WiksbÄkm THW
Berlag
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Unterhaltungsbeilage.
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Drahtanschrift: Zagblatt Wiesbaden.
83. Jahrgang.
Nr. 262.
Die Antwort des MemeUandes an Litauen.
IWtono Dor 'WM MMe 1901-1914
B. Schellenberglche Hofbuchdruckerei, ^Tagblatt«ßaus*. Eeschästszestr 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.
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Vorsichtige Balance.
Die englische Diplomatie hat es im Abessinienstreit gewiß nicht leicht. Wenn auch Äie englische öffentliche Meinung heute in seltener Geschlossenheit und Entschlossenheit steht, so mutz doch mit leichten Unter« strömungen gerechnet werden, die durch eine Unvorsichtigkeit wirksam gemacht werden könnten. Als leichtes Symptom für ein bestimmtes Mißbehagen mutzte schon die Stellungnahme einiger führender Männer in der Arbeiterpartei angesehen werden. Mit diesen Dingen allerdings würde die Regierung noch sehr schnell und leicht fertig werden, weil .im Falle eines entscheidenden Entschlusses die Welle einer großen natw- nalen Erregung über alle Außenseiter Hinwegspulen würde Als ein solcher Autzenseiter von anderer innenpolitischer Herkunft hat sich bisher der Zeitungsmagnat Lord Beaverbrock benommen, der aber auch inzwischen erkannt hat, daß in solchen bewegten Zeiten der Grundsatz über alles gestellt werden muß: „Recht oder Unrecht, mein Vaterland!", und der sich inzwischen auch zu der Auffassung bekannt hat, daß es nur einen Ausweg aus dem Dilemma gibt, nämlich den Austritt aus dem Völkerbund Wenn England im Völkerbunde bleibt und dennoch einem italienischen Angriffskrieg gegen Abessinien stillschweigend zusieht — das durfte heute die übereinstimmende Meinung aller Engländer 'lein — so würde das einer glatten Kapitulation vor Italien gleichkommen. Gegen diesen Gedanken lehnt sich natürlich der Stolz ganz Albions entrüstet auf.
Wenn nun schon die Regierung Baldwin davon überzeugt sein darf, daß innenpolitische Momente keinen störenden Einfluß von besonderer Tragweite auszuüben vermögen, so muß sie umso ängstlicher darauf bedacht sein, bei denjenigen Mächten im Völkerbund, ine nur widerstrebend auf dem jetzt beschrittenen Wege mit- gehen. nicht den Verdacht aufkommen zu lassen,, als ob es sich bei der genannten Auseinandersetzung weniger um eine grundsätzliche völkerkundliche Frage als um eine imperialistische und machtpolitische Entscheidung ausschließlich zwischen England und Italien handle. . Sobald sich diese Auffassung durchsetzt, wird es natürlich ■ nicht nur für Frankreich, sondern auch für eine ganze Anzahl anderer Länder Anlaß zu dem Bestreben werden, einer offenen Stellungnahme aus dem Wege zu gehen und die Last der Sanktionen England allein zu
London und Paris.
