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Leichte Entspannung in Gens
-Völkerbundsrat
Groteske Wahltechnik.
Nach beit bisher aus Korona bekannt geworbenen Vorschriften Mrd bie technische Durchführung bei Wahl vom 29. September vermutlich so eigenartig sein, baß zum Vergleich bie Wahlbestimmungen keines eroberen Landes herangezogen werben können. So wirb jeder Wähler nicht eine Stimme, sondern 29 Stimmen haben, b. h., da ber memellänbische Landtag im ganzen 29 Abgeordnetensitze zählt, wirb jeder Wähler sich sozusagen seinen eigenen Landtag wählen. Weiter: Jeder Wähler bekommt am Wahltisch einen Block von Stimmzetteln ausgehänbigt, und auf diesem Block befinden sich so viele Stimmzettel wie insgesamt von den verschiedenen Parteien Kandidaten aufgestellt worden sind. Unter diesen Umständen braucht, schlecht gerechnet, jeder Wähler etwa 5 Minuten,
Abstecher nach Tokio.
Besuch des amerikauische» Kriegsministers und von 50 Kongrehmitgliedern in der japanischen Hauptstadt?
Washington, 6. Sept. Der amerikanische Kriegsminister Dein erklärte, dah er von Präsident Roosevelt bei den Feierlichkerten aus Anlass der Gründung des selbständigen pyilippini-schen Staatswesens am 15. November in Manila vertreten werde. Bei dieser Gelegenheit wolle er, wenn das Staatsdepartement damit einverstanden sei, einen A b - steche r nach Tokio machen. Seine Ausreise erfolge ungefähr am 1. Oktober in San Franzisko auf einem Kreuzer. Die Reise gehe über Hawai und Jokohama nach Tokio. Von bprt begebe er sich nach Schanghai und dann nach Manila. Dre Rückfahrt werde voraussichtlich über Guam. auf den Marianen erfolgen.
Ungefähr gleichartig plant eine Gruppe von 40 bis 50 Kongrehmitgliedern, die unter Führung des Vizepräsidenten Garners ebenfalls an den Feierlichkeiten in Manila auf Einladung der Regierung der Philippinen teilnehmen, einen Besuch in Tokio.
Das Zustandekommen des Fünferausschusses
ei« persönlicher Ersolg des polnischen Auhenministers Beck.
Warschau, 7. Sept. (Erg. Drahtmeldung.) Die Genfer Berichte der polnischen Blätter unterstreichen das Zustande- kommen des Fünferausschuffes als persönlichen Erfolg des polnischen Augenministers Beck, dem es gelungen fei, die Zustimmung des italienischen Vertreters^ zu diesem Ausschuh zu erzielen.
,Die sachliche Lage in Genf wird von „Gazeta Polska dahin gekennzeichnet, dah durch die Bildung des Funferausschusses zwar der Krieg noch nicht verhindert sei. Es sei aber doch eine sehr reale Grundlage für die weiteren Anstrengungen geschaffen worden, nicht nur den Streitfall beizulegen, sondern auch seine Ursache zu beieitigen. Man habe im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten einen geeigneten Weg für die Ansprüche des italienischen Volkes gefunden. ,
Hand nehme. Die Italiener in Genf glaubten nicht, dah Mussolini sein politisches Ziel erreichen könne, wenn nicht seine 200 000 Mann tief ins Innere Abessiniens vorgedrunqen ™ "n würde eine annehmbare Regelung nach italienischer Meinung nicht schwierig sein.
Der Fall Professor Jtzze.
. Paris, 7. Sept. Das „Echo de Paris" erfahrt ans Genf, der Fall des französischen Professors I ö z e, des Rechtsbeistandes Abesfinrens, solle dahin geregelt werden, dah von nun ab der abessinische Gesandte in Paris H a w a r i a t e in Genf die Auslassungen des Professors Jbze verlesen werde.
Das Echo von Paris.
. Die Bildung des Berichterstattungsausschusses in Genf wird von der Pariser Morgenpresse als sichtbares Zeichen einer leichten Entspannung gedeutet.
_ Nur der „Petit Parisien" geht'jedoch soweit, in dieser s-atsache bereits den ersten Schritt der Anwendung des 8 15 der Völkerbundssatzung zu erblicken. Häufiger hört man die bescheidene Formel: „Ein Mindestmass von Verständigung bleibt im Rahmen des Mögliche n".
