Einzelbild herunterladen
 

WikstMm TilgM ' Aöfhe»b«*eei $AnMÄ«.A<**e* AZOMerNNty tuw*« < 4U5ßUUvn LerttLaNL nachmittags. Samstags vor- u. na

1 Ausgaben

Wöchentlich

MEgNch nachmittag-, Samstags »er» u. nachmittag»

8. Schellenberg'iche Lostmchdrnckeret, ^a,blatt. Hang'.

Nnterhaltungsbeilage.

mit einer täglichen

Fern!precher-Sammsl-Rr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend», nutzer Sonn- und Feiertags.

Bezugspreise: Für eine «ezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein- fchlietzirch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel­nummern 10 Rpf. — Bezugsdestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. — 3n Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen Haden di« Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung" des Bezugspreises.

Nnzeiaetnneile: ein Millimeter Sähe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund­preis 6Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4, Nachlabstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestunmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schieb der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags. Gröbere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeden werden.

Drahtanschrift: Zagblatt Wiesbaden.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Postscheckkonte: Frankfurt a. M. Nr. 7405.

Nr. 291.

Donnerstag, 24. Oktober 1935.

83. Jahrgang.

ffine WM! MW M ob Ws WWW.

Besserung der Verhandlungs-Atmosphäre. — Rom vermißt Taten. Die Kernfrage noch ungelöst.

London erwartet jetzt keine Komplikationen.

| US. Berlin, 24. DIt. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Italien zieht eine Division aus Libyen t zurück. Diese Mitteilung soll dem englischen Botschafter in Rom von dem italienischen Staatssekretär Suvich ge- ; macht morden sein. Wenn man sich erinnert, welche

Sorge den Engländern die Zusammenziehung italieni- [ scher Truppen gerade in Libyen (gegen Ägypten) be- 1 reitete, so mutz man diese italienische Maßnahme, wenn sie tatsächlich durchgeführt wird, als ein neues Zeichen : der beginnenden Entspannung oder besser I noch als eine neue Bemühung um die Besserung der Verhandlungsatmosphäre bezeichnen ■ können. Man mutz sich dabei freilich vor einer Über­schätzung hüten. Den Engländern erscheint es reichlich wenig, wenn nur eins Division zurückgerufen wird. Sie verweisen darauf, daß dann noch immer zwei Sonder- ' di Visionen in Libyen blieben, die nach italienischer Auf­fassung dort notwendig sind, da man mit Eingeborenen- . Unruhen rechnen müffe. So wird man abwarten müssen, wie die Engländer die italienische Maßnahme be­antworten, das heißt, welche Schiffe sie nun- ; mehr aus dem Mittelmeer zuruckgiehen ! werden.

Man darf aber vor allem nicht übersehen, daß die i Kernfrage noch immer ungelöst blieb, nämlich die t Frage, wie der abessinische Krieg abgestoppt werden ‘ kann. Zu diesem Thema hat Baldwin gestern im [ Unterhaus, genau wie am Tage vorher Sir Samuel t Hoare, betont, datz eine Lösung gefunden werden Umüsse, di« Italien, den Völkerbund und

Abessinien befriedige. Ob es eine solche tz Lösung überhaupt gibt, muß dahingestellt bleiben. : Allerdings tauchen allerlei Vermutungen über einen an- r geblichen neuenDermittlungsplan auf, der sich freilich von ■Sem alten Plan nur wenig unterscheiden würde, da | auch er einen Unterschied macht zwischen dem eigent- | lichen (Kern) Abessinien und den Randgebieten und s da auch er die schon früher erwähnte Abstimmung k unter den Einwohnern vorsieht in jenen Ee- t bieten, die an Italien fallen sollen. Nur wird jetzt davon gesprochen, daß Abessinien einen Hafen i erhalten soll, der unter italienischer Auf- f sicht steht, während früher von einem englischen Hafen l die Rede war. Ob auf dieser Grundlage tatsächlich ver- i handelt wird, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall aber \ beklagen sich die Italiener darüber, datz sie unter dem | Druck der Sanktionen verhandeln sollen und fordern, | datz der Beginn der Wirtschaftssanktionen weiter hin- E ausgeschoben wird. Der gute Wille, den Baldwin und

