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7 Ausgaben

Wöchentlich

Unterhaltungsbeilage.

Berliner Büro: Berlin-WÄmersdorf.

Postscheck!onto: Frankfurt a. M. Ur. 7*05.

Drahtanschrift: lagblatt Wiesbaden.

83. Jahrgang.

Nr. 289.

Die angeblichen italienischen Höchstforderungen

mit einer täglichen

87 Toten und Verwundeten beziffert. Der in Aussicht ge­nommene Vormarsch aus Makalle dürste angesichts der Nach­schubschwierigkeiten erst in einigen Wochen zu erwarten sein. Es liegen hier Meldungen vor, daß in der Gegend von Amba Alatschi, südlich von Makalle. etwa 50 000 Mann abessinischer Truppen zusammengezogen sein sollen. r

Gerüchteweise verlautet, datz der Negus den seit.191’» bei Harrar gefangen gehaltenen früHeren Kaiser Ligg Iasu angesichts des italienischen Vormarsches aus Harrar in die Gegend von Galla hat bringen lassen.

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werftäglich nachmittags, Samstags vor. n. nachmittag Fernsprech er-Sammel-Nr. 59631.

Bor der Rede Sir Samuel Hoares

England bestätigt Friedensgefpräche. — Schachzug gegen die italienischen Kriegstransporte.

Die abessinische Frage.

k. SchellenbergIche ^>fbuchdnickerei, ^Tagblatt-Saui*. Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend«, außer Sonn, und Feiertags.

Die Forderungen des Sudetendeutschtums

Konrad Henlein spricht zu 100000 in Teplitz-Schönau.

Entspannung — was weiter?

Die Atempause in den Sanktionen.

Bei allen Konflikten zwischen verschiedenen Staaten ist das gefährliche Stadium immer jenes, bei dem die einzelnen Teile die Unterhaltung untereinander ab« brechen und nur noch über Dritte miteinander reden. So war es beinahe zwischen Italien und England ge­worden. Es ist ein Fortschritt in der Richtung einer Entspannung, datz jetzt der britische Autzenmimster den italienischen Botschafter wieder empfing und datz in Rom der britische Botschafter vom italienischen Staats- chof empfangen wurde. Entscheidend ist, natürlich, datz bei allen Beteiligten eine Bereitschaft für_ den Beginn neuer Der ständig ung sver suche vorhanden ist. Das darf man jetzt besonders auch von italienischer Seite ver- inuten. Man kann ja wirklich nicht behaupten, datz die Engländer den Italienern noch bis vor wenigen Tagen ein Einschwenken erleichtert hätten. Das ist jetzt aber anders geworden. Man kann es nur begrüßen, wenn der englische Ministerpräsident seine bedenkliche Rede von Bornemouth ganz offen korrigiert. Dcnnals sprach er von der Diktatur, die innere Schwierigkeiten durch außenpolitische Abenteuer überwinden will. Jetzt hat er in seinem Wahlkreise diese Wendung als lediglich at Home gemeint interpretiert. Mit Schärfe erklärt er die Behauptung, datz England den Faschismus in Italien bekämpfen und umstürzen wolle für eine „ge­fährliche Lüge". Erläuternd fügt er noch hinzu: „Welche Regierung Italien hat, geht nur Italien etwas an." Das ist der einzig mögliche Standpunkt tun Verkehr der Völker untereinander, und es ist gut, wenn zu der fachlichen Entspannung noch die erforderliche Luftbereinigung tritt.

Die erzielte Entspannung hat eine Einigung über gewisse Vorbedingungen für Ver­ständigungsverhandlungen erreicht. Dazu gehört in erster Linie die englische Zusage, von seiner im Mittelmeer anwesenden Heimatflotte 75 000 Tonnen zurückzuziehen. Es würden dann nur noch 325000 Tonnen britischen Schlachtschiffraumes im Mittelmeer verbleiben. Mussolini seinerseits will in solchem ^alle die nach Tripolis geschickten Divisionen wieder heim­holen. England verkündete weiter, datz es nur im Rahmen des Völkerbundes handeln will und datz es weder an Blockade noch an militärische Sanktionen denkt Mussolini hat darauf seine Bereitschaff erneuert, wirtschaftliche Sanktionen ohne militärische Abwehr hinzunehmen und er hat den Engländern noch einmal versichert, datz er englische Interessen in Abessinien respektieren werde. Das praktische Ergebnis dieser englisch-italienischen Bereitschastserklärungen hat seinen Niederschlag in einer Vertagung der wirtschaftlichen Sanktionen auf zehn Tage gefunden. Diese wirtschaft­lichen Sanktionen sind ja auch zunächst nur sehr milde, und es kennzeichnet die Lage, datz der Dertagungs- antrag von dem englischen Vertreter, Mr. Anthony Eden, ausgegangen ist. Gerade auf die Person des eng­lischen Völkerbundsministers waren die italienischen Presseangriffe abgesstmmt, und es ist ja auch durchaus

Bisherige Verluste der Italiener 87 Tote und Verwundete.

