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Nr. 307.

Samstag, 9. November 1935.

83. Jahrgang.

Deutschland im Zeichen des 9. November

Der Sieg der Toten von der Feldherrnhalle.

Sie »Wiche Wchestiuck in München

Das hohe Lied der Treue

„Die Toten sind in uns auferstanden.

Die Kundgebung der Politischen Leiter im Ziriusgebäude.

München, 8. Nov. In diesem Jahre, wo das heroische Opfer der Blutzeugen des nationalsozialistischen Freiheits­kampfes für Deutschlands Rettung und Wiedergeburt seine sieghafte Verherrlichung in der „ewigen Wache" am Königs­platz nicht, waren aus allen Gauen des Reiches Tausende von Politischen Leitern und Dienstgraden der Gliederungen nach München geeilt. Sie alle, stellvertretende Gauleiter, Kreisleiter, Reichs- und Gauamtsleiter, Führer der SA., SS., des NSKK., des Arbeitsdienstes, der Hitlerjugend und die gesamten Hauptschriftleiter der Parteipresse, versam.nel- ten sich am Freitagabend im Zirkusgebäude, um die tlber-

Der Führer kommt.

Im gleißenden Licht der Scheinwerfer fährt der Führer durch das Siegestor und dann durch die Front der Kolon­nen, durch die Fahnengasse zum Odeonsplatz. Uber den roten Teppich, über den man soeben die toten Kameraden trug, schreitet er zur Feldherrnhalle hinüber. Vor jedem Sara verweilt der Führer einen Augenblick mit dem deutschen Gruß. So hält er letzte Zwiesprache mit denen, die ihr Leben für die Idee und damit für Deutschland gaben, letzte Zwiesprache mit seinem Fahnenträger von damals, der sterbend noch die Fahne der SA. umklammerte, ehe sie seinen Händen entfiel, letzte Zwiesprache mit denen, die in der gläubigen Inbrunst begeisterter Jugend oder im gläubigen Bekennermut des Mannesalters die ersten Blutzeugen de: deutschen Freiheit wurden. Das Lied vom guten Kame­raden erklingt. Kein Laut unterbricht die weihevolle Stille. Kein Laut, als der Führer die Halle verläßt. Noch einmal ein Augenblick von unerhörter Eindruckskraft, als die Front der Halle im gleißenden Licht gewaltiger Scheinwerfer aus­leuchtet und in diesem gleißenden Schein die Ehrenwache der Hitlerjugend an den Särgen aufzieht. An der Stätte des Opfers, aus dem die Saat der deutschen Freiheit entsproß, ruhen die toten Helden noch einmal aus auf ihrem letzten Wege, der sie als ewige Wache für Deutschland im feierlichen Siegeszug am Jahrestag ihrer Hingabe einholen wird zur höchsten Ehrung, die das neue Reich seinen ersten Blutzeugen zu geben hat. Noch einmal ziehen, nachdem der Führer und sein Stellvertreter mit der Führergruppe den Platz ver­lassen haben, die Mitkämpfer von damals, die Fahnen der Bewegung, die gesamte Führerschaft der Partei und ihrer Gliederungen und die politischen Leiter in feierlichem Zuge an der Halle vorüber, noch einmal zu grüßen, was sterblich an den Helden war. Dann wird das deutsche Volk seine Toten grüßen, die starben, damit Deutschland lebe. Sie alle aber nehmen als letzten Blick von der Stätte einer Toten­ehrung, wie sie gewaltiger und erschütternder noch nicht er­lebt wurde, die Worte mit, die sich im Schein der Opfer­flammen und der Fackeln widerspiegeln:

„Und ihr habt doch gesiegt!"

Der letzte Appell.

Ganz Deutschland steht heute im Zeichen der Feiern des 9. Novembers. Gewiß sind es Toten­feiern. Aber nichts charakterisiert den Sinn dieser Feiern besser als die Tatsache, daß die Fahnen nicht auf Halbmast wehen, sondern daß die Flaggen den Sieg der Toten künden. „Und ihr habt doch gesiegt", so lautete die Inschrift auf dem Kranze, den Adolf Hitler den 16 Toten von der Feldherrnhalle nach der Macht­ergreifung widmete Diese Worte stehen heute auf dem Mahnmal in der Feldherrnhalle. In dem Sinn dieser Worte stehen heute auch die Feiern in München w i e im ganzen Reich, denn dieser Marsch des 9. Novembers war ja der Aufbruch zu dem neuen deut­schen Vaterlande. In diesen Männern des 9. Novembers lebte der gleiche Geist wie in der Jugend, die neun Jahre vorher — auch das geschah im Schicksalsmonat November — mit dem Gesang „Deutschland. Deutsch­land über alles" in die Reihen der Feinde einbrach und mit diesem Gesang auf den Lippen starb. Zwar noch führte der 9. November 1923 nicht zum Siege über den Ungeist des Novembers 1918, aber hier wurde die Vor­aussetzung geschaffen, die den 30. Januar 1933 ermög­lichte. Die Märtyrer des 9. Novembers zeugten für die Macht der Idee, und wenn heute, im November 1935, die neue Reichskriegsflagge über den Rekruten des neuen Dv'tksheeres wehen kann, so gebührt die Ehre und der Dank dafür vbsnfalls den Männern, die am 9. No­vember fielen und nur das eine Ziel kannten: Deutsch­land. Heute steht ganz Deutschland an den Gräbern, gedenkt aller derer, die tun Kampfe für dieses neue, große und freie Deutschland fielen. Heute sind längst die Worte des Führers in Erfüllung gegangen, die am Schlüsse des zweiten Bandes seines Werkes „Mein Kampf" stehen, die Worte, mit denen er der Toten des 9. Novembers gedenkt: „Denn ich weiß, daß einst die Zeit kommen wird, da selbst die, die uns damals feindlich gegenüber standen, in Ehrfurcht derer gedenken werden, die für ihr deutsches Volk den bitteren Weg des Todes gegangen sind." Denn wenn heute beim letzten Appell die Namen derer aufgerufen werden, die für Deutsch­land kämpften und fielen, dann tönt das .Hier" nicht allein von den Lippen derer, die an dieser Feier teil­nehmen, dann bekennt sich mit einem solchen „Hier" die ganze Nation zu dem Deutschland unter dem Haken­kreuzbanner und zu seinem Führer Adolf Hitler.

