Einzelbild herunterladen
 

Mesvsdkm TimM

,«Ä-«b-rg'sch- H°fduchdnuttrtt,°r°gblott-S<n.,'. Wöchentlich 7 Ausgaben

Wöchentlich

Ausgaben

x. «chUI-nberg'sche

Werttäglich nachmittag», Samstags vor- u. nachmittag.

mit einer täglichen

Unterhaltungsbeilage.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.

Sonntag» 18. August 1935

83. Jahrgang.

Fernsprecher-Sammei-Nr. 59631. Berliner Büro: Berlin-Wilmersdors.

Seschiftezeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, . außer Sonn, und Feiertags.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 6 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte lm Tertteil 45 Rps., sonst laut Preisliste Nr. 3, g.achlatzstafsel C. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird leine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen -Annahme 10 Uhr vormittags. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstage aufgegeben werden.

® Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. ---

»k. 224.

«eplg-pretse: Für eine Bezugszett von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—. ein- schli-öitch Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 42 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 M — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestelle,t. die Träger und aue Postanstalten. — jn Fällen höherer Gewalt oder Betriebsstörungen haben die Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung des Blattes oder auf Rückzahlung des Bezugspreises.

unö gnglonh.

Ein pessimistischer Samstag.

Paris, 17. Aug. Der allgemeine Eindruck, den man in iS nach der ersten FählunWahme zwischen den Mitglie­der Dreimächtekonserenz hat, ist a rn S arn s t a g eh e r firnistisch. Niemand hatte zwar vom ersten Tage an ibare Ergebnisse erwartet, aber eine genaue Überprüfung verschiedenen Verträge, die die Beziehungen der drei >er zu Abessinien regeln, hat den Beweis erbracht, daß hen den italienischen Forderungen und den englischen Magen e i n e K -l u f t besteht, die zu überbrücken auf fast beiwindlich« Schwierigkeiten stoßen wird, weist außerdem in hiesigen Kreisen darauf hin, daß >n Aloisi es bisher vermieden habe, die Forderungen ,r Regierung in allen Einzelheiten darzulegen, obgleich englische Minister Eden ausdrücklich darum gebeten hatte, lien, so glaubt man, übe absichtlich eine vorsichtige Zurück- nng,_ um zunächst einmal abzuwarten, was die anderen hte im Höchstfälle anzubieten bereit seien.

Mussolini, so schreibt das „Echo de Paris", habe erlei Veranlassung, sich zu beeilen; denn jeder Tag bringe ihn neue Angebote, und er hab« Jett bis zum 4. Sept, scheine immer mehr, als ob zwischen Italien und aland eine Kraftprobe statt sind et, deren ing sich notgedrungen auch auf die französische Politik irren müsse.

>as „Journal" unterstreicht, daß der erste Berhandlungs- * großen Schwierigkeiten, die einer Einigung entaegen- , ins rechte Licht gerückt habe. Auch in englischen tn sei man sehr pessimistisch. Eden habe versucht, Italien zu bewegen, seine Forderungen in klarer Form vorzu- en. Aber man wisse noch nicht, ob Baron Aloisi die Er- is erhalten werde, die italienischen Karten auf den Tisch m. — Der Außenpolitiker des Blattes bestreitet die in n Kreisen vorherrschende Auffassung, daß Italien einer isch-englischen Einheitsfront gegenüberstehe. Jede der ärteien spiele ihr eigenes Spiel, und jede nehme eine Haltung ein.

« Außenpolitikerin des „Oeuvre" ist der Ansicht, daß rsch gedacht — eine friedliche Lösung unmög- ei. Frankreich und England hätten im Laufe des :gs getrennte Angebote an Italien gemacht, während zu r Zeit bekannt geworden sei, daß der abessinische Kaiser sei, die italienisch-abessinische Grenzzone zu entmilitari- , um dem Duce Genugtuung zu geben. Die drei in - versammelten Unterhändler hätten jedenfalls die Ab- unbeirrt an der Lösung der schwierigen Fragen weiter- eiten. Man trage sich sogar mit den Gedanken, g e -

geB enenfa11s nach R om zu reisen, um Musso - lini dazu bestimmen, ein Abkommen anzu- n e h in e n, das der Völkerbund am 4. September unter seinen Schutz nehmen könne. Vorläufig herrsche jedoch in allen drei Lagern ziemlicher Pessimismus. Der Ve- rlcht, den der englische Minister am Freitagabend über den Sitzungsverlauf abgesandt habe, sei wenig zuversichtlich ge­wesen.

Der offiziöse „Petit Parisien" unterstützt wiederum die italienischen Forderungen. Das Blatt ist der Auffassung, daß die verschiedenen Verträge, die Italien über Abessinien abge­schlossen habe, ihm eine genügend breite rechtliche Grundlage gäben, um nicht nur einen ausgedehnten wirtschaftlichen Ein­fluß in Abessinien zu fordern, sondern auch eine territoriale Verbindung zwischen feinen beiden Kolonien Eritrea und Somali.

Die Besprechungen werden auf alle Fälle am heutigen Samstag fortgesetzt. Für den „Jour" bedeutet diese Tatsache schon einen Erfolg; denn man wisse jetzt wenigstens, daß die Fortsetzung der Verhandlungen sichergestellt sei.

Die Verhandlungen ins Stocken geraten.

Londoner Morgenblätter zur Dreimächtebesprechung.

London, 17. Aug. (Eig. Drahtmeldung.) Nach den Pariser Meldungen der Morgenpresse über die Drei- mächtekonferenz scheinen die Verhandlungen un­mittelbar nach Beginn ins Stocken ge­kommen zu fein, da Baron Aloisi Abneigung ge­zeigt habe, eine ausführliche Erklärung über Italiens Forderungen abzugeben. Der „Times"-Berichterstatter teilt mit, Baron Aloisi habe sich darauf beschränkt, in allgemeinen Wendungen die bekannte italienische For­derung nach kolonialer Ausdehnung und freier Hand in Abessinien zu wiederholen. Die Abneigung des italienischen Vertreters gegen eine deutliche Erklärung sei den beiden anderen Abordnungen nicht recht ver­ständlich. Indessen hoffe man, daß die Verhandlungen heute vormittag wieder ausgenommen werden könnten. Baron Aloisi habe keine Vollmacht und müsse daher ständig telephonische Weisungen in Rom einholen. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" will wissen, daß Baron Aloisi Freitag­abend eine lange Mitteilung an Mussolini gesandt hat und daß heute eine Antwort darauf erwartet werde.

Das Zwiegespräch Aloisi—Eden.

Um die Auslegung des Abkommens von 1906.

»Fehler müssen bezahlt werden!"

„Popolo d'Jtalia" zur Lage.

Slttilanh, 17. Slug. (Eigene Drahtmeldung.) Zu den ^Erbrochenen Rüstungen in Italien schreibt der .Popolo Italien hat das stärkste Heer in Europa,

Vor neuen Weisungen aus Rom.

Paris, 17. Aug. Der „Matin" weist auf das Zwie­fach zwischen Baron Aloisi und Eden hin, das die listische Auslegung des Abkommens von 6 behandelt haben dürfte. Während man von italienischer te behauptet, daß dieses Abkommen die Aufteilung fsiniens ausdrücklich vorsehe, erkläre man englischerseits, Ael 1 bis 4 dieses Abkommens behandelten lediglich eine rt ichaft 1 i ch e und nicht eine politische Aufteilung.

Aloisi dürfte hieraus geantwortet haben, es handele dabei um eine Verklausulierung, wie sie in derartigen lägen üblich sei. Englischerseits werde man erwidert ", daß der italienische Standpunkt über die juristische kgung dieses Abkommens, selbst wenn er richtig sei, nicht Sanni werden könne, da der Artikel 30 des Völkerbunds- es ausdrücklich darauf Hinweise, daß alle Verträge, die «er Schaffung des Völkerbundes abgeschlossen worden dem Geist des Völkerbundes angepaßt oder gekündigt sen müßten.

2m übrigen, fo spreibt der „Matin" weiter, dürfe man annehmen, daß England, falls es nicht gelingen Italien zur friedlichen Lösung der Abessinienfrage zu 8en, zumindest eine moralische Verurteilung italienischen Handlungsweise in Eens •in werde. Man wisse jedoch in England sehr wohl, daß «reich diesem Vorschlag nicht folgen würde, selbst wenn End auf wirtschaftliche Sanktionsmaßnahmen verzichte. Der Außenpolitiker des „Excelsior" weist darauf hin, daß Wartgang der Dreierbesprechung am heutigen Samstag Ahscht sicher fei. Alles hänge vielmehr davon ab, welche ■Mungen Mussolini dem italienischen Vertreter geben D, der am Freitag den italienischen Regierungschef jWniid) von den Forderungen Englands unterrichtet

wenn im September eine Million Mann unter den Waffen stehen. Es ist wunderbar eingeteilt, ausgerüstet und ausge­bildet. Abessinien muß entwaffnet und kontrolliert werben. Die mit Kolonialreichen beladenen Mächte dürfen uns den Weg nicht versperren; sie tragen die Verantwortung dafür, uns der Früchte des Sieges be­raubt zu haben. Ein Widerstand gegen unsere Lebensbedürf­nisse wäre ein Verbrechen gegen die Geschichte und Zivili­sation. Was würden morgen die Völker sagen, wenn ein toller und grausamer europäischer Krieg durch die unerhörte Anmaßung verursacht würde, daß Großmächte Italien ein fernes Land in Afrika streitig machen, nachdem sie sich die fette Kriegsbeute aller Kontinente geteilt haben. Welche Nation wäre bereit, alles auf das Spiel zu setzen für eine Frage, die Europa nicht interessiert und die Lebensinteressen keiner Macht mit Ausnahme Italiens berührt? Ein unge­heurer Irrtum wurde in Versailles begangen und Fehler müssen bezahlt werden!

Die Katastrophe von Ovada.

Eine amtliche Darstellung — 111 Tote.

Rom 17. Aug. (Eig. Drahtmeldung.) Über die Kata­strophe von Ovada wird nunmehr folgende amtliche Dar­stellung gegeben:

„Die Wolkenbrüche, die in den letzten Tagen in der Pro­vinz Alessandria gewütet haben, haben einen Wasserüber- fluß in den in den Tanaro einmündenden Flüssen hervor­gerufen. Infolge des teilweisen Zusammenbruches eines Nebendammes der Sella-Zerbino, der den großen künstlichen See von Ortiglieto in den Bergen von Malarox bildet, haben die herabstürzenden Wassermassen das Tal von Orta überschwemmt. Die Gewalt der Wassermassen hat beträcht­lichen Schaden angerichtet und einige Bauernhäuser fort­gerissen, wobei Menschenleben zu beklagen sind. 3m ganzen betrauert man den Tod von 111 Menschen, von denen 97 zur Gemeinde von Ovada, drei zu Molare, vier zu Ca- priata d'Orba und sieben zu Eremolino gehören. Die Zahl der bisher geborgenen Leichen beträgt 82s Zur Rettung der in Gefahr befindlichen Menschen sind unzählige Hel­dentaten vollbracht worden."

Albanien und der Balkan.

Die Meldungen von dem gewaltsamen Tode eines albanischen Generals beleuchten mit überraschender Deutlichkeit die eigentümliche Zwitterstellung dieses Landes. Wenn die eifrigen französischen Bemühungen vielleicht auch wirklich dies und jenes dazu beigetragen haben mögen, um die Spannung zwischen Rom und Belgrad in der Habsburger Frage auszugleichen, so haben sie an ein Thema wohl kaum zu rühren vermocht, nämlich an das albanische, und es ist die große Frage, ob sich überhaupt je zwischen Italien und Jugoslawien, solange die Verhältnisse so liegen wie heute, eine Ver­handlungsgrundlage finden wird, die zur Klärung dieser Frage etwas Wesentliches beitragen kann.

