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Werktäglich n-chmitt-gs, Samstags »ar- u. nachmittags

L, Schellenberg'Ich- Hofbuchbrnckerei, »Tagblatt < tzans".

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Drahtanschrtst: Tagblatt Wiesbaden.

Nr. 236.

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Freitag, 30. August 1935.

83. Jahrgang.

Deutschland und Danzig.

Panzerschiff „Admiral Scheer" besucht die freie Stadt.

Danzig, 30. Aug. (Gig. Drahtmeldung.) Das Panzerschiff „Admiral Scheer" ist am Freitagfrüh um 8.30 Uhr zu einem offiziellen Besuch der freien Stadt Danzig auf der Danziger Reede eingetroffen. Der Besuch des Panzerschiffes in der freien Stadt ist ein Ausdruck der inneren Verbundenheit des Reiches mit dem deutschen Danzig. Dieses Ge­fühl beherrscht heute — gerade angesichts der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Nöte Danzigs — die gesamte Bevölkerung. Aus allen Häusern wehen die deutschen Fahnen dem „Admiral Scheer" und seiner Besatzung zum Gruß.

Der deutsche Generalkonsul gab ein Frühstück, an dem allster dem Kommandanten zwei Offiziere des Panzerschiffes sowie Reichsleiter Buch und Gauleiter Forster teilnahmen. Generalkonsul v. Radowitz gab in seiner Tischrede der Freude darüber Ausdruck, daß das stolze deutsche Panzerschiff als Symbol der wieder- geroonnenen deutschen Wehrhoheit Danzig besuche. Dieser Besuch werde dazu beitragen, in der mit dem deutschen Volke blutsoerbundenen deutschen Bevölke­rung trotz aller seelischen und materiellen Anforderun­gen der Gegenwart den Glauben an das neuge­schaffene Reich und seinen Führer zu stärken. Der Generalkonsul schloß mit einem dreifachen Siegheil auf das deutsche Vaterland und seinen Führer. Kapitän zur See, Marschall, dankte mit kurzen Worten und gab den herzlichen Gefühlen Ausdruck, die die Besatzung des „Admiral Scheer" bei dein Besuche Danzigs beseelen. Es erfolgten dann unter dem üblichen Kanonensalut die Gegenbesuche des Senatspräsidenten und der übri­gen offiziellen Danziger Persönlichkeiten an Bord des „Admiral Scheer".

Gegen sechs Uhr nachmittags wird der „Admiral Scheer" in den Danziger Hafen einlaufen. Das Panzer­schiff bleibt bis Montagnachmittag in Danzig.

Vorbereitungen für Genf.

Eden nimmt seinen Weg wieder über Paris. — Lokalisierung des Konfliktes.

Die Suche nach der Formel.

as. Berlin, 30. Aug. (Drahtbericht unserer Berliner Abteilung.) Zn London, in Paris und auch in Rom bereitet man suh mit großem Eifer auf die Völkerbunds­tagung vor, die am Mittwoch beginnt. Eden wird seinen Weg nach Genf über Paris nehmen, wo man ihn am Montag erwartet und wo er eingehend mit Laval beraten wird. In englischen und französischen Blättern kann man lesen, er werde nochmals die Vor­schläge zusammenfassen, die den Italienern auf der Dreierkonferenz gemacht wurden. Dann soll dieses Do­kument in Genf vorgelegt werden, nm den Rat von dem guten Willen Englands und der Unduldsamkeit Italiens zu überzeugen. Laval scheint aber keinerlei Gelüste zu haben, diesen Weg mitzugehen. Er hat vielmehr gestern in einer Unterredung mit dem eng­lischen Botschafter erklärt, daß Frankreich überhaupt nicht abschließend Stellung nehmen könne, ehe es nicht die Erklärungen kenne, die Italien in Genf abzu­geben beabsichtige und die bekanntlich auf eine scharfe Anklage gegen Abessinien hinauslausen. Für die enge Verbundenheit Frankreichs mit Italien ist im übrigen charakteristisch, daß jetzt der schon früher ange­kündigte Besuch des italienischen Generalstabschefs Badoglio in Paris stattfinden wird, das heißt, daß die Verhandlungen zwischen den beiden Generalstäben fortgesetzt werden. Rach diesem Aufenthalt in Paris wird Marschall Badoglio die italienische Militär­mission führen, die an den großen französischen Manö- vern bei Reims teilnimmt. Es wäre aber falsch, aus einem solchen Besuch auf eine Verschärfung der Situation schließen zu wollen. Vielmehr ist Laval ganz offensichtlich bemüht, den Konflikt auf Abessinien zu beschränken, und er trifft sich in diesen Bemühungen durchaus mit Mussolini. Auch die Italiener haben ja nicht das mindeste Interesse daran, den Bogen zu überspannen. So nachdrücklich sie ihre Kolonialansprüche vertreten, so lasten sie doch immer wieder durchblicken, daß für Eruopa und Afrika nicht die gleichen Grundsätze gelten sollen. Außer­halb Europas wüste der Grundsatz der Ausdehnung, des dynamischen Prinzips, anerkannt werden, für Europa selbst gelte die Stabilität. Nimmt man hinzu, daß Italien wiederholt hat, daß das britische In­teresse nicht in Mitleidenschaft gezogen werden würde,

so ist es sehr wahrscheinlich, daß sich die angeblichen eng­lischen Anfragen, von denen eine Reuter Meldung spricht, in Rom darauf bezogen haben, ob der Grundsatz der Stabilität auch für das Mittelmeer gelte und ob ferner Italien bereit ist, die briti­schen Interessen am Tana-See anzuerkennen. Es ist zu vermuten, daß England in dieser Hinsicht eine befriedigende Antwort erhalten wird. Eine englisch- italienische Verständigung liegt deshalb im Be­reich des Möglichen. Haben die Italiener keinen Anlaß zu weit zu gehen, so ist man sich auf der anderen Seite in London doch auch durchaus im klaren darüber, daß man mit der Forderung nach Sanktionen ganz allein da st eh en würde. Wenn zeitweilig englische Blätter noch gewisse Hoff­nungen auf A m e r i k a gesetzt 'haben, von dem sie einen Eingriff auf Grund des Kellogg-Paktes erwarteten, so besagen die Washingtoner Meldungen das völlige Gegenteil. Amerika denkt gar nicht daran, s i ch ei nzu misch en und niemals sei diese Politik der Nichteinmischung so populär gewesen wie heute.

Man wird also sagen können, daß der K r i e g i n Abessinien unabwendbar ist, daß aber alles geschieht, um diesen Konflikt zu lokalisieren und daß sich in diesen Bemühungen alle Beteiligten einig sind, wenigstens im Grundsatz, wenn auch noch nicht in den Einzelheiten. Es wird ganz sicherlich noch viel Kopf­zerbrechen machen und noch manche Zuspitzung geben, ehe in Genf die rettende Formel gefunden wird. Ob sie darin besteht, daß man Abessinien auf Grund der italienischen Anklagen aus dem Völkerbund ausschließt oder ob man einen anderen Weg gehen wird, ist heute noch nicht zu sagen. Die Kollektivvertragspolitik Genfer Prägung hat nun einmal ihre Sonderheiten, die dem einfachen Menschenverstand nicht ohne weiteres ein­gehen.

Londoner Dementi.

London, 30. Aug. Von maßgebender Seite in Lon­don erfährt die „Preß Association", daß die Nachricht, wonach die britische Regierung die italienische Regie­rung um Aufklärung über Mussolinis Kommunique vom Mittwochabend ersucht habe, den Tatsachen nicht entspreche.

Die Manöver-Truppen bleiben an der Grenze.

General Niessel interviewt Mussolini.

Paris, 30. Aug. (Gig. Drahtmeldung.) Der Sonder­berichterstatter des „Excelsior" bei den italienischen Manövem, General Niessel, hatte Gelegenheit, sich mit Mussolini über einige aktuelle Fragen zu unter­halten.

Auf die Frage Niessels an Mussolini, wie er die augenblickliche Lage sehe, erwiderte der Duce, die amt­liche Verlautbarung über den Bozener Ministerrat zeige, daß man die Lage italienischerseits mit Ruhe be­trachte.

