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Sch-Nenbng'sch- H-fb-chdruckerei, »Dagblatt-Hau,-. Wöchentlich ftÄre? 7 Ausgaben Erscheinungszeitt

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L.

mit einer täglichen

Nnterhaltnngsbeilage.

Berliner Büro: Berlin-Wümersdorf.

Postscheckkonto: Frankfurt Di. Nr. 7405.

83. Jahrgang.

Blick in die Welt

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Die Einberufung der 200000 Italiener

Die große

Wahlen in Polen.

Wahlen im

Staatssekretär Hüll über die Ol-Konzession.

Washington, 6. Sept. Staatssekretär Hüll nahm in einer Erklärung zu verschiedenen Pressemeldungen Stellung, wo­nach der Kaiser von Abessinien dem amerikanischen Ge­sandten angeblich scharfe mündliche Vorhaltun­gen über die Haltung der Vereinigten Staa­ten in der Konzessionsfrage gemacht habe. Demgegenüber erklärte der Staatssekretär, daß im Staatsdepartement kein derartiger Bericht vorläge. Wie gleichzeitig aus Addis Abeba gemeldet wird, hat der dortige amerikanische Gesandte van Engert derartige Meldungen' als absurd und unbe­gründet bezeichnet.

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die Suche nach der rettendem Formel be- herrscht alles, obwohl man aus langjähriger Erfahrung wissen müßte, daß diese Formel, wenn sie gefunden Wird, höchstens die Brücke über formal juristische Meinungsverschiedenheiten schlägt, dass sie aber kaum femals die «wirklichen Entscheidungen beeinflussen kann. Das weiß man in Genf genauer als irgendwo sonst. Und das gilt auchfür den Verlaufdsr jetzigen großen inter­nationalen Krise, die entschieden werden wird durch die direkten Verhandlungen der Großmächte untereinander, in welcher Form das auch immer ge­schehen mag, oder auch durch andere Mittel, die völlig außerhalb der politischMplomatischen Sphäre liegen. Das muß man sich immer vor Augen halten, wenn man sich mühsam durch das Labyrinth der wider­spruchsvollen Meldungen und stimmungsmäßigen Be­richte hindurch arbeitet, die in diesen Tagen ohne Zahl aus der Stadt des Völkerbundes einlwufen.

Im Augenblick überschatten die ernsten Ereignisse, die mit Abessinien „ zusammenhängen, alle Außenpolitik. Die Entscheidung. Diplomaten, die, jetzt in Genf oer- att. 7- sammelt sind, wissen, daß es nicht nur um Abessinren, daß es um mehr geht. Da hat man nun m Versailles zusammengesessen und feierlich eine neue Weltordnnng beschlossen, eine Weltordnung, die noch nicht einmal 20 Jahre halten konnte, weil sie' aus Siegeshochmut und brutalem Egoismus gebildet worden ist. Die großen Worte «der Gerechtig­keit sind eben nur Phrasen geblieben. Für diese großen Worte war der Völkerbund da. Jetzt ist die Stunde gekommen, wo sich nun zeigen soll, ob diese Genfer Ein­richtung wirklich ein Hort für Recht und Gerechtigkeit ist oder ob der Völkerbund, wie wir fürchten müssen lediglich eine Einrichtung ist, um unter dem Deck­mantel eines sogenannten Völkerrechts politische Geschäfte tätigen zu können. Die Stunde ist ernst, bitter ernst. Wir stehen außerhalb der Diskussion und außerhalb -der Gefahrsnzone, aber es ist die Pflicht der deutschen Politik, genau zu beachten was vorgeht. Was hat man der deutschen Außenpolitik nicht alles für schwarze Pläne angedi-chtet? In Wirklichkeit wurden an ganz anderen Stellen die schwärzesten Pläne entworfen. Wie der Völkerbund aus dieser Zwickmühle heraus- kominen soll, ohne nicht selbst zu zerspringen, bleibt einfach unerdenklich.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groh-Wiesbadens.

Samstag, 7. September 1935.

Kein Tauglicher von der Wehrpflicht ausgenommen.

Rom, 6. Sept. Die von Mussolini in Bozen ange­kündigte Einberufung von weiteren 200 000 Mann unter die Waffen wird, wie man jetzt amtlich mitteilt, in der Form durchgeführt, daß alle Wehrpflichtigen der Jahresklassen 1911 6 i s 1914, die bisher aus beson­deren familiären Gründen ihrer Dienstpflicht nicht zu ge­nügen hatten, ein gezogen werden. Aus jedem Jahr­gang können auf diese Weise unter Abzug eines Hundertsatzes für Ausnahmefälle noch durchschnittlich 50 000 Mann einge­zogen werden. Ihre Dienstzeit, die normalerweise für ihre Gruppe nur drei Monate betragen würde, wird auf die all­gemein in Italien gültige Dauer von 18 Monaten ausge­dehnt. Bekanntlich wurde vor kurzem in Italien gesetzlich bestimmt, daß kein Diensttauglicher mchr von der allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen werden kann.

reiches schädlich: der Weg nach Indien, die Linie Kairo- Kapstadt, die Flottenbasis von Aden feien von Italien be­droht. Das Blatt bezeichnet diese Auffassung als das Ergeb­nis eines verständnislosen Jrrtumes, demgegenüber Italien von der Sicherheit seines eigenen Imperiums sprechen müsse. Niemand könne heute leugnen, daß Italien in den Rang der Weltmächte eingetreten sei, und wenn man behaupte, die Anwesenheit Italiens in „ganz" Ostafrika sei, für die Interessen des englischen Weltreiches schädlich, so müsse man Mgeben, daß das Gleiche für die Anwesenheit Englands auf Meeren, an Küsten und Stützpunkten in der Zone her italienischen Weltmacht gesagt werden könne. Eng­land im ägyptischen Alexandria sei ebenso gefährlich wie Italien in Addis Abeba: Aden, Malta und Gibraltar seien eine Bedrohung für das italienische Mittelmeer, Cypern und Haifa eine Gefahr für Rhodos. Man sehe, wohin man mit einer solchen Be­trachtungsweise komme, und Italien könnte Mr seine Sicher­heit sehr wohl den Ausschluß Englands aus Ägyp­ten verlangen, wie ein« ähnliche Forderung angesichts der bevorstehenden Intervention Italiens in Abessinien erhoben werde.

Italien behaupte aber nicht, daß die englischen Stütz­punkte eine tatsächliche Gefahr für es darstellten, und bestreite ebenso, daß seine Aktion in Abessinien den Interessen des eirg- lischen Weltreiches schädlich sei. Man brauche sich nur rea­listisch auf den Boden der Gleichberechtigung zu stellen; sonst müsse Italien ebenfalls das Problem der Sicherheit seines Imperiums stellen.

In der Mitte des Monats September finden zum erstenmal nach dem neuen Wahl­gesetz die Wahlen zu dem polnischen Parla­ment statt. Diese Wahlen sind ja vor allem auch deshalb bedeutungsvoll, weil sie zum erstenmal nach dem Tode -des großen Marschalls Pilsudski

stattfinden.

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Problematische Ausgleichswünsche.

Berlin, 7. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Wenn es nun doch nach großen Schwierig­keiten gelungen ist, in Genf einen Schlich tungs- a-usschuß zu -bilden, der im Namen des VA-kerbundes ?un die schwere Aufgabe einer Vermittlung im abessini­schen Konflikt auf sich nehmen soll, so darf -man^diesen Erfolg nicht überschätzen, auch nicht, wenn er durch ein Nachgeben Jtali-ens erzielt worden ist. Viel­leicht hat bei der italienischen Delegation der Wunsch bestanden, die Gelegenheit zu ergreifen, u-m zu beweisen, daß man mit der Donnerstagsdonwn-stration durchaus nicht eine grundsätzliche Weigerung verbindet, über­haupt mit dem Völkerbund in irgend einer Form zu- sammenzuarbeitsn. Die englische und zum Teil auch die französische Öffentlichkeit haben ja ziemlich verständnis­los die schroffe italienische Haltung ausge­nommen, und aus London lagen am Freitag Berichte vor, aus denen hervorging, daß der Donnerstagabend die Wirkung gehabt habe, Frankreich näher an England heranzubringen, als das seit langem der Fall war. Das ist natürf-ich auch in Italien nicht verborgen geblieben, und die indirekte Zustimmung zu der Bildung eines Ausschusses, in dem wohl England und Frankreich, nicht aber Italien vertreten sind, kann -unter diesen Um­ständen als den Versuch eines Ausgleiches jener nachteiligen Wirkungen ausersehen werden Außerdem muß man berücksichtigen, daß bei der ziemlich engen Freundschaft zwischen Rom und Warschau durch die Anwesenheit Polens imAusschuß auch Italien g-ewisseEin- flußmöglichkeiten auf seine Entschließungen haben wird, ebenso wie das für die Sowjetunion bei ihrer Freund­schaft mit Ankar-a durch die Anwesenheit der Türkei in dem gleichen Ausschuß der Fall sein dürfte. Bei Beur­teilung der Vorgänge in Genf muß man sich, allgemein gesprochen, davor hüten, daß man sich allzu sehr in Einzelheiten verliert, die leicht den Blick vom Wesent­lichen ailenken können. Es ist ganz unmöglich zu sagen, wie viel Ausschüsse schon im Laufe der Geschichte des Völkerbundes gebildet worden sind, die den gleichen Zweck hatten, in einem ähnlichen Streitfälle zwischen zwei Parteien zu vermitteln. Immer bot sich bei solchen Gelegenheiten dasselbe Bild, das sich auch heute bietet-