as. Berlin, 25. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Für den Zeitungsleser, aber auch für die .in Genf versammelten Staatsmänner heißt die Parole weiterhin: Ab warten. Wohl hat gestern die Sitzung des englischen Kabinetts stattgefunden, wohl hat der italienische Minister rat gestern unter dem Vorsitz Mussolinis getagt, aber die Dinge stehen nach diesen Beratungen immer noch auf dem alten Fleck. Das Londoner Kabinett hat beschlossen, an der bisherigen Politik festzuhalten und keinen Kurswechsel vorzunehmen. Aus der amtlichen Mitteilung über den italienischen Ministerrat geht hervor, daß sich Mussolini bereits mit den in Frage kommenden Sühne- matznahmen befaßt hat und mit der „Haltung, die Italien je nach den Umständen einnehmen wird." Nirgends aber sind wettere Verhandlungen glatt abgelehnt worden, und darauf gründet sich offensichtlich die zuversichtlichere Beurteilung der Lage, auf die man hier und dort fußt, während die Pariser Meldungen allerdings besagen, daß man die Dinge dort ziemlich schwarz sieht. Nun wurde gestern hier schon gesagt, daß der Völkerbundsrat, der morgen zusammentritt, noch gewisse Möglichkeiten hat, seine Vermittlertätigkeit auch noch nach dem Scheitern der Verhandlungen des Fünferausschusses fortzusetzen. Jetzt verlautet bereits, daß man möglicherweise einen ständigen Ausschuß zur Beobachtung der Entwicklung in Ostafrika einsetzen wird, zumal man in Genf, wo die meisten Staatsmänner feit dem 4. dieses Monats anwesend sind, jetzt gern die Verhandlungen beenden möchte. Daneben besteht auch noch die Möglichkeit, auf dem diplomatischen Wege weiter zu verhandeln, ohne daß man gleich an eine Dreierkonferenz zu denken braucht, für die England die Zeit noch nicht für gekommen erachtet. Aber immer muß man sich auch vor Augen halten, wie groß die Kluft ist zwischen dem, was England zugestehen will, und dem, was Mussolini fordert.
Nicht übersehen kann man, daß in Londoner Meldungen davon gesprochen wird, es werde möglicherweise Ende dieser Woche die englische Antwort auf die französische Earantieforderung für den Fall eines europäischen Konfliktes veröffentlicht werden. Pariser Blätter glauben mit einer recht günstigen Antwort Englands rechnen zu können. Wir hätten damit also das Bild vor uns, daß London den französischen Sicherheitswünschen offenbar weit ent- gegenkommt, wofür auf der anderen Seite Laval den englischen Standpunkt in der Frage etwaiger Sühne- maßnahmen gegen Italien unterstützt.
Zur Abrundung dieses Bildes gehört es, daß die internationale Presse sich bereits eingehend mit den angeblichen Kriegsplänen der Abessinier und der Italiener beschäftigt. Man will wisien, daß der Ne-gus einenAngriff g eg en Jt al i e n i s ch- Somaliland plant, um hier bis zur Küste vorzudringen und die Italiener von ihrer Versorgungsbasis
Noch keine Entscheidung.
England hält an dem bisherigen Kurs fest. —- Mussolini vor dem Ministerrat. Das übliche Rätselraten.
werden 1 Million Lire zum Bau von bombensicheren Unterständen in Messina ausgeworfen.
Nach einem weiteren Gesetz können künftig die Zuschüsse, die Einzelpersonen zum Erwerb von Touristenflug- zeugen gewährt werden, auch Vereinen bewilligt werden, die Lustsport betreiben.
Der Minifteriat hat sich dann auf nächsten Samstag vertagt. Mussolinihat auch eine n e u e E r k l ä r u n g zum italienisch-abessinischen Streitfall abgegeben, über die die amt« liche Mitteilung folgendes besagt:
„Mussolini erstattete einen kurzen Bericht über die Entwicklung der politischen Lage von Samstag bis heute, wobei er feftstellte, datz Italien in Genf keineEegenvor- sch l ä g e u n t e r b r e i t e t hat, sondern lediglich mündlich die Motive auseinanderfetzen ließ, aus denen die Vorschläge des Fünferausschusses unannehmbar waren. Alles,, was seit Samstag vor sich gegangen ist, ist ein Beweis dafür, dag die Haltung der italienischen Regierung nicht anders sein konnte. Anschließend erörterte Musiolini an Hand einiger Artikel des Völkerbundspaktes die Möglichkeiten der weiteren Entwicklung der Lage und die Haltung, die Italien je nach den Umständen einnehmen wird.
Die Beschlüsse des italienischen Ministerrats.
