Einzelbild herunterladen
 

fclwiiriifr (tanhlatt

sofh^nutoti, A.Mett-s.m,-. Wöchentlich 7 Ausgaben

Wöchentlich

Ausgaben

8,

i, „Tagblatt-Haus'

Werltäglich nachmittag», Samstag» vor- u. nachmittags

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Eroh-Wiesbadens.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Rr. 7405.

Fernsprecher-Sammel-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

GeschSstszeit: 8 Uhr morgens dis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Bezugspreise: Für etne Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein- schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 16 Rpf. — Bezugsdestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Trager und alle Postanstalten. — In Füllen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anbruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 45 Rpf., sonst laut Preisliste Rr. 3, Nachlatzstaffel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen roird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen - Annahme 10 Uhr vormittags. Grötzere Anzeigen müßen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

Nr. 237.

Samstag, 31. August 1935.

83. Jahrgang.

Die Ergebnisse von Sieb.

Sie Konferenz der Kleinen Entente beendet. — Scharfe Ablehnung der Habsburger Restauration. — Sowjetruhland nicht erwähnt.

Weiter enge Fühlungnahme.

88. Berlin, 31. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Die Konferenz der Kleinen Entente in dem jugoslawischen Kurort Bled ist gestern programm­mäßig beendet -worden. Daß man in der amtlichen Ver­lautbarung die Übereinstimmung in allen außen­politischen Fragen betont, ist selbstverständlich. Es wird -auch kaum überraschen, daß man gerade -angesichts des abessinischen Konfliktes beschlossen hat, weiter in enger Fühlung zu bleiben und daß gemeinsame Besprechun­gen der drei Außenminister auch für die Zeit der Rats­tagung in Genf vorgesehen sind. Wie schon im voraus gesagt wurde, ist tatsächlich eine weitgehende Ü b e r e i n st i m m u n g der Kleinen Entente in der Ablehnung der Habsburger Restauration festzustellen. Wenn es eine Zeitlang schien, als ob Prag -sich der Rückkehr der Habsburger nicht widersetze, ja, -diese Rückkehr als das kleinere Übel betrachten würde, so kann jetzt davon nicht mehr die Rede sein. Hier haben sich die Anschauungen der tschechoslowaki­schen Regierung ganz offenbar gewandelt, denn man ist nunmehr gewillt, „mit Einsatz aller verfügbaren Kräfte" gegen eine Restauration der Familie Habsburg vorzugehen. Dagegen -will -man sich der Rückkehr des griechischen Königshauses nicht widersetzen. In der Frage des Donaupa-ktes hat man endgül­tige Beschlüsse offensichtlich vermieden. Es wird wohl in dem amtlichen Bericht von einem Pakt gesprochen, „dessen Aufgabe es ist, die gegenseitige Achtung des innenpolitischen Zustandes der vertragschließenden Staaten, ihre territoriale Integrität -und ihre politische Unabhängigkeit $u sichern." Aber die Kleine Entente ist doch im Augenblick nicht weiter gegangen als zu er­