Einzug der toten Helden durch das Siegestor.

München, 9. Nov. Unter Trommelwirbel hat die Spitze des Zuges, der die 16 Toten zur Feldherrnhalle überführt, das Siegestor erreicht. Es liegt eine tiefe Symbolik darin, daß die Männer, die im Kugelregen der Reaktion vor 12 Jahren zusammenbrachen, nun doch als Sieger durch das Siegestor in die Stadt München einziehen, wie nie Fürsten in diese Stadt einzogen. Und nun wird das Wort wahr, das der Führer auf das Mahnmal in der Feldherrnhalle fetzte: „Und ihr habt doch gesiegt!"

Dumpf dröhnen die Trommeln unter den Bogen des Tores und dann tritt aus dem Bogen heraus die Spitze des Zuges, voran Gruppenführer Helfer. Hinter ihm. breit und tief gestaffelt, dunkelrot leuchtend im Fackelschein, der die ganze breite Ludwigstrahe bis hinauf zur Feldherrnhalle erfüllt, die Standarten, die Standarten der Bewegung, die so manchen Namen eines Toten tragen. Hinter den Standar­ten die Blutfahne, und nun kommen, von je sechs Pferden gezogen, je acht auf einer Straßenseite, die Lafetten heran. Mit Hakenkreuzfahnen verhangen stehen auf ihnen die Särge der 16 ersten Blutzeugen der nationalsozialistischen Bewegung.

Nun erstirbt auch das letzte Raunen in den dicht ge­drängten Menschenmassen hinter den Spalieren. Ergriffen find die Gesichter und die Arme heben sich zum stummen Gruß. Langsam und feierlich geht der Zug die Straße weiter hinauf zur Feldherrnhalle.

Hinter den Lafetten quillt ein breiter, fast unüberseh­barer roter Strom durch das Siegestor: Die Fahnen der Be­wegung, die aus allen Teilen Deutschlands hier znsammen- fluteten, um den Männern, die für die erste Fahne fielen, das Geleit zu geben. Und auch hier wieder eine tiefe Symbolik: Aus der einen blutgetränkten Fahne wurde dieser unendliche rote Strom!

Hinter den Fahnen schreitet das Führerkorps der Be­wegung, 3000 Männer aus allen Formationen.

Die Mitternacht ist herangekommen. Die Spitze des Zuges hat die Feldherrnhalle erreicht.

Die Opferfeuer lohen auf.

2n der Halle flammen die Opferfeuer auf, die zu Häup- ten jedes der Gefallenen in der Stunde feines Einzuges lodern werden, die Bogenlampen verlöschen und über dem weiten Platz spielt nur, von dem plötzlich aufkommenden Nachtwind zu lodernder Glut entfacht, der Widerschein der Opferfeuer. Und fast in der gleichen Sekunde flammen die

fast jeder Satz unterbrochen von Stürmen der Zustimmung und des Beifalls.

Brausend hängt sich der Beifall an den letzten Satz, als der Führer geendet hat. Hell und ehern wie aus einem Munde jauchzt dem Führer das Sieg-Heil seiner Getreuen entgegen. Dann erklingt, einem heiligen Gelöbnis gleich, das Lied der Deutschen und das Horst-Wessel-Lied. Heilrufe und immer wieder Heilrufe huldigen dem Führer. Taufende von Armen strecken sich ihm entgegen. Der Führer drückt vielen alten ergrauten Kämpfern die Hand, ehe er den Saal verläßt. Und in diesem Händedruck liegt noch einmal die Erinnerung an das Ringen, an das gewaltige Ringen und Kämpfen um Deutschland.

