Einzelbild herunterladen
 

Wsbickm TsgM

•3SÄÄ2Ä53KS* Wöch-»mch M . r A»sgab-n ^7__«m

mit einer täglichen

$ Nnterhaltungsbeilage.

Postscheckkonto: Frankfurt M. Rr. 7405,

83. Jahrgang.

Blick in die Welt.

je

itester Spielraum für Wahlbeeinflussung.

ppen von Wählern für verlustig er»

Die wichtigste Konferenz seit Versailles.

Werktäglich «achmittagr, Samstags vor- u. nachmittags Fernsprecher-Cammel-Nr. 59631.

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf.

Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- und Feiertags.

Neuer Anschlag auf die Memel-Autonomie

Änderung des litauischen Wahlgesetzes.

laudsfragen interessieren. Deutschland werde die Hände nach Osten frei bekommen. Das italienische Heer werde 9roRen Teil durch den abessinischen Feldzug be- Ichaftigt sein. ^Wenn Frankreich die Italiener ent- tausche, werde Italien sich den revisionistischen Mächten anschließen und den Völkerbund verlassen, den Donau- pakt im Keime ersticken und den europäischen Frieden gefährden. Auch diese Pressestimme bestätigt, daß man stch in Frankreich, wie gestern schon gesagt wurde, keineswegs in einer sehr angenehmen Lage befindet, auch wenn andere französische Blätter das zu leugnen ver,uchen. Im übrigen aber steckt man ja noch im Anfangs st adium der Verhandlungen und nie­mand vermag in diesem Augenblick zu sagen, was die Verhandlungen schließlich bringen werden.

Gesellschaftlicher Boykott der englischen Kolonie in Rom.

S & sewShV feigen an KÄen la Jn unl wU

(SrB^ere Anzeigen müssen spätestens einen Tag oo” dem^sch^nun^

Romtto, 16. Aug. om litauischen Regierungsanzeiger pn zahlreiche Änderungen des Gesetzes zur litauischen »Vertretung und zum Memel-ländischen Landtag ver- Micht, die mit sofortiger Wirkung in Kraft treten sollen. > vielen einschneidenden Änderungen werden zunächst nur wr den 29. September angesetzten Wahlen zum Memel- nschen Landtag betroffen, da Wahlen zum litauischen < Issdvt bisher nicht aNberaumt sind. Abgeändert werden '-o Pragraphen, die die bisherige Wahlordnung von S» auT umgestalten. Ferner werden die Abgeordneten ^anemelländifchen Landtags dazu verpflichtet, einen Eid L®.tc litauische Republik abzulegen, bei dessen Ärgernn-g sie ihr Mandat verlieren.

K?te. hierzu weiter erfährt, sind die Ände-

vs Wahlgesetzes von viel tiefer einschneiden- « e d e u t u n g, als die vorstehende kurze Meldung aus erkennen läßt.

Vs werden u. a. ganze Gru passiven Wahlrechts

London, 16. Aug. „Star" behauptet, daß die Mitglieder der britischen Kolonie in Rom einschließlich der Botschaft seit der Zuspitzung der englisch-italienischen Auseinandersetzung einem völligen gesellschaftlichen Boykott ausgesetzt feien. In gesellschaftlicher Hinsicht lebe die Kolonie wie auf einer ein­samen Insel und nur noch bei offiziellen Gelegenheiten unter­hielten sich die Italiener mit den Engländern. Einem zur­zeit in England auf Urlaub befindlichen Mitgliede der bri- tlschen Botschaft zufolge, hätten selbst alte italienische Freunde jede Verbindung mit der diplomatischen Vertretung Groß­britanniens abgebrochen.

Wenn englische Blätter die gegenwärtig in Paris tagende Dreierkonferenz als die wichtigste Konferenz seit Versailles bezeich­nen, so ist damit auf das deutlichste gekenn­zeichnet, welche Bedeutung England diesen Verhandlungen beimißt. Nur so ist es auch verständlich, daß die Weltpresse über immer