klären, daß man diese Frage weiterhin sehr aufmerksam prüfen werde. Dabei betont man aber jetzt schon, daß -militärische Gleichberechtigung Ungarns nur bei einer „wirksamen und konkreten Vermehrung der eigenen Sicherheit zugestan-den werden kann." Im übrigen wird in diesem Zusammenhang zum erstenmal der Wunsch nach freundschaftlichen Beziehun­gen mit Deutschland erwähnt. Kann man aus den Ausführungen über den Don-aupakt entnehmen, daß alles in der Schwebe geblieben ist, so ist nach der nega­tiven Seite recht bemerkenswert, daß die sowjet­russische Frage in dem amtlichen Bericht mit -keinem Wort erwähnt wird. Ganz offenbar ist es dem jugoslawischen Ministerpräsidenten gelungen, die Frage der Anerkennung Sowjetrußl-ands beiseite zu schieben. Die wilden Reden auf der Tagung der Ko­mintern, die zu den Protesten verschiedener Regierun­gen in Moskau geführt haben, werden dem jugo­slawischen Ministerpräsidenten die Ablehnung der von Venesch ausgehenden Wünsche erleichtert haben. Im ganzen wird man sagen können, daß der Bericht über die Tagung der Konferenz der Kleinen Entente sicher­lich nicht uninteressant ist, -daß er aber keine Ände­rung der Lage bedeutet. Angesichts des abessinischen Konfliktes und der starten Unruhe, die dieser Konflikt auch für die europäische Politik mit sich bringt, waren entscheidende Beschlüsse ohnehin nicht zu erwarten. So muß auch vorerst die Frage offen bleiben, ob sich die Kluft zwischen der Kleinen Entente und Italien ver­kleinert hat. Man dürfte sich in Belgrad, aber auch in Bukarest und Prag, zunächst damit begnügen, die Ent­wicklung aufmerksam zu verfolgen, ehe man sich end­gültig bindet.

Zum erstenmal seit Bersailles:

Manöver größerer deutscher Truppenverbände.

Die Herbstübungen des 6. Armeekorps in der Lüneburger Heide.

Mittäter, 31. Aug. Ein Wendepunkt in ter Geschichte des deutschen Heeres bekundet sich in den bevorstehenden großen Herb st Übungen des 6. Armeekorps, ter Truppen aus Westfalen und Niedersachsen, Hannover und Oldenburg, die in der Zeit vom 2. bis 7. September im Raume Lüneburg —Soltau —Eelle.zu Manövern zusammengezoaen werten. Zum ersten Male -seit dem schmachvollen Diktat von Versailles kann die deutsche Wehr­macht bei diesen Schulübungen wieder größere Truppeuverbände zeigen, die mit den Waffen aus­gerüstet sind, die ter neuzeitliche Krieg verlangt.

Der Chef des Generalstabs des 6. Armeekorps hat schon dieser Tage in einem Vortrag über den ReichsMter Köln ausgeführt, -daß die Manöver sich in zwei Abschnitte gliedern:

Die erste Übung spielt sich vom 2. bis 4. September nördlich Celle im Raume zwischen Hermannsburg und Münster ab; ihr folgt ein Ruhetag. Di« ‘betten nächsten Tage, ter 6. und 7. September, werden dann wieder «ine besonders interessante, die Nacht durchlaufende Kamps­aufgabe mehrerer Divisionen zum llbungsgegenstand haben. Diese Übungen beginnen aus Richtung Lüneburg her in Gegend Bispingen (nördlich Münster) und enden ostwärts der großen Straß« Heber—Soltau—Dorfmark.

Nach dem Signal „Das Ganze halt!" wird sich das ge­samte 6. Armeekorps mit den unterstellten Truppen zu einer Schlußparade, die mehrere 6tunten dauern wird, versammeln, um in strenger Disziplin und Haltung seinem höchsten Vorgesetzten und hoffentlich vielen Tausenden von Zuschauern zu zeigen, daß trotz einer Woche größter Anstrengungen der deutsche Sol-dal so froh und frisch Tft wie am Tage des Ausmarsches aus ter Garnison.

Von den beiden Übungen dürsten folgende Einzelheiten wissenswert sein:

Die erste Übung wird zeigen, wie eine Division, die einem an-greifenden etwa -doppelt überlegenen Gegner weichen muß, zunächst hinhaltend kämpft, mit Feuer aller Waffen und Sperren den feindlichen Vormarsch verzögert und schließlich an einer rückwärtigen Linie zur Verteidigung übergeht, wo zur Entscheidung gekämpft wird.

Bei ter zweiten Übung wird eine in mehreren Kolonnen vormarschierende Division gezeigt, die später in einen Äatnpf verwickelt wird, über dessen Verlauf aus Mungsrücksichten Einzelheiten jetzt noch nicht mitgeteilt werten können.

Der Stand ter jeweiligen Kriegslage wird durch die Tagesmeldungen in Presse und Funk bekannt gegeben werten.