Rom, 24. Sept. Die Beschlüsse des italienischen Ministerrats vom Dienstag betrefsen zum größten Teil m i l i - tärische Verwaltungsgeschafte, die mit den Trup- penbesörderunzen nach Ostafrika zusammenhängen.
Die wichtigste Maßnahme bestimmt, daß alle Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1901 bis 1914, die bisher aus gesundheitlichen und anderen Gründen nicht ern- gezogen worden waren, sich einer Nachmusterung unterziehen müssen. .
Eine weitere einschneidende Akagnahme ist, dag der Dienst in den nach Ostafrika entsandten Schwarzhemden- Dioisionen dem Dienst des regulären Hee res gleichgestellt wird. Die höheren Offiziere der faschistischen Miliz erhalten ohne weiteres den Rang von Reserveoffizieren des Heeres. Ferner werden die Bezüge der nach Ostafrika entsandten Reserveoffiziere den Bezügen der Berufsoffiziere gleichgestellt. .
Unter den Gesetzentwürfen, die sich auf die L u f t w a, f e beziehen, ist besonders die Bestimmung zu erwähnen, womut, die Mitglieder der Regierung und des Großen Fafchyttschen States Reseroefliegeroffiziere werden können. Außerdem
„Ordnungsmäßige" Wahlen.
as. Berlin, 25. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Nachrichten aus dem Memelgebiet bestätigen immer wieder, daß von einer ordnungsmäßigen Durchführung der Wahlen zum Landtag nicht die Rede sein kann, daß vielmehr alles geschieht, um die einzelnen Wähler zu kontrollieren. B^ kanntlich erhält der Wähler einen Stimmblock, ähnlich einem Straßenbahnfahrscheinblock, aus der er nun die von ihm gewünschten 29 Kandidaten heraustrennen muß. Den restlichen Block aber will man zu Kontrol lzwccken denn tz e n. So erklärt jetzt z. B. der litauische Postoorsteher in Heydekrug, daß die ihm unterstellten Beamten diesen restlichen Block vorlegen müßen, um festzustellen, ob der Beamte auch litauische Kandidaten gewählt hat. Wer nrcht fur Litauen stimme, werde sofort entlassen. Es ist anzunehmen, und litauische Meldungen bestätigen das, miß diese Maßnahme nicht auf die Postbeamten in be
schränkt bieibt, sondern daß sie allgemein durchgeführt werden wird. Ob die Unterzeichnermächte des Memelstatuts ange- sichts dieser Maßnahmen noch von einer „ordnungsgemäßen Dahl" sprechen werden?
- rt;„ grHnimeter esöbe bet 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Srunb« im Tertteil 45 tot.Tonft Ib™t JPretsWe ^.4 Nachlakftaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen uno Platzen roirb lerne Gewähr übernommen. — Schlich bet ^zeigen-Annahme Z0 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor bim Erschemungstage aufgegeben werben.
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wurde, verließen geg « n 9 0 v. H. d « rT «i 4 nehmer spontan di« Versammlung, sodaß insgesamt nur noch 20 bis 30 Personen z u r ii ck b l i eh en. Der Kandidat der Einheitsliste, Sichrau, der ebenfalls zur Versammlung gekommen war, forderte draußen die weit über 200 Teilnehmer, die die Versammlung verlaßen hatten, in einer kurzen Ansprache auf, den Versammlungsort ruhig uwd diszipliniert zu verlassen, was auch unverzüglich ratter Absingen eines memelländischen Fischerliedes geschah. Sn diesem Augenblick griffen zahlreiche Polizeibeamte ein und nahmen ohne ersichtlichen Grund 9 Memelländer in Haft.
Einen ähnlich kläglichen Verlauf nahmen am selben Tage noch verschiedene andere Wahlversammlungen, so u a in Kartelbede, Kreis Memel, wo der litauische Redner ebenfalls aufgefordert wurde, ferne Ansprache in deutscher Sprache zu halten. Als er dies nicht tat, verließen all« Anwesenden bis auf ein altes Ehepaar das Lokal, sodaß die Versammlung geschloffen werden mußte.
