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mit einer täglichen

N nterhaltungsbeilage.

Berliner Büro: Berlm-Wilmersdorf.

Cro&te Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Postscheckkonto: Frankftirt a. M. Nr. 7405.

Donnerstag, 21. November 1935.

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83. Jahrgang.

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Echiehverbot für die ägyptische Polizei

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Werktäglich nachmittags, Samstags vor- «.nachmittag Fernsprecher-Eammel-Nr. 59631.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis'? Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Krisenstimmung in Paris.

Wiederbeginn der Kammersitzungen am 28. November. — Laval will die Radikalen stellen. Die Frage der Verbände.

de la Rocque warnt den Ministerpräsidenten. m.,as; ®etli«, 21. 3Toü. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Frankreich tritt mit dem bevorstehen- '^er langen Parlamentsferien die 3nnen= pvlitik, bas heißt der Kampf um die Regierung Laval, mehr und mehr in den Vordergrund. Am Donnerstag der kommenden Woche soll die Kammer wieder zusammentreten und damit wird dann die Frage spruchreif, ob die Regierung Laval bis zu den im Akai kommenden Jahres stattfindenden Wahlen am Ruder bleiben wird oder ob jetzt schon das Ende dieses Ka­binetts gekommen ist. Die Linke würde nicht ungern die Regierung jetzt schon stürzen, aber keine von denen in ider Volksfront" zufammengeschlossenen Par- ,: r Kommunisten, der Sozialisten und der Radikalsozialisten, ist bereit, die Verantwor­tung für die neue Regierung zu über­nehmen. Die „Volksfront" ist sich wohl im Nega- trven einig, aber nicht im Positiven. Sie hat sich bisher nicht auf ein gemeinsames Finanzprogramm einigen können und sie weiß überdies, daß man bei der gegen­wärtigen Lage der Staatsfinanzen keine volks- . tumliche Steuerpolitik zu treiben vermag. Es steht aber um Augenblick überhaupt nicht so sehr der tzampf um die Rotveriordnungen und um den Haushalt wn Vordergrund, in dem die Radikwlsozialisten an- £ scheinend keine Schwierigkeiten mehr bereiten wollen, L als vielmehr der Kampf gegen die Rechts- V verbände, vor allem gegen den Verband der Feuer- r kreuzter, von denen die Linke befürchtet, daß sie ihr den , Weg zur Regierung verstellen könnte, den sie doch spätestens nach den Wahlen zu beschreiten gedenkt. Dieser Kampf gegen die Verbünde hat einen neuen - Auftrieb erhalten durch die Schießereien, die sich vor /inigen Tagen zwischen Anhängern der Linken und V Feuerkreuzlern i n Limoges abspieltsn. Die Sozia- s listen haben bereits wegen dieses Vorfalls einen M i ß - ; trauensantrag gegen die Regierung

Lava l eingebracht. Die RLdikalsozialisten Haven zwar „grundsätzlich" beschlossen, diesem Antrag zuzu-

stimmen, womit das Schicksal der Regierung Laval be­siegelt wäre, aber es fragt sich doch, ob dieser Beschluß in dre -rat umgesetzt werden wird, da auch Herriot und die Seinen sich scheuen, die Verantwortung für den Sturz der Regierung zu übernehmen- Laval aber wünscht offenbar Klarheit. Er ist ent­schlossen, die Radikalsozialiisten zu stellen und ist des­halb oerert,.zunächst die Frage der Verbände im Parla­ment zu behandeln, bevor über die Notverordnungen und den Haushalt gesprochen wird. Auf der anderen Seite hat der Führer der Feuerkreuzler, der ehemalige Doer st d e la Rocque Laval in einem Schreiben ße war n t, gegen die Verbände vorzugehen. de la Rocque hat auf einem Presseempfang die Zahl der Mit­glieder seines Verbandes auf 700 000 beziffert Stimmt diese Angabe, dann hat der Verband der Feuer- kreuzler in der letzten Zeit außerordentlichen Zulauf gehabt, denn noch Ende Juni dieses Jahres hat de la Rocque selbst angegeben, daß die Feuerkreuzler 320000 eingeschriebene Mitglieder zählten. Man sieht jeden­falls, daß auch die Feuerkreuzler nicht untätig ge­blieben sind.

. Das letzte Wort ist iim-Augenblick noch nicht ge­sprochen. Die Regierung erklärt vielmehr, daß sie die Vorgänge in Limoges noch untersuchen lasse, und es scheint, als ob man einige Beamte als Sündenböcke in die Wüste schicken will, was bedeuten würde daß die Regierung nicht den Feuerkreuzlern die Schuld an dem Zusammenstoß zuschiebt, wie es die Linke tut. Andererseits will aber auch der gemeinsame Ausschuß der Linken, der gestern noch keine Beschlüsse gefaßt hat morgen nochmals tagen.

