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ScheUenbcrg'sche Hoflmchbruckerei, «lagdlatt-Haus". Wöchentlich 7 Ausgaben ... A^eilUtt®Säeit:

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Nr. 317.

Dienstag, 19. November 1935.

83. Jahrgang.

Badoglio hat freie Hand!

In allen italienischen Städten und Dörfern werden an den Gemeindehäusern auf Beschluß des Großen Faschistenrates Gedenktafeln angebracht, die den 18. November 1935 als den Tag des Beginns der großen wirtschaftlichen Belagerung Italiens und als ein Datum der Schmach und der Schande in der Welt­geschichte für alle Zeilen festhalten sollen. Und an diesem 18. November, von dem der Große Faschistenrat sagt, daß sich von diesem Tage an Italien im Kriegszustand mit den Sanktionsmächten befinde, hat das ganze Land 24 Stunden lang geflaggt.

Es ist gewiß kein Freudenfest, das zu feiern Italien Anlaß hätte. Keinen Bürger, keine Familie dieses Landes wird es geben, die nicht irgendwie durch die

de Bono. Badoglio.

(Scherls-Bilderdienst, M.) (Graph. Werkst., M.)

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Sanktionen in Mitleidenschaft gezogen würden. Diel­fercht hätte es noch eine Zeit gedauert, bis die Ab­sperrung, die die Genfer Sanktionsbsschlüsse von außen her über das Land verhängt haben, der Bevölkerung spürbar geworden wären. Aber in dem fanatischen Widerstandswillen, in-der Entschlossenheit, alles zu tun was die weitere Durchführung der oftafrikani,scheu Unternehmung, und sei es auch gegen den Willen einer ganzen Welt, sichern kann, hat Italien sich von dem Tage an, an dem die Sanktionsbeschlüsse gefaßt wurden, zur aktiven Gegenwehr gerüstet. Und das, was Italien an Gegenfanktionen in die Wege leitete, greift so tief in das Leben des Volkes ein. Man berichtet, daß die Erbitterung über England, die treibende Macht der Sanktionspolitik, noch mehr aber über Frankreich, dem man den Verrat an der Freundschaft Roms vovwirft, noch überboten werde durch die Begeisterung, mit der die schweren Eingriffe in den gewohnten Ablauf der Versorgung des Volkes durch Gegensanktionen ertragen werden. Wenn die Stimmung des Volkes beim Ab­gang der ersten Truppentransporte nach Ostafrika seinerzeit noch zaudernd und schwankend war, wenn damals Zweifel und Besorgnis sich in die offizielle Hurrastimmung hineinmischten — heute ist kaum noch etwas davon zu spüren. Heute steht die ganze italienische Nation wie ein festgeschmiedeter, willensmäßig geeinter Block zusammen. Und das in dem Augenblick, in dem die „koloniale Polizeiaktion" Hintergründe aufreißt, in denen ein großes, aber gefährliches Schicksal lauert.

Es ist sicherlich nicht zufällig, daß in der gleichen Stunde, in der der Große Faschistenrat die Sanktions­politik der Genfer Mächte in flammender Entrüstung anklagte und das italienische Volk nun erst recht zum Widerstand gegen sie aufrief, ein Wechsel im Oberkommando über die ostafrikanische Expe­ditionsarmee erfolgt ist. General de Bono, der 70jährige Quadrumvir aus den Tagen des Marsches auf Rom, wurde abberufen und an seiner Stelle Marschall Badoglio zum Höchstkommandierenden so­wohl an der Eritrea- wie an der Somalifront ernannt. Der Marschall hat die Ausreise nach dem Kriegsschau­platz bereits angetreten.

Diese Umbesetzung, die umso auffälliger ist, als de Bono, ein Veteran der faschistischen Bewegung, höchste Sympathien genießt und Mussolini besonders naihesteht, hat eine militärische und eine politische Seite. Die militärische wurde aufgeschlagen, als Marschall Badoglio, der General stabschef der itali enischen Armee, vor wenigen Wochen die Eritreafront inspizierte. Man wird annehmen müßen, daß sein dem Duce erstatteter Bericht eine so schwere Kritik der Strategie de Bonos und der militärischen Lage Italiens auf dem ostafri-

3m Zeichen der Sanktionen.

Die Franzosen hatten es nicht eilig. — Die italienische Einfuhrsperre. Der hohe Absatz als Sanktionssymbol.

Was wird weiter?

