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Nr. 284.
Donnerstag, 17. Ottober 1935.
83. Jahrgang.
ARABIEN
SUDAN
Addis Abeba
UGANDA
KENIA
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SOMALI /
(brit.) /
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Die Stellungen sind bezogen!
Eine Übersichtskarte zu dem Aufmarsch der gegnerischen Heere in Abessinien, der nun auch auf abessinischer Seite vollendet zu sein scheint. Wir zeigen die einzelnen abessinischen Heeresgruppen mit dem Namen Hier Befehlshaber und in ihrer geschätzten Stärke. Die jüngst en Kämpfe find durch abessinische Vorstöße in Richtung Eritrea sowohl im äußersten Nordwesten als auch im Nordosten gekenn- zechnet. 2m Süden zielt der Stoß der Italiener an der Grenze von Britisch-Somaliland entlang auf die Eisenbahn. Hier wolle« die Abessinier, soweit man den letzten Nachrichten Glauben schenken darf, einen Stoß in die Flanke des italienischen Heeres führen. Die vermutlichen Stellungen der Abessinier sind schwarz, die der Italiener mit einem weißen Kreuz eingezeichnet.
(Graphische Werkstätten. M.)
Die Diplomatie an der Arbeit.
Rätselraten um die gesamte Bermittlungsaktion Lavals. — Neue Besprechungen in Paris.
Englands Flotte bleibt im Mittelmeer:
Die Genfer Verhandlungen.
17.Okt. (Drahtbericht unserer Berliner Wteuung.) Wichtiger als der abessinische Kriegsschauplatz, auf dem die Lage sich ohnehin kaum 9e® <$erscheint ,jm gegenwärtigen Augen- Mttf der diplomatische Kriegsschauplatz. Allerdings mutz man bei den Nachrichten über diese Vorgänge ebenso große Einschränkungen machen wie bei den Meldungen die aus Abessinien kommen, denn genau vermag niemand zu sagen, was hinter den Kulis en verhandelt wird. Man ist ängstlich bemüht, das Geheimnis zu wahren, zumal man in Paris behauptet die Indiskretionen der Presse bereits ohnehin der Tlktwn Laval mehr geschadet als genützt hätten. An tatsächlichen Ereignissen ist eigentlich nur festzustellen, daß Laval gestern erneut Unterredungen mit den Botschaftern Englands und Italiens hatte. Was besprochen wurde, weiß man nicht genau, aber die Stimmung in Paris war nach dreien Unterredungen nicht gerade sehr ro ig. Es hat sich gezeigt, daß die Engländer keinesfalls, um die Verhandlungen mit Italien zu erleichtern, bereit sind, ihre Kriegsschiffe aus dem Mittelmeer zurückguziehen. Man bchauptet jetzt zwar, daß Laval ein solches Ansinnen, das schon einmal van England abgelehnt wurde, garnicht gemacht habe, aber man würde in England doch kaum mit so tzrotzem Nachdruck betonen, datz die Flotte im Mittelmeer bleibt, wenn nicht diese Frage in irgendeiner Form von Laval angeschnitten worden wäre. Ob die Engländer darüber hinaus fordern, datz die Italiener ihre Truppen aus Abessinien zurückziehen, ehe verhandelt werden könne, ist nicht klar. Eine solche Forderung wäre für Mussolini natürlich untragbar.