Hoare in ihren Reden bekundet hatten, muffe sich, so sagt man in Rom, auch in Taten umsetzen und die in Bewegung gebrachte Genfer Sanktionsmaschine Muffe zum Stillstand kommen. Ob man Italien so weit ent­gegen kommen wird, bleibt abzuwarten. Es sei aber daran erinnert, daß schon vor einigen Tagen Nach- richten auftauchten, die das Wirksamwerden der wirt­schaftlichen Sanktionen erst für Mitte November an­kündigten. Am 14. November aber finden, wie nun­mehr von englischer Seite bestätigt wird, in England die Neuwahlen statt. Bis zu diesem Termin erwartet man in London jedenfalls keine Komplikationen der Lage, die nur den englischen Wahlkampf stören würde. So hat Baldwin auch gestern ausdriiMch im Unterhaus er­klärt, daß in der Außenpolitik eine Ruhepause bevorstehe. Wie es nach den englischen Wahlen aus- sehen wird, ist eine andere Frage. Auch Baldwin roar vorsichtig genug, seiner Ankündigung der außen­politischen Ruhepause hinzuzusetzen, daß er nicht zu sagen vermöge, wie die Dinge im Januar aussehen würden. Das wird eben sehr wesentlich davon ab- hängen, wie die Diplomatie die Atempause nutzt, die jetzt aus innenpolitischen englischen Gründen gewährt wird. ____

Widersprechende Meldungen über die Libyen-Division.

London, 24. Okt. Die Nachrichten über die angeb­liche Bereitwilligkeit Muffolinis, eine italienische Divi­sion aus Libyen zurückzuziehen, lauten sehr wider­spruchsvoll.

Der diplomatische Berichterstatter von Reuter will in London erfahren haben, datz die italienische Regie­rung die Zurückziehung der Division angeordnet habe, ohne dafür eine britische Eege n l ei stung zu fordern. Demgegenüber meldet der römische Be­richterstatter des Reuterbüros, daß ihm von italieni­scher Seite eine Erklärung zugegangen sei, die auf die an­geblich von der britischen Regierung angeordnete Z u - riickzi ehung von zwei Schlachtschiffen aus dem Mittelmeer Bezug nimmt. Falls sich diese Mel­dung bestätige, so wird von italienischer Seite erklärt, werde Italien möglicherweise einen Teil seiner Streit­kräfte aus Libyen zurückziehen, obwohl diese beiden Maßnahmen nichts miteinander zu tun hätten. ~

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Tele­graph" schließlich hört, Mussolini habe das Angebot ge­macht, einen Division aus Libyen zurückzuziehen. Diese Division werde aber nicht nach Italien zurückkehren, sondern nur nach Tripolis verlegt werden.

Der UlW her mMWen Operationen in Mkn.

Eine Folge der diplomatischen Verhandlungen

Asmara, 24. Oft. (Funkspruch des Kriegsbericht­erstatters des DRV.) Hiesige maßgebende Kreise äußern sich möglichst wenig über den Stillstand der militärischen Opera­tionen in Ostafrika. Es verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, daß dieser Stillstand hauptsächlich auf die Ausgleichsverhandlungen in Europa z u - rückzu führen ist. Eine Reihe von Pressevertretern ist aus Eritrea abgereist vielfach ist man in Pressekreisen der Ansicht, daß die Feindseligkeiten schon im Dezember end­gültig durchgeführt sein würden. Aus italienischer Seite er­klärt man, daß weitere militärische Operationen schon des­halb gegenstandslos erschienen, weil sich jetzt eine „all­mähliche politische Durchdringung" vollziehe. Selbst aus den Gebieten Abessiniens, die jenseits der von den italienischen Truppen besetzten Stellungen lägen, träfen täglich Abordnungen ein, in iienen sich die Bewohner den italienischen Behörden zur Verfügung stellten und Genug­tuung über die Eroberung durch Italien bekundeten. Die Zeit arbeite also für Italien.