38. Berlin, 19. Nov. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Der gestrige erste Tag der Sank- t i onett gibt der internationalen Presse Veranlassung, dieses Thema noch einmal mit aller Ausführlichkeit zu behandeln. Die franzäsischen Blätter, wenigstens so­weit sie der Regierung nahe sichen, sind dabei bemüht, den Italienern klar zu machen, daß Frankreich gar nicht anders handeln konnte, wollte es nicht seine Unterschrift unter das kollektive Sicherheits­system äbleugnen, dem es 15 Jahre seine Außen­politik gewidmet habe. Die Blätter betonen dabei immer wieder, daß die französische Regierung die Er­füllung ihrer Paktpftichten, das heißt die Teilnahme an den Sanktionen, durchaus nicht als Hinder­nis für ihre Bund es pfli ch t en gegenüber Italien betrachte. Offensichtlich hatte es Frank­reich auch nicht sonderlich eilig gehabt mit der Ingang­setzung der Sanktionen. Da nämlich das Amtsblatt mit den entsprechenden Bestimmungen erst gestern im Laufe des Tages bei den französischen Grenzstationen eintraf, so wurden die einzelnen Bestimmungen auch erst in dieser Nacht wirksam. Dagegen haben die Italiener die Einfuhrsperre von vornherein scharf -durchgeführt, wird doch sogar berichtet, daß auf einem französischen Erenzbahnhof 650 Kilogramm französische Zeitungen liegen blieben, die nicht mehr nach Italien hineingelass-en wurden.

Am ruhigsten betrachtet man die ganze Angelegen­heit vorerst in England, wo allerdings die wirt­schaftlichen Auswirkungen wohl auch am wenigsten zu spüren -sein werden, wenigstens solange die Lieferung von Kohle an Italien noch zulässig ist, wofür die eng­lischen Gruben allerdings sofortige Bezahlung ver­langen. Die englischen Liebhaber von italienischen Weinen, Käse und Makkaroni werden diese Dinge trotz der Sanktionen vorerst kaum zu entbehren brauchen, Äa diese Sachen in den letzten Wochen in großen Men­gen nach England eingeführt wurden, sodaß sie vorerst angeblich für ein ganzes Jahr reichen. Nicht ganz ohne Sorgen betrachtet man freilich auch in England die Frage, was weiter werden soll.

In Italien selbst zeigt sich der Widerstands­wille in -immer neuen Einzelheiten. So melden die Schuhgeschäfte einen erhöhten Umsatz, da man einmal damit rechnet, daß der Autoverkehr in weitgehendem Maße eingeschränkt werden wird, also künftig viele

Wege zu Fuß zurü^elegt werden müssen. Dann aber sind die Italiener bemüht, sich schleunigst Schuhe mit niedrigen Absätzen zuzulegen, da der hohe französische A b- satz geradezu als Sanktionssym-bol be­trachtet und dementsprechend behandelt w i r d. Wie in England, so legt man sich aber auch in Italien die Frage vor, was weiter werden soll, beson­ders dann, wenn, wie -man in Rom hofft, die Sanktio­nen versagen sollten. Wird es, so ist die Frage, dann wirklich zur Blockade kommen, die bekanntlich von Mussolini als kriegerische Handlung, welche mit gleichen Maßnahmen -beantwortet werden müßte, bezeichnet worden ist? Daß die italienische Presse nochmals mit aller Schärfe gegen die Sanktionsstaalen Stellung nimmt, braucht wohl kaum besonders betont zu werden.

Mahnahmen zur Sicherung der italienischen Olbestände.

Mailand, 19. Nov. (Eig. Drahtmeldung.) Am 18. Nov. ist ein Gesetz in Kraft getreten, das das Korporationsmini- sterium ermächtigt, sämtliche Verwaltungen und Konzessions­inhaber von Mineralöllagern zu verpflichten, einen Ölvor­rat von 70 v. H. des Rauminhalts aller Lager-behälter von mehr als 500 Kubikmeter ständig zu halten. Die Mineralöllager haben innerhalb von 10 Tagen nähere An­gaben dem Korporationsministerium über das Fassungsver­mögen ihrer Ölbehälter, deren Verbrauchszweck und die höchstzulässige Eialagerungsmenge zu machen.

Scharfe Sprache in den Hirtenbriefen italienischer Bischöfe.

