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Nr. 324.

Mittwoch, 27. November 1935.

' 83. Jahrgang.

Eine Übersichtskarte von Brasilien.

enger Anlehnung an die lin Moskau ausgearbeiteten Richtlinien eine Revolution großen Stils anzuzetteln versucht, die nach dem bisherigen Ergebnis der Haus­suchungen nsw. sich von Brasilien aus über alle süd­amerikanischen Staaten ausdehnen sollte. In fünf süd- amevkanischen Staaten. Waren direkte Vorbereitungen zum Umsturz bereits getroffen. Daß Prestes, der Mitglied der Komintern ist, seine Vorberei­tungen in Brasilien selbst schon sehr Weit getrieben hatte, zeigt die Beteiligung einer Anzahl brasilianischer Truppenteile an dem Aufruhr, dessen Hauptgebiet im Norden des Landes liegt. Es hat sich herausgestellt, daß Prestes den Auftrag zur Anzettelung der Revo­lution bereits in Moskau erhalten hat. Wie sicher sich der brasilianische Vertreter des Bolschewismus fühlte, geht u. a. daraus hervor, daß er nach Moskau Mit­teilungen gelangen ließ, die den Erfolg der Revolution in einem halben Dutzend südamerikanischer Staaten als sicher hinstellten!

Zweifellos hat sich die bolschewistische Revolutions­leitung die Wirtschaftlichen Schwierigkeiten Süd-

Dementierte FriedensvorschMge.

London und Rom halten an ihrer Politik fest. — Sanktionen sind nicht das einzige Mittel zur Beilegung des Krieges.

Lavals Aussichten gebessert.

ns. Berlin, 27. Roo. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Den gestrigen Friedensschalmeien folgen heute prompt Dementis von allen Seiten. Sowohl Rom als auch London stellen in Abrede, daß es sich bei der letzten Unterredung Mussolinis mit dem eng­lischen Botschafter, Sir Eric Drummond, um Friedenssondierungen gehandelt habe. In London fügt man hinzu, daß die englische Politik hin- sichtlich der Anwendung von Sühnemaß- nahmen keine Änderung erfahren habe und daß England weiterhin die Einbeziehung der Ol- lieserungen in die Sanktionen unterstütze. Die Italiener ihrerseits wenden sich dagegen, daß die Engländer einen Artikel des „Eiornale d'Italia", itt dem gesagt wurde, daß Italien für den Fall, daß die Sanktionen die Er­oberung von Abessinien unmöglich machen sollten, in Genf die Koionialfrage aufrollen würde, als Anzeichen dafür betrachte, daß Italien „weich werde", weil hier zum erstenmal gewissermaßen ein „Ersatz" für Abessinien ins Auge gefaßt würde. London und Rom 'betonen also beide, daß sich ihre Politik nicht ge­ändert habe. Trotz dieser Dementis kann es aber wohl als sicher gelten, daß der Draht nicht gerissen ist und daß England, bevor es für eine nicht unbedenkliche Verschärfung der Sanktionen eintritt, noch einmal den Versuch macht, sich mit Mussolini zu einigen und sei ce auch nur, um später darauf Hinweisen zu können, daß es nichts unversucht gelassen habe, um den Konflikt zu

beenden. Wenn es auch sicher verfrüht wäre, von einem Wandel in der englischen Sanktionspolitik zu sprechen, so wird man doch auch in London den Satz aus der gestrigen Rundfunkansprache Lavals unterstreichen, daß niemand in Sanktionen das einzige Mittel zur Beendigung des Krieges erblicken körnte.

Für die weitere Entwicklung ist es von Bedeutung, daß sich die Aussichten Lavals etwas ge­bessert haben, daß somit ein sanktionslüsternes Ka­binett Herriot im Augenblick weniger wahrscheinlich ge­worden ist. tLaval wird in der Kammer, die morgen zusammentritt, beantragen, daß zunächst die Haus­halts- und Finanzfragen behandelt werden und dann erst die Frage der Verbände. Der größte Teil der Radikalsoziakisten dürfte dieser Tagesordnung zu­stimmen. Damit hat Laval Zeit gewonnen, denn die Sachverständigen nehmen an, daß die Behandlung der Haushalts- und Finanzfragen sich bis in den Januar hineinziehen werden, sodaß sich Laval, voraus­gesetzt, daß nichts Besonderes passiert, sich solange am Ruder halten könnte.