Erst vor wenigen Tagen haben sich der „Temps" und der „Corriere de la Sera" mit der Frage nach der st a a t l i ch e n Unabhängigkeit Albaniens be­schäftigt, und zwar merkwürdigerweise gerade in einem Zeitpunkte, als die Tonart zwischen Rom und London fast den Höhepunkt der Schärfe erreicht hatte. Ausge­rechnet diesen Zeitpunkt hielt man für geeignet, um eine Diskussion darüber zu entfesseln, inwieweit eine Ver­letzung der albanischen Unabhängigkeit einen Angriff aufJtalien bedeutet. DerHintergrunddieser scheinbar rein akademischen Unterhaltung ist verhältnismäßig einfach zu finden, wenn man sich darüber klar ist, daß England in Albanien über weitreichende wirtschaftliche' In­teressen, vor allem hinsichtlich der Erdölvorkommen, verfügt. Aber auch in Belgrad dürfte mau aufge­horcht haben, daß man in Rom, ausgerechnet jetzt, dieses Thema glaubte anschneiden zu müssen, denn die großen Geldopfer, die Italien für Albanien gebracht hat und die im wirtschaftlichen Sinne als verlorene Ausgaben gebucht werden müssen, sind verständlich ja nur dann von Wert, wenn man berücksichtigt, daß Albanien für das italienische Heer und die italienische Kriegsflotte als Stützpunkt für den Fall einer kriegerischen Aus­einandersetzung mit Jugoslawien stets gedacht war und noch gedacht ist.

Will man das Verhältnis beurteilen, das Albanien selbst zu dieser seiner Einschätzung hat, so muß man an den Anfang der Betrachtungen die Feststellung setzen, daß Albanien in seinem heutigen Zustand und wenig­stens für eine Reihe von Jahren ein wirtschaftliches Zu­schußgebiet ist, ein Land, das ohne die Zufuhr von Kapital von auswärts nicht leben und sich erhalten kann. Diese Zuschüsse hat bisher Italien geleistet. Im vorigen Jahre war einmal bereits ein Punkt erreicht, wo man in Belgrad anscheinend sehr ernsthaft den Ge­danken erwogen hat, ob es nicht möglich wäre, gewisser­maßen eine politische Aktiengesellschaft aufzubringen, die diese Zuschüsse übernehmen sollte. Die Aktionäre sollten dann allerdings ausschließlich Valkanstaaten sein, und Albanien sollte durch seinen Beitritt zum Balkanbund seine innerliche und politische Zugehörig­keit zum Balkan dokumentieren. Dies geschah um die Zeit, als Italien seinen Gerichtsvollzieher in Gestalt verschiedener Einheiten seiner Kriegsflotte vor Durazzo erscheinen ließ, um an die Rückzahlung von Krediten zu erinnern, von denen weder in Italien noch in Albanien je ein Mensch gedacht hatte, daß sie zurückgefordert werden könnten, und um gleichzeitig die Sperrung wei­terer, früher zugesagter Kredite anzukündigen. Die Balkan-A.-G. zur Kapitalversorgung Albaniens ist da­mals nicht zustande gekommen, um di« Jahreswende be­gann die Spannung abzuklingen, und Mitte Februar folgte eine Reife albanischer Staatsmänner nach Rom, die neue Kredite aus der italienischen Staatskasse mit zurück nach Tirana brachten.

Vorläufig ist nur davon die Rede gewesen, welche Jnteresien und politische Zielsetzungen auswärtige Mächte zu ihrer Stellungnahme gegenüber Albanien bestimmt haben. Es ist auch bezeichnend, daß in der oben erwähnten Debatte darüber, ob Albanien ein selb­ständiger Staat oder ein selbständig maskiertes In­teressengebiet Italiens sei, von der Meinung der Al­baner selbst zu dieser Frage kaum die Rede gewesen ist. Solche kleinen Feuerzeichen wie der Tod des albanischen Generals oder die Auseinandersetzung mit Moharem Bay Raktar, die im Dezember vorigen Jahres Albanien beunruhigte, sind die Beweise dafür, daß in Albanien Kräfte und Bewegungen vorhanden sind, die sich keineswegs mit dieser Rolle des Landes und des Volkes einverstanden erklären wollen. Wenn auch König Zoghu wohl ohne weiteres als die stärkste Stütze des italienfreundlichen Kurses angesprochen werden kann, so gibt es ohne Zweifel mächtige und ein­flußreiche Leute, die mit diesem italienfreundlichen Kurs nicht einverstanden und jederzeit bereit sind, ekdr aussichtsreich erscheinende Bewegung zu unterstützen, die gegen diesen Kurs gerichtet ist. Die scharfe Haltung der albanischen Regierung in allen Erenzsragen ist bezeich­nend dafür, daß man an den maßgebenden Stellen in Tirana die Gefühle ziemlich richtig einschätzt, die die