Während über dem gestrigen englischen Kabinettsrat immerhin der Beschluß, die Flotte im Mittelmeer zu belassen, durchgesickert ist, besteht über die Haltung Roms keinerlei Klarheit. Es heißt, daß Mussolini sich noch garnicht entschieden habe, sondern noch die Anregungen Lavals prüfe, aber auch diese Dar- stellung läßt sich nicht beweisen. Die italienische Presse versucht jedenfalls den Engländern immer wieder klar zu machen, daß eine Blockade von Italien als Angriffshandlung aufgefatzt und dementsprechend beantwortet werden würde. Im Ganzen ist die Lage also recht undurchsichtig. Zu einer optimisti- Ichen Beurteilung liegt nach den Pariser Meldungen nicht der geringste Anhaltspunkt vor, denn es spricht im Augenblick nicht sehr viel dafür, datz die Vermittlung zustande kommt, ehe in Genf weitere Sanktionen beschlossen werden. Allerdings kommt man auch in ® e n f nur sehr langsam weiter. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Sanktionen spielt immer noch die Frage eine sehr wesentliche Rolle, wie man die Länder entschädigen soll, die auf einen Handel mit Italien verzichten. Der Gedanke einer Ausgleichskasse, der vorübergehend aufgetaucht war, ist aber schnell wieder fallen gelassen worden, da niemand die geringste Neigung hat, etwa in eine solche Kasse einzuzahlen. So ist man auf diesem Gebiet gestern nicht weiter gekommen. Wohl aber hat die Sanktionskonferenz gestern abend in öffentlicher Sitzung die ergänzte Verbotsliste für Waffensendungen nach Italien angenommen, wobei Venezuela aus der Reihe tanzte und Ungarn sich der Stimme enthielt. Die Engländer 'drängen weiterhin auf eine Beschleunigung der Ver- haMungen, aber die Fragen sind heikel und nicht leicht lösbar.
Regen an der
Der italienische Vormarsch aufgehalten.
Asmara, 16. Okt. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Der Vormarsch der italienischen Truppen auf der Somalifront gegen Harrar ist nach Besetzung von Eerlogubi kurz vor Golahai wegen starker Regengüsse zum Stehen gekommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Regenfälle bis Ende November anhalten.
An der Nordfront ist es, von vereinzelten Schüssen abgesehen, zu keinen neuen Kampfhandlungen gekommen. General de Bono, der italienische Oberkommandierende, ist in sein Hauptquartier zurückgekehrt und wird demnächst die eroberte Stadt Adigrat besuchen.
Umgruppierung der italienischen Truppen.
Somali-Front.
fachen. . Der abessinische Angriff wird voraussichtlich erst gegen Ende des Monats erfolgen.
Rege italienische Fliegertätigkeit.
. Addis Abeba, 17. Okt. (Eigene Drahtmeldung.) Die gestrigen Angriffe italienischer Flieger an der Nordfront wurden bis Amba Alatfchi vorgetmgen. Die Ortschaft wurde von mehreren Staffeln mit zahlreichen Bomben belegt. Nach abessinischen Meldungen soll das Bombardement zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert haben. Die Truppen hätten dagegen keine V e r I u st e zu verzeichnen, da sie die Ortschaft vorher verlassen hätten.
An der Südfront wurden die Aufklärungsflüge weiter fortgesetzt.
Aus der Provinz Wollo sind etwa 100 000 Mann abessinische Verstärkungen auf dem Marsch nach Addis Abeba. Sie werden in zwei Tagen hier erwartet. Sie sollen vorläufig in Reserve bleiben.
Abessinien, Locarno und die Chamberlains.
Das Werben um Frankreich.
Der Kampf, den die englische Regierung vor allem durch ihre Vertreter in Genf um scharfe internationale Maßnahmen gegen den italienischen Ostafrika-Krieg führt, hat durch die letzten Erklärungen und Ereignisse eine ganz neue politische Beleuchtung erhalten. Während die Meldungen vom Kriegsschauplatz in Ostafrika spärlich einlaufen, zeigen Berichte aus Paris, London, Rom und Genf, datz sich eine bisher wenig _ beachtete Entwicklung anbahnt, die mit Aufmerksamkeit verfolgt werden mutz, weil sie von den afrikanischen auch in die europäischen Dinge hineingreift. Das letzte Stadium der Verhandlungen in Genf ist gekennzeichnet durch einen Vermittlung s v o r s ch l a g, den der französische Minifter- präfident Laval gemacht hat, mit dem Ziel, den offenen englisch-italienischen Konflikt zu vermeiden. In Paris sind nun plötzlich alle die Zeitungen, die aus innenpolitischen Gründen Gegner des italienischen Faschismus sind, gegen Lavals Vermittlungsplan Es wird in dieser faschistenfeindlichen französischen Presse erklärt, daß Italien sicherlich eine rasche Lösung brauche, datz aber Frankreich nicht dazu helfen dürfe, eine solche Lösung als einen Sieg des Faschismus erscheinen zu lassen.