Im ganzeil wird man gut tun, die Dementis ebenso vorsichtig zu lesen uitb zu bewerten, wie die Nachrichten über die Friedenssondierungen. Es besteht auf beiden Seiten natürlich wenig Neigung, durch vorzeitige Ver­öffentlichungen etwaige Verhandlungsaussichten ,zu ge­fährden und es hat weiterhin feine Partei ein In­teresse daran, daß in einem solchen Augenblick die andere Seite annimmt, man wäre zum Nachgeben be­reit oder gezwungen:

Die brasilianische Regierung ist optimistisch.

Der Aufstand in Pernambuco niedergeworfen.

Rio de Janeiro, 26. Nov. Die Zentrale der Bun - despolizer hat Meldungen empfangen, denen zufolge der Aufstand in Pernambuco nunmehr völlig niedergeworfen werden konnte. Ebenfalls find die Aufständischen in Jaboatao vernichtend geschlagen worden. Sie be­finden sich in völliger Auflösung und fliehen, unter Zurücklassung großer Mengen Waffen und Munition, ins Innere.

Die Truppenzufammenziehungen in Parahyba sind im Laufe des Dienstags beendet worden. Man rechnet aus diesem Grunde damit, daß am Mittwoch der Vorstoß gegen die Aufständischen in Rio Grande de Norte feinen Anfang nimmt. Die Regierung hofft auch hier der Ausstandsbewe- grmg schnell Herr werden zu können.

Eingreifen der Flotte.

Loudon, 26. Nov. Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, sind die Kreuzer „Vahia" und „Rio Grande do Sul" nach Nordbrafilien ausgelaufen, um sich an der Nieder­schlagung des kommunistischen Aufstandes in Natal und Recife zu beteiligen.

Den letzten Berichten aus Recife zufolge soll die Ge­fangennahme der Rebellen durch die Regierungstruppen un­mittelbar bevorstehen. Die Vorstadt Socorro ist bereits von den Regierungstruppen besetzt, während sich die Aufstän­dischen noch in Jaboatao verschanzt haben. In Rio de Janeiro sind verschiedene kommunistische Rädelsführer ver­haftet worden.

macht habe. Der bisherige Gouverneur soll sich auf ein im Hafen von Natal befindliches mexikanisches Kriegsschiff ge­flüchtet haben. In allen anderen brasilianischen Staaten herrscht Ruhe. In Rio de Janeiro wurde ein Kavallerie­leutnant verhaftet, der versucht, das erste Kavallerieregi­ment zum Aufstand zu veranlassen. .

„Zeppelins-Landung Mittwochnachmittag oder Donnerstagfrüh.

Berlin, 27. Nov. Wie die Deutsche Lufthansa mitteilt, hat das Luftschiff „Graf Zeppelin" Dienstagabend durch Funkspruch mitgeteilt, daß es von einem Dampfer llü Kilgramm frische Lebensmittel an Bord genommen habe und beabsichtige, noch bis Mittwoch­mittag an der brasilianischen Küste zu kreuzen, um dann ge­gebenenfalls in Pernambuco zu landen.

Nachdem, wie gemeldet, der Aufstand in Pernambuco niedergeschlagen worden ist, wird das Luftschiff „Graf Zeppelin" in Kürze landen können. Wie festgestellt wurde, sind auf dem Landefeld lediglich die Licht- und Tele- ponleitungen zerstört worden. Sie werden im Laufe der Nacht ausgebessert werden. Voraussichtlich wird das Flugfeld bis zum Mittwoch nachmittag klar zum Landen sein. Die Flugleitung des Luftschiffes ist verständigt; sie ist mit einer Landung am Mittwochnach­mittag oder Donnerstagfrüh einverstanden.

Moskau warf die Brandfackel in Brasilien.

Ganz Südamerika sollte bolschewisiert werden.

Von den ersten Meldungen über die neue Revolte in Brasilien an hat niemand daran gezweifelt, wo die Drahtzieher sitzen. Der letzte Komintern-Kongreß, der sich als „Generalstab der Weltrsvolntion" selbst an­pries, hat feine Absichten allzu unverblümt in alle Himmelsgegenden bi nausgebrüllt. Jetzt hat einer der Teilnehmer des Komintern-Kongresses von Moskau, der frühere brasilianische Kapitän Lutz Prestes, in

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Mehrere höhere Offiziere in Rio verhaftet.

