fcbaihwr Tagblatt
SSÄÄÄST Wöchentlich & . 7 A°-g-b-n __SSS* _
5.
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mit einer täglichen
Unterhaltungsbeilage.
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83. Jahrgang.
en4 [ Aloisi bei Baldwin? —
S. 9.1
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21.
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1935 Briet
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Eine Rede des abessinischen Gesandten in London.
107.80 1074.
Werktäglich nachmittags, Samstag» vor- n. nachmittags Sernsprecher-Sammel-Rr. 59631.
Eeschästszest: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, nutzer Sonn» und Feiertags.
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»Laht uns 20 Jahre in Frieden leben."
Auf keinen Fall wird Abessinien italienische Kolonie.
Am Ende dieses Abschnittes, so kann ich Ihnen versichern, l würden die Abessinier soweit vorwärts gekommen fern, tote nur jemand wünschen kann. Indessen scheint Mussolini Zu glauben, die sofortige Tötung der meisten ? von uns sei die beste Methode, uns zu erziehen U u dz u zivilisieren. Ich persönlich gestatte mir unter« tauig st diesen Standpunkt nicht teilen zu können und wenn
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Ratstagung und Marschbefehl.
Ein Schiedsspruch, der keinem wehe tut. — Außerordentlicher Ministerrat in Rom.
, Am 15. September
Beginn des italienischen Vormarsches.
- 9rhtemi^CiIilIsn?4; bept. (Drahtbericht unserer Berliner fei Mit einer gewiffen Spannung, aber ohne
aus ein günstiges Ergebnis, sieht hl«rt'«n^er4mi ätschen Kreisen der heute beginnen- i .en Ratstagung entgegen. Unmittelbar vor ihrem Be- nn.J77iöIe.- ~“-9un9 kann nicht nur für den abessinischen t. sondern vielleicht für die Existenz des
Völkerbundes entscheidend sein — sind es r?r®en Fder Ereignisse, die im Vorder- 1 F,r“nkJWn: Die Gerüchte um den Besuch des k ^alienischen Delegierten, Baron Aloisi, bei dem in i .?„Je Bain zur Kur weilenden englischen Minister- . Präsidenten Baldwin; der salomonische Urteils- l ip.ruch der Schiedskommission über den Erenz- i Zwischenfall von llal-Ual und schließlich der neue ■ außerordentliche Ministerrat in Rom
Uber den angeblichen Besuch Aloisis in Aix le Bain weiß man immer noch nichts Genaues. Ursprünglich hieß es, der italienische Delegierte sei am Dienstag- morigen bereits in dem französischen Kurort angekommen, habe mittags mit Baldwin verhandelt und sei dann abends nach Genf weitergefahren. Die eng- I i scheu sowie die italienischen z n st ä n d i g e n Stellen haben aber ein Dementi erlassen und vielleicht erklärt sich das Gerücht tatsächlich daraus, daß Aloisi diesmal nicht mit dem fahrplanmäßigen Zug, sondern mit dem Auto, und zwar aus der Richtung Aix le Bain, in Genf angekommen ist. Damit würde auch die von anderer Seite gemachte Mitteilung hin- faHtg werden, daß die Unterredung zwischen Aloisi und Baldwin — sozusagen der letzte Versuch einer direkten italienisch-englischen Aussprache und Versöhnung — ergebnislos verlaufen sei und zur weiteren Zuspitzung der außenpolitischen Situation beigetragen habe.
Rücktritt der Standard-Bacuum-Oil-Co. vom abessinischen Konzessionsvertrag.