Aus Wischwill kommt ein ähnlicher Bericht. Hier sollten der frühere Landespräsident Reizgys und der Landes- direltor Schwillus sprechen. Beide waren in Kraftwagen zu der Versammlung gekommen. Sie fanden den Verkam m lung ssaal jedoch völl ig lee r. Nicht eine einzige Person war zu dieser Versammlung erschienen.
Zerplatzte litauische Wahlversammlung.
Memel, 24. Sept. Den Litauern geht es mit ihren Wahlversammlungen im Memelgebiet wie mit Seifenblasen. Sie platzen ihnen unter den Händen. So hatte der Litauiiche Block seine Anhänger in Pkicken, Kreis Memel, zu einer Versammlung einberufen, zu der auch der frühere Außenminister Dr. Zaun ins, der frühere litauische Gesandte in Berlin und London, S z i d z i k a u s k a s, Gouvernementsrat Anyf-as, fast das gesamte Direktorium, die Spitzenkandidaten der litauischen Liste und noch andere führende Litauer die in die litauische Wahlpropaganda eingespannt sind, erschienen. An der Versammlung nahmen et wa300Person«nausde rllmgeb ung teil. Als ein Mitglied des Direktoriums seine Rede in litauischer Sprache beendet hatte, wurde aus den Reihen der Zuhörer eine deutsche Übersetzung gefordert. Da dies verweigert
ahzuschneiden. Von den Italienern heißt es, daß der Vormarsch gegen Adua bis ins letzte vorbereitet sei. Wie weit im einzelnen diese Nachrichten zutreffen, ist schwer zu sagen. Kriegs- und Aufmarsch^ plane pflegt man itn allgemeinen nicht gerade durch internationale Nachrichtenbürs ausplaudern zu lassen, sondern hütet sie sorgsam als Geheimnis. Im übrigen ist die Kriegsmaschinerie,im Augenblick noch nicht in Bewegung gesetzt, und so wird man gut tun, auch hier zunächst einmal abzuwarten.
Französische Stimmen zur bevorstehenden englischen Antwortnote.
Paris, 25. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Der Londoner Sonderberichterstatter des „Figaro" glaubt im Zusammenhang mit der englischen Antwort auf die französische Anfrage hinsichtlich' der englischen Haltung im Falle einer europäischen Gefahr zu wissen, daß das Foreign Office zwar ein sehr langes Schriftstück ausgearbeitet habe, daß dieses aber keinerlei Garantien enthalte. Man beschränke sich vielmehr in dieser Note darauf, bie Genfer Rede Sir Samuel H o a r e s näher auszulegen, vermeide es aber, irgend eine Garantie über die etwaige Haltung Englands im Falle einer Gefährdung des europäischen Status quo abzugeben.
Die gleiche Auffassung vertritt auch der Londoner Sonderberichterstatter des „Journals", der es als vergebliche Mülle bezeichnet, wollte man in der englischen Antwort eine festumgrenzte Garantie suchen. Man werd« lediglich eine erneute Bestätigung des englischen Grundsatzes finden, daß man auf die Mitarbeit Englands rechnen könne, wenn es sich darum handele, gegen einen Angreifer vorzugehen, der den Völkerbundspakt herausfordere. Dies« Zurückhaltung sei darauf zurückzuführen, daß man englischerseits den Standpunkt vertrete, eine innenpolitische Revolution in irgeno einem europäischen Land könne gegebenenfalls von der einen oder anderen Macht als eine Bedrohung der durch das Versailler System aufgestellten Sicherheit angesehen werden. Deshalb enthalte sich auch die englische Regierung, fest umschriebene Garantien dafür abzugeben, wie sie sich in dem einen oder anderen Fall verhalten werde.
Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.
Mittwoch, 25. September 1935.