Di« Teilnahme von Zuschauern an den Herbstübungen ist gestattet. Hierzu sind die Straßen Celle—Sülze—Hermannsburg—Müden—Münster und Celle—Bergen—Wietzendorf—Soltau für den öffent­lichen Verkehr freigegeben. Im übrigen sind ter Truppen­übungsplatz Münster und sämtliche anderen Straßen im Übungsgelände polizeilich gesperrt. Die Verkehrsregelung erfolgt durch Polizei und Landjäger. Ihren Anweisungen und denen etwa weiterhin eingesetzter Absperrungskräste ist unbedingt Folge zu leisten, -damit ter Verlauf ter Gefechts­handlung durch die Zuschauer nicht gestört wird.

Der Reichssenter Köln bringt in der llbungswoche vom 2. bis 7. September über die Manöver Übertragungen von verschiedenen Gefechtsausschnitten, und zwar täglich von 13.15 bis 13.30 Uhr, und vom 2. bis 6. September von 19.30 bis 19.50 Uhr. Am 7. September schließt ter Funkbericht mit einer Übertragung -der Parade in ter Zeit von 19 bis 20 Uhr.

Die Aufbahrung der Königin Astrid.

Beisetzung am nächsten Dienstag.

Brüssel, 30. Aug. Die sterblichen Überreste der Königin sind jetzt im Schloß ausgebahrr worden. Der Kopf der Toten ist verbunden, das Gesicht liegt frei, ohne daß irgend welche Entstellung zu bemerken ist. Auch im Tote hat die Königin ihr heiteres Aussehen und ihre Schönheit bewahrt. G e n e - ralehalten die Totenw ach«.

Die Bevölkerung durste am Nachmittag am Lager ter Toten norbeitefliieren. Bis in die Nacht dauerte die Wall­fahrt ter Taufende, die sich vor ter Verblichenen ehrfurchts­voll verneigten.

Die auswärtigen Diplomaten erschienen geschlossen beim Ministerpräsident van Zeeland, um ihm die Beileidswünsche ihrer Regierung zu übermitteln. Am Freitagabend hielt ter Ministerpräsident über den Brüsseler und den flämischen Sender eine kurze Gedenkrede auf di« Königin. Er schloß mit ter Aufforderung an das Volk, sich nun fester um seinen vom Schicksal schwer geprüften König zu scharen.

Die Beifetzungsseierlichkeiten für die Königin Astrid sind vom Minffterrat aus nächsten Dienstag f e st gesetzt worden. Die Königin wird in der Königsgruft ter Kirche von Laeken bei Brüssel beigesetzt werden. An der feierlichen Überführung vom Stadtschlotz nach Laeken nehmen die Schulkinder teil.

Blick in die Welt.