Asmara, 22. Okt. (Eigene Drahtmeldung.) Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) .Das italienische Truppenkommando hat zwei abessinische Ge­fangene standrechtlich erschießen lassen, weil sie im Besitze verschiedener Gegenstände des als einem der ersten bei Adua gefallenen Leutnants Morgantini waren.

Die bisherigen Verluste der Italiener werden in einer halbamtlichen Meldung des italienischen Hauptquartiers mit

Mitteilung eines amerikanischen Blattes.

Paris, 22. Okt. (Eigene Drahtmeldung.) Der römische Berichterstatter der Pariser Ausgabe des „New Jork Herald" will wissen, daß dem französischen Ministerpräsidenten von italienischer Seite Anregungen zur Beilegung des abeffi- nischen Streites zugegangen seien, die er nunmehr der britischen Regierung unterbreite. Italien stelle als Höchst- forderungen ein Mandat über die Bezirke Tigre, Aussa, Harrar und Ogaden und verlange ferner.die Reorganisation des abessinischen Reiches durch italienische, englische und französische Beamte, die mit den abessinischen Behörden unter Zugrundelegung des Berichtes des Fünfer- ausschusses zusammenarbeiten sollten. Wenn London zu Entgegenkommen bereit sei, würde Mussolini möglicherweise auch von diesen Höchstforderungen Abstriche machen.

Das sterbende Unterhaus.

as. Berlin, 22. Okt. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Frage, ob sich die internationale Lage weiter entspannt hat, ist nicht ganz leicht zu beant­worten. Bemerkenswert ist, datz von englischer Seite nunmehr Friedensgespräche be­stätigt werden, das heißt, man gibt in London offi- | ziel! zu, ,chatz versuchsweise Vorschläge für ; eine Beilegung der Feindseligkeiten in ■ Abessinien zwischen Rom und Paris ausgetauscht wor- L den sind." In anderen Meldungen wird davon ge- sprachen, datz bereits eine grundsätzliche Einigung über die Zurückziehung englischer Schiffe aus dem Mittelmeer und die Zurückziehung - italienischer Truppen aus Libyen zustande gekommen sei, wobei allerdings hinzugefügt wird, datz noch Schwierigkeiten hinsichtlich der Formulierung und der Durchführung dieser Einigung vorhanden seien. Trotz dieser Anzeichen einer weiteren Entspan­nung wird man aber die Lage nicht allzu rosig schil­dern dürfen. Es ist sehr beachtenswert, datz die eng­lische Regierung und mit ihr die ägyptische Regierung gestern in Rom offiziell haben erklären lasien, datz die italienischen Schiffe mit Kriegstrans­porten nicht länger als 24 Stunden in den englischen, bezw. ägyptischen Häfen blei­ff den dürfen und datz für diese Schiffe ebenfalls auf auf Grund der Haager Neutralitätsbestimmungen auch : die Einnahme von Brennstoffen beschränkt werden ß würde. Man sieht, London führt den'Italienern sehr ' deuüich vor Augen, datz es noch immer gswisie Druck­mittel in der Hand hat. Ob die Italiener durch diese Methode verhaMungsbereiter werden, bleibt zunächst abzuwarten. Bisher beurteilte man in Rom die Lage

General Castelnau glaubt nicht an kriegerische Verwicklungen in Europa.

Paris, 22. Okt. (Eig. Drahtmeldung.) 3m „Echo de Paris" beschäftigt sich General C a st e l n a u mit der Frage „Werden wir in den Krieg ziehen?" Der General beant­wortet diese Frage mit nein. Die Sicherheit und der. Be­stand des Vaterlandes, so schreibt er, sind nicht in Gefahr. Andererseits sind wir unserer selbst und unserer unveräußer­lichen Unabhängigkeit sicher. Wir bedrohen niemanden und wollen auch niemanden bedrohen. Wir leben in Frieden und wollen in Frieden leben. Der Mann auf der Straße will keine Mobilmachung, so große Sympathien er auch für den fernen Negus und seine Sklaoenbevölkeruna haben mag und so große Achtung ihm auch die Charakterstärke des Völkerbundes einzuflößen vermag. Wie werden keinen Krieg haben, weil wir ihn als Herr unserer Entschlüsie Nicht wollen.

Nachlatzstaffel C. - wird keine Gewähr uv«nomnicn. — —• *—

Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeben werden.

nicht sonderlich optimistisch, verwies vielmehr darauf, datz in der Grundfrage, nämlich in der abessini­schen Frage, noch keine Einigung hergestellt sei. Das deckt sich etwa mit den englischen Presie- stimmen, die darauf Hinweisen, datz jede Lösung der abessinischen Fxage nicht nur die Zustimmung Englands finden, sondern sich im Rahmen der Völkerbunds bestimm ungen halten und auch für den Kaiser von Abessinien annehmbar sein müsse. Eine Lösung, die diese Bedingungen er­füllt, ist bis heute offensichtlich noch nicht gefunden wor­den. Ob sie überhaupt gefunden werden kann, lätzt sich im Augenblick nicht sagen.