Washington, 4. Sept. (Eig. Drahtmeldung.) Auf dringende Vorstellungen des Staatsdepartements beschloß die Standard Vacuum Oil Co. den Rücktritt vom abessinischen Konzessions- vertrag. Rach wiederholten Besprechungen mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Standard Oil Co. gab Außenminister Hüll die Rückgängigmachung des Pachtvertrages bekannt. Hüll teilte die RückgängigmachuW auch telegraphisch dem auf seinem Landsitz weilenden Präsidenten Roosevelt mit. Der Präsident gab seiner Befriedigung über diesen Entschluß Ausdruck, da er -im Pachtvertrag eine Gefährdung des Weltfriedens gesehen habe.
deutung zu kommt, und daß die Beschlüsse, auf die Nch in Genf, wenn es gut geht, einigt, auf die politische Praxis, die damit schon zu einer militärisch- stratoglschen würde, kernen Einfluß mehr gewinnen tonne.
Die Entscheidung des llal-Ual-Schiedsgerichts.
3. Sept. „Paris Soir" glaubt zu wissen, daß sich die fünf Schiedsrichter im italienisch-abessinischen Schlichtungs- _ und Schiedsgerichtsausschuß für den Grenzzwischensall bei llal-Üal weder nach der einen noch nach der anderen Seite ausgesprochen haben. Man sei vielmehr zu der Ansicht gekommen, daß weder Italien noch Abessinien eine internationale Verantwortung zu diesem Zwischenfall trügen.
Einigung über den förmlichen Verlauf der ersten Ratssitzung.
Genf, 3. Sept. Vom Völkerbundssekretariat wurde Dienstagnachmittag die Tagesordnung für die erste Sitzung der am Mittwoch beginnenden Tagung des VölkerbuNdsrates bekanntgegeben. Rach der üblichen geheimen Eröffnungssitzung, die auf 16 Uhr angesetzt ist, und der die Annahme der Tagesordnung für die gegenwärtige Tagung obliegt ist eine öffentliche Sitzung vorgesehen, als deren einziger Punkt die Behandlung des italienisch- abessinischen Streitfalles angekündigt wurde. .... Die Tatsache, daß man bereits am Mittwoch in öffentlicher Sitzung die Behandlung der abessinischen Frage beginnen,will, wird dahin ausgelegt, daß die Besprechungen zwischen den hauptbeteiligten Ratsmächten, die Dienstagnachmittag int Beisein des italienischen Hauptvertreters, Baron Aloisi, fortgesetzt würden, nicht ergebnislos verlaufen sind, und daß man sich wenigstens über den förmlichen Verlauf der ersten Ratssitzung geeinigt hat.
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Abessinien lieber unter der gerechten und durchdachten Verwaltung Großbritanniens als unter der Italiens leben. Wenn Italien durchaus noch eine Kolonie haben müsse, so muß man fragen, warum die Italiener nicht den Mut aufbringen, sich die Kolonie von denen zu holen, die davon im Überfluß haben. Auf keinen Fall aber werden sie Abessinien als Kolo i e e r h a l t e n. Im übrigen, so sagte Dr. Martin weiter, sei nicht der geringste Beweis für die italienischen Beschuldigungen vorhanden, daß die italienische Kolonie der Erfahr eines Angriffes durch die Abessinier ausgesetzt sei. Was die Vergebung von Konzessionen und die Beschäftigung von Aus- landern angehe, so findet keinerlei Diskriminierung statt. Tatsächlich hat ein Italiener bereits eine wertvolle Konzessiv für die'Erschließung von Gold und Platin erhalten, während Engländer und andere keine derartigen Konzessionen besäßen. Alles, was Abessinien wünsche, sei Unparteilichkeit und Gerechtigkeit. Außerdem verlange es die Erlaubnis zur Einfuhr von Waffen $ur Verteidigung.
s^iTLa5i;nmet!ir Höhe der 22 Millimeter breiten Spalts im Anzeigenteil Gründ- Sladrtaldtaffet &C 85 Ltc,‘sn.SpaItc ,m„ Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 4,
3 ff sC b,c Ausnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen GEere SlnsT Schluß der Anzeigen.Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen mästen spätestens einen Tag vor dem Erschemungstage aufgcgeben werden.
