in ihrer Bedeu­tung entsprechend gewertet werden.

Mit dieser Feststellung soll aber denen, die. die Tragweite dieses Hoheitsaktes nicht sofort abzuschätzen imstande sind, gar kein Vorwurf gemacht werden. Die internationale Diplomatie ist auch heute noch mit einem gewissen Hauch des Geheimnisvollen umgeben. Ganz jo „schlimm" wie in früheren Zeiten ist es ja nun frei­lich nicht mehr, denn auch die Diplomatie hat viel von ihrem mehr oder minder romantischen Schimmer einge­büßt. Vor allem ist ihre Hierarchie, das heißt ihre Rangordnung gar kern Geheimnis, im Gegenteil, es wäre sogar angebracht, daß die Allgemeinbildung ge­rade hierüber etwas besser wäre, damit nicht die ständigen Verstöße dagegen auch heute noch an der Tagesordnung bleiben.

Niemand wird es einfallen, auf die Frage, wer ein Regiment führt, zu antworten: „Ein Leutnant." Umge­kehrt wird er auch nicht einen General an die Spitze einer Kompagnie stellen. Spricht man dagegen von der Diplomatie, erhalten plötzlich die kleinsten Staaten einen Botschafter zugesprochen, während die Großmächte sich mit Gesandten oder noch weniger begnügen müssen. Dabei ist die Rangordnung garnicht so schwer zu be­halten: Nur Großmächte entsenden Botschafter, die in monarchisch regierten Staaten außer Vertretern ihrer Regierung auch persönliche Vertreter des Souveräns find. Alle anderen Staaten entsenden Gesandte, ganz kleine sogar nur Ministerresidenten. Hat man sich das einmal eingeprägt, ist jede Verwechslung ausgeschDssen. Wenn also das Deutsche Reich jetzt mit den drei süd- amerikanischen Republiken, Argentinien, Brasilien und Chile, die nach ihren Anfangsbuchstaben die ABC- Staaten genannt werden, Botschafter austauscht, liegt darin die Anerkennung dieser drei Staaten als Groß­mächte. Damit ist ein Schritt von außerordentlicher politischer und im Zusammenhang damit auch wirt­schaftlicher Bedeutung erfolgt, der für die, deutsche Außenhandelspolitik von großer Bedeutung ist.

Die Republik Argentinien, an der Ostküste Süd­amerikas gelegen, ist mit 2,9 Millionen Quadratkilo­meter Flächenausdehnung dreimal so groß wie Deutsch­land. Ihre zumeist aus romanischen Völkern zusammen­gesetzte zu 70 Prozent aus Nationalargentiniern be­stehende Bevölkerung beziffert sich auf 10 bis 11 Mil­lionen. Die argentinische Volkswirtschaft ruht fast aus­schließlich auf der Landwirtschaft. Die Industrie ist erst langsam im Entstehen. Das Bild, das die Hauptstadt Buenos Aires gibt, ist nicht maßgebend für das ganze Land. Argentinien liefert an Deutschland Futtermittel, Ölfrüchte und Ölsaaten, Wolle und . Häute. 1934 ist Deutschland mit Argentinien eine Reihe von Gegen- , seiiigkeits-Abkommen eingegangen, die sich außerordent­lich bewährt haben. Etwa 8 bis 10 Prozent der argen­tinischen Gesamtausfuhr enffällt auf den Handel mit Deutschland. Umgekehrt bezieht Argentinien • von Deutschland fast ausschließlich Fertigwaren, im beson­deren chemische Produkte und Spielwaren. Tue poli­tischen Beziehungen waren zwischen Deutschland und Argentinien stets gut. Dank dem Präsidenten Jngoyen blieb Argentinien trotz des starken Druckes der Ver­einigten Staaten während des Weltkrieges neutral.

Das zweite der drei siidamerikanifchen Länder B r a- filien ist iu den letzten Tagen wieder einmal im Vordergrund des Interesses infolge der kommunistischen Revolten gewesen, die sogar den „Graf Zeppelin" zum längeren Verweilen in der Luft zwangen. Von den drei ABC-Staaten ist Brasilien mit . 84/, Millionen Quadratkilometer der größte. 40 Millionen, in der Hauptsache Portugiesen, bevölkern das rie)ige Land, das in großen Teilen im Innern bis heute noch mcht erforscht ist und zu dessen Enthüllung das neue Zeppelm- luftschiff eingesetzt werden soll. Brasilien ist weltbe­kannt als das Land des Kaffees. Man wird sich wohl noch erinnern, daß vor einiger Zeit die Kaffee-Ernten jo reich ausgefallen waren, daß viele hunderttaufend Sack Kaffee ins Meer geschüttet wurden. In ueuejter Zeit haben sich die Japaner zum Bau von Kries,chchen erboten, deren Bezahlung zum allergrößten, Teil tn Kaffee erfolgen soll. Daneben führt Brasilien Zucker und Zuckerrohr, Kokusnüfse, Reis und Tabak aus. Aus der verfehlten Kaffeepolitik früherer Zeit ist die Wirt- schaftskrife entstanden, die zum TM dte ItäMgen lln»