Aus dem Danakil-Gebiet werden Aufklärungsflüge der Italiener gemeldet, bei denen kleinere abessinische Abtei­lungen festgestellt werden konnten. An der Somalifront, die gegenwärtig 500 Kilometer von der Küste entfernt ist, wer­den Straßen von der Küste bis zur Front für den Wagen­verkehr hergerichtet.

Aus dem Gebiet von Entiscio, zwischen Adua und Adi- grat, wird ein belustigender Vorfall gemeldet. Die italie­nischen Genietruppen harren dort mit' großen Affen­herden zu kämpfen, die die neugelegten Tele- phonlinien zu zerstören versuchten.

Sohn Ras Gugsas zum Gouverneur ernannt.

Addis Abeba, 23. Okt. Nach hier eingetroffenen Mel­dungen haben italienische Flugzeuge an der Nordfront Flug­blätter abgeworfen, die folgenden Inhalt haben:

„An das Volk von Tigre! Auf Befehl König Emanuels III. und Mussolinis hat General de Bono Seine Hoheit Haile Selaffie, den Sohn Ras Gugsas, zum Gouver­neur der Gebiete Allawa und Tukane ernannt. Volk von Tigre. Sei glücklich, datz das Haupt des Kaisers Johannes mit Hilfe der italienischen Regierung wieder auferstehen wird. Gehorcht ihm wie uns! Gegeben zu Adigrat."

Die Abschaffung der Sklaverei durch die Italiener.

Asmara, 23. Oft. (Funkspruch des Kriegsbericht­erstatters des DRV.) Von den ostafrikanischen Fronten wird nichts wesentlich Neues gemeldet.Überall herrscht völlige Ruhe. Es scheint, als horche man hier ange­strengt nach Europa hin, wo die politische Entwicklung die weiteren Operationen beeinflussen wird.

Auch von der Abschaffung der Sklaverei ver­sprechen sich die Italiener zünftige Wirkungen. Die Einzel­heiten dieser iralienüchen Maßnahme find jetzt bekannt ge­worden. Die nunmehr befreiten Sklaven können zwar auf Wunsch bei ihren Herren bleiben, so müssen sie zu ihnen in einem Angestelltenverhältnis stehen. Die früheren Sklaven, die nicht bei ihren Herren bleiben wollen, werden von den italienischen Behörden zu öffentlichen Arbeiten herangezogen oder in der durch die kriegerischen Ereignisie ausgeblühten Industrie untergebracht.

Der Maria-Theresien-Taler.

Im nahen Osten, in der Levante und in Afrika, vor allem aber in Abessinien und seinen Nachbarstaaten, ist der Maria-Theresien-Taler die einzige kurante Münze: ein ganz ausgefallener Währungszustand, der seines­gleichen auf der Welt nicht noch einmal hat.

Dieser sonderbare Taler, der die Jahreszahl 1780 zeigt und mit dem Bildnis der längst verblichenen öster­reichischen Kaiserin Maria Theresia geschmückt ist, hat eine höchst wechselvolle und eigenartige Geschichte. Er wurde als österreichischer Konventionstaler seit dem Jahre 1753 geprägt und eroberte sich ein Verbreitungs­gebiet, in dem man den Namen der Stadt Wien und die Bedeutung der Habsburger Monarchie noch nicht einmal in den gröbsten Umrissen kannte. Ob der Türke Bu—ter, der Ostafrikaner Gersch oder Ber sagt, es ist immer ‘bas gleiche damit gemeint; seit über 175 Jahren läuft der Maria-Theresien-Taler bei den Negern, bei den armenischen und griechischen Händlern um und war bisher durch keine andere Münze zu verdrängen.