Man wird abwarten müssen, ob die Meldung in irgend einem Zusammenhang mit dem Unternehmen des Herrn Rickett, das sich bekanntlich African Exploitation and Developement Corporation nennt, in Zusammenhang steht, oder obdieStandardVacuumOil Co. auf früher erworbene Rechte verzichtet hat.
2.357 68.66 55.54 20.40
0.731
5.69« 81.08 41.69 62.04
49.05 47.01
11.20
2.492 63.70 81.17 34.06
10.31 1.982
1041 2.491
Das Urteil der Schiedskommiffion, als des Zeiten bemerkenswerten Ereignisses, wirkt sich insofern zugunsten Abessiniens aus, als die Regierung in Addis Abeba immer erklärt hatte, für die unsicheren Grenzstämme keine Verantwortung übernehmen zu können, was man vielfach bereits als eine Art Schuldbekenntnis angesehen hatte. Jedenfalls zeigt dieses Urteil mit besonderer Deutlichkeit, wie sehr man um einen Ausgleich bemüht ist, in erster Linie natürlich von allen den Stellen, die in mehr oder weniger engem Zusamemnhang mit dem Quai d'Orfay „ „ _; stehen, wie das bei dem Vorsitzenden der Schiedsgerichts- 108 6 «-kommisiion, dem Griechen Po-litis, der Fall ist 1 I Die dritte beachtenswerte Tatsache ist der Minister- ' rat in Rom. Mussolini soll bei dieser Gelegenheit die ; Entscheidung über den Feldzug in Abeffinien dahin ge- , troffen haben, daß am 15. September den in Ost- .afrika versammelten Truppen der Befehl zum E i n - i marsch in Abessinien gegeben werden soll. An . diesem Tage sollen die italienischen Truppen von l Eritrea aus den Vormarsch auf Adua antreten. Würde I °s zutreffen, daß dieser, entscheidende Beschluß gestern 21.-7 E ^ssst.chklch in Rom gefaßt wurde, dann wäre das die kOffizielle Bestätigung für die in Berlin seit langem be- 87« ff stehende Vermutung, daß den Verhandlungen in 114* F®enf tatsächlich nur noch rein formale Be-
Lebensraum!
Mit immer mächtigerem Ton dringt der Ruf der Volker nach Lebensraum durch das wirre Geschehen unserer ~age. Es ist, als sammle sich allmählich alles Drangen und Suchen in diesem Rufe, diese ganze Un= ruhe, die unser Zeitalter erfüllt. Die geschlossenen Nationalstaaten, die das Zeitalter der französischen Revolution und Napoleons heraufbrachte, haben durch die technische Vervollkommnung eine Erleichterung des Lebens herbeigeführt, die zur Übervölkerung führen mußte, wenn der Volkskörper gesund war. Eine Zeit- lang war Nordamerika der Aufnahmeraum für den europäischen Menschenüberschuß. Der im 20. Jahrhundert allenthalben gesteigerte Nationalismus, das Erwachen der Völker zu sich selber, läßt es aber nicht mehr zu, eigenes Volkstum zu verlieren. Außerdem ist Amerika durch die dort geübte Raubbauwirtschaft längst ^übersetzt", anscheinend überfüllt. Es beginnt also das Ringen um die noch leeren und dünn besiedelten Lebensräume: Japan in China und in der Mandschurei, w der Mongolei sogar, neuerdings versuchsweise in britischen Gebieten, Italien in Afrika.
Frankreich, das am Gegenteil von Übervölkerung leidet, hat in dem Drange nach „Sicherheit" die Raumdurchdringung mit seiner Militärmacht und seinem Geld auf Nordafrika gerichtet und dabei die „Farbigen" als Staatsbürger hereingenommen. Man findet nichts dabei, daß sich so eine Mischrasse vor allem im Süden bildet. Hierin ist das heutige Frankreich eine — schwächere — Nachbildung des spätrömischen Imperiums.
In den weiten Räumen, die die Sowjets unter ihre Zwangsherrschaft gebracht haben, herrscht alles andere als Übervölkerung. Hier herrscht nur Mangel an allem, was eine auch nur geringe Bevölkerung am Leben erhalten könnte. Daher scheidet das Sowjetreich für diese Betrachtungsweise aus. Es könnte unter anderer Herrschaft aber der Aufnahmeraum großer Menschenmaffen werden.
Und Deutschland? In der englischen Zeitung „Sunday Dispatsch" wurde dieser Tage an die englische Regierung die Aufforderung gerichtet, in der Frage der Neuverteilung der Kolonialgebiete die Initiative zu ergreifen und Deutschland seine afrikanischen Gebiete zurückzugeben. Hier hat England nun das Wort.
Betrachten wir nun allgemein den Stand der Dinge auf seine machtpolitische Perspektive hin, so müßen wir erkennen, daß sich hier große Verschiebungen vorbereiten. Der „statische", starre Zustand, den Frankreich _ mit dem Versailler Vertrag zu seinen Gunsten festlegen wollte, ist zweifellos schon gebrochen. Wenn sich hinter dieser Kulisse von Versailles ein leicht zufriedenes kurzsichtiges Genießertum und „Chinefen- tum" (um in Nietzsches Sinne zur sprechen) zur Ruhe gesetzt hatte, so muß die Zukunft diese Spezies von Europäern enttäuischen . . . Denn diese Zukunft verspricht nicht allzufriedlich zu werden. Die große Auseinandersetzung um die Verteilung der Erd räume an die fruchtbaren und lebensstarken Völker und Rassen wird viele gefährliche Spannungen hervorbringen. Erinnern wir uns einmal an die größte Bewegung unserer Raffe um Lebensraum, die Völkerwanderung: — das war ein Zeitalter der höchsten Kraftentfaltung, denn — es wird einem Volke nichts geschenkt. . .
Die eben auf -dem Kongreß in Berlin erörterten Fragen der Bevölkerungspolitik, der Volks- und Raffen- Hygiene haben Ziele und Methoden geklärt, die gleichfalls in diese Richtung weisen: es gibt jetzt keine Unklarheit mehr über Heil und Ziel gesunder Völker! Hier zeigt sich aus geistigem Gebiete der elementare Durchbruch neuen Lebens: — die Höchstschätzung des gesunden Nachwuchses hat zur notwendigen Folge und Folgerung die Forderung nach dem entsprechenden Lebensraum?
Mit unheimlicher Macht drängen diese Fragen auf eine Lösung hin. Die Geschichte der kommenden Zeiten wird von den Kämpfen um diese Lösung erfüllt sein. Kein Volk kann sich heute, bei der Enge der Beziehungen, diesen großen Fragen mehr entziehen. Es wird aber auch mit eben derselben Notwendigkeit nun zu einer klaren Sonderung der jungen, fruchtbaren und zukunftsträchtigen Völker von den alten, abstebbenden kommen. Es werden einmal Folgerungen aus solchen Erkenntnissen gezogen werden müssen, die kein macht- politisches Ausweichen mehr gestatten. „Macht" be- deutet in diesem Sinne: Raumbestimmung. Wenn es möglich sein wird, jur diese neuen politischen Begriffe ein allgemeines Verständnis und daraus ein allgemein anerkanntes Recht zu schaffen, dann werden den Völkern große Schwierigkeiten und vielleicht große Opfer erspart bleiben.
109' 127.« 113.1
184- 146.»
Drahtanschrift: Tagbiatt SBiesbaüen.
Nr. 241.
Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.
Mittwoch, 4. September 1935
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"8 I _ London, 3. Sept. Der abessinische Gesandte in London, 106.56 r Dr. Martin, hielt am Dienstagabend auf einer Taauna |ber NÄgesellschast eine Rede. Er sagte u. a.: Laßt uns ff20 Jahre in Frieden leben und gewährt uns eine k Anleihe von — sagen wir — 20 Millionen Pfund. Diese - Summe würbe uns in die Lage versetzen, im ganzen Land- ^CchulenzuerrichtenundunsereHilfsqu eilen biuentwideln.