Die Lage ist also keineswegs sehr durchsichtig. Kein Wunder, datz man unter solchen Umständen der Rede, die der englische Außenminister Sir Samuel Hoare heute im englischen Unterhaus halten wird, mit großer Spannung entgegensieht. Man kann zudem in Londoner Meldungen lesen, daß diese Rede die allgemeine Neugierde be­friedigen werde. Sir Samuel Hoare hatte gestern noch eine längere Rede mit Minister Eden, der aus Genf zurückgekehrt ist und der ebenfalls drei­tägigen außenpolitischen Parlamentsdebatte beiwohnen wird. Diese Debatte wird zugleich das Schwanen- lied des Unterhauses fein, denn am Freitag wird auf Grund einer königlichen Proklamation das Unter­haus aufgelöst und die Neuwahl angekündigt. Diese letzte Aussprache im Unterhaus ist aber allgemeiner Be­achtung sicher. Auch in Frankreich will man offenbar zunächst die Rede Sir Samuel Hoares abwarten, ist doch der Pariser Kabinettsrat, der sich mit außenpolitischen Fragen befassen soll, auf morgen fest­gesetzt worden. Zunächst hat also London das Wort.

uns in den Minderheitenschutzverträgen verbürgt wurde und wie es in der Berfassungsurkunde verbrieft steht.

Aus diesem Recht muffen wir bestehen. Die Forderungen des Sudetendeutschtums sollen nicht durch den Zusammen­bruch der rechtlichen Grundlagen des Staatslebens selbst erschüttert werden. Wir müssen verlangen, daß das gleiche Recht nicht nur allen Sudetendeutschen verheißen sondern auch tatsächlich gegeben wird. In habe keine Ursache zu verhehlen, daß heute die breitesten Massen des Sudeten­deutschtums das bittere Gefühl bedrückt, Staatsbürger min­derer Klaffe zu sein, ein Zustand, der auf die Dauer nicht nur unwürdig, sondern auch unerträglich ist.

Anzeigeupreije: ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte tm Altzeigenteil Grund- preis 6 «pf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Teiltet! 45 Rpt.,. fortlt laut Preisliste Nr. 4, ~ .. ... ... - _ bic Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Platzen hr übernommen. — Schluh der Anzeigen-Annahme 10 Uhr vormittags.

Eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Prager Politik.

Teplitz-Schönau, 21. Oft. Die Sudetendeutsche Partei hatte anläßlich eines Kreistages in Teplitz-Schönau zu einer Massenkundgebung aufgerusen, der über 100 000 Sudeten­deutsche aus nah und fern gefolgt waren. Die Stadt war aus diesem Anlaß überreich mit Fahnen geschmückt. Da die Behörden die Rede des Parteiführers Henlein nur im ge­schloffenen Raum erlaubt hatten, mußte er in der Turnhalle sprechen, von wo die Rede durch Lautsprecher aus die Schützenwiese übertragen wurde. Die Rede Konrad Hen­leins war eine grundlegende Auseinander­setzung mit der Regierungspolitik und mit der Einstellung des Dschechentums zur sudetendeutschen Frage Überhaupt. Henlein zeigte die ungebrochene Linie der Poli­tik der SDP. von den grundlegenden Erklärungen von Böhmisch-Lsipa im Vorjahre bis zum heutigen Tage auf. Er führte u. a. aus:

Ein Jahr nach Böhmifch-Leipa haben wir es erreicht, daß das bis dahin zersplitterte Sudetendeutschtum für das innerpolitische Leben einsatzfähig wurde. Das Sudetendeutschtum steht zur Zusammenarbeit bereit. Ich habe damals die Frage gestellt, ob man auf tschechischer Seite in gleicher Weise ein befriedigendes Zu- iammenleben auf der Grundlage gegenseitiger Achtung wünscht oder ob weiterhin haltlose Vorurteile die Beziehungen der Völker im Staate bestimmen sollen. Klar und deutlich habe ich damals betont, daß Demokratie für uns nur echte Volks Herr schäft heißen kann. Damit haben mir uns zu wahren Verfechtern des Geistes und Sinnes der Berfaffung gemacht. Deshalb be­anspruchen wir das Recht und haben wir die Pflicht, gegen jeden aufzutreten, der gegen Sinn und Geist der Berfaffung verstößt.

Nach einem Jahre haben wir seftzustellen: Unsere ehrliche Arbeit, die Lebensfragen unserer Völker grundsätzlich aufzurollen, hat Verlegenheit be­reitet. Man hat unsere ehrliche Bereitschaft umzudeuten versucht in ein Streben nach Dingen, die uns nicht gebühren. Bei voller Einsicht in die Schwierigkeiten im tschechischen Lager halte ich es für meine Pflicht, rückhaltlos zu erklären, vaß es den Sudetendeutschen nicht nur schwer, sondern auf die Dauer unmöglich gemacht wird, den Glauben an die Möglichkeit einer Ehrlichen Zusammenarbeit zu bewahren. Wir haben nicht mehr gefordert, als unser gutes Recht, wie es

Größte Auflage aller Tage^eitnngen Groß-Wiesbadens.

Dienstag, 22. Ottober 1935.