fcbaihwr TsgM
Wöchentlich (tfö 7 «n-g-ien «*?S5!*5.
L
Ausgaben
mit einer täglichen
Unterhaltungsbeilage.
Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Lrehtanfchrlst: Zagblatt Wiesbodea.
P»ltsche«-nt»: Frantfnrt a. M. Nr. 7405.
Nr. 306.
83. Jahrgang.
Makalle von den Italienern besetzt
-
lon
3
«erttSgllch nachmittag«, Samstag« t>er< u. nachmittag Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631.
----- Reibungen als Enten be-
Man erklärt, in Abessinien befinde sich nur ein
Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
Nähere Einzelheiten fehlen noch.
Asmara, 8. Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Am Freitag früh zogen die italienischen Truppe» in Makalle ei». Als erste rückte eine Abteilung Infanterie unter der Führung des Obersten Broglio, ferner Bersaglieri und Mannschaften des Ras Eugsa mit wehende» Fahne« in der Stadt ein. Die italienischen Truppe» bezogen unterhalb der heute verfallenen italienischen Forts, das im Jahre 1896 geräumt werden mutzte, Biwak. R a s E u g s a nahm im Namen Italiens Besitz von seinem Schlotz Makalle. Es ist bisher noch nicht bekannt, ob die Italiener bei der Besetzung der Stadt aus Widerstand gestotzen find.
sucht unb erklärt, bag er bemüht bleibe, die Sanktionen gegenstandslos zu machen, indem er eine Lösung der abessinischen Frage anströbe, noch ehe die Sanktionen rn Kraft treten. Die französische Industrie dürfte oa- mir-^e'nen e^mß5 mageren Trost empfangen haben angesichts der Tatsache, daß die Sanktionen bereits am Montag in acht Tagen wirksam werden sollen.
Es ist nun vielfach der Versuch gemacht worben, Deutschland in diese ganze Sanktionspolitik hineinzu- ziehen. Aus der amtlichen deutschen Mitteilung zu diesem Thema ergibt sich jedoch, datz u n s e r e P o l i t i k der striktesten Neutralität keine Änderung erfahren hat. Doutschlanb hat mit den Sanktionen nichts zu tun. Es will andererseits auch nicht Kriegsgewinnler werden, eine Rolle, die unvereinbar wäre mit der verantwortungsbewussten und von der Sorge nm den Frieden bestimmten deutschen Politik. Mit Recht sagt die RSK. zu diesem Thema: „Die außenpolitischen Reden des Führers, die ja der Welt nicht unbekannt sind, haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß, sowohl die Innen- wie auch die Außenpolitik der Staatsführung nur von dem Gedanken beseelt ist: Sozialer Frieden nach innen und gesicherter Frieden nach außen. Daß eine solche Konzeption nur bei voller Wahrung 'der politischen Neutralität gegenüber streitenden Mächten haltbar und wirk- sanr ist, wird keines besonderen Kommentars bedürfen."
Kein deutscher Schritt in Genf.
«? 7- Ausländische Zeitungen haben
Nachrichten über eine Demarche des deutschen Konsuls jn Er ns bei einem hohen Völkerbundsbeainten gebracht. Diese Nachrichten sind unzutreffend. Eine solche Demarche hat nicht stattgefunden. Der deutsche Standpunkt in bezug auf Deutschlands Neutraliät und Nicht- -deteiligung an den Sanktionen ist bekannt und hat sich in keiner Weise geändert.
bellte sich eine die eigenen inneren deutschen Wirt- schaftsinti.resieii bedrohende außergewöhnliche Ausfuhrsteigerung ^bestimmter Rohstoffe oder Lebensmittel bemerkbar machen, wird die Reichsregierung dies durch geeignete Maßnahmen verhindern.
Alle gegenteiligen Behauptungen der ausländischen Presse sind unzutreffend.
Im übrigen hat die Reichsregierung sofort nach Beginn des italienisch-abessinischen Konfliktes — also längst vor den bekannten Maßnahmen des Völkerbundes — die Ausfuhr von Kriegsgerät und Munition nach beiden Staaten perboten.
^ugsprrts«: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Ruf., für einen Mannt «m? 9
Ichlietzuch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35 em,‘
Italien drosselt die Einfuhr.
Die „große Proletarierin im Kampfe mit der Plutokratie". — Italiens radikale Selbsthilfe. Frankreichs Wirtschaft fürchtet die Sanktionen.
9. November.
„Die Deutschen stehen bereit; ihnen fehlt nur der vom Heiligen Geist eingesetzte Führer."
(Houston Stewart Chamberlain im Jahre 1916.)
Man schrieb den 18. Brumaire — das ist der 9. November — des Jahres 1799, als General Bonaparte das Direktorium stürzte. Nichts hätte, um mit Talleyrands Biographen Duff Cooper zu sprechen, schlechter vorbereitet und schlechter durchgeführt werden können, als dieser Staatsstreich. Daß er trotz aller Plan- und Ziellosigkeit gelang, daß er glückte, obwohl Napoleon im entscheidenden Augenblick den Kopf verlor und in seiner mißglückten Ansprache an den Rat der Alten den Fluch der Lächerlichkeit auf sich lud; daß et bas Konsulat gebar, das Kaiserreich, die Restauration, den Bürgerkrieg und die französische Republik von heute: das lag in der völligen Vernichtung aller überlieferten Formen und Ideale begründet, die durch die liberale Revolution guillotiniert worden waren. Und es lag nicht minder am Fehlen eines alles beherrschenden Kopfes, der den Ereignissen des Jahres 1789 ihren letzten Sinn erhalten und ihnen die richtungweisende Form geschaffen hätte.
So stampfte der armselige 9. November 1799 über die vepdatterten Erben all des Blutes hinweg, das für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit vergossen worden war. Und doch wurde schließlich durch ihn die neue Ordnung geschaffen, die für mehr als ein Jahrhundert das Schwergewicht europäischer Geschichte aus der Mitte Europas in den Westen verlegte; die westliche Zivilisation triumphierte über das Heilige römische Reich deutscher Nation. Und seither war die Alte Welt friedlos geworden. Das deutsche Kaiserreich ermangelte der Kraft und der Mittel, wenn auch nicht einer Idee, den weltgeschichtlichen Umschwung herbeizuführen und den herannahenden „Untergang des Abendlandes" auf- zuholten. Der Weltkrieg verhinderte die Rückkehr des europäischen Gleichgewichtes; Versailles und Genf sind rechte Kinder des 18. Brumaire 1799.
. Die Sinndeutung des 9. November 1918 — so- fern man darin überhaupt Sinn finden will — kann nur darin gesehen werden, daß wir einen verspäteten Einzug der Jakobinermütze in Mitteleuropa erlebten mit allen traurigen Begleiterscheinungen der „Aufklärung"; mitber Grundsatzlosigkeit, der verantwortungslosen Aufgeblähtheit einer wildgewordenen Großmannssucht; mit der angsterfüllten Verachtung aller sittlichen und geistigen Gesetze. Nur fehlte es den an bie Oberfläche geschwemmten Epigonen der revolutionären Überlieferungen von 1789 am letzten Mut zur Ganzheit. Es fehlte ihnen am Schwung, an Tatkraft; es fehlte ihnen am Glauben an ihr eigenes Können und Wollen. Sie waren beherrscht vom Grundsatz der Grundsatzlosigkeit.
Wenn die Halbheit der neuen Götter überhaupt zu einem Schein umstürzlerischen Ruhmes kamen, so nur deshalb, weil unsagbares Leiden die Seele des Volkes zermürbt hatte und weil es an der Ausrichtung auf eine neue Zeit fehlte. Wenn Houston Stewart Chamberlain schon im Jahre 1916, zur Zeit der stärksten Krasten- faltung des Kaisertums also, nach dem vom Heiligen Geist eingesetzten Führer rief, so sah er als „Seher des Dritten Reiches" weit über den Horizont jenes Jahres hinaus unb fühlte zutiefst, welche Gewalten um Formung unb Erweckung rangen.
Zwölf Jahre später, nach dem Zusammenbruch, bekennt er, daß er den Glauben an die besonderen Fähigkeiten unb damit auch an die besondere Bestimmung des deutschen Menschen nicht verloren habe, bilde er doch einen Teil seines Gottesglaubens. Aber er behielt Gottes Wegen die Zukunft, die Zeit der Heranwachsenden Jugend vor, auf die er seinen Hoffnunas- ausblick richte.
Bon solcher Schicksalsergebenheit aber wollten die Männer des 9. November 1923 nichts wissen. Sie schworen auf die gesunde Kraft des Frontkämpfer- tums, das im Volke nicht untergegangen fein könne. Sie schworen auf ihre Berufung. Sie glaubten an -tieue und Gefolgschaft. Sie wollten den Staatsstreich, weil ihnen die Wartezeit organischen Wachstums zu qualvoll und zu gefährlich dünkte. Sie wollten mit- reitzen zu befreiender Tat.
Und sie haben doch gesiegt! Nicht an jenem Leidenstage vor der Feldherrnhalle, aber durch ihn! Nicht mit ihren ungeladenen Gewehren, aber trotzdem gegen alle Staatsgewalt. „Der deutschen Idee wohnt", um noch einmal mit H. S. Chamberlain zu sprechen „eine ungeheure Wirkungsgewalt inne; an tausend und aber Tausend Orten, von unserer Öffentlichkeit meistens
Addis Abeba, 7. Nov. Im Ausland sind Meldungen verbreitet worden, wonach ein amerikanischer Neger aus den Negus einen Anschlag —' ' ' "
abessinischer Seite werden diese zeichnet. CT ....
emziger amerikanischer Neger und das sei der „Schwarze Adler", der im Jnfanteriedienst als Ausbildungsosfizier
Große Munitions- und Waffensendungen an Abessinien.
Addis Abeba, 7. Nov. Die Kämpfe um Makalle dauern an. Es heißt, daß die abessinischen Truppen erhebliche Fortschritte gemacht haben. Die Stadt selbst befindet sich immer noch in den Händen der Abessinier, die ihre Unternehmungen hauptsächlich des Nachts durchführen. Die Armeen des Ras Seyum und des Befehlshabers im Nordwesten Ras Kassa, haben bislang nicht in die Kämpfe eingegriffen. Auch a m W e b i - S ch e b e l i dauern die Kämpfe an. Die Abessinier, hi? sich befehlsgemäß langsam zurückziehen, sollen drei Angriffe der Italiener zurückge- Die|ea haben.
ttqdgewrefle: «m SWtmeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund. »re*s 6 Apf.. der 85 MiNnneter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4, Nachlatzstasfel a. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird lerne Gewähr übernommen. — Schlug der Anzeigen - Annahme 10 Uhr vormittags. Drotzere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.
Deutschlands Neutralität.
Setlin, 8. 3ton. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Wahrend die italienischen Truppen sich immer naher an Makalle heranarbeiten, das bereits von drei Seiten umfaßt unb mit dessen Fall in Kürze zu regnen: ist, bereitet man sich in Italien selbst mit aller Energie auf die wirtschaftliche Belagerung vor, das ^Uft auf die Ingangsetzung der Sanktionen. Man ist entschlossen, die Grenze für eine große Zahl von Waren zu sperren, deren Einfuhr auch nach dem Inkrafttreten der Sanktionen möglich wäre. In Rom ist man nämlich zu der Erkenntnis gekommen, daß der Angriff sich vor allem gegen die Zahlungsfähig- kert Italiens richtet, um damit Italien die Versorgung auch auf den Wegen unmöglich zu machen, die ihm nach beim Beginn der Sanktionen noch offen siehen werden. Vor allem will man die Einfuhr f m 6r “ n 9 $ m i 11 eI stoppen, für bie im letzten Wirtschastsiahr noch etwa 1130 Millionen Lire ausgegeben werden mußten. Darüber hinaus soll bie Einfuhr aller Fertigfabrikate weitgehend eingeschränkt werden. Auf diese W eise will man der Erschöpfung der Goldvorräte Vorbeugen. So wird, die gesamte Wirtschaftspolitik Italiens in erster Onno auf das Ziel abgestellt, die Mittel zur Wetterführung des afrikamfchen Krieges zu .sichern und die hemu,che Produktion aufrecht zu halten. Um der großen Masse diese Politik näher zu bringen, wird Italien immer wieder als die große Proletarierin hin- gefteUt, bre~m.it den Geldmächten in Konflikt geraten let, weil sie für ihre viel zu zahlreich gewordenen Kinder, die keine Auswanberungsmöglichkeit hätten, Land in Afrika suche.
Es mag ein gewisser Trost für die Italiener fein, baff man auch auf der anderen Seite dem Beginn der Sanktionen nicht ohne Unbehagen entgegensieht. Vor allem gilt das für Frankreich, wo man fürchtet, den guten Kunden Italien für immer zu verlieren. So mehren sich in Paris die Notschreie aus der Provinz umb Laval hat gestern bereits Vertreter der französischen Exportindustrie empfangen, bie mit großem Ernst darauf aufmerksam machten, daß zu den unausbleiblichen Folgen der Sanktionspolitik auch ein sofortiges Anwachsen der Arbeitslosenziffer in Frankreich unb wahrscheinlich die Stillegung von einer ganzen Anzahl von Fabriken gehören würde. Allein die Auftrage und in Ausführung begriffenen Bestellungen Italiens, die nunmehr angehalten werden müssen, werden auf mehrere hundert Millionen Franken beziffert. Laval hat die Industrie zu beruhigen ver-
Taglich treffen in Addis Abeba große Sendungen von Snfanteriemunition ein. Am Mittwoch zogen Tausende von Soldaten, Munitionskisten schleppend, durch die Hauptstadt. Die Bewaffnung der abessinischen Truppen erfahrt ständig eine Verbesserung durch umfangreiche Sen- dunaen von Gewehren, die über Verbera und Zeila nach Abessinien gelangen. Schätzungsweise sind in der letzten Zeit etwa 200 000 Gewehre eingeführt worden.
200 kleinkalibrige Geschütze.
Asmara, 8. Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) 3n hiesigen militärischen Kreisen wird darauf hingewiesen, baß die Bewaffnung der abessinischen Truppen, die vor einiger Zeit über 200 000 moderne Gewehre und mehr als eine Million ältere Modelle besaßen, inzwischen zweifellos noch verstärkt worden ist. Man schließt das daraus, daß in Adua viele Karabiner von bester Arbeit gefunden wurden. Die Abessinier besäßen außerdem mehr als 250 Millionen Patronen, 200 kleinkalibrige Geschütze, einige hundert Rücklaufgeschütze und 35 Luftabwehrgeschütze mit einem Kaliber von 22 Millimeter.
Kein Attentat auf den Negus.
Größte A»flage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.
Freitag, 8. November 1935.