Der 4, September, der Beginn der Dem Völkerbundsratstagung, rückt immer

4. September näher. Die Lage ist -dabei absolut klar entgegen. unb eindeutig, zum wenigsten -soweit

Italien -in Frage kommt. Mit einer Eindringlichkeit und Deutlichkeit, die namentlich in einer solchen Situation als durchaus erfreulich bezeich­net werden muß, hat Mussolini in Interviews und Reden den -italienischen Standpunkt umrissen. In Ostafrika gibt es kein Zurück, die 200000 italieni­schen Gewehre würden von selber losgehen. Was man auch in Genf beschli-eßen -mag: „Italien wird feine Ziele verfolgen — ohne Genf oder gegen Genf." Um auch denjenigen Politikern, die glauben, mit Sanktionen den Frieden in Ostafrika sichern zu können, die Lage gang klar zu machen, hat der Duce hinzu-gefügt, daß Italien Sanktionen mit dem Austritt aus dem Völkerbund und mit Waffengewalt beantworten würde. In der -amtlichen Mitteilung über den Ministerrat in Bozen -wird das nochmals unter­strichen mit dem Hinweis darauf, daß „die Frage der Sanktionen von den höchsten -militärischen Stellen Italiens von allen Gesichtspunkten aus eing-ehend ge­prüft worden ist, -und daß besonders im Hinblick auf mögliche kriegerische Sanktionen bereits die notwendi­gen Entscheidungen und Maßnahmen ihnen entgegenzu­treten, von vornherein festgesetzt worden sind." Die -englische Regierung steht unter -diesen Um­ständen vor der Frage, ob sie in Genf überhaupt -noch von Sanktionen reden -will, besonders nachdem auch die Franzosen zu erkennen gegeben haben, daß sie sich unter keinen Umständen an Sankttonen gegen Italien beteiligen werden. Auf ter anderen Seite das. Friedensangebot Mussolinis an England: englische Interessen werden in Ostafrika nicht verletzt werden, also offensichtlich eine Zusicherung, nicht an den Tana-See zu marschieren/ und weiterhin: Italien wird mit der Kultivierung und Erschließung Abessiniens 50 Jahre beschäftigt sein, was doch wohl heißen soll, daß es eine Generation hindurch keine neuen kolonialen Ansprüche stellen wird. Kein Wunder, daß über solche italienische Beschlüsse keine Freute in England entstand. Wie soll man den Völkerbund unter solchen Umständen noch -am Leben erhalten? Selbst gegen Frankreich braucht -man in diesem Augenblick der Verärgerung in London scharfe Worte: wenn Frank­reich jetzt zurückzucke, so werde die Ehre der großen Geste bei England und das Odium des Ver­rats bei Frankreich liegen, dessen offen verkündete Völkerbundstreue sich dann als nichts anderes Heraus­stellen werde, als eine Benutzung des Völker­bundes zur Niederhaltung Deutschlands! Also zu lesen in der „Times".

Aber so nerärgert man in London Wirtschaftliche auch ist, an der Tatsache, daß Italien Vorbereitungen zum Kriege in Ost-afrika entschlossen Italiens. ist, kommt man nicht vorbei. Der Bozener Ministerrat hat den Vorbe­reitungen auf militärischem Gebiet, Maßnahmen auf wirtschaftlichem und finanziellem,Gebiet folgen lassen. Nichts charakterisiert diese Beschlüsse besser, als der Satz: „Hinsichtlich der Indu-strieerzeugung Hat ter Minister­rat beschlossen, daß ter persönliche Verbrauch den augenblicklichen militärischen Bedürfnissen hint- anstehen -müsse." So werten die Kraft - wagen, um nur ein Beispiel zu nennen, auf Holz­kohle und Ersatzbrennstoffe umgestellt werten, um Benzin zu sparen, wie überhaupt eine Beschrän­kung der Leb en shaltung im Interesse des Krieges eintritt. Ähnlich wird auf finanziellem Gebiet verfahren, die valutarische Position des Lautes wird durch den Zwang zur Abtretung der Auslandskredite gegen Barzahlung in Lire gestärkt, zum andern wird die innere Kostenaufbringung durch die Erfassung der Kriegsgewinne geregelt. Man -denkt in Rom also keineswegs nur an das Militärische, zumal gerade bei dem abessinischen Krieg das Finanzielle schließlich den Ausschlag geben könnte, man denkt an alles und mit Recht betonte -denn auch der „Popolo d'Ftalia" Mussolinis die militärische, finanzielle und moralische Bereitschaft Italiens für den Waffengang mit Abessinien.

Zugleich aber unterstreicht man in Stresafront Rom immer roidter, daß es sich nur um im Manöver, einen Krieg in Abessinien hantele und daß Europa nicht in Mitleidenschaft ge­zogen werte, wenn das nicht von den Gegnern Italiens erzwungen werden würde. Ja, man betont ganz offen­sichtlich die Stresafront, wenn etwa den großen Manö­vern bei Bozen ter Duce in der Präfektur von Bozen nur die englischen und ftanzüsischenIourn-alisten empfing, an ihrer Spitze eine Autofahrt unternahm und nut