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Wiesbadener TsMt

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7 Ausgaben

Wöchentlich

£. Lch-ll-nberg'sche Hostuchdruckerel, .Tagblatt < Haus".

Unterhaltungsbeilage.

mit einer täglichen

Postschecktonto: Franlfuri a. M. Nr. 7405.

Drahtanschrift: Sagblatt Wiesbaden.

83. Jahrgang.

Nr. 261.

Die kommunistische Wühlarbeit in Frankreich

Zwei Sowjetspione in Straßburg verhaftet.

Fra

Türkisch-griechische Vorbereitungen

nehmen.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn, und Feiertags.

werktäglich nachmittags, Samstags »or- u. nachmittags

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Übungen führt der griechische Admiral, der feine Flagge zu diesem Zweck auf dem türkischen Schlacht­kreuzer .H a w«x“ setzen wird. Auch zwei rumänische Torpedoboote werden möglicherweise an den Übungen teil»

1 zu diesem Zweck auf dem türkischen Schlacht- awuz" setzen wird. Auch zwei rumänische

das englische Kabinett zusammen, um sich erneut mit der abessinischen Frage zu befassen. Welche Bedeutung diese Kabinettssitzung hat, geht u. a. daraus her­vor, daß gestern schon vorbereitende Be­sprechungen stattfanden, Besprechungen, an denen auch die Chefs der drei englischen Wehrministerien, so­wie der Stabschef der englischen Luftstreitkräfte teil­nahmen. Sehr viel Möglichkeiten scheint man in der englischen Hauptstadt nicht mehr zn sehen, denn die Londoner Meldungen sind etwa auf den Ton gestimmt: Die Lage ist voll­kommen hoffnungslos. Andererseits aber war die Londoner Börse gestern recht fest, und neben den ganz pessimistischen Darstellungen findet man doch auch immer wieder Berichte, die auf irgend eine Möglichkeit Hinweisen. Zunächst tritt heute einmal in Genf der Fünfer aus schütz zusammen, um seinen Bericht an den Rat fertigzustellen, der ja lediglich besagen kann, Latz die Ber mi ttlungsb e m ühungen des Fünferansfchusses gescheitert sind. Aber, so sagt man in Genf, bestände nicht die Möglichkeit, Latz der Rat dem Ausschutz einen neuen, Auftrag erteilt, oder aber könnte der Rat in seinem eigenen Bericht an die streitenden Parteien nicht zu anderen Folgerungen und Vorschlägen kommen, wie der Fünferausschutz? Hieran knüpfen sich gewisse Hoffnungen. Aber man kann doch nicht verkennen, dah eine s e h r b re i t e Kluft besteht zwischen dem, was Mussolini erstrebt und bisher als Mindestforderung andeutete und dem, was die Mächte, vor allem England, zugestehen wollen. E i n e L e r Parteien müßt« also sehr erheb- lich nachgeben, wenn noch eine Einigung Zustandekommen sollte. Im anderen Falle werden die italienischen Truppen in, Ostafrika mar­schieren, nachdem der Regen vorüber ist. Die 200 000 Gewehre würden dann von selbst losgehen, hat Musso­lini unlängst erklärt, und damit würde dann das schwierige Thema der S ü h n e m a tz n a h m e n spruch­reif, ein Thema, das den heutigen Kabinettsrat in London ausführlich beschäftigen wird.

Was tut Genf?

ns. Berlin, 24. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Eine Meldung aus Addis Abeba be­sagt, datz seit Mai gestern der erste Tag ohne Regen war. Ganz programmähig ist also das Ende der Regenzeit in Abessinien gekommen. Die militäri­schen Operationen, auf die sich Italien seit Februar vorbereitet, könnten mithin beginnen. Datz die techni­schen Voraussetzungen in den letzten Monaten und Wochen geschaffen worden sind, steht außer Zweifel. Wenn es trotzdem den Anschein hat, als ob Mussolini noch zögerte, iso liegen die Gründe auf politischem Ge­biet. Italien Hat nicht mit ei ner so schroffen, ablehnenden Haltung Englands gerech- n e t. Wenn auch der englische Botschafter dem Staats­sekretär Su v ich erklärt hat, datz die Flottenzusammen­ziehungen im Mittelmeer keinen aggressiven Charakter haben, so ist die englische Flotte doch nun einmal im Mittelmeer und gedenkt auch zunächst dort zu bleiben. In diesem Zusammenhang verzeichnen übrigens fran­zösische Blätter das Gerücht, datz der italienische König und Kronprinz auf einem nichtamtlichen Weg den englischen Hof auf den sehr pein­lichen Eindruck hingewiesen haben sollen, den die englischen Flottenzusammenziehungen im Mittelmeer in Italien hervorgerufen haben. Ob diese Angaben richtig sind, müssen wir dahingestellt bleiben lassen. Sicher ist nur, datz die Haltung Englands in Italien enttäuscht und überrascht hat. Roch aber ist das letzte Wort nicht gesprochen. Auch die Der- handlungen zwischen London und Rom gehen weiter. Hat doch gerade gestern der englische Botschafter in Rom dem Staatssekretär Suv ich eine persönliche Botschaft des englischen Außenministers Hoare an den Duce überreicht. Was in dieser Botschaft steht, ist im Augen­blick noch unbekannt. Man geht aber wohl kaum in der Annahme fehl, dah der englische Außenminister noch einmal um eine klipp und klare Antwort auf die Frage, welches die italienischen Mii^estforderungen sind, gebeten hat. In London tritt bekanntlich heute

Munition sowie 75 Flugzeugen, Zerstörern und Untersee­booten beschlossen roorben sei. Ferner seien die Lieferungs­fristen von einem Jahr auf drei Monate und darunter herab­gesetzt worden. Außerdem sei eine bessere Ausbildung der Mannschaften des Heeres verfügt worden. Aus diesem Grunde sei die normalerweise jetzt erfolgende Entlassung der Reservisten auf unbestimmte Zeit ver­schoben worden.

Gemeinsame griechisch-türkische Flotten­manöver.

Istanbul, 23. Sept. Am Freitag trafen ein griechisches Flottengeschwader und ein Geschwader von griechischen Mili­tärflugzeugen zum Besuch der türkischen Flotte in den Darda­nellen ein. Nunmehr teilt die türkische Presse mit, datz in den nächsten Tagen gemeinsame Manöver stattfinden werden, an denen die türkische Flotte und die in den Darda­nellen liegenden griechischen Kriegsschiffe und Flugzeuge teil« nehmen werden. Das Oberkommando bei diesen

Das englische Kabinett berät.

Das Ende der Regenzeit. — Mussolini zögert noch. — Englische Botschaft an den Duce.

Genosse Münzenberg an der Arbeit.

Paris, 24. Sept. (Eig. Drahtmeldung.), Der „Jour" kommt noch einmal auf die in Straßburg erfolgte Verhaf­tung eines Dänen und einer angeblichen deutschen Staats­angehörigen zurück, die der französischen Polizei nicht unbe­kannt fei, weil man sie als Verbindungsperson zwilchen den svanzMchen Kommunisten und Moskau kenne. Die deutsch«

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Paris, 23. Sept. Die französische Presse beschäftigt sich seit einigen Tagen mit der in Stratzburg erfolgten Ver­haftung einer deutschen Staatsangehörifl_en und eines Dänen, von denen bald bekannt wurde, datz es sich um Kommunisten handelt. Inzwischen weiß „Jour" bereits zu berichten, datz die beiden Verhafteten wegen Spionage im Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden find. Trotz des Schweigens, das man um diese Angelegenheit hülle, so fahrt das Blatt fort, sei dieser neu« Spionagefall außerordentlich schwerwiegend. Man habe zunächst davon gesprochen, datz die Verhafteten nur geringe Summen Geldes bei sich gehabt hätten, in Wirklichkeit habe man bei ihnen jedoch bedeutende Beträge vorgefunden, die dazu bestimmt gewesen seien, die Kassen der Kommunistischen Partei Frankreichs aufzufüllen, damit diese ihre Propa­ganda gegen Italien fortsetzen könne. Man habe autzetdem bei den beiden Verhafteten Schriftstücke beschlagnahmt, aus denen unschwer heroorgehe. datz sie für die Sowjets «Ar­beitet hätten. Diese Schriftstücke, die ihnen von franzostschen Kommunisten übergeben worden seien, behandelten aus- schlietzlich Fragen der französischen Landesverteidigung. U. a. habe man einen bis ins einzelste ausgearbeiteten Plan auf- qefunden in dem die Taktik der Kommunisten in der französischen Kriegsindustrie vorgeschrieben wird Dieses Schriftstück sei von einer derartigen Wichtig­keit datz sich auch der Minister rat am Samstag damit beschäftigt habe. Es sei sogar beschlossen worden, bei einer ausländischen Macht (gemeint seien die Sowjets), diplo­matische Schritte zu unternehmen. Überraschungen seien in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen denn eine genaue Prüfung der beschlagnahmten Schriftstücke werde wahrscheinlich di« FeWellung erlauben, dah man es mit einer Organisation zu tun habe, die in Frankreich alle interessanten Auskünfte sammle und sie dann durch einen Kurier, der mit einem diplomatischen Pah reife, ins Ausland bringe.

Aufbruch in Griechenland.

(Von unserem Athener Korrespondenten.) Athen, im September.

Die letzten Tage und Wochen haben in Griechenland eine Nervosität gezeigt, wie sie bisher nur in politischer Hochspannung erlebt wurde. Das griechische Volk steht vor außerordentlich wichtigen Entscheidungen. Der Termin für die Volksabstimmung ist embgültig auf den 3. November festgesetzt.

Die letzte Revolte vom März hat deutlich gezeigt, wohin der Parteihader führen kann, und die Monaie seither haben trotz des Sieges der Regierung und ihrer Parteien keine politische Ruhe gefunden, die eine gerade Linie für den Weg des griechischen Staatsschiffes vorge­zeichnet hätte. So mußte es denn erst zu dem Militär­putsch der letzten Tage kommen, um endlich die führen­den Persönlichkeiten aufzuvütteln aus einer Lethargie, die zwar sehr oft beruhigend auf die Gemüter wirkte und eine gewiss« Garantie für die Nichteinmischung un­befugter Politiker in iye Staatslenkung bot, die aber heute, wo es sich um das fernere Geschick des griechischen Volkes handelt, sich als gefährlich erwies. Aus dieser Überzeugung heraus hat denn auch der Minister­präsident Tfaldaris sich entschlossen, seine Karten aufzu­decken und sich offen für die Wiederaufrichtung der Monarchie auszusprechen. Das hat eine allgemeine Er­lösung von bedrückenden Zweifeln gebracht. Tfaldaris, der zwar die völlige Neutralität der Regierung rndieser Frage garantiert hat, ist Führer der bedeutendsten Partei des Landes und als solcher wird er tn den Wahl­kampf eingreifen. . .

Die ehemaligen venezslistischen Parteien lassen «ine deutliche Resignation erkennen. Sie haben sich zwar entschlossen, sich an der Abstimmung zu beteiligen, sehen aber ihre Niederlage voraus und begründen ihre Teil­nahme damit, daß sie dadurch ihren Willen bekunden wollen, auch in Zukunft die Idee der Republik und demokratischen Freiheit zu verfechten. Dennoch kann man aus diesen Erklärungen deutlich heraushören, daß sich die ehemaligen Penizelisten als am Ende be­trachten, daß sie nur noch mit einer letzten großen Geste politisch sterben wollen. ,

Weit wichtiger als die innenpolitiiche Situation and ihre baldige Wendung zur Monarchie sind die außenpolitischen Ausblicke. Die Ereignisse rn Afrika haben in London manche Sorge bereitet. Die Frage der Wiederbefestigung der Dardanellen ist in letzter Zeit brennend,geworden, besonders seit Herr Litwinow eine so bedeutsame Rolle in Genf spielt. Der Wunsch der Russen, ihre Häfen im Schwarzen Meer durch die befestigten Dardanellen zu schützen, geht Hand in Hand mit den Vorstößen der Türken gegen den Ver­trag von Lausanne. Durch eine Wiederaufrichtung der Monarchie in Griechenland bekäme England eine starke Rückendeckung schon allein durch die verwandtschaft­lichen Beziehungen der Leiden Königshäuser, weit mehr aber durch die Lieferungen an Kriegsmaterial nach Griechenland. So ist eine beträchtliche AtMhl Flugzeuge kleinen und großen Formates in England bestellt worden. Die englischen Seestreit- k r ä f t e, die in den griechischen Gewässern kreuzen und die großen Einheiten, die ihren Besuch angekündlgt haben, werden hier mit durchaus freundschaft­lichen Gefühlen betrachtet, während man gegen die Anwesenheit italienischer Einheiten in Rom Protest eingelegt hat. England, das die Sicherheit fernes Weges

Ministerrat in Ankara.

Istanbul, 23. Sept. Angesichts der zunehmenden Ver­schärfung des englisch-italienischen Gegensatzes im Mittel­meer ist der türkische Ministtrrat für Montag nach Ankara einberufen worden. In der Begleitung des Staatspräsiden­ten Atatürk, der am Sonntag mit fast allen Regierungs- mitgliedern nach Ankara abreifte, befand sich auch der Höch st kommandierende. Er wird neben anderen militärischen Sachverständigen am Ministerrat teilnehmen.

Beschlüsse des Obersten Landesverteidigungs­rates in Athen.

Athen, 24. Sept. In den letzten Tagen hat der O b e r st e Rat für Landesverteidigung mehrere Sitzun­gen abgehalten. Den Vorsitz führte Ministerpräsident Tfaldaris. An den Beratungen nahmen teil: Der Kriegsminister, der Marineminister, der Luftfahttminister, der Finanz- und der Autzenminister sowie die Chefs der drei Generalstäbe. Der Oberste Rat faßte sehr wichtige Beschlüsse, die streng geheim gehalten «erben._ Aus guter Quelle verlautet jedoch, daß unter anderen Maßnahmen die Versorgung der bewaffneten Macht mit Kriegsmaterial und

amtigenpreife: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte trn Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Teitteil 45 Rpf-, sonst laut JPteislilte Nr. 4, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Platzen wird leine Gewähr übernommen. — Schlutz der Anzeigen-Annahme 10 Ahr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgegeben Werden.

Kommunistin fei beauftragt gewesen, Schriftstücke und, «inen hohen Geldbetrag an den Sekretär einer kommunistischen Ortsgruppe in der Umgebung von Paris, einem gewissen Lampe, zu übergeben. Es fei außerdem ein überraschen­der Zufall, so schreibt das Blatt weiter, datz man gerade jetzt in Ostfrankreich die Spuren eines gewisien Münzenberg (der berüchtigte ehemalige Abgeordnete des Deutschen Reichs­tages und Herausgeber der „Roten Fahne". Die Schrift!.), entdeckt habe, der als ehemaliger Mitarbeiter des Chefs des politischen Büros der Sowjetbotschaft in Berlin, Petrowski, mit der Leitung der kommunistischen Propaganda in Frank­reich betraut worden fei.

Die Straßburger Polizei nahm am Montag im Ge­bäude der in Straßburg in deutscher Sprache erscheinenden kommunistischen Zeitung „Humanite" eine Haussuchung vor, deren Ergebnis aber geheimgehalten wird.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Dienstag, 24. September 1935.