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Nr. 252.
Sonntag, 15. September 1935.
83. Jahrgang.
Nürnberg in Grinnriung des NeWtnges.
Die Vorbereitungen im Kulturvereinshaus.
Nürnberg, 14. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Die ganze Stadt Nürnberg steht nun in Erwartung des Reichstages, der am Sonntagabend im Nürnberger Kultur Vereins Haus tagen wird. Im Kulturvereinshaus selbst haben bereits die Fraktion der NSDAP, und die Reichstagsverwaltung Büros eingerichtet, in denen es zugeht wie in einem Taubenschlag. Quartiere für die Abgeordneten werden beschafft. Bei den beschränkten Platzverhältnissen ist die Platzeinteilung sehr schwierig. Im Saal wird gehämmert, geklopft, genagelt und gewerkt, um ihn einigermaßen fite die Sitzung herzurichten. Telephonzellen werden aufgestellt, Telephonleitungen gelegt, für die Reichs- tagsstenographen Räume und Pulte hergerichtet.
Der Saal des Kulturvereinshauses ist insofern von einer gewissen geschichtlichen Bedeutung, als die ersten Kongresse auf dem Reichsparteitag der NSDAP, in diesem Saale abgehalten worden sind. So ist dieser
Saal sozusagen eine Station des Kampfes um Deutschland geworden.
Vierhundert Jahre hat Nürnberg keinen Reichstag mehr gesehen. Die letzten Nürnberger Reichstage haben stattgefunden in den Jahren 1522, 1523, 1524, 1542 und 1543. Sie waren aber nicht Zeugnisse deutscher Macht, sondern boten ein Bild der Zersplitterung und des Niederganges der deutschen Reichszentralgewalt. Es war die Zeit der Glaubenskämpfe, der Spaltung zwischen Nord- und Süddeutschland, der Spaltung zwischen den protestantischen Freien Reichsstädten, zu denen auch Nürnberg gehörte, zwischen den evangelischen Fürsten des Nordens seinerseits und den katholischen Fürsten des Südens andererseits.
Nach vierhundert Jahren findet in Nürnberg wieder ein Reichstag statt. Das Bild aber, das sich heute bietet, ist ein anderes. Denn feer Nürnberger Reichstag von 1935 steht im Zeichen der Macht, der Einheit und Geschlossenheit feer deutschen Nation und des Deutschen Reiches.
Wunderbar und ungeheuerlich zugleich."
Englische Blätterstimmen: Ein erstaunlicher Angriff.
Das Auslands-Echo des Parteitages
Starker Eindruck der Goebbels-Rede in Paris.
Paris, 14. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Die fron- z o s i s ch e P resse unterstreicht bei der Betrachtung des gestrigen Verlaufes der Nürnberger Parteitagung in erster Linie die Ausführungen Dr. Goebbels. Sämt- liche Blatter bringen mehr oder weniger lange Auszüge aus den Ausführungen des Reichspropagandaministers, die sie UM größten Teil mit der Überschrift versehen: „D r. Goebbels rechnetmitdemKommunismus a 6.“
Das „Journal" meint, baß es nach der Tagung der Komintern, die fast ausschließlich auf Kosten Deutschlands gegangen sei, unnormal gewesen wär«, wenn bi« Nationalsozialisten nicht den Parteitag dazu benützt hätten, um nicht nur die eigene öffentliche Meinung zu mobilisieren, sondern die ganze Welt auf die rote Gefahr aufmerksam zu machen.
Der Aufmarsch der politischen Leiter der Parteiorganisationen hat auch bei den französischen Sonderberichterstattern mieber einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Der „Matln" sagt u. a., es sei einer der eindrucksvollsten Tage gewesen, der einen Markstein in der Geschichte des neuen Deutschlands darstelle. Die leitenden Männer des Reiches, so schreibt der Sonderberichterstatter des „Journal" hätten das Gefühl für die Masse. Das deutsche Volk erdulde nicht das Regime, sondern fordere es. Sein Herz schlage im Einklang und der Geist denke nur an Einheit. Es sei wunderbar und ungeheuerlich zu gleicher Zeit. Niemand habe das Recht, zu behaupten, daß die Begeisterung nur anscheinend vorhanden sei oder der Gehorsam erzwungen werde. Nein, di« Aufrichtigkeit springe ins Auge. Gang Deutschland denke wie sein Führer. Es sei Wahrscheinlich, daß noch niemals in der Geschichte ein Siaatschef «ine solche Homogenität der Gedanken und eine solche Einstimmigkeit zustande gebracht hätten. Der Sonderberichterstatter des „Figaro" ist der gleichen Auffassung und schreibt, man müsse sich unter das Volk-selbst mischen, um festzustellen, daß es an Hitler glaube, weil es an ihn glauben wolle und diesen Glauben an den Führer brauche.