Es ist nicht so, daß dieser Taler nur bis zmn Jahre 1780 geprägt worden wäre; im Gegenteil: die öster­reichische Staatsmünze hat niemals aufgehört, die harten Silberstücke auszuprägen, und bis in die jüngste Gegenwart hinein hat sie ein gutes Geschäft damit ge­macht. So zum Beispiel wurden im Jahre 1925 allein 15 Millionen Maria-Theresien-Taler für Rechnung ver­schiedenster Interessenten geprägt und ausgegeben.

Zum Kriegführen 'm Abeffinien gibt es nur eine Währung und das ist der „Levante-Taler", der Maria- Theresias Bild trägt. Banknoten haben für die Ein­wohner des Landes keinerlei Interesse. Italien kann in den besetzten Gebieten auch mit der Lira nichts an= fangen; genau so wenig wie der Negus seine Einge­borenentruppen mit anderem Geld als mit dem Gersch bezahlen könnte.

Der Kaiser Menelik hat zu Lebzeiten die Einfüh­rung einer anderen Münze mit seinem Bilde (den Menelik-Taler) versucht, ist damit aber gescheitert, so­daß der Versuch wieder aufgegeben wurde.

Diese Tatsachen eröffnen höchst interessante wäh­rungspolitische und staatsrechtliche Perspektiven. Nir­gends anders in der Welt als in Wien können bezw. konnten bisher Maria-Theresien-Taler bestellt und fabriziert werden. Es war gewissermaßen eine still­schweigende Vereinbarung zwischen allen an der Gersch- Währung interessierten Kreisen, die Wiener Staats- münze als einzige Quelle für das afrikanische Geld an­zusehen. Es zeigt sich jedoch, datz die bevorstehenden bezw. im Gang befindlichen Umwälzungen in Ostafrika auch Lieser urajten Währung den Garaus machen dürften. ”

Soeben wird bekannt, datz die Wiener Staatsmünze an Italien das Recht verpachtet haben soll, die Maria- Theresien-Taler in eigener Regie auszuprägen. Und zwar soll beabsichtigt sein, die Prägestöcke in Wien zu belassen und dort im italienischen Auftrag diejenigen Münzbestände auszuprägen, die Italien zur Kriegs- führung in Abessinien benötigt.

In Wien wird im gegenwärtigen Augenblick die An­sicht vertreten, datz der Maria-Theresien-Taler gar keine „geschützte Münze" sei und datz man daher das Recht auf Bestellung solcher Münzen nicht an einen beschränkten Interessentenkreis übertragen dürfe, sondern daß es ge­wissermaßen jedermann freistünde, seinen Talerbedarf Herstellen zu laffen: wobei man weiter fragen könnte, warum dann ausgerechnet Wien das Monopol der Aus­prägung der Maria-Theresien-Taler besitzen soll. Bei allen anderen Währungen der Welt sind diejenigen Staaten, die eine bestimmte Währung eingeführt haben, unumschränkte Herren ihres Münzrechtes; gleichgültig, ob sie ihre Münzen im eigenen Lande Herstellen oder ihre Aufträge außerhalb des Landes ausführen lassen.

Wenn Italien das Recht der Prägung von Maria- Theresien-Taler auf Grund des Pachtvertrages mit dem österreichischen Finanzministerium als der Aufsichtsbe­hörde des Wiener Hauptmünzamtes für sich allein in Anspruch nehmen sollte, dann würde wahrscheinlich Abeffinien dazu übergehen müssen, seine Maria-There­sien-Taler im eigenen Lande herzustellen oder mit der Prägung ^andere Stellen als die Wiener Münze zu be­auftragen. Wenn schon die Ausprägung des ostafrika­nischen Münzgeldes von Italien mit Beschlag belegt wird, so ist damit nicht gesagt, daß die Münzgerechtsame von den beteiligten Völkern so ohne weiteres aufge­geben werden wird. Die Folge wäre entweder die prak- ttsche Abschneidung des Talerexportes nach Abeffinien öder eine Währungsinflation, gegen die es anscheinend völkerrechtliche Handhaben nicht zu geben scheint: ein Problem, über das sich die Währungs- und Finanz- polinker der Welt freundlichst den Kopf zerbrechen mögen.