neue Plane zu berichten weiß, die angeblich diesen Ver­handlungen zu Grunde liegen. Dabei hat sich in dem Aufmarsch der Parteien nichts geändert seit der letzten Begegnung Edens, Lavals und Aloisis m Genf. Die englischen Bemühungen sind nach wie vor darauf gerichtet, den Krieg zu verhindern, Italien hält seine kolonialen Ansprüche aufrecht und Laval ist be­müht, die Rolle des Maklers zu spielen. England be­streitet dabei, wie sich aus der letzten Parlamentsrede Sir Samuel Hoares ergab, keineswegs grundsätzlich die kolonialen Ansprüche Italiens und das veranlaßt zweifellos viele Journalisten und Politiker, nunmehr ihrerseits die Welt neu zu verteilen. Man setzt an den möglichsten und unmöglichsten Stellen an, man spricht davon, daß portugiesische Kolonien an Italien abgetreten werden könnten, ohne zu sagen, wer diese Kolonien bezahlen soll, man spricht von der Möglichkeit das Statut für Tanger in einem für England günstigen Sinne zu ändern und was dergleichen Dinge mehr^sind. Auch ist hier und da die Rede davon, daß das Tauschobjekt in Europa liegen könnte und in dieser Hinsicht werden naturgemäß vor allem Öster­reichs und der Donaupakt genannt. Alles das sind zu­nächst mehr oder minder müßige Kombinationen. Man wird abwarten müssen, was die Dreierkonferenz tatsäch­lich bringen wird und man wird abwarten muffen, ob ■jte das Ende der traditionellen englisch-italienischen Freundschaft bedeutet. Es ist immerhin interessant daß man sich in Paris erzählt, Mussolini -habe Eden bei desien Besuch in Rom freimütig erklärt, er ziehe einer dauernden Reibung die Wahrscheinlichkeit eines sofor­tigen englisch-italienischen Zerwürfnisses vor.

8«prelle: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rm für einen Monat man -> ZT

AM' (Drahtbericht unserer Berliner r-auch 'das Interesse der gesamten Weltpresse für die Pariser Dreierverhand- l'OxTeHt 65 doch vollkommen an zuverlässigen Nachrichten darüber, wie die e r.st e n B e s p r e ch u n - rtlt\ ^"ri weiß nur, daß am Vormit- V ^rneut^am Nachmittag bis gegen 19,30

*$r verhandelt wurde. Daß das neue Angebot Verhandlungen irgendeine Ein- Vttkung gehabt hatte, davon wird nirgends gesprochen. ~ie 6rbt dieses Angebot, das Italien

dm Bahnbau zwischen seinen beiden Kolonien Eritrea md Svmalrland ermöglichen soll und ihm ein größeres Gebiet mit wichtigen Erzlagern zugestehen will, ohne ommentar wieder. Auch die hier und da auftauchen- m Vermutungen, daß die ll n r u h e n i n A l b a n i e n I fairen bekanntlich außerordentlich stark interessiert - * r Verhandlungen von Bedeutung werden ..Platze sein, zumal diese lln- When sehr schnell unterdrückt wurden.

Bei der ganzen Lage der Dinge ist man vorerst »ter mir Äußerungen der Presse der beteiligten inder angewiesen,, Äußerungen, die für die Stirn« ung charakteristisch sind. Dabei kann man erneut tztellen, daß die italienische Presse eine über- s b®utliche Sprache spricht. Die „Tribuna" er- urt berspielsweise ganz unverhohlen, daß die Er­der ung Abessiniens, in welcher Form sie auch Mer erfolgen möge, sei es als Mandat, als Protek- rt oder direktes Dominion für das italienische Volk ! L e b e n s n o t w e n digkeit geworden sei. Nicht wer charakteristisch ist es, wenn „Eiornale d'Jtalia" Engländern, die sich dieser Eroberung widersetzten - sich dabei auf die Verträge von 1906 stützen, nachzu- fen versucht, daß die Engländer diesen Vertrag iier wieder gebrochen hätten. Wie sehr man im igen in Rom auf die Unterstützung Frank- 5 rechnet, geht sehr klar aus den Ausführungen ter hohen italienischen Persönlichkeit" hervor Äuße- gen- die das französische Blatt „Information" ver- ntlicht: „Wie kann man glauben", so heißt es hier „daß wir 200000 Menschen nach Afrika schicken > Rlssenausgaben machen bloß für ein kindliches öufpiel. Für Italien ist der Augenblick kommen, als Großmacht zu handeln, lere äugend hat Geschmack am Wagnis. Bei dieser egenheit sind wir glücklich darüber, die Freund- aft Frankreichs gefunden zu haben. Aber ge- e diese Stunde ist entscheidend für die Besiegelung wahrhaft lateinischen Brüderschaft. Im war haben wir einen Ehevertrag unterzeichnet nnklch beim Besuch Lavals in Rom), jetzt kommt e H o ch z e i i s n a ch t. Ich wünschte, daß Italien enttäuscht werde." Man wird kaum sagen können, ! man in Frankreich über solche Äußerungen sonder- ' entzückt ist. So spricht denn auch das Blatt „Jn- Aation" davon, daß das Dilