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W«NägIich «achmitt»,,, Samstag, »er««. nachmittag.
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Unterhaltungsbeilage.
Drahtanschrift! lagblatt Wiesbaden.
Poftscheckkento: Frankfurt a. M. Str. 7405.
Rk. 300.
Samstag, 2. November 1935
83. Jahrgang.
Blick in die Welt.
flamten.
Italiens Wille zum Durchhalten
Der Kampf gegen Laval.
Fernfprechrr-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.
Friedensschalmeien und Gewehr- getnatter.
Es äst nicht anzunehmen, daß Laval besonders leichten Herzens nach Genf gefahren ist. Er ist nicht nur Austenminister, sondern er ist auch Ministerpräsident und er kann um
Deschästszeit: 8 Uhr morgen, bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
g e n, eine ganz ansehnliche Zahl. Aber auf die Dauer kann man mit diesen Verordnungen nicht regieren. Herr Laval wird sich früher oder später dem Parlament stellen müssen, und dieser Augenblick dürfte für ihn einigermaßen kritisch werden. Schon ist Laval vom Finanzausschuß der Kammer im Stich gelassen worden, der wesentliche Änderungen der im Juli erlassenen Notverordnungen beschloß. Die Kammer wird aller Wahrscheinlichkeit ihrem Ausschuß auf diesem Wege folgen, denn ein Parlament, das kurz vor seinem Ende steht — im Frühjahr müssen in Frankreich Kammerwahlen stattfmdeu — ist nur allzu geneigt, populäre Beschlüsse zu fasten und Sparmaßnahmen ber Regierung über den Hausen zu werfen. Freilich, auch wenn die Regierung Laval stürzen sollte, eine Regierung der Volksfront, das heißt der Kommunisten, der. Sozialisten und der Radikalsozialen wird es nicht geben. Wenn auf dem Parteitag der Radikalsozialen dieser Gedanke laut wurde, so haben die Kommunisten bereits abgewinkt und sich nur bereit erklärt, eine sozialistische Regierung zu unterstützen, die das Programm der Radikalsozialen durchführt. Die ganze innenpolitische Lage läßt den Wunsch Lavals nach einem großen außenpolitischen Erfolg recht begreiflich erscheinen.
der Außenpolitik die Innenpolitik nicht ver- nachlästigen. So hat er vor seiner Abfahrt noch rund 300 Notverordnungen dem Präsidenten der Republik zur Unterzeichnung vorlegen lasten. Nimmt man die Notverordnungen Les Juli hinzu, so bestehen heute in Frankreich über 500 Notverordnun-
Der polnische Sejm hat mit allen gegen Polnische nur sechs Stimmenthaltungen dem Staats- Finanz- Präsidenten und damit der neuen Regierung sorgen. die Generalvollmacht erteilt, ihr Programm zur Reorganisation der polnischen Wirtschaft durchzuführen. Damit steht Polen am Vorabend einschneidender finanzieller und wirtschaftlicher Maßnahmen. Zm Staatshaushalt ist in den letzten fünf Fahren ein Fehlbetrag von im ganzen 1,4 Milliarden Zloty entstanden, der nut notdürftig ausgeglichen werden konnte und der sich um 300 Millionen in diesem Fahre erhöhen dürfte, wenn nicht scharf etngegriffen wird. So sieht sich die Regierung vor die Ausgabe gestellt, die Staatsausgaben einzuschränken, wobei die Hauptlast die Beamten zu tragen haben dürsten, und auf der anderen Seite durch Anziehen der Steuerschraube die Einnahmen zu erhöhen. Um dieses Programm tragbar zu machen, will die Regierung aber gleichzeitig die Lebenshaltungskosten senken, soweit das möglich ist. Die Schwierigkeit liegt darin, daß diese Erleichterungen durchgeführt werden müssen, ehe die von der Bevölkerung verlangten Opfer in ihrer vollen Schwere einsehen. Dazu kommt, daß aucki nnrb Ma»nahmen durchgeführt werden stillen, um
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Englisch-französisches Abkommen?
ss. Berlin, 2. Nov. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Außenminister haben offenbar keine große Neigung, sich diesmal länger in Genf aufzuhalten, wenigstens wollen Sir Samuel Hoare, Eden und Laval bereits heute abend nach der Vollsitzung der Sanktionskonferenz die Völkerbundsstadt wieder verlassen. Ganz offensichtlich hält man also nicht viel von einer direkten Aussprache mit dem italienischen Vertreter, Baron Aloisi, der gestern nachmittag in Gens eintraf und der gestern noch eine Besprechung mit Laval hatte. Die Italiener geben immer wieder zu erkennen, und das soll auch Aloisi dem französischen Ministerpräsidenten gestern bestätigt haben, daß die bisherigen Vermittlungsvorschläge für sie u nan = neh m bar sind. Es kommt hinzu, daß Aloisi keine neuen Instruktionen für Genf erhalten hat, sodaß man in der Tat nicht zu übersehen vermag, wie man weiter- kommen will. Offensichtlich erwartet man auch in Rom jetzt keinerlei Entscheidungen mehr, denn die Sitzung des Obersten Faschistenrates, die für morgen in Aussicht genommen war. ist auf den 16. d. M. verschoben worden. Die england-feindlichen Kundgebungen in Rom dauern derweil an. Alle englischen Inschriften sind schleunigst beseitigt worden, sogar das Hotel Eden, das garnicht den Namen des „jungen Herrn Eden" führt, wie die -italienische Presse den englischen Völkerbu-ndsminister nennt, sondern nach dem Garten Eden genannt ist, mußte seine Bezeichnung verhüllen. Die -ltalienische Presse aber erklärt dem englischen Ministerpräsidenten, daß die Höflichkeitsformel Italien gegenüber in seiner letzten Rede nichts weiter sei, als ein überschlauer Versuch, sich vor der Welt ein moralisches Alibi zu schaffen, um die wirklichen Absichten der britischen Politik zu verschleiern. „Vor solchen Freunden bewahre uns der liebe Gott", fügt die „Tribuna" ihrem nichts eben sanften Kommentar hinzu.
So wird also die Vollversammlung der Sanktions- konferen-z heute abend den Passus billigen, den gestern
Führen die Genfer Gespräche zwischen Sir Samuel Hoare, Laval und Baron Aloisi zu einer Formel, die es ermöglicht, einen Schlußstrich unter den abessinischen Konflikt zu ziehen? Das ist die große Frage, die sich gegenwärtig alle politisch interessierten Menschen stellen. Es
hat in der letzten Zeit gewiß nicht an Meldungen über eine Vermittlungsaktion gefehlt. Soweit diese Meldungen aus Paris kamen, waren sie durchweg auf einen zuversichtlichen Ton gestimmt, denn, was man wünscht ist man auch leicht geneigt zu glauben. Sehr wesentlich anders aber die Londoner Einstellung, ganz besonders von dem Augenblick an, da sich zeigte, daß die Opposition^ der Regierung vorwarf, daß sie umfallen und vor Italien kapitulieren wolle. So waren die Londoner Darstellungen meist auf einen skeptischen Ton gestimmt. Rom schließlich ließ immer wieder erkennen, daß es seinen Weg fortsetzen wolle, daß es den Wirtschaftsboykott mit dem Boykott der Waren derjenigen Länder beantworten werde, die sich an dem Wirtschaftsboykott beteiligen. Darüber hinaus traf man Gegenmaßnahmen, schränkte den Fleischverbrauch ein und erklärte, daß man lieber Gras essen werde, als daß man zum zweiten Male die Gräber der Gefallenen in Abessinien im Stich lassen werde. Und da man zudem in Rom weiß, wie schwer „vollendete Tatsachen" aus der Welt zu schaffen sind (siehe Wilna, siehe Memel), so ließ man mit einigem Erfolg in Abessinien marschieren. Ja, man könnte, wenn, man so will, hier geradezu von einem Wettlauf der Soldaten und .-Diplomaten sprechen. Das ist ganz kurz und knapp Umrissen die Situation, in der die Genfer Gespräche be=
Eine Ansprache des Königs.
Rom, 1. Nov. Die am Donnerstag eingeweihte neue Universität Roms hat dem König von Italien in feierlicher Festsitzung am Freitag die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie verliehen.
Während die Feier am Donnerstag ganz im Zeichen . des Schwarzhemdes stand und das Gepräge einer großen faschjstifchen Veranstaltung trug, beherrschte am Freitag die feierliche Pracht der llnioersitätsprofesioren und die nach den einzelnen italienischen Universitäten verschiedenartig bunten Mützen, der Studenten und Studentinnen das Bild.
Der Festsitzung wohnte das Diplomatische Korps, darunter auch der deutsche Botschafter v. Hasse l l bei. Unter den Abordnungen der ausländischen Universitäten sah man den Vertreter der ältesten deutschen Universität Prag, Professor Hilgenreiner. Der reichsdeutschen Universitätsabordnung gehörten die Professoren Pietruski, Engen Fischer, Rein und Wntz an.
Als der König, gefolgt von dem Rektor der Universität um 10 Uhr die Aula betrat, erhoben sich die Anwesenden von den Plätzen und brachen in stürmische Begrüßungsrufe aus. In seiner Ansprache feierte sodann der Rektor die hohen Verdienste des italienischen Königshauses und besonders des Königs Viktor Emanuel III., der sich in der Vergangenheit, auch in der jetzigen ereignisreichen Gegenwart feinem Volk als übemgenber Herrscher erwiesen habe. Sodann überreichte er feierlich die Ehrenurkunde, mit der der König zum Dr. phil. h. c. ernannt wird.
Der König antwortete hierauf mit einer kurzen Rede, in der er u. a. ausführte:
„Es ist nicht ohne Bedeutung, daß diese Stätte des Geisteslebens ihre Räume, die für vornehme und ernste Studien bestimmt find, in einem Augenblick öffnet, in dem mein Land durch Ereignisse in Anspruch genommen ist, die sich durch die höchst lebensnotwendigen Forderungen für feine Sicherheit und Zukunft aufgedrängt haben. Rom hat in jedem Zeitpunkt seiner ruhmreichen Geschichte seine Kultursendung erfüllt. Heute schreitet Italien auf dem gleichen Wege weiter, mehr als je unter freiwilliger Aufbietung seiner ganzen Glaubens- und Willenskräfte geeint. Nichts anderes verlangt Italien, als in der Fülle feines Lebens leben zu können urtb seine Kräfte in den Dienst feiner gemeinsamen Ideale zu stellen, die das heilige Geistesgut der zivilisierten Menschheit darstellen. Mögen es die hohen Vertreter der internationalen Wissenschaft ihren Mitbürgern weitersagen daß die neuen Gebäude der Universität Roms in dieser Hoffnung ihre Tore geöffnet haben.
M15. fiODcnta MUMM«».
Voraussichtlich schon heute Abschluß der Genfer Beratungen.— Aloisi ohne neue Instruktionen. Rom gegen London.
Die Rede des Königs, der damit zum ersten Male zur augenblicklichen internationalen Lage öffentlich Stellung nimmt, fand starke Beachtung.
Umbenennung englischer Geschäfte in Rom.