Nichtsdestoweniger gehen die Blätter auf die Ver- strlckung der Begriffe im vorliegenden Streitfall immer wieder ein. Der „Exoelsior" sagt, marxistische Ideologen hatten Genfer Ideologien annektiert, die auf der unbedingten Achtung der weltbeherrschenden Nationalitäten begründ^ seien, also eine; Art p azi fist i sch - r e v o l u t i o- reuzung zwischen Wilsonschen Träumen und Lehrsätzen der zweiten und dritten Internationale. Unter Berufung auf diese neue Bibel könnte Genf, wenn man nicht aufpasse, in der Welt blutigere Kämpfe heraufbeschwöten, als es die früheren Religionskriege waren.
Der „Ami du Peuple" erklärt: England sei liberal und parlamentarisch, Italien antiliberal und antiparlamen- tarisch, und zum Arger der Engländer scheine Italien diese Einstellung Glück zu bringen. Also will England gegenwärtig wohl weniger die Nilgegend schützen oder sich Petroleum schaffen, als vielmehr eine andere Herrschaftsform im Innern treffen.
Skeptische Auffassung in London.
London, 7. Sept. Der Sonderberichterstatter der „Times" in Genf schreibt, der Nachteil des Fünferausschusses sei, dass er einen weiteren Aufschub bedeute. Man brauche keine übertriebenen Hoffnungen auf ihn zu setzen. Seine Arbeit sei derartig begrenzt, dass die Aussichten einer Regelung nicht glänzend seien. Ein Erfolg fei nur möglich, wenn entweder die Italiener angesichts des unge- heuren Widerstandes gegen ihre Politik und ihre Methoden in Genf die zuerst abgslehnten Vorschläge erneut erwägen würben, oder wenn der Ausschuss selbst die Vorschläge anziehender für Italien machen würde. Man glaubt aber, dah Mussolini auf ein italienisches Völker- bundsmandat über ganz Abessinien bringe. Dies wurde er als volle Befriedigung der Ansprüche ' im- sehen. Abessinien sei offenbar bereit, so gut wie jedem Zugeständnis zuzustimmen, das seine nationale Selbständigkeit nicht zerstöre.
Der Korrespondent berichtet noch, dass wie nachträglich bekannt geworden sei, Litwinow am Donnerstag eine Ginlabung, bem Fünferausschuss anzugehören, abgelehnt habe, weil er ihn als eine Fassade bet rächte, hinter der der Völkerbundsrat sich seiner Verantwortung entzieh e n w o l l e. Litwinow habe dann später während ber öffentlichen Sitzung seine kraftvolle Rede gehalten, um dieser Entscheidung entgegenzuarbeiten.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Herald" begrüßte die Ernennung des Ausschusses als Ergebnis ber bewiesenen Festigkeit. Er sagt, die Italiener verstanden jetzt die Möglichkeiten der Lage besser. Die öffentliche Meinung der Welt sei ein starker Faktor. Die Unterstützung der Völkerbundssatzung sei eindrucksvoll. Nächste Woche weide noch der moralische Druck der Völkerbmrdsverfaimnlung htn- zukommen, auf der wahrscheinlich de Valera den Vorsitz führen werde. Manches deute darauf hin, dass Rom mindestens bereitwilliger sei, eine friedliche Lösung zu erwägen, als zur Zeit der Pariser Besprechungen. Ein Ersolg sei nicht gerade wahrscheinlich, aber auch nicht so unmöglich, wie es noch vor kurzem schien.
Unter Berufung auf di« erfolgreiche Verwendung einer internationalen Streitmacht im Saargebiet, habe, wie der „Daily Telegraph" berichtet, Laval nunmehr die Mitglieder des Völkerbunds eingeladen, eine internationale Gendarmerietruppe für den Polizei- dienstin Abessinien zur Verfügung zu stellen. Ein solcher Vorschlag würde natürlich allgemeine Anfragen der Delegierten bei ihren Regierungen notwendig machen. Aus Kreisen der italienischen Abordnung ist dem Berichterstatter aber, versichert worden, dass Italien sich nur dann zufrieden geben würde, wenn sich ber Völkerbund die italienische Verurteilung A b es sinkens zu ei gen macht. Italien wolle offenbar den grössten Teil Abessiniens in Besitz nehmen und fei keineswegs damit einverstanden, dass der Völkerbund die Aufrechterhaltung der Ordnung in dem Lande in die eigene
Das „Oeuvre" bringt eine Anzahl Genfer Berichte. Nach dem Blatt wird im Kriegsfall Frankreich eine Neutralisierung der Eisenbahn Addis Abeba —Dschibuti anstreben müssen, nicht zuletzt um die Abbeförderung der Kranken und Verwundeten aufrecht zu erhalten. Nach Ansicht des „Echo de Paris" bat sich die Haltung Italiens zumindest vorÄbergebend, wohl aber auch nur oberflächlich, etwas geändert. Die abessinische Frage habe sich von der Lime Addis Abeba nach der Linie Rom—Völkerbundsrat verschoben.
Der „Quotidien" macht einen Vorstoss gegen bie Politik Lavals. Das Blatt erklärt, Laval stehe in Meinungsverschiedenheiten jur französischen öffentlichen Meinung, zur englischen Politik, zu den Wünschen der Linkspolitiker und zu seinem Freunde urtb Verbündeten Litwinow. Herriot hat doch wohl hoffentlich nicht vergessen, dass er sich zum Beschützer der kleinen Nationen erklärt hcwe.
Das Memelland setzt sich zur Wehr.
Der Endkampf um das kulturelle Eigenleben des Memelgebietes hat jetzt eingesetzt. Seit nunmehr elf Zähren ist diese erbitterte Auseinandersetzung an der äussersten Nordostgrenze des Reiches zwischen dem deutschen Volkstum und der litauischen Regierung im (Sange, b. h. seit Bestehen des Memelstatutes, das die gesetzliche Grundlage für die vorangegangene ge-walt- samte Annektierung durch Litauen bildet. Das war im Zähre 1924. Die schwerste Zeit aber brach für das Bceinelgebiet Anfang 1930 an, denn damals ging die litauische Regierung zum Generalangriff vor, und seitdem ist man dort nicht mehr zur Ruhe gekommen. Vier W ahlen zum memelländischen Landtag und eine Wahl zum litauischen Sejm — diese letzte natürlich -in ihrem memelländischen Teilergebnis — haben immer wieder bewiesen, dass die Mehrheit des deutschen Volks- teiles im Memelland gewaltig -ist. Gerade deshalb hat aber d-ie litauische Regi-erun-g die ganze Zeit hindurch Willkürmaßnahmen und Verstöße gegen das Statut begangen, die das Ergebnis dieser Wahlen für die po-li-tische Praxis wertlos machen sollten. Die Verwaltung des Memelgebietes bis hinunter zu den Gemeindevorstehern ist völlig in litauischen Händen, und wenn nun nach der Exekutive auch noch die Legislative in die Hand der litauischen Regierung kommen würde, jo würde es möglich werden, alle bisherigen Rechtsbrüche zu legalisieren. Dann wäre der einheimische Wille der Bevölkerung ausgeschaltet und der Wille der litauischen Regierung völlig an seine Stelle getreten.
Die Liste der Schikanen.
Es -ist ganz unmöglich, in diesem Rahmen eines kurzen Berichtes die Willkürmaßnahmen und Schikanen der litauischen Regierung einiger-maßen vollzählig aufzuführeu. Aber schon wenn man -sich auf die wesentlichsten Verstöße beschränkt, ergibt sich eine außerordentlich stattliche Liste. Genannt feien hier nur das Staatsno^esetz, das die Verteidigung der autonomen Rechte -mit Zuchthausstrafen bedroht, weiter die widerrechtliche Übertragung der Veamtenernennung auf den litauischen Gouverneur, die Ausweisung zahlreicher deutscher Beamter, die seinerzeitige Amtsenthebung des rechtmäßigen L-andesprästdenten und seine Ersetzung durch einen Eroßlitauer, die widerrechtliche Einsetzung eines litauischen Direktoriums und schließlich das rein politisch zu bewertende Fehlurteil von Kowno im Prozeß gegen 123 Memelländer, das im März dieses Jahres gefällt wurde. Aber bei alledem ist man nicht stehengeblieben. Eine der wesentlichsten Maßnahmen, die litauischen Stimmen im Memelgebiet künstlich zu vevmchren, ist vor allem in der systematischen Einbürgerung »an Tausenden von Großlitauern in Memel zu sehen, die unter Umgehung der gel-tenden Bestimmungen das Wahlrecht erhalten sollen. Es sind eine ganze Reihe von sogenannten Einbürgerungsbüros errichtet worden, die gegenwärtig eine angestrengte Tätigkeit entfalten, und es läßt sich ohne weiteres sagen, daß schätzungsweise 7000 bis 8000 neu zug-ezogene Litauer bis zum Wahltage, dem 29 September, eingebürgert sein werden, wenndi-ef-eEinbürgerungen indem bisherigen Maße fortgesetzt werden. Die Methode-findet ihr Gegenstück in denPaßbeanstandungen memel-ländischer Bürger, die den Zweck haben, diesen Staatsangehörigen das aktive Wahlrecht zu entziehen. Allein in -der Stadt Memel sind bisher auf diese Weise 14 800 Ausbürgerungen vorgenommen worden — bei 70 000 Stimmberechtigten im gesamten Memelgebiet! Diese letzte Methode hat man auch bei dem ehemaligen Präsidenten Dr. Schreiber und dem Memeler Oberbürgermeister Dr. Brindlinger angewandt. Schließlich sei erwähnt, daß im Memelland seit 9 Jahren der Kriegszustand besteht, der die int Artikel 33 des Memelstatutes gewährleistete Versammlung-, Rede-, Presse- und Gewissensfreiheit einseitig zuungunsten der memÄländi- ichen Parteien aufhebt.
Französische Munition für Italien.
Paris, 7. Sept. (Tig. Drahtmeldung.) Der „Popul-a-i-re" berichtet ohne Quellenangabe, dass Frankreich Mun-i-tt-on an Italien liefere. Am Freitag gegen Mittag seien vier Muni- ttonszü-ge, aus Lyon kommend, in Modena eingelaufen.
Italienische Propaganda in Apypten.
London, 7. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Der politische Mitarbeiter der „Morning Post" schreibt, Nachrichten über -italienische Propaganda in Ägypten feien in Lo-noon ernst ausgenommen worden. Es h-sisse, dass ein ausgedehnter Feldzug geführt werbe, um die nationalistische Wafd-Pa-r- tei und andere unzufriedene und extreme politische Elemente aufzureizen, sich den italienisch-abessim-fche-u Streitfall zunutze zu machen. Man glaube, das Endziel dieses Feldzuges fei, jeden Schritt, den England mit den Völ-kerbundsrnäch-ien tun sollte, um einen Streit in Abessinien einzuschräuken oder zu verhindern, mit einer politischenEr Hebung zu begleiten. In London werde erklärt, Großbritannien habe freundschaftliche Beziehungen zu Italien und bemühe sich nur um eme freundschaftliche Regelung. Unter solchen Umständen sollte bie italienische Regierung sofort Schritte zur A b - st e l l uu g der Propaganda unternehmen.
Die Stimmung in Addis Abeba.
Addis Abeba, 6. Sept. Die Berichte von der Genfer Ratstagung treffen nur spärlich in der Hauptstadt ein. Der Kaiser erklärte Freitagoormittag vor Pressevertretern, dass die Entscheidung über Frieden öder Krieg nunmehr in den Händen des Völkerbundes liege. Entschlüsse der Regierung sind am Freitag nicht getroffen worden, da weitere Berichte aus Genf abgewartet werden. Die drei ausländischen Berater des Kaisers begeben sich zu einem zweitägigen Wochenende in die Umgebung.
Inzwischen sind die indischen Truppen zum Schutz der englischen Gesandtschaft eingetroffen. Meldungen, wonach in Harrar Unruhen ausgebrochen sein sollen, werden amtlich Dementiert. Die Europäer verlegen ihren Wohnsitz von Harrar nach Diredaua an der Grenze nach Französisch- somaliland. Auf Anordnung der Regierung werden bei der Funkstation bombensichere Keller angelegt.
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Lrahtanschrist: Tagblatt ÜBiesbaSen.
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