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Nr. 266.

Sonntag, 29. September 1935.

83. Jahrgang.

Deutscher Erntedank 1935.

Wenn am 6. Oktober dieses Jahres Millionen deutscher Volksgenossen die blaue Kornblume mit der Doppelähre als sichtbares Zeichen Mr den Evntedank der ganzen Nation tragen, so liegt in dieser Kund­gebung mehr als die Wahrung eines zu neuem Leben erweckten uralten Brauches. Nach dem Parteitag der Freiheit nunmehr die stolze Gewißheit zu haben als freies Volk, das feine Ketten selber sprengte, auf freiem Boden zu stehen — dieses Bewußtsein verleiht dem deutschen Erntedankfest 1935 seinen besonderen Charakter.

Heute bedarf es keines Hinweises mehr, um die Be­rechtigung und Notwendigkeit eines deutschen Bauern- tages dem ganzen Volke klar zu machen, denn auch der letzte Mann in Stadt und Land hat inzwischen Wert und Sinn der großen Bauernfeiern auf dem Bückeberg richtig erkannt. Eine auf den ersten Blick schier unlös­bare Ausgabe wurde dank der Tatkraft der Reichs­regierung und der verständnisvollen Unterstützung ihrer Agrarpolitik durch sämtliche Glieder des Reichs­nährstandes in mustergültiger Weise bewältigt: der Wiederaufbau einer fast völlig vernichteten Landwirt­schaft im knappen Zeitraum zweier Jahre. „Die deutsche Landwirtschaft ist wieder gesund." Diese Worte, die der Reichsernährungsminister gewiß auch in feiner Eigenschaft als Reichsbauernführer jüngst in Nürnberg sprach, beweisen in ihrer Schlichtheit die ganze Größe des erzielten Erfolges. Das neue bäuerliche Boden- recht, das Reichserbhofgesetz, die Überwindung der Spekulation, die neue Marktordnung und Preisrege­lung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und nicht zuletzt die Schaffung eines in sich geschloffenen, gesunden Reichsnährstandes — das alles waren unerläßliche Voraussetzungen einer deutschen Bauernbefreiung und damit zugleich Vorbedingungen für die erfolgreiche Wiederbelebung der bäuerlichen Kultur im Reiche. Noch vor zwei Jahren setzte sich der Landesbauernsührer von Niedersachsen kurz vor dem ersten Erntedankfest auf dem Bückeberg mit der Frage auseinander, wer denn zum Bauernstand gehöre, und verband damit sittliche, nationalpolitische Forderungen an den deutschen Bauer, die uns heute bereits selbstverständlich erscheinen. Da­mals klafften noch schier unüberwindliche soziale Gegen­sätze zwischen Großgrundbesitz, Bauernschaft und Land» arbeiterschaft.

Besonders die Landarbeiter wurden in der Vor- und Nachkriegszeit sehr tiefmütterlich behandelt. In vielen Gegenden Deutschlands waren sie in Elends­baracken untergebracht und mußten für ein Spottgeld schwerste Arbeit verrichten. Dazu kam, daß vor der Machtübernahme, besonders vor dem Kriege, etwa eine Million ausländischer Wanderarbeiter in der Land­wirtschaft beschäftigt wurden, die zu billigen Löhnen und für einen Deutschen kaum erträglichen Bedingun­gen die Landarbeit verrichteten. Sie drückten durch ihren großen Einsatz das Lohnniveau des Rutschen Landarbeiters noch 'mehr. Es war deshalb kein Wun­der, daß mit der fortschreitenden Industrialisierung Landarbeiter in die Stadt zogen, um dort ihr Brot zu verdienen. Diese Landflucht wirkte sich dann in den Jahren der Krise und des Niederganges besonders ge­fährlich aus. Während auf den großen Gütern aus­ländische Arbeitskräfte beschäftigt wurden, hungerte und darbte der deutsche Arbeiter in der Stadt. Damit hat die nationalsozialistische Regierung und Agrar­politik aufgeräumt. Der Zuzug ausländischer Arbeits­kräfte wurde gesperrt und das Los des deutschen Land­arbeiters entscheidend verbessert. Durch den Einsatz der Landhilfe wurden der Landwirtschaft die augenblicklich noch fehlenden Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt, ohne dadurch den Landarbeiter brotlos zu machen.

Die nationalsozialistische Agrar- und Sieldungs- politik hat es ferner möglich gemacht, bei der Ansetzung von Neubauernstellen erb gesunde Landarbei­ter wieder zu eigenem Grund und Boden kommen zu laffen. Etwa 40 Prozent der bisher angesetzten Neu­bauern sind ehemalige Landarbeiter. Wie notwendig die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage dieses Be­rufsstandes ist, erhellt daraus, daß die Landarbeiter­familien zu den kinderreichsten in Deutschland gehören. Man versucht, gerade diesen kinderreichen Familien durch Zuweisung von Grund und Boden eine bessere Lebensmöglichkeit zu schaffen und hat auch bei Zu­weisung von Ehestandsdarlehen an junge Landarbeiter-

Das Memelland wählt.

