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83. Jahrgang.

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Größte Auflage aller Tageszettungen Groß-Wiesbadens.

Montag, 25. November 1935.

Drahtanschrift: Tagblatt Mesbade».

Nr. 322.

MMW im Genfer SMions-MümiSnius.

Aufschub des Zusammentritts des 18er-Ausschusses.

Auf Initiative Lavals.

London, 25. Nov. Der Aufschub der Genfer Sondersitzung des 18er - Ausschusses, der sich mit dec Frage eines Ölausfuhrverbotes nach Italien be- -lasien sollte, ist, den hier vorliegenden Meldungen zu- sülge, durch den Hinweis Lavals erfolgt, dass ichWierige innenpolitische Lage der franzö'i- fchen Regierung eine Stellungnahme zu dieser wichtigen. rage gegenwärtig unmöglich macht. Der britische Botschafter Sir George Clerk ist ange­wiesen worden, Laval mitzuteilen, daß Großbritannien mrt dem Vorschlag eines Aufschubes der Sitzung einver­standen rst.

Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Tele­graph schreibt, um ein wirksames Ölausfuhrverbot zu sichern, sei die .uneingeschränkte Mitarbeit von Sowjet­ruhland, Rumänien, Holland, Venezuela und den Ber­einigten Staaten unentbehrlich. Infolgedessen rufe der Aufschub, der durch die Lage in Frankreich verursacht sei, keinen wesentlichen Unterschied hervor. Nach Be­richten aus Paris wolle Laval die neue Atem­pause zu weiteren Versöhnungsbemühun­gen benutzen. Seit einiger Zeit habe er es sich an­gelegen sein lassen, Mussolini der außerordentlich freundschaftlichen Haltung Frankreichs gegenüber ^talten zu versichern. Diese Annäherungen hätten zur tf-olge gehabt, daß die Zusicherungen, die Laval im letzten Monat über eine Unterstützung Großbritanniens tm Mittelmeer gegeben habe, merklich verwä sert wor­den seien. Frankreich habe Italien versichert, daß es bereits in.der Frage der Anwendung von Suhnemaß- nahmen bis zu der beabsichtigten Grenze gegangen sei

Falle von Öl und Kohle werde Frankreich keine wirksame Aktion zu unternehmen brauchen.

Inzwischen seiet: Anzeichen bemerkbar, daß die britische Regierung, nachdem sie vom Lande eine neue Vollmacht erhalten habe, entschlossen sei, bei ihren Be­ziehungen mit Rom eine unabhängigere Rolle zu spielen als bisher. Dies sei das logische Ergebnis der Erlaub­nis, die der Völkerbund am 3. November gegeben habe, als Großbritannien und Frankreich ersucht wurden, ihre Bemühungen um Herstellung des Friedens förtzu- setzen. Während der letzten drei Monate habe die britische Regierung sich damit begnügt, Laval die Initiative bei den Nachforschungen nach einer Friedens­grundlage zu überlassen. Der unerwartete Besuch des britischen Botschafters bei Mussolini am Samstag habe anscheinend zeigen sollen, daß auch unmittelbare Be­sprechungen zwischen Italien und Großbritannien mög­lich seien. Die Anregungen des Botschafters seien be­stimmt gewesen, den Weg -für einen Beistand Groß­britanniens bei der Wiederherstellung des Friedens autf einer geraten Grundlage zu ebnen; man rechne aber nicht mit positiven Ergebniffen vor Ablauf eines oder zweier Monate.

Italien wehrt sich.

as. Berlin, 25. Nov. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Es kennzeichnet die Situation in der Sanktionsfrage, daß das halbamtliche „Giornale d Italia" vor einer Verschärfung der Zwangsmaß­nahmen, wie sie mit der Petroleum- und Eisensperre geplant sei, nachdrücklich warnt und hinzufügt, wolle man die Dinge auf die Spitze treiben, so müsse man auch mit einer erbitterten italienischen Reaktion rechnen. . Noch einen Schritt weiter ging der Staats­sekretär im italienischen Presseministerium, Alfieri, der mit dem Austritt Italiens aus dem Völkerbund drohte. Er erklärte nämlich u. a., daß Rom seine Stellung zum Völkerbund einer sorgfältigen Prüfung unterziehen müßte, wenn die bisherigen Aus­fuhrverbote der Sanktionsländer auch auf Öl, Eisen und Erz ausgedehnt würden. Auch das ist eine Äuße­rung, die erkennen läßt, welche Bedeutung Italien einer Erweiterung der Ver­botsliste auf Öl und Benzin beimißt. Die kleinen Tanks, die sich im abessinischen Feldzug so gut bewährt haben, die Flugzeuge, die eine nicht weniger bedeutsame Rolle im diesem Feldzug spielen und die riesigen Autokolonnen, die den Nachschub für die kämpfende Truppe zu bewältigen haben, sie alle sind auf Benzi n und Öl angewiesen. So bemüht sich denn auch Italien, den eigenen Bedarf in der Heimat möglichst zu verringern. In'Rom sind bereits sieben Autobuslinien stillgelegt. Auf anderen Linien ist der Betrieb eingeschränkt und außerdem 'sind die Autobe­sitzer ^aufgesordert worden, ihre Wagen nur in dringen­den Fällen zu benutzen und auf alle Vergnügungs­fahrten zu verzichten. Man geht auch sicher nicht in der Annahme fehl, daß die Frage einer Verschärfung der Sanktionen den Gegenstand der Unterredung zwischen Mussolini und dem englischen Botschafter, die am Samstag stattfand, bildete, wie auch der Unter­redungen, die Laval am gleichen Tage mit dem italienischen und dem englischen Botschafter hatte. Naturgemäß erschwert die angekündigte Ver­schärfung der Sanktionen die Vermitt­lung s t ä t i g k e i t Lavals noch weiter, zumal die Verbündeten Frankreichs, Rumänien und Sawjet- rußland, die als Hauptlieferanten von Erdöl in Be­tracht kommen, für das Lieferungsverbot eintreten. Der „Matur" empfiehlt der Regierung unter diesen Um­ständen, sich möglichst in dieser Frage, die Frankreich wirtschaftlich nicht berührt, zurückzNhalten und die Aus­sprache Rom, London, Moskau, Bukarest und Washington zu überlassen. Auch in England finden sich übrigens einige Blätter, die von der geplanten Aus­dehnung der Sanktionen weniger entzückt sind, die aber damit wohl schwerlich die Ansichten der englischen Re­gierung Wiedergeben.