Rom, 19. Nov. (Eig. Drahtmeldung.) Die Erzbischöfe von Messina und Brindisi haben Hirtenbriefe gegen die Sühnemaßnahmen erlassen, die in der Schärfe des Tones parteiamtlichen Erklärungen nicht n a ch ft e h e n. So heißt es im Hirtenbrief an die Gläubigen von Brindisi u. a.: „Am 18. d. M. nahmen die Sanktionen ihren Anfang, die der kalte Egoismus und die Anmaßung Eng­lands gegen jeden Grundsatz der Gerechtigkeit und Gleich­heit zum Schaden unseres Vaterlandes gewollt haben, um einen hal-bbarbarifchen Sklavenkönig, der Unterdrücker seines Volkes ist, zu unterstützen. Wir werden dem Vaterlande jetzt Gold geben, damit es die riesigen Kosten tragen kann, um die Zivilisation in die Gegenden zu bringen, wo bis jetzt Sklaverei und Barbarei herrschten. Damit ahmen wir die alten Römer nach, die alles für das Vaterland opferten." Auch der Erzbischof von Messina ermahnt seine Diözese, reich­lich Gold zu spenden.

WK7 Wegen des Buß- und Bettags erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe am Donnerstag.

Der erste grohe Lustkampf in Abessinien.

20 italienische Bombenflugzeuge in wütendem Abwehrfeuer.

5000 abessinische Soldaten getötet?

Asmara, 19 Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Der Luftkampf Mischen italienischen Bomben- slug,zeugen und gegnerischen Streitkräften, der am Montag im Gebiete zwischen Amba Aladschi und Antalo statt­fand, wird von militärischer Seite als die größteLuft- operation seit Kriegsbeginn bezeichnet.

Zwei Geschwader, bestehend aus- 20 Flugzeugen, sichteten im Talkessel bei Buja südlich von Makalle starke abessinische Truppenabteilungen. Sie gingen, um die Truppen besser bombardieren zu können, in die Tiefe. Dabei kam es zu einem erbitterten Kampf. Die Abessinier hatten die An­höhen besetzt und feuerten nun von oben her auf die in den Talkessel niedergehenden Flugzeuge. Rund 7000 Abessinier nahmen die italienischen Apparate in ein wütendes Abwehr­feuer aus Gewehren, Maschinengewehren und Luftabwehr- geschützen. Sämtliche Flugzeuge wurden von

Die Quertreibereien des Memel-Gouverneurs.

Baldfzus gibt seinen Auftrag zurück.

Memel, 18. Nov. Der Präsident des Memelländischen Landtages B a l d s z u s, der sich für die Annahme des vom Gouverneur an ihn ergangenen Auftrages zur Bildung des Direttoriums von vornherein Bedenkzeit erbeten hatte, hat sich gezwungen gesehen, dem Gouverneur den Auftrag zurückzugeben.

Wie hierzu verlautet, hält die Einheitsliste eine Anzahl Kandidaten für den Posten des Vorsitzenden des Direkto-

den Kugeln stark durchlöchert. Insgesamt wiesen sie mehr als 100 Einschüsse auf, doch konnten sie alle die Feuerlinie verlassen. Ein Bordmechaniker wurde durch einen Beinschuß sehr schwer verletzt. Während das Flugzeug des Propagandaminister Eianö bei Makalle notlanden mußte, zerbrach an einem anderen Apparat bei der Landung in Hausten der Landungsschlitten.

Die Zahl der bei dem großen Laustbombardement ge­töteten und verwundeten Abessinier soll sehr groß sein. Nach einer letzten privaten Meldung sollen über 5000 abessi­nische Soldaten getötet oder verwundet worden fein. Die Stärke der ahessinischen Truppen, die das Feuer auf die italienischen Flugzeuge eröffneten, soll nach dieser Quelle nicht 7000, sondern 20 000 Mann betragen haben.

Nach der in Asmara vorliegenden Meldung scheint es sich zu bestätigen, daß Ras Kassa und Ras Seyum vor der Ankunft Badoglios eine große Aktion unternehmen wollen.

riums bereit, die der Gouverneur, wie aus seiner bisherigen Taktik hervorgeht, zu umgehen trachtet. Daß sich der soeben ernannte Präsident des Landtages zu diesem Verfahren nicht zur Verfügung stellen konnte, bedarf keiner weiteren Be­gründung. Die Einheitsliste muß vielmehr darauf bestehen, daß ihren Wünschen als dem ausschlaggebenden Mehrhe i t s faktor im Landtag entsprochen wird. Landtagspräsident Baldszus hat daher bei seiner endgültigen Ablehnung be­tont, daß die von der Einheitsliste gemachten Vorschläge nunmehr endlich ihre Berücksichtigung finden müssen.