Loudon, 14. Sept. Die englische Presse bringt heute wieder ausführliche Meldungen über die Ereignisse in Nürnberg. Insbesondere werden die Rede von Dr. Goebbels und die Ansprache des Führers an die Frauenorganisationen und an die Amtswalter angeführt.
Die Rede von Dr. Goebbels über den Bolschewismus nimmt in der „Times" etwa eine halbe Spalte ein. „Daily Telegraph" nennt sie einen erstaunlichen Angriff gegen die Führer Sowjetrußlands. „Daily Mail" schreibt: Die 120 000 Amtswalter standen Schulter an Schulter, und der Donner ihres dreifachen „Heil!" bei der Ankunft Hitlers zeigt ihre Ergebenheit für den Führer und seine Lehre. In Nürnberg werden die besten Köpfe der Partei herangezogen, um die Lehre des Nationalsozialismus darzulegen. Dr. Goebbels habe eine Abrechnung über die schwarzen Tage des Bolschewismus in Deutschland und anderswo und über die schrecklichen Hinrichtungen in Rußland gegeben.
Die dänische Presse.
Kopenhagen. 14. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Die Rede von Dr. Goebbels auf dem Reichsparteitag wird von der dänischen Presse in großer Aufmachung veröffentlicht. Sehr ausführlich werden dabei die Ausführungen des Ministers über die bolschewistische Gefahr und über die Bedrohung der Zivilisation der ganzen Welt Wiedergegeben. Hervorgehoben werden die Angriffe gegen die bolschewistische Regierung und die Feststellung, daß der Bolschewismus eine Kampfdrohung der Untermenschen gegen die Kultur darftelle. Hingewiesen wird ferner auf di« Feststellung des Ministers, bezüglich der großen Zahl der Todesopfer des Bolschewismus und der kommunistischen Terrorakte.
Das Riesengebirgstreffen der Sudetendeutschen Partei von der Tschechoslowakei verboten.
Prag, 13. Sept. Die tschechoslowakischen Behörden haben das für feen kommenden Sonntag in Hohen- e l b e angesetzte Riesengebirgstreffen feer Sufeeten- feeutschen Partei und eine für feen 22. September geplante Tagung in Trautenau verboten. Als Begründung wurde feie durch feie letzten Wahlen entstandene politische Lage angeführt.
Eine für feen 15. September in Reichenberg vorgesehene Kundgebung feer Sudetendeutschen Partei wurde ebenfalls verboten. Eine in Reichenberg abgehaltene Versammlung feer Arbeitslosen, feie in feer Sudeten- feeulschen Partei organisiert sind, wurde während der Rede fees Abgeordneten Hollube aufgelöst. Der Versammlungssaal wurde von einem starken Polizeiaufgebot geräumt.
Beisetzung Huey Songs in Baton Rouge.
Ein Kranz des englischen Königshauses.
Baton Rouge (Louisiana), 13. Sept. Der Senator Huey Lang rourfeet am Donnerstag in feen Anlagen unmittelbar vor feem 30stöckigen staatskapitol unter großer Beteiligung der Bevölkerung und feer Behörden beigesetzt. Vorher waren feie sterblichen Überreste fees Senators in einem kostbaren Kupfersarg im Kapitol aufgebahrt worfeen. Die Zahl feer trauernden Anhänger Längs, größtenteils von weither gekommene Farmer, die tagsüber an der Bahre vorübergezogen, wird auf 100 000 Menschen geschätzt.
Bei feer Beisetzung des Senators Huey L o n g wurden etwa 1200 Blumenspenden am Grabe niefeergelegt. Besonders bemerkt wurde ein kostbarer Orchideenkranz des englischen Königshauses.
Nürnberg—Moskau—Genf.
Während diese Zeilen geschrieben werden, erreicht der Parteikongreß feer NSDAP, in Nürnberg seinen Höhepunkt. Das ganze deutsche Volk ist durch den Rundfunk Zeuge und Teilnehmer dieser historischen und erhebenden Tage. Nürnberg ist zu einem Kiaft- zentrum der deutschen Nation geworden. Der Parteitag ist zu einem Ereignis geworden, das weit über das innenpolitische deutsche Bereich hinausgreift, ^ie überwältigenden Kundgebungen feer Einheit der deutschen Nation, feie gewaltige Demonstration der wieder errungenen Freiheit, die Bekundung feer Kampfentschlossenheit um feie vom Führer proklamierten Ziele, feie wegweisenden Richtlinien für alle Gebiete feer Politik unfe fees Lebens — dies alles sind Erscheinungen, denen mir heute weltpolitische Bedeutung beimessen müssen. Nürnberg ist feer schönste und ergreifendste Ausdruck feer fe e u t s ch e n W i e fe e r g e - burt, es ist die Manifestation einer durch feen Nationalsozialismus, durch das geniale Werk des Führers eingeleiteten neuen deutschen Renaissance.