König Georg II. in der Heimat eingetroffen.

Feierlicher Empfang im Hafen von Alt-Phaleron.

Athen, 25. Nov. ((Eifl. Drahtmeldung.) König Georg II. von Griechenland ist in Begleitung des Thronfolgers Prinz Paul an Bord des Kreuzers „Helli" im Hafen von Alt-Phaleron eingetroffen und hat sich gegen 10 Uhr an Land begeben.

Schon seit den frühen Morgenstunden war die Bucht von Alt-Phaleron bei prächtigstem Wetter von einer riesigen Menschenmenge umlagert, die von allen Teilen des Landes herbeigeeilt waren, um den Augenblick mitzuerleben, wo der König nach jahrelanger Verbannung zum ersten Male wie­der die Heimaterde betrat. Der starke Sturm der in den letzten Tagen geherrscht hatte und durch den bekanntlich die Ankunft des Königs um einen vollen Tag verzögert wurde, ist im Abflauen. Der Saronische Meerbusen ist nur noch leicht bewegt. PlMich kommt Bewegung in die Massen; denn ganz in der Ferne, beim Leuchtturm der ruhmreichen l Insel Salamis, wird die Griechenslotte gesichtet. Bald hat sie die Höhe der Insel Aegina erreicht, und nun bietet sich den Harrenden ein unvergleichliches Bild: Die grauen Leiber der über die Toppen beflaggten Kriegsschiffe im tief­blauen Meer und als Hintergrund die herrlich geformten Umrisse der Insel Aegina und Salamis, während ganz in der Ferne die Berge des Peleponnes hervorlugen. Flug­zeuge geben der Flotte das Geleit, und Scharen von Dampfern und Booten aller Art umkreisen die Schiffe, die ; Nchrg und sicher den Hajen ansteuern. Dann wirft die

„Helli" die Anker. Die Geschütze der Kriegsflotte donnern den Königssalut, aus Athen und Alt- Phaleron klingt Glockengeläut herüber, und im Handels­hafen Piräus heulen die Schiffssirenen. Aus allen Gesich­tern leuchtet die Freude über die Rückkehr des Königs, der, wie man hofft, dem Lande nach jahrelangen innenpoiitischen Wirren eine glücklichere Zukunft bereiten wird.

Militärische Beratungen der Kleinen Entente.

Belgrader Konferenz der Geoeralstabschess.

Belgrad, 24. Nov. Am Sonntag ist in Belgrad eine Konferenz der Generalstabschefs der Kleinen Entente zusam­mengetreten.

Zugleich mit der rumänischen Abordnung traf in der jugoslawischen Hauptstadt auch der rumänische Verkehrs­minister ein, der nach Presiemeldungen Resiortangelegen- heiten mit dem jugoslawischen Eifenbahnminister besprechen soll. Seine Anwesenheit dürfte aber mit der Konferenz der Generalstäbe in Zusammenhang stehen. Die militärischen Beratungen der kleinen Entente sollen am Dienstag abge- schlosjen werden.

Fernost ohne Europa.