Die Kundgebung des Saales pflanzt sich fort auf die Straße. Stürmische Heilrufe, die den heißen Dank eines ganzen Volkes umschließen, folgen dem Führer auf feiner Fahrt durch das nächtliche München, durch die Hauptstadt der Bewegung.

Fackeln auf, deren Träger die Straße der Trauerparade zu beiden Seiten säumen, durch die nun der Zug der Toten seinen Weg zur Stätte ihres Opfers nimmt.

Landsknechtstrommeln künden mit dumpfem Wirbel das Herannahen des Zuges, dann klingt Trauermufik auf. während die Zehntaufende in ehrfürchtigem Schweigen ver­harren. Und gleichsam den Toten zum letzten Gruße ent­gegenwehen die Fahnen, wie von Geisterhänden bewegt, in dieser Mitternachtsstunde im Winde. Das ganze Geschehen dieser Stunde ist wie eine Sinfonie helgifchen Einzugs in Walhall.

Die Trauermufik schweigt. Wieder beherrscht der dumpfe Klang der Trommeln die Stunde, kein Laut unterbricht mehr die weihevolle Stille. Trommeln und immer wieder Trommeln, bis die Spitze des Zuges den rotfamtenen Teppich erreicht hat, über den die toten Helden ihren Einzug in die durch ihr Opfer geweihte Stätte halten werden.

Letzter Wirbel der Trommeln. Dann erklingt der Präfentiermarfch, während je sechs Mitkämpfer jeden der Särge von der Lafette nehmen und in die Feldherrnhalle tragen. Der Zug der alten Kämpfer nimmt Aufstellung vor der Halle, dann erscheinen die 10 000 Fahnen der Be­wegung. während das Horst-Wessel-Lied getragen über den Platz schwebt.

Kurze Kommandos. Die Fahnen gehen hoch, ihre Träger nehmen Front zur Straßenmitte und nun erlebt diese Weihestunde ihren Höhepunkt:

Der Führer bei seiner Alten Garde.

München, 8. Nov. Auf der Galerie haben die Gäste Platz genommen, die Reichsleiter, Gauleiter, Hauptdienst- ftellenleiter der Reichsleitung, Obergruppenführer und Gruppenführer der SA., SS., des NSKK., die Eauarbeits- fiihrer und die Obergebiets- und Gebietsführer der Hitler- jujjenb. Dazu namhafte Vertreter der Wehrmacht und die Hrnterbliebenen der 16 Gefallenen.

Um 20.15 Uhr feierliches Schweigen! Einer der alten Kämpfer von 1-23, Sturmbannführer ©rimminger, trägt die Blutfahne in den Saal, die genetzt ist mit dem Blut der 16 Gefallenen von 1923.

Gegen 20.20 Uhr hat der Führer, begleitet von drei Vlutordensträgern, seine Wohnung verlassen. Es sind bei ihm Julius S ch reck, Julius Schaub und Ullrich Graf, der am 9. November an der Feldherrnhalle sich schützend vor Hitler warf und aus zahlreichen Wunden blutend auf das Pflaster sank. Ferner ist beim Führer der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß.

Um 20.30 Uhr trifft der Führer im Bürgerbräukeller ein. Hermann Görrng und Christian Weber begrüßen ihn. In Vertretung des damaligen Führers des „Regimentes München", Obergruppenführer Brückner, der an diesem Ehrentage noch an den Folgen einer Operation leidet und nicht anwesend sein kann, meldet Gruppenführer Helfer dem Führer das „Regiment München", deffen ehemalige Kompagnieführer in der Halle angetreten sind.

Viele Hände muß der Führer schütteln, ehe er in den Saal treten kann. Dann brandet eine einzige Woge des Jubels auf. Es ist ergreifend zu sehen, wie hier mitten durch die braunen Kämpfer eine schmale Gasse sich für den Führer bildet, wie hinter ihm die braune Woge wieder zusammen­schlägt. Sie werden immer eins sein: Der Führer und seine Getreuen! Dies alles ist wie ein hohes Lied der Treue, der Treue, die Deutschland groß gemacht hat.

Obergruppenführer Hermann Göring tritt an das Pult und kündigt an, daß der Führer nun zu feinen alten Äämjjfein sprechen wird. Als der Führer dann beginnt, war

tragung der Rede des Führers aus dem Bürgerbräukeller mitanzuhören.

Nach einer kurzen Begrüßung führt der Gauleiter Wagner in packenden Worten zurück in die Zeit des An­fangs der Bewegung, in der der Ultramontanismus sich an- fchickte, um das Reich zu zerschlagen, in der an der Spitze des Reiches keine Führung stand, sondern ein schlappes und schlaffes parlamentarisches System.

In jener Zeit trat aber auch eine Handvoll Männer auf, um sich den Verderbern Deutschlands entgegenzustellen, Männer, die bereit waren, mit dem Einsatz ihres Lebens für eine Wendung im Geschick unseres Volkes zu sorgen. Einer ragte damals heraus, einer stand im Vordergrund: Adolf Hitler!

Der Gauleiter erinnert dann an die schicksalhaften Stunden vom 8. und 9. November 1923, ruft aber auch di«