Pariser Meldungen erwecken den Eindruck, daß für die Haltung Englands nicht nur außenpolitische Gründe maßgebend sind, denn es wird darauf hinge- ,wiesen, daß Strafmaßnahmen des Völkerbunds gegen Italien ein Mittel sein könnten, um den Faschismus zu stürzen, oder mindestens sein Ansehen entscheidend zu schädigen. Auch italienische Äußerungen lassen jetzt deutlich erkennen, daß man solche Absichten in der Londoner Politik vermutet. So besagt eine Mettung aus Rom, daß dort der Eindruck vorherrscht, England wolle die Energien des Faschismus in Italien beseitigen, weil sie. ihm inn Mittelmeer gefährlich werden und an die Stelle des faschistischen ein „ungefährliches demokratisches Regiment" setzen. Die italienische Presse geht in der Begründung solcher „englischen Kriegspläne gegen den Faschismus" ziemlich weit, indem sie erklärt, die ersten italienisch-abessinischen Zwischenfälle seien von englischer Seite eingeleitet worden, und in England habe man absichtlich sehr lange geschwiegen, um den Konflikt erst richtig in Schwung zu bringen. Es ist wichtig, daß, wenn auch in ganz verschiedener Form, der Gedanke, datz es sich um einen englischen Kampf gegen den Faschismus handelt, gleichzeitig in der faschisten-seindlichen Presse Frankreichs und in der Presse Italiens auftaucht. Diese Gleichzeitigkeit ist ein Zeichen dafür, daß tiefere politische Antriebe für das Verhalten Englands vorhanden sind.
. Gerade in diesem Stadium ist es wichtig, festzustellen daß die Gefahr eines offenen Konfliktes bei dem Fort- gang der englischen Maßnahmen immer ernster wird. Gs wird darauf hingewiesen, daß Mussolini in seiner Rede vorn 2. Oktober mit aller Deutlichkeit erklärt hat eine Blockade Italiens durch England — das heißt die Aoiperrung der italienischen Küsten und Häfen durch englische Kriegsschiffe — würde den Krieg bedeute»
Paris, 16. Okt. Wie Harms aus Diredaua meldet, soll Italien beabsichtigen, einen großen Teil I Ein er Somalitruppen nach Eritrea zu lch r.ck e n. Etwa 1000 Mann sollen bereits unterwegs sein. Italienische Flugzeuge hätten, so heißt es in dem Havas- hericht weiter, die kleine Stadt Taff ara und Khatama Jn der Provinz Ogaden mit etwa 300 Bomben be- fegt. Dabei sollen 5 Personen getötet und etwa 20 verhetzt worden sein. Ein italienisches Flugzeug habe eine Notlandung in der Gegend von Ossa und ein zweites in der Gegend von Aski Tafaro vornehmen müssen. Die Besatzungen beider Flugzeuge seien von den Abessiniern gefangen genommen worden.
Nach Meldungen der Agentur Haoas aus Addis Abeba oat ein Teil der Truppen des Ras Seyum den ^akkaze-Fluß überschritten. Die Truppen des ■Nas Kassa hatten die Verbindung mit denen des Ras «eyum hergestellt. Ein Gegenangriff zur Wiedereroberung "er heiligen Stadt Aksum soll bevorstehen.
Abessinische Verstärkungen für die Nordfront.
Addis Abeba, 16. Okt. Der Kriegsmini st er wird vch voraussichtlich am Donnerstag mit 70 000 Mann ®n bie Nordfront begeben. Nach den in Addis Abeb-r vorliegenden Meldungen ist die Lage" an der Süd- und an °er Nordfront ruhig, abgesehen von der Tätigkeit italie- "sscher Flieger.
. Die Meldungen, daß der Oberbefehlshaber der Südfront me Gegenoffensive begonnen habe, entsprechen nicht den Tat-