Rio de Janeiro, 27. Nov. In Rio de Janeiro wurden am Dienstagnachmiktag mehrere höhere Offiziere verhaftet, die in dem Rufe stehen, mit den Kommunisten zu sympathi­sieren.

Nach der Meldung einet Abendzeitung soll der Kommu- niftenfützrer Luiz Carlos Prestes vor zwei Monaten aus Argentinien mit gefälschtem Patz nach Rio de Janeiro gekommen sein und unter dem Namen Roberto Castro die Äufstandsbewegung vorbereitet haben. Seit Sonntag sei er spurlos verschwunden.

Die beiderseitigen Verluste.

Rio de Janeiro, 26. Nov. Da seit Dienstagfrüh die Tele- grammverbindung zwischen Bahia und Recife unterbrochen ist, sind im Laufe des heutigen Tages iei’.ie weiteren Berichte über die Lage im Aufftandsgebiet eingetroffen. In amt­lichen Kreisen ist man jedoch optimistisch über den Fortgang der Unterdrückung des Aufstandes in Recife, da inzwischen dort neun Bombenflugzeuge eingetroffen sind. Bisher soll die Zahl der Toten auf Seiten der Aufständischen 100 betragen. Aus Natal sind keinerlei weitere Nachrichten eingetroffen. Gerüchtweise wird behauptet, daß der vor einigen Monaten wegen eines kommunistischen Putsches aus dem Bundesheer ausgestotzene Sergeant Moura sich zum revoluftonären Gouverneur von R'io Grande de Norte ge­

Das Ende des „Todeskorps".

Peiping, 26. Nov. Eine Volksmenge stürmte am Diens­tag das Hauptquartier des sogenannten „Todeskorps" der nordchinesischen Autonomiebewegung und verwandelte es in einen Trümmerhaufen. Damit hat die Autonomiebewegung in Tientsin auf lächerliche Weise ihr Ende gefunden. Die Mitglieder des ..Todeskorps" konnten unverletzt ent­kommen. Sie ließen Uniformstücke und Waffen zurück. Um zu verhindern, daß sich Unbefugte die Polizeiunisormen an­zogen und so Polizeidienst versahen, trug die chinesische Poli­zei in Tientsin trotz der Winterkälte in den letzten un­ruhigen Tagen ihre Sommeruniform.

Verstärkung der japanischen Garnisonen in Peiping und Tientsin.

Peiping, 26. Nov. Aus verschiedenen Orten entlang der großen Mauer treffen Meldungen ein, die behaupten, daß die fapanischen Truppen in die entmilitarisierte Zone ein­marschieren. In Peiping trafen im Laufe des Dienstag- iiachmittag japanische Truppen in Stärke von 500

Man n kriegsmäßig ausgerüstet ein. Die Truppen führten u. a. auch Maschinengewehre mit sich. Ihr Quartier befindet sich außerhalb des Gesandtschaftsviertels. 2n Tientsin soll übrigens die dortige japanische Garnison in der gleichen Weise verstärkt worden sein.

Die maßgebenden japanischen Stellen erklären zu diesen Verstärkungen, daß es sich um Truppen handele, die an einem Manöver teilnehmen sollen. Manöver sanden aber erst vor drei Wochen in der Nähe von Peiping stakt. Die Lage wird allgemein als sehr gespannt empfunden.

Die Bevölkerung Nordchinas verhält sich gegen­über der Autonomiebewegung im wesentlichen passiv. Verschiedene höhere Magistratsbeamte trafen jetzt aus der entmilitarisierten Zone in Paotingfu ein, dem Sitz der Provinzialregierung, um hier gegen die Autonomiebewegung Protest einzulegen. Der (Sounerneur von Schantung, Han- suchu, lehnte es in Peiping ab, über die im Zusammenhang mit der Autonomiebewegüng aufgeworfenen F ha gen zu sprechen.

Marschall Jenhsishan traf am Dienstag, von Nanking kommend, in Taiyuanfu ein. ,