Vor dein entscheidenden Sonntag. — Ein merkwürdiges Gutachten der „Kronjuriften". Das Ziel der Litauer.

Im Hintergrund Litwinow.

as- Berlin, 28. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Am Sonntag finden im Memelgebiet die Wahlen zum Landtag statt, überall sieht man diesem Tage mit größtem Interesse entgegen, hat sich doch die internationale Presse mit den Zuständen, die sich im Memelgebiet unter der Terrorherrschast der Litauer entwickelt haben, eingehend beschäftigt und zu einem Teil dies« Zustände auch als das gekennzeichnet, was sie tatsächlich sind, als internationalen Skandal. Es ist heute nicht nötig, noch einmal auf die Ungeheuer­lichkeiten des Wahlrechtes einzugehen, das die Litauer für diese Wahlen ausgeknobelt haben. An der Tat­sache, daß es sich hier nicht um ein Wahlrecht, sondern nm ein Wahl unrecht handelt, ändert auch nichts das mehr als seltsame Gutachten, das die Kronjuristen der Unterzeichnermächte — Japan hat sich aus diesem Schritt ferngehalten — erstattet haben, und das zu dein Schluß kommt, daß gegen dieses Wahlrecht nichts einzu­wenden sei, da es, wie im Memelstatut vorgeschrieden, für ganz Litauen gelte. Man wuß wohl schon Kron- jurist sein, um zu einer solchen, die tatsächlichen Vor­gänge absolut übersehenden Entscheidung gelangen zu können! Das Ziel, das die Litauer mit diesem Wahl- unrecht und mit all den Schikanen gegen die deutsch- stäniimigen Memelländer verfolgen, liegt klar auf der Hand: sie wollen endlich einen ihnen genehmen Landtag erreichen, einen Landtag, in dem sie ent­weder die Mehrheit haben, oder aber doch so stark sind, daß sie durch ihr Fernbleiben das Parlament jederzeit beschlußunfähig machen können, was im letzten Landtag erst dadurch möglich wurde, daß man unter nichtigen Vorwänden einige memelländische Mandate einfach 'für ungültig erklärte. Um dieses Ziel zu erreichen, er­folgten die Massenaufnahmen von E r o ß l i t a u e r n, die nach dem Statut garnicht wahlberechtigt sind in die Wählerlisten, versuchte man durch Kreditent­ziehung einen Druck auf die Unterzeichner des Auf­rufs der Einheitsliste auszuüben, machte man den deutschstammigen Memelländern jede Wahl- agitation unmöglich usw. Für den Fall aber, daß alle die,« Zwangsmaßnahmen noch nicht ausreichen sollten, hat man dafür gesorgt, daß man bei der Stimmenzählung hübsch unter sich ist, denn daß man auf starken Druck hin, sich dazu verstanden hat einen einzigen deuffchstämmigen Memelländer in die Wahlkommission zu berufen, ist belanglos. Wohl aber sitzen in diesen Wahlkommiffionen Litauer, die mehr­fach vorbestraft sind, darunter solche, die vorbe­straft sind wegen Urkundenfälschung, wegen Falscheid und wegen Unterschlagung! Das sind also nach litauischem Begriff Leute, die offenbar ganz besonders

geeignet sind, die abgegebenen Stimmen zu zählen. Die Litauer würden in allen diesen Fragen wohl kaum eine so herausfordernde Haltung einnehmen, wenn sie nicht der Unter st L tz u n g des Herrn Litwinow sicher wären, der sich ja auch in Genf darüber beschwerte, daß er nicht zu den Unterhaltungen über die Memelsrage hinzugezogen würde, und wenn nicht weiterhin die­jenige ÄuslanÄspreffe, für die alles Deutsche ein rotes Tuch ist, die seltenen und sehr schüchternen Vorstellun­gen, die die Unterzeichnermächte in Kowno erhoben, sabotierte.

Die Memelländer haben sich durch alle Terror­maßnahmen der Litauer nicht beugen laffen. Sie haben alle Meinungsverschiedenheiten zurückgestellt und sind mit einer Einheitsliste in den Kampf ge­zogen, getreu dem Spruch, den sie unter ein mit vollen Segeln fahrendes Schiff auf ihre technischen Anweisun­gen zur Wahl setzten: .Mir fahren alle in einem Schiff durch Sonnenschein und Meeresstille. Im Sturm, um Klipp' und Felsenriff. Ein Volk, ein Schicksal und ein Wille!" Zum fünften Male marschieren die Memelländer zu einer Landtagswahl auf. Bei jeder dieser Wahlen haben die Litauer versucht, das Deutsch­tum zu unterdrücken, jede dieser Wahlen war ein Sieg der deutschstämmigen Memelländer, die niemals weniger als ein Fünftel aller abgegebenen Stimmen, teilweise aber noch günstigere Ergebnisse erreichten. Immer haben diese Wahlen bewiesen, daß das Memelland, wie dieser Tage das schwedische Blatt „Nya Daglidt Alle- handa" schrieb, deutsch ist und deutsch seit je­her gewesen ist. Daran ändern alle litauischen Terrormaßnahmen nichts. Wahl aber tragen sie die Schuld daran, wenn man heute vielfach dieses kleine Land als einen ber gefährlichsten Punkte Europas be­trachtet. Das Memelland wird die Welt über seinen wahren Willen auch bei dieser Wahl nicht im unklaren laffen.