Wmr soll sich dadurch, daß die Führer der japani- KwMtung-Armee ihre -ultimative Forderung, die Autonomieerklärung der fünf chinesi­schen No rÄ pr ovi Nze n für den 22. November ver- langt 'hatte, nicht durchgesetzt Haden, nicht täuschen mssen. Außenminister Hirota, der diese Form der ^^ch.^Eichung des japanischen Machtstrebens in China doch schließlich für unzweckmäßig «empfand und den Generalen in den Arm fiel, ist über das Ziel mit ihnen vollrg einig. Der Entschluß der Nanking-Regierung, der auf dem Kuomintang-Kongreß Mitte November zum Ausdruck kam, und der jetzt auch in aller Form die Billigung des Marschalls Dschiangkaischek erhalten hat, die chmesische Politik an die Seite Japans zu steuern, erleichtert dem Außenministerium in Tokio die Wahl anderer Mittel als die der geballten Faust. Welche tform man schließlich finden wird, ob die von General Doihara vorgeschlagene der - Bildung des „Nordchine- sischen 'antikommunistischen autonomen Rates der Repu- Mk China", oder eine die letzten Absichten Japans weniger deutlich enthüllende, ist int Augenblick noch eine offene Frage. Es kann aber fein Zweifel darüber be­stehen, daß die fünf chinesischen Nordprovinzen, das Kernland des Reiches der Mitte, in die japanische Machtsphäre einbezogen werden. Damit erstreckt Tokio, das feine Hand bereits auf die Mandschurei legte, sein Herrschaftsgebiet in China auf eine weitere Million Quadratkilometer mit einer Bevölkerung von 81 Millionen Menschen.

Eine Überraschung bildet das für die Welt nicht. Daß Japan die Führung in China beansprucht, ist min­destens seit dem Jahre 1915 deutlich erkennbar. Da­mals richtete es jene 21 'Forderungen an das Reich der Mitte, die die völlige Unterwerfung verlangten. Wenn es damit nicht durchdrang, so nur deshalb, weil die Vereinigten Staaten die chinesische Regierung zum Widerstand ermunterten. Vor der Drohung Washing­tons wich Tokio zurück. Aber das bedeutet nur eine Vertagung auf günstigere Zeit. Sie scheint Tokio jetzt gekommen zu fein. Europa ist mit sich selbst beschäftigt, und namentlich diejenige Macht, die die stärksten In­teressen in China wahrzunehmen hätte, Großbritannien, hat sich durch ihre Sanktionspolitik gegen Italien im Westen so stark engagiert, daß sie die Hände für den Fernen Osten nicht frei hat. Amerika aber, das 1915 so entschlossen in China auftrat, empfindet seit dem Weltkriege eine so starke Abneigung gegen weltpolitische Verwicklungen, daß London bei feiner Fühlungnahme in Washington nicht viel mehr als eine -müde Resig­nation feststellen konnte Die englische Zurückhaltung ist dadurch noch gefördert worden. Wenn das Abend­land den überaus bedeutsamen und folgenschweren Vor­gängen im Fernen Osten ziemlich tatenlos zusehen muß, dann wird man sich in England darüber klar sein, daß man selbst die ersten Voraussetzungen dafür geschaffen hat. Als England int Jahre 1902 sein Bündnis mit Japan schloß, damals in der Absicht, dem Vordringen Rußlands zum Stillen Ozean Schoch zu bieten und die — wie man annahm, -im Gange befindliche — Auf­teilung Chinas zwischen Rußland, Deutschland und Frankreich zu verhindern, schuf man in Wirklichkeit Japan freie Bahn zum Aufstieg als Großmacht

Die Kommentare englischer Zeitungen zu den jetzigen Vorgängen sind auf einen ziemlich elegischen Ton gestimmt. Man stellt zwar fest, daß das Mrgehen Japans 6m Widerspruch zu den Versicherungen stünde, die Tokio im Washingtoner Vertrage im Jahre 1922 abgab, aber man sieht keine praktische Möglichkeit, aus diesem Vertrage Konsequen' n zu ziehen. Und daß Nanking etwa den Völkerbund anrufen könnte, hält man nach den schlechten Erfahrungen, die die chinesische Regierung in Genf gemacht hat, als sie gegen die Los- reißung der Mandschurei protestierte, für ausgeschlossen. Die „Times" kommt sogar zu der Schlußfolgerung, die Gründe, die gegen ein Eingreifen des Völkerbundes -im Falle von Mandschukuo gesprochen hätten, -besäßen für die Angelegenheit der fünf chinesischen Nordprovinzen die gleiche Durchschlagskraft. Die größte Anliegermacht des Stillen Ozeans, die Vereinigten Staaten, sei über­haupt nicht Mitglied des Völkerbundes, und wenn auch Sowjetrußland aus seiner besonderen Jnteressenlage heraus, sich in Genf für ein Vorgehen gegen Japan ein- letzen würde, fo -muffe es "befürchten, darauf hingewiesen zu werden, daß^es in Chinesisch-Turkestan nichts anderes tue, als die Japaner in den Nordprovinzen. Die Durchdringung Turkestans «durch die Sowjets vollziehe sich nur nicht in derselben herausfordernden Öffentlich­keit, aber mit nicht -roemiger Gründlichkeit.

Natürlich legt man sich in England die Frage vor, was aus den beträchtlichen britischen Interessen werden soll, wenn Nordchina, gleichviel in welcher Form, der japanischen Macht verfällt. Den Zusicherungen Tokios, daß MM sMto.exstäMich, dM MgWMgWW inter»