Rom, 1. Nov. Nach den englandfeindlichen Studentenkundgebungen am Donnerstag sind im Stratzenbild Roms einige kleine Veränderungen vorgenommen worden. Ein zu Ehren des englischen'Thronfolgers „Prinz von Wales" benanntes Herrenmodegeschäft hat heute ein nagelneues Schild „principe di Piermonte". Es hat sich somit nach dem italienischen Kronprinzen umbenannt. An einer Apotheke, an der sich die Wappen der englischen und italienischen Königshäuser befanden, wurde das englische Wappen überklebt. Eine sehr bekannte englische Konditorei sollte zum Schließen gezwungen werden. Als sie jedoch die italienische Fahne hißte, beruhigte sich die Menge einigermaßen. Zwei bekannte Gastwirtschaften mit englischen Namen „Golden gat“ und „Soda parlour" werden ebenfalls schleunigst ihren Namen zu ändern haben. Die englische Botschaft ist von einem dichten Doppelgürtel von Polizei bewacht.
Eritrea und die Sühnematznahmen.
Asmara, 1. Nov. (Vom Kriegsberichterstatter des DNB.j In hiesigen Pressekreisen, die allerdings über die Vorgänge in Europa nur recht mangelhaft unterrichtet sind, ist das Gerücht im Umlauf, daß sich die diplomatischen Ver- bartblungen zur Beilegung des italienisch-abessinischen Konfliktes totgelaufen hätten. Auch General de Bona gab dieser Ansicht auf einer Pressekonferenz am Freitag Ausdruck; in feinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der General ebenfalls mit den Sühnemaßnahmen über die er ein nicht gerade schmeichelhaftes Urteil fällte.
Die Durchführung und Anwendung der Sanktionen wird hier nach wie vor lebhaft erörtert. Man weist besonders auf bte unterschiedliche Haltung des amtlichen Großbritannien und der englischen Kaufmannschaft hin und nennt als Sei« Iptel die Überschwemmung West-Eritreas mit englischen Waren aus dem Sudan.
. England, so betonen die hiesigen amtlichen Kreise, lasse wieder einmal andere die Kastanien aus dem Feuer -holen, um seine eigenen Geschäfte zu bemänteln.
Der Wille, durchzuhalten und alle Entbehrungen aus sich Zu nehmen, ist wie im Mutterlande auch hier unverkennbar. ,
schon der Ausschuß faßte, nämlich den Beschluß, der den $eginn -der Wi r t schaftssanktionen auf den 15. Novern b e r festsetzt. Damit wäre noch eine gewisse Frist für Verhandlungen gegeben, doch wird man sich darüber klar fein müssen, daß, wenn Italien in dieser Zeit nicht ein Wort für den Frieden spricht, das in England und Frankreich Anklang findet, sich mit dem Beginn der Wirtschaftssanktionen auch eine politische Verschärfung bemerkbar machen wird.
Ganz unklar ist im Augenblick noch, wie weit eigentlich die englisch - fr a n z ö s i s ch e Einigung gediehen ist. Der Sonderberichterstatter des „Berliner Tageblatts" glaubt melden zu können, daß ein solches V e r te-id i g u ngs abkomm e n abgeschlossen sei. Nach seiner Auffassung umfaßt es folgende vier Punkte:
1- Die englische Flotte erhält das Recht, die französischen Kriegshäfen im Mittelmeer für Reparaturzwecke und zur Versorgung mit Heizstoffen während der Völkerbundsaktion zu benutzen.
2. Wenn England Schiffe aus dem Mittelmeer zu- rückzisht, so werden sie durch französische Einheiten ersetzt.
3. Wenn Italien die englische Flotte an greift, -so werden die französische und die englische Flotte gemeinsam nach einem vorbereiteten Plan vorgehen.
4. Dasselbe gilt für -den Einsatz von Flugzeugen, csber picht von Landsstreitkräften.
Diese Darstellung wird allerdings sowohl von französischer als auch von englischer Seite dementiert, sodaß man zunächst die Frage offen lassen muß, ob tatsächlich bereits eine Einigung erzielt -ist, die -man nur i-m Augenblick noch nicht bekanntgeben will, oder ob das Abkommen wirklich noch nicht unter Dach und Fach ist.