Memel im Mittelpunkt des Weltinteresses.

Kowno, 27. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Bezeichnend für das äußerst rege Interesse an den Memeler Wahlen am kommenden Sonntag ist die Tatsache, daß bereits am Don­nerstag gegen 50 Berichterstatter der bekanntesten ausländischen Blätter aus Europa, Amerika und sogar Japan in Memel eingetrosfen sind. Ferner sind einige Film­operateure der bekanntesten Wochenschauen anwesend. Ein französischer Bilderdienst ist mit der Einrichtung für eine telegraphische Bildübertragung vertreten. Es werden noch weitere zahlreiche Pressevertreter erwartet, sodaß deren Zahl wohl 100 überschreiten wird. Es stecht zu hoffen, daß somit die ausländische Preffe ein klares Bild von den Zuständen im Memelland gewinnt.

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Em Schaubild fast aller Waffengattungen.

Berlin, 28. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Der Staats­akt auf dem Vückeberg wird sich in diesem Jahre etwa wie folgt abfpielen:

Kurz nach dem Eintreffen auf dem Vückeberg schreitet der Führer die Ehrenformationen ab und begibt sich dann durch das Spalier der wartenden Volksgenoffen auf die Tri­büne. wo er das diplomatische Korps begrüßen wird. Der Abschuß von drei Knallbomben zeigt sodann den Beginn der Kundgebung an. Die Eröffnungsansprache hält Reichs­minister Dr. Goebbels. Es folgt eine Luftparade, ausgeführt von 100 Kriegsflugzeugen (Aufklärungsflug­zeuge, Kampfflugzeuge und Bomber). Nach dem Vortrag eines Ehorgefanges „Segnung" wird dem Führer die Ernte­krone überreicht.

Eine weitere Knallbombe leitet die Eroßschau-llbung der W e h r m ach t ein. Hierbei wird dargestellt, wie ein Jnfan- terie-Vatanlon in einem Dorf eine Nachhutstellung bezogen hat, vefftarkt durch eine Batterie schwerster Artillerie. In der Verfolgung greifen aus östlicher Richtung ein verstärktes Jirfantene^atalllon, zwei Batterien und ein Reiter-Regi­ment die Nachhuhtelluno an. Energische Abwehr aus der Nachhutstellung veranlassen den Angreifer, eine Krasträder- SchützenkompWme eiMusetzen und das Dorf durch Flieger­staffeln und ^Ewenflugzeuge anzugreifen. Schließlich wird auch noch em« Abteilung von 150 Tains eingesetzt, um diese Stellung AU nehmen Gegen die angreifeNden Flugzeuge werden mehrere Echte und schwere Flakbatterien eingesetzt.

2ie ganze Übung wird also ein Schaubild fast aller Waffengatt u ngen der neuen deutschen Wehr­macht sein um» — wom Nürnberger Parteitag abgesehen — zum erstenmal ven -Volksgenossen seit 20 Jahren nicht mehr

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oder überhaupt noch nickt «sehene Waffengattungen in ihrer Verwendung zeigen. Während auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg die einzelnen Waffengattungen wegen der Be­schränkung des Geländes nur nacheinander gezeigt werden konnten, wird es hier im weiten Rund des Geländes um den Rückeberg möglich fein, alle diese modernen Waffen im ge­meinsamen Zusammenwirken sehen zu können.

Das Schlußzeichen für die Übung wird wiederum durch eine Knallbombe gegeben. Es folgt die Rede des Reichs­bauernführers Darre. Sodann spricht der Führer. Das Deutschland- und das Horst-Weffel-Lied beschließen die ein­drucksvolle Kundgebung auf dem Vückeberg.

Das genaue Minutenprogramm der Kundgebung wird noch bekanntgegeben.

Ein Engländer über das neue Deutschland.

»Hitler hat Deutschland wieder aus die Beine gestellt."

London, 28. Sept. Der englische O b e r ft Sir P e r - cival Mailing berichtet in einer Zuschrift an den „Daily Telegraph" über seinen Aufenthalt in Deutschland. Besonders sei ihm ausgefallen, daß er feine Zeichen oon Armut gesehen habe. „Man kann in Gloucester oder Bristol mehr Armut und mehr schlechtes Schuhwerk an einem einzigen Tage sehen als in Deutschland in einem Monat", so heißt es, wörtlich in der Zuschrift. Die Deutschen seien überall außerordentlich herzlich, hilfsbereit und höflich ge­wesen. Der Brief schließt mit der Bemerkung, es bestehe kein Zweifel, daß Hitler Deutschland wieder auf die Seine gestellt habe. Deutschland sei jetzt eine der mächtigsten Nationen der Welt, mit der man zu rechnen haben werde.

Der deutsche Bauer beteiligt sich am 6. Oktober am Erntedanktag auf dem Bückeberg bei Hameln.