In dieser ganzen Lage dürfte die Regierung Laval es wohl als nicht sehr angenehm empfinden, daß durch den Antrag eines rechts stehenden Abgeordneten auch die sankt ions frage im Parlament angeschnitten werden wird. Dieser Antrag verlangt nämlich eine Entschädigung aus Staatsmitteln für diejenigen fran­zösischen Bürger, denen durch die Sanktionen, oder wie es im Antrag heißt, „denen durch die allzu weitgehende Gefälligkeit gegenüber den Genfer Drahtziehern des Völkerbundes" Verluste entstehen.

wird inne Eewäbr i Anzeigen an beittmmten Tagen und Plätzen

Eröß-re Anzeigen müßen ipätesten's einen Tag t>or dem°Erschem«

Erneute Zusammenkünfte zwischen Mussolini und Drummond?

' * • Paris, 21. Nov. Die diplomatischen Besprechungen zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalls werden am Donnerstag in Paris wieder ausgenommen. Wie das .Oeuvre" berichtet, hat Ministerpräsident Laval in seiner Mittwoch-Unterredung mit dem britischen Bot­schafter die Notwendigkeit der sofortigen Wiederaufnahme von Verhandlungen angesichts der heftigen Rückwirkungen der Sühnemaßnahmen in Italien heroorgehoben. Als ein­ziges Blatt glaubt das „Oeuvre" zu wißen, daß nicht nur der mglifche Sachverständige Peterson am Donnerstag in Paris eintreffen wird, sondern auch ein italienischer Sach­verständiger. Beide werden gemeinsam mit dem französischen Sachverständigen Saint-Quentin bereits am Donners­tag die Besprechungen aufnehmen um die Grundlage für eine, Regelung zu finden. Das Blatt glaubt, daß Petersons Vorschläge denen ähnlich sein werden, die er bereits vor drei Wochen in Paris in seinen Besprechungen mit Saint» j Quentin vorgetragen habe, Vorschläge, denen damals sogar die englische Regierung wenig Wichtigkeit beigelegt habe.

, Das „Echo de Paris" weiß hingegen nur zu berichten, vag Peterson nach Paris komme, um den britischen Bot­schafter Sir George Clerk in seinen Besprechungen zu unterstützen. Der Londoner Berichterstatter des Blattes Meldet, daß die Besprechungen zwischen Drum- Mond und Mussolini, die bisher keine Früchte ge­tragen hätten, Linnen kurzem ebenfalls wieder ausge­nommen werden sollen.

. „Le Jour" läßt sich aus London melden, daß die Be- Iprechungen des englischen und des französischen Sachverstän­digen sich „im Rahmen des Völkerbundes", halten werden, ckwar scheine es, daß im Augenblick weder Laval noch die Englische Regierung einen genauen Plan für eine Regelung wtten, doch hoffe man in London, bald eine annehmbare Grundlage für mne Aussprache zu finden.

! Das „Petit Journal" glaubt über die Unterredung zwi­lchen Laval und 'Öetn englischen Botschafter am Mittwoch zu

wißen, daß dieser den Ministerpräsidenten über die Möglich­keiten der Wiederaufnahme von Verhandlungen mit Italien unterrichtet habe, Möglichkeiten, die sich ist Rahmen der vom Völkerbund aus Vorschlag van Zeelands vorqe- zeichneten Unterhaltungen bewegen werden.

Der „Matin" schreibt, es habe nicht den Anschein, daß die Unterhaltungen am Mittwoch über den abessinischen Streitfall und über die Lage der Flottenstreitkräfte im "neu Fortschritt in den Verhandlungen darge- stellt hatten.

Wie England weiter regiert wird...

Baldwin, Hoare und der Sprecher.

(SonDerber.icht aus London.)

Das neugewählte englische Parlament soll nach den bisherigen Anordnungen am 26. November zur Wahl seines Präsidenten, des sog. Sprechers, zufammentreten. Die feierliche Eröffnung des Unterhauses durch den Komg findet am 3. Dezember statt, Ministerpräsident Baldwin ließ die Öffentlichkeit wissen, daß er an dem Bestaube seines Kabinetts möglichst keine Veränderun­gen treffen werde, bevor sich nicht die neuen Members V. Parliament zur ersten Sitzung versammelt haben, sicher ist, daß England für die nächsten fünf Jahre in der Hauptsache die Baldwin-Hoare-Regierung behalten will, die mit der großen Mehrheit von 240 Mandaten über die Opposition aus Dem Wahlkampf hervorgegangen ist.