Zn das Miterleben dieser Tage mischt sich das Gefühl einer tiefen Dankbarkeit, feie — so glauben wir — die Herzen aller Deutschen erfassen muß, die fähig sind, das Glück einer großen Zeit zu erleben. Man wird Nürnberg und den. Genius dieser Nürnberger Tage nur dann ganz erfassen, wenn man sich vor- stellt, was gewesen ist, und was hätte kommen können, was aus feem deutschen Volke geworden wäre, wenn der Führer und seine nationalsozialistische Bewegung die Epoche dieses Nachkriegsverfalles nicht beendet hätten, wenn es, mit anderen Worten, heute kein „Nürnberg" gäbe.
Unfe wir meinen, daß der große Inbegriff dieses Parteikongresses der Freiheit erst dann vollkommen und plastisch wird, wenn wir das Geschehen dieser Tage auch in Beziehung zur Umwelt bringen, wenn wir es m Gleichung setzen zu feer brodelnden und nervösen Politik, feie heute feie Welt mehr erschüttert als beruhigt.
Wir haben das Glück, nicht nur Zeugen, sondern jeder auf seinem Posten, auch Mitarbeiter eines neuen und großen Aufstieges der deutschen Nation zu sein. Der Führer unfe Reichskanzler hat feem deutschen Volke das große Geschenk feer Gleichberechtigung gegeben, er hat der Nation durch feie Wiederaufrichtung der deutschen Wehrmacht die äußere und innere Freiheit geschenkt, er hat den Verfall der Wirtschaft nicht nur aufgehalten, sondern das Steuer fees Niederganges und feer wachsenden Verarmung jäh herumgerissen, er hat das Kulturleben Deutschlands wieder gleichgerichtet, er hat ein Werk in Angriff genommen, das, wohin wir auch blicken, immer nur der Größe, feer Macht, der Kraft, feer Einigkeit und der Herrlichkeit des deutschen Vaterlandes gilt.
Wir haben^vor einigen Wochen einen anderen Kongreß erlebt. Zn Moskau tagte feie Kommunistische Internationale, feie, unter feem Schutze und feem Patronat der bolschewistischen Räteregierung, der Welt einen verbrecherischen Kampf ansagte. Der Führer und fein Stellvertreter haben in Nürnberg zur Frage des Kommunismus erneut Stellung genommen und feie rücksichtslose Feindschaft gegen diese vernichtende Idee proklamiert. Damit steht, auch von feer Kanzel Nürnbergs klar abgegrenzt, feie deutsche Stellung im mitteleuropäischen Raum: das nationalsozialistische Deutschland ist feer Schutzwall, das unüberwindliche Bollwerk gegen feie asiatisch-bolschewistische Lehre. Deutschland ist ein Bollwerk nicht nur im machtpolitischen Sinne, sondern auch in seiner geistigen Potenz. Je mehr die nationalsozialistische Idee Adolf Hitlers als Weltanschauung den deutschen Menschen erfaßt, um so unempfindlicher wird er gegen feen Moskauer Bazillus. Dieser Vorgang feer deutschen Selbstbesinnung, feer Volkwerdung, ist heute so weit abgeschlossen, daß feie überwältigende Mehrheit unseres Volkes sich dem Nationalsozialismus verschrieben hat.
In dieser Gleichrichtung des deutschen Geistes, (die mit der „Gleichschaltung" nichts mehr zu tun hat. weil sie einer inneren, seelischen Bereitschaft zum Bekenntnis und zu ehrlicher Mitarbeit entspringt), liegt, neben der machtpolitischen Entwicklung, eine ungeheure Kraft- re)eroe feer erwachten deutschen Nation.
Es. ist eine Kraftreserve, feie auch außen- polittsch wirkt: feie Kraft der Einigkeit unfe feer Einsatzbereitschaft, feie sich auf feer nationalsozialistischen Idee und auf feer Erkenntnis feer Lebensnotwendigkeiten feer deutschen Nation aufbaut!
Wir find in diesen Tagen Zeugen eines anderen politischen Kongreßes. In Genf tagte der Völkerbundsrat und jetzt die Völkerbundsversammlung. Der englische Außenminister Sir Samuel Hoare hat eine mebe gehalten, die indirekt das Eingeständnis der Schwache und des Versagens fees Völkerbunds enthält.