Die alte politische Opposition in Polen hat beim Tode des Marschalls, auf den sie in den letzten Jähsten bereits gewartet hatte, selbstverständlich neue Hoffnungen geschöpft, in absehbarer Zeit wieder an der Staatsmacht beteiligt zu werden. Die Bauernpartei und die Sozialisten haben dem toten Marschall die Huldigungen dargebracht, die sie dem Lebenden vorenthielten. Die Rationaldemokraten da­gegen haben den Marschall größtenteils mit ihrem Haß bis ins Grab verfolgt. Dis Rechtsopposition kann aber auf die Dauer nur hoffen, bei einer inneren Zersetzung des Lagers der Pilfudski-Leute wieder zu Einfluß auf den Staat zu gelangen, und in dieser Richtung gehen natür­lich auch die Hoffnungen -der Linksopposition. Für die nächste Zeit scheinen diese Hoffnungen jedoch wenig real zu sein; jedenfalls bieten die kom­menden Wahlen keinen Anlaß, um-diese Hoffnungen zu verwirklichen. Der Pi-Isuds-ki-Block wird, das kann man schon von vornherein sagen, den Sieg davontragen. Be­dauerlich bleibt, daß das neue polnische Parla­ment keine deutschen Vertreter haben wird. Die außenpolitische Angleichung Mischen Deutschland und Polen hat sich bis jetzt innenpolitisch in Polen im

Italienischem gegen britisches Imperium.

Rom, 6. Sept. Das führende Zentralorgan des italie­nischen Kolonial-gedankens, die „Azione Coloniale", verlangt im heutigen Leitartikel volle Handlungsfreiheit für Italien und betont dabei, daß die englischen Interessen in Ostafrika nach Form und Inhalt sich zum Schaden Italiens entwickelt hätten. England behaupte, die italienische Aktion in Ost­afrika sei für seine Interessen und die Sicherheit feines Welt-

Schon wieder kommt aus dem Memel- gebi-et. Kunde von einem Übergriff m v -litauischer Politiker. Einer der Memellaud. führenden -deutschen Männer -des Memol- x ge-bietes ist Dr. Schreiber, der durch das Vertrauen seiner Mitbürger an -die Spitze der Ein- hettsliste der Deutschen gestellt wurde. Diesen Dr. Schreiber kennt im Mem-elgebiet jedes Kind und seine Persönlichkeit bot für alle Deutschen Gewähr genug für eine kraftvolle und charakterliche Vertretung im Parla­ment. Das wußten auch die Litauer und deshalb wird letzt der Versuch gemacht, diesen Mann von der Ein­heitsliste zu entfernen. Man kommt jetzt mit lächer­lichen Argumenten und behauptet, Dr. Schreiber sei gar kein Memelländer. Dabei wohnt Dr. Schreiber I-eit 13 Jahren im Memelgebiet. Er hat sich führend am öffentlichen Leben beteiligt. Er ist seinerzeit vom Gouverneur zum Präsidenten des memelländischen Landtages ernannt worden und er hat, damit auch allen Formen genügt wurde, für Litauen optiert. Trotzdem wird jetzt versucht, ihn auf diese Weise kalt zu stellen. Eins kommt zum anderen. Da sind die litauischen Wahl-ausschüsse, da ist die merkwürdi-ge Ge­bietseinteilung, da ist das litauische Militär, das zu den Bauern in die Quartiere gelegt wird und wer weiß, was bis zum Wahltag sich sonst ereignen wird. Nun, die Herren Litauer mig-en machen was sie wollen, die -m-emellän-dischen deutschen Wähler werden ihnen trotz alledem die Antwort am Wahltag nicht schuldig bleroen.

Weltgeschichte und Politik.

„Mister Smith" zieht kritische Vergleiche.

as. Berlin, 7. Sept. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) „Paris Soir" veröffentlicht einen interessanten Bericht aus London, der eine Unter re-dung seines Berichterstatters mit einem hervorragenden konservativen Londoner Bankier schildert. Der Bericht nennt diesen Bankier „Mister Smith", was natürlich lediglich ein Pseud­onym bedeutet. Der Bericht gibt eilt Bild von der durch­schnittlichen Stimmung die in den maßgebenden eng­lischen Wirtschaftskreisen herrscht und die se-hr kritisch gegenüber Italien und -dessen Erfolg­aussichten im Ernstfall zu sein scheinen. Der ge­nannte Mister Smith erklärt nämlich, daß Mussolini sich vielleicht schon in Ägypten -sehe, um die Politik eines Antonius oder eines Bonaparte zu wiederholen. Es gebe aber eine Sache, die Mussolini nicht genügend überlege, näm­lich daß die alten Römer der heutigen Zeit die Engländer seien. Rom sei nicht mehr' Rom, und die Italiener seien nicht mehr die Römer Lasars. Das Genie der Politik liege in England. Die Unterredung gibt deutlich den durch Mussolini verletzten englischen Stolz und den Wider stand der englischen Reichspolitik wieder.

Erste Probefahrt des „ß. Z. 129"

voraussichtlich am 15. Dezember 1935.

Friedrichshafen, 7. Sept. Das im Bau befindliche Luftschiff „L. Z. 129" wird Anfang Dezember seiner Vollendung entgegengehen. Gün­stiges Wetter vorausgesetzt, wird die erste Probefahrt am 15. Dezember d. I. erfolgen. Der erste Start des neuen Luftriefen kann sich je nach der Wetterlage noch u-m einige Tage »«schieben.

3er WchtuiWuWd Met Auf der Suche nach der rettenden Formel.

Drahtanschrift: Dagblatt Wiesbaden.

Nr. 244.