Stanley Baldwin äußerte einmal im Freundes­kreis, Daß er sich bei den Schweinen auf seinem Keinen Landgut viel wohler fühle, als in der politischen arena. Heute wird er zugeben, daß auch das Negie­rungsgebäude in London für ihn ein ganz angenehmer Aufenthalt geworden ist. Denn er wird jetzt nicht nur von dem Vertrauen seiner Kabinettsmitglieder, son­dern eines übergroßen Teiles des britischen Volkes, zum mindesten von rund 12 Millionen Wählern, ge­tragen. Baldwin stellt einen Typ des Gentleman dar, in dem sich auch der einfache Mann Der Straße ver­körpert sieht. Dieser Abkömmling eines Großindustriellen war einmal ein sehr wohlhabender Mann. Als nach Dem Kriege die Labourleute eine Kapitalsabgabe von Den „reichen Leuten" forderten und damit bei der Re­gierung nicht durchdrangen, zahlte Mr. Baldwin heim- lich, ohne seinen Namen,'fast sein gesamtes Vermögen in die Staatskasse ein. Diese großmütige Tat wurde erst viel später bekannt. Heute, in der Pfundkrise, ist ganz England ärmer geworden, aber es ist keineswegs gesonnen, deshalb politisch in der Welt abzudanken. d»m ^Gegenteil, es glaubt an feine Sendung auch im 20. Jahrhundert, und gerade dieser ehemalige Kapitalist Baldwin, jetzt nur noch ein einfacher politischer Kopf­arbeiter, erscheint als der richtige Mann aus dem führenden Posten. Seitdem er, im Juni dieses Jahres, oie Zügel der Regierung aus den müde gewordenen Händen Macdonalds nahm, hat er der Außen- und Innenpolitik des Landes neuen Auftrieb gegeben

3n der Außenpolitik wurde Baldwin zuletzt tatkräftig unterstützt durch den neuen Minister Sir Samuel Hoare, der an Die Stelle Sir John Simons getreten war. Man hatte vorher diesem äußerlich be­scheidenen und unscheinbaren Hoare wenig Beachtung geschenkt, obwohl er sich in den Bezirken der Diplomatie als Leiter des englischen Geheimdienstes in Rußland während Des Krieges schon einen Namen gemacht hatte. Noch viel bedeutender war sein Wirken als Staats­sekretär für Indien bei Der Durchführung Des Der- fasfungsgesetzes. Und sein letztes großes, geradezu ge­schichtliches Verdienst war, daher im Abessinien­konflikt das Ruder herumwarf und Frank­reich während der Genfer Sanktions­verhandlungen an die Seite Englands zwang — ein Verdienst natürlich nur vom Standpunkt des vaterlands­liebenden Engländers aus gesehen.

Nicht weniger beliebt als Baldwin und Hoare hat sich im englischen Parlament ein Dritter gemacht: Der „Speaker" Hauptmann E. A. Fitz Ron. Er waltete seines Sprecheramtes so ausgezeichnet, daß Der allge-

Das Protest-Telegramm des Wafd an den Völkerbund.

London, 20. Nov. Wie Reuter aus Kairo meldet, roiro tenglartb in i>em Protesttelegramm, das der Wafdführer Nahas Pascha an den Generalsekretär des Völkerbundes »Angreiferstaat"-begeichnek. Nahas Pascha be- jchuldigt England der Doppelzüngigkeit: In Genf predige es orreden und Gerechtigkeit, während es gleichzeitig Ägyptens Unabhängigkeit angrerfe und seine Häfen und Gebiete an sich reiste. Der König, die Regierung und das Volk Ägyp­tens seien einig in dem Wunsch nach W i e de r he rst e l - 1 n.ng der Verfassung von 1923, aber England ver- wewere Ägypten Das Recht, seine innenpolitischen Anqeleqen- hetten zu regeln. Seit 5tT Jahren habe Ägypten unter der o r irischen Einmischung gelitten. Die ägyptische Regierung habe niemals aufgehört, gegen die Besetzung Ägyptens vor 50 Jahren zu protestieren. Die Rede des enq- Mchcn Außenministers Six Samuel Hoare aus dem E»ttd- va.l-Bankett habe eine erbarmungslose Entschlossenheit a«-- jemt, Ägypten in einem Zustand der Bevormundung'zu

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zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalls.

-Ruhe im Land.

Kairo, 20. Nov. Eine amtliche Mitteilung besagt daß im ganzen Land vollkommene Ruhe herrscht.

Der Ministerrat, der sich mit der politischen Lage be- sakte, hat beschloßen, die Zwischenfälle zu unter­suchen, bei denen drei Studenten durch Schüße der Politei niedergestreckt wurden.

Der Ministerpräsident hat in seiner Eigenschaft als Innenminister ern Schießverbot für die Polizei erlaßen. J

Die Direktoren aller arabischen Blätter haben in einer gemeinsamen Sitzung beschloßen, ihre Zeitungen am Don­nerstag nicht erscheinen zu laßen. Sie wollen damit gegen Die Haltung des ägyptischen Kabinetts gegenüber der eng­lischen Politik und gegen das vor einigen Tagen erlaßene Ausnahmegesetz für die Preße protestieren. Am Donners­tag sollen auch alle ägyptischen Läden und Büros geschlossen bleiben. Die «ägyptischen Anwälte werben vor den ge­mischten Gerichtshöfen nicht erscheine-

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbadrn.

Nr. 318.