Nach einem kurzen Meinungsaustausch über den Verlauf der Manöver lobte Mustolini sein Offizierkorps und die Truppen, von deren Disziplin er überzeugt sei. Er habe Vertrauen in ihre Schlagkraft. Er sei, mit Marschall Lyautey, der Ansicht, daß man seine Macht zeigen müsse, um nicht gezwungen zu sein, sie anzu- wenden. Anläßlich der großen Parade am heutigen Freitag, so betonte Mustolini weiter, würden etwa 100000 Mann aufmarschieren. Alle diese Truppen würden in der Näheder Grenze bleiben.

Schicksal eines Königshauses.

Ein besonders tragisches Geschick hat die belgische Königsfamilie und das ihr verwandte schwedische Königshaus betroffen. König Leopold III., der bei einem Automobilunfall in der Nähe von Luzern schwer verletzt wurde, ist 34 Jahre alt. Erst vor acht­zehn Monaten wurde sein Vater, König Albert, durch einen Absturz in den Ardennen aus dem Leben be­rufen, von seinem Volk ehrlich betrauert. Der junge König erfreut sich starker Volkstümlichkeit.

Mit tiefer Bewegung vernimmt die Welt, daß bei diesem Unfall an der Seite ihres Gemahls Königin

König Leopold ■ Königin Astrid f.

(Weltbild, M.)

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21 ft r i d von. Belgien ihr junges Leben verloren hat. Die Königin, die nur 30 Jahre alt geworden ist, hatte erst vor kurzem einem dritten Sproß des Königshauses das Leben geschenkt. Prinzestin Astrid war eine Nichte des Königs Gustav Adolf von Schweden. Der Bruder des Königs, Prinz Karl, Herzog von-Westgotland, ver­mählt mit der Prinzessin Jngeborg von Dänemark, hatte 4 Kinder, unter ihnen die 1905 geborene Prin­zessin Astri d. Im Jahre 1926 fand in Stockholm und in Brüssel die Vermählung der Prinzestin Astrid mit dem belgischen Thronfolger statt. '

Es ist erst wenige Monate her, als die nordischen Höfe unter freudiger Anteilnahme der Bevölkerung die Verlobung der Schwester der belgischen Königin mit dem Kronprinzen Friedrich von Dänemark im alten Schloß zu Stockholm gefeiert haben. Aus diesem Anlaß wurde auf die Tatsache hingewiesen, daß das schwedische Königshaus drei Schwestern hervorgebracht hat, von denen die eine die Krone von Belgien trug, während die Prinzessinnen Ingrid und Martha dereinst berufen sind, Königinnen von Dänemark und von Norwegen zu fein.

Es darf daran erinnert werden, daß auch das bel­gische Königshaus aus Deutschland stammt. Als Belgien im Jahre 1830 selbständig wurde, berief es einen Prinzen aus dem Hause Koburg auf den Thron in Brüssel, der den Namen Leopold I. trug. Unter Leopold II., der 44 Jahre lang regiert hat, nahm Belgien eine starke Entwicklung, an der der König per­sönlich regen Anteil hatte. Ihm verdantt Belgien auch die Erwerbung des Kongostaates. Sein Nachfolger, König Albert, war mit einer bayerischen Prinzestin ver­heiratet.

Das belgische Volk ist von der Hoffnung erfüllt, daß die Verletzung König Leopolds III. bald glücklich ge­heilt fein werde. Brüssel, die Stadt der Weltaus­stellung, ist in tiefe Trauer versetzt.

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Einzelheiten über das

Luzer«, 29. Aua. Über das furchtbare Kraftwagen- unglück, bei dem Königin Astrid von Belgien ums Leben kam, werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt:

Am Donnerstagmorgen zwischen 9 und %10 Uhr befand sich der König von Belgien in einem offenen Packard-Sport- kabriolett mit der Königin an seiner Seite und in Begleitung eines Hilfsfahrers, der hinten im Wagen faß, auf dem

Belgien ums Mn Im.

Unglück von Kütznachl.

Wege von feiner Besitzung, der Villa Haslihorn in Horw, einem Vorort von Luzern, nach Küßnacht am Rigi. Ein zweiter Kraftwagen mit seiner Begleitung folgte dem könig­lichen Wagen. Rach den im Kraftwagen des Königs befind­lichen Bergausrüstungsgegenständen zu schließen, war be­absichtigt, eine Bergtour zu unternehmen. 300 Meter vom Ort Küßnacht entfernt, streifte der königliche Kraftwagen auf der völlig geraden, fünf Meter breiten