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Nr. 327. • Samstag, 30. November 1935.

83. Jahrgang.

„Wir Zwingen die Not."

Die Eröffnung der Deutschlandhalle. — Der

Die Erziehung des deutschen Menschen.

as. Berlin, 30. Nov. (Drahtbemcht unserer Berliner Abteilung.) Europas schönster Hallenbau, mie man bi« Derrtschl andh all e, Wie >m Berliner Westen er- baut mürbe und über die hier schon eingehend -berichtet wurde, mit Recht bezeichnet, die erste repräsen­tative Trotzanlage neuzeitlicher Gemein- schaftsk und gedungen, die Berlin erhielt, ist gestern -mit einer Riesenkundgebung der NSDAP., einer Kundgebung, die ihre Bedeutung vor allem da­durch erhielt, datz in ihr der Führer sprach, eröffnet worden. 20 000 Menschen saßt diese Halle in ihren Rängen und ihrem Oval. 20000, das ist die Ein- wohnerzahl einer kleinen Stadt und doch standen noch Hunderte am gestrigen Abend vor dem Eingang und be­gehrten vergeblich Einlaß.

Wäre es je einer der zahlreichen Parteien der früheren Zeit, die alle die Demokratie aus ihre Fahne geschrieben hatten, möglich gewesen, eine solche Riesen­kundgebung zu veranstalten, eine solche Riesenhalle zu füllen? Mit überlegener Ironie rechnete der Führer, der bei seinem Eintritt von nicht endenwollendem Jubel der Massen begrüßt wurde und der nach einigen Worten von Reichsminister Dr. Goebbels das Wort nahm, mit den Erscheinungen der Vergangenheit ab. Immer wieder jubelten ihm die 20 000 begeistert zu, wenn er die Ideenwelt des Nationalsozialismus der Ideenlosigkeit der früheren Parteien gegenüber stellte und wenn er schilderte, wie der Nationalsozialismus sich immer wieder an das deutsche Volk gewandt habe und dieses deutsche Volk eroberte. Er setzte sich auch mit denen auseinander, die vielleicht meinten, es sei heute nicht mehr nötig, Massenversamm- lungen zu veranstalten. Diesen hielt er entgegen, daß der Nationalsozialismus es immer als seine Pflicht be­trachte, die Gründe seines Handelns dem deutschen Volke darzulogen und dieses deutsche Volk mit seinem GÄmnkengut zu erfüllen. Wer aber sein Volk einmal mit seinen Gedanken erfüllte, wer den Glauben ge­weckt hat, der ist sicher, daß das -deutsche Volk hinter ihm steht, selbst, wenn einmal Rückschläge kommen sollten. Der Nationalsozialsmus hat Deutschland erobert, er ist da und bleibt da.

Wer von den ausländischen Berichterstattern den ungeheuren Jubel der Massen miterlebt hat, der bei diesen Eedankengängen des Führers immer wieder auf« brauste, der sollte erkennen, daß die Schwierigkeiten, von denen die Auslandspresse so gern und ausführlich berichtet, nie und nimmer -den Nationalsozialismus ernsthaft treffen kann. Gewiß tauchen Schwierigkeiten

Führer sprach. — 20000 jubelten ihm zu.

auf, wenn es, wie es der T a t k r a f t d e s N a t i o n a l­so z i a l i s m u s gelang, 5 Millionen deutscher Volks­genossen wieder in Brot und Arbeit gebracht werden und sich diese 5" Millionen Volksgenossen mit ihrem gegen die Arbeitslosenunterstützung erheblich gesteiger­ten Einkominen auf den deutschen Markt stürzen. Das ist umso einleuchtender, als ja Deutschland niemals im Überfluß gelebt hat. Aber alle diese Probleme, das unterstrich der Führer mit allem Nachdruck, werden ge­löst werden, und niemals wird der Nationalsozialismus vor diesem oder jenem Pro-blem die Fahne streichen, sondern allen Schwierigkeiten wird er immer den eisen­harten Willen entgegensetzen: „Wir zwingen die No t!“

Der letzte Teil der Rede des Führers war der ge­waltigen Aufgabe der Erziehung des deutschen Menschen gewidmet, der Ausgabe, diesen deutschen Menschen mit dem Geiste des Nationalsozialismus zu erfüllen, diesen Geist, der aus allen Deutschen, von wo sie immer kommen mögen, eine einzige große Gemein­schaft formt und diese Gemeinschaft als seine Auf­gabe und sein Ziel betrachtet. Auch diese größte Auf­gabe wird gelöst werden. Mit einem Ausblick auf die deutsche Jugend, die heranwächst, und die dem neuen Ideal nachgeht, sodaß hier oer Klass- nkampf seine tie°- sten Wurzeln verliert. Der Führer schloß seine große Rede, mit dem-einen uns alles umfassenden Wort: „D e u t s ch l a n 6“.

So zeigte der Führer in seiner immer wieöir vcn Jubel und Veifall 'er 20000 unterbri chenen Rede den Weg auf, den eer Nationalsozialismus gegangen »st von der Grobe r*.t n g der M e n' ch e n, -den Weg, den er unbeirrbar trotz aller Schwierigk-iten, die der laß bringen mag, geht, und den Weg, der fortgesetzt wird, wenn die junge Generation Las Banner ergreift. Immer wieder jubelten dem Führer die Massen zu. So gestaltete sich diese Kundgebung zu einem neuen Bekenntnis des Führers zu seinem Volke und zu einem neuen Bekenntnis des Volkes zu seinem Führer. Das war die Eröffnung der Deutschlandhalle, die sich als ein Wahrzeichen des nationalsozialistischen Aufbauwillens erhebt und die mit dieser Kundgebung ihre Wei-He fand.

*

Die Führer-Rede im Rundfunk.

Berlin, 29. Nov. Die Kundgebung anläßlich der Eröffnung -der Deutschlandhalle in Berlin am Freitag mit der Rede -des Führers wird am Samstag von 19 bis 2 0 Uhr auf alle deutschen Sender übertragen.

England und Frankreich „Schulter an Schulter".

Deutliche Sprache -es Reuter-Büros.

London, 29. Nov. Reuter verbreitet am Freitag­abend folgende Meldung:

„Eine drohende Zunahme der Spannung zwischen Italien und den Völkerbunds­mächten über die Frage des Slausfuhrverbotes wird Großbritannien ttitb Frankreich Schulter an Schulter finden.

Laval hat sich entschlossen an die Seite Englands ge­stellt. Er unterrichtete gestern den italienischen Botschafter in Paris, nicht nur Wer die Verpflichtungen, gemäß denen Frankreich England im Falle eines Angriffes unterstützen muß, sondern auch darüber, daß Frankreich mit England in der Angelegenheit des vorgeschlagenen Ölembargos zusam­menhalten tairft.

Italien schwächt ab.

as. Berlin, 30. Nov. (Gig. Drahtmeldung.) Die über­aus deutliche Reuter-Erklärung, daß England und Frankreich Schuller an Schulter stehen und die das Bestehen von festen Abmachungen Wer die gegenseitige Hilfeleistung Frankreichs und Englands für den Fall eines italieni chen Angriffs auf England im Mittelmeer bestätigt, hat in Italien ihre Wirkung nicht verfehlt. So wird nun­mehr an zuständiger römischer Stelle erklärt, daß die italie­nische Regierung eine Öllieferungssperre nicht als feindliche Handlung im Sinne des Wor­tes, vielmehr als einen Beweis feindseliger Ge­sinnung betrachten werde. Infolgedessen sei es auch un- möseüeniL daß »er italienische KMHaster in Paris mit

der Mitteilung an die französische Regierung beauftragt worden sei, daß Italien eine Öllieferungssperre mit Krieg beantworten werde. In dieser Erklärung wird man den Ver­such sehen können, die alarmierende Wirkung ab - z u s ch w L ch e n, die der Protestschritt des italienischen Bot­schafters in Paris heroorgerufen hat.

Reuter meldet italienische Truppen­verschiebungen an die französische Grenze.

London, 29. Nov. Reuter meldet aus Innsbruck, daß nach dort eingetroffenen Meldungen aus Südtirol zur Zeit in Norditalien umfangreiche Truppenbe­wegungen im Gauge seien. Von den sieben Divisionen, dke bisher dem Hauptquartier in Bozen unterstellt waren, würden nur drei zur Verteidigung des Brennerpasses zurück­bleiben. Während der letzten beiden Tage, so behauptet Reuter, seien drei Divisionen an die italienisch-fran­zösische Grenze abgegangen. Eine motorisierte Divi­sion stehe kurz vor dem Abmarsch nach SWitalien, wo ihr eine Sonderaufgabe in Verbindung mit der Küstenverteidi­gung zugeteilt werden solle. Gleichzeitig berichtet Reuter, daß große Mengen Munition von Franzensfeste in Südtirol nach SWitalien abtransportiert worden seien.

Rom: Kein feindseliger Akt gegen Frankreich.

Rom, 29. Nov. Die Nachrichten über die Aufhebung der bereits eingeleiteten Beurlaubung von etwa 100 000 Mann italienischer Truppen werden von maßgeblicher italienischer Seite nochmals bestätigt und dahin ergänzt, daß die damit im Zusammenhang stehenden Truppenbewegungen.von untergeordneter Bedeutung seien und auf keinen Fall von Frankreich als ein feindseliger Akt betrachtet werden können.

Blick in die Welt.

Es ist trotz oder auch gerade wegen der Zwischen Fülle von Meldungen über den Abessinien- rosenrot konflikt nicht ganz leicht, sich ein einiger« und maßen Kares Bild der Sage zu machen.

schwarz. Einmal hört man von einem neuen Friedens- fühl-er, dann -wieder heißt es, die Lage sei gespannter denn je. Da nun die Gespräche, die in Rom u-nd in Paris geführt werden, sich hinter gut verschlosse­nen Türen abspielen, so ist m-an weitgehend auf Ver­mutungen angewiesen. Ausgehen muß man bei diesen Betrachtungen aber stets davon, daß England auf eine Einbeziehung des Petroleums in die Sanktionen hinarbeitet, das heißt, Italien die Zu­fuhr von Petroleum und Benz-in sperren will, wobei sich England darauf stützen k-ann, daß die Vereinigten Staaten den gleichen Standpunkt vertreten. Italien hat in sehr scharfer Form gegen diöse Absicht protestiert. Man sprach in Rom von kriegerischen Maß­nahmen -und man sprach von der Möglichkeit, daß nun doch der Augenblick gekommen sei, den Völkerbund zu verlassen. Die Folge dieser Drohungen war, daß die Tagung des 18-er-Ausschusses der Sanktionskonferenz, der die Verschärfung der Sanktionen beschließen sollte, zunächst verschoben wurde, wozu die innenpolitische Lage in Frankreich den höchst erwünschten Vorwand ab­gab. Sicher ist nun, daß inzwischen eine neue Fühlung­nahme eingeleitet worden ist, genau wie es vor der Inkraftsetzung der Sanktionen geschah. Ob nun der englische Botschafter in Rom mit einem Schreiben Baldwins bei Mussolini erschien, oder ob es ein Schreiben Hoares war, oder ob er gar kein Schreiben bei sich trug, ist ansich ziemlich gleichgültig. Falsch aber wäre es, wenn man in dieser Fühlungnahme eine Schwenkung Englands erblicken würde. England hält an seinem Ziel, den abessinischen Konflikt möglichst bald und ohne wesentlichen Machtzuwachs für Mussolini zu beenden, aus jeden Fall fest. Ist das Ziel auf dem bequemeren und harm­loseren Verhandlungsweg zu erreichen, nun gut; ist das nicht möglich, wird der vielleicht nicht ganz -ungesähr- liche Weg der verschärften Sanktionen gegangen werden. Die Frage ist heute genau die gleiche, wie vor dem Beginn der Sanktionen: ist für Mussolini eine Beendigung der abessinischen Feldzugs tragbar oder nicht, das heißt, unter Bedingungen, die den Engländern (oder wie man in London sagt: dem Völkerbund) annehmbar er­scheinen ? Si cher ist, daß I t a l i e n h e n t e n o ch nicht sonderlich unter den Sanktionen leidet. Man hat sich mit Vorräten eingedeckt und vielleicht sind im Augenblick noch die Sanktionen unbequemer für die­jenigen, die sie verhängten, als für denjenigen, den sie treffen sollen. Aber die Zeit arbeitet nicht für Italien. Darüber wird man sich in Rom kl-ar sein und man wird sich auch darüber klar sein, daß die Vorgänge im Fernen Osten die Engländer nicht von dem Abessinien- und Mittelmeerkonf-likt abzulenken vermögen. Welche Folge­rungen man aus dieser Lage in Rom zieht, muß abge­wartet werden. Im Augenblick versucht jede -der Par­teien einen möglichst unnachgiebigen Eindruck zu machen und durch Worte und Taten den Gegner zu warnen. Es scheint aber nicht, als ob das letzte Wort schon gesprochen ist, auch wenn man liest, daß der Iber- Ausschuß nunmehr am 5. oder 6. Dezember zusammen- treten soll. Das bedeutet immerhin noch einige Tage Frist.

Genau so wie sich die Meldungen über Die die diplomatischen Verhandlungen ein- Kriegslage. ander widersprechen, genau so wider­sprechen sich die Meldungen vom abessini­schen Kriegsschauplatz. Ohne irgendwie auf Einzel­heiten einzugehen und ohne darüber Betrachtungen an- zustellen, wer im Besitz des einen oder anderen .au-f den verschiedenen Karten leider meist auch noch recht ver­schieden b^eichneten Ortes ist, wird man doch wohl feststellen können, daß eine wirkliche Schlacht bis heute nicht geschlagen ist. Da eine feste zu­sammenhängende italienische Front nur auf einer sehr kurzen Strecke besteht, die einzelnen Säuberungs­aktionen, von denen der italienische Heeresbericht immer spricht, vielmehr von einzelnen meist nicht sehr starken Abteilungen durchgefüchrt werden, so gelingt es den Abessiniern immer wieder, durch die Lücken der italienischen Sicherungsabteilungen hindurchzu- schlüpfen, überraschend im Rücken einer solchen Kolonne aufzutauchen und rückwärtige Verbindungs- l i n-i en zu stören, oder aber, wie es offenbar im Süden bei' der Armee Grazian -i der Fall -ist, durch Flanken­bedrohung eine Rücknahme der vorgeschobenen Abtei­lungen zu erzwingen. Das ist sicher keine angenehme Lage für die Italiener, eine Lage, der man nur mit guten Nerven begegnen kann. Nun ist ja gerade jetzt der neue italienische Oberbefehlshaber, Marschall Badoglio, an der abess mischM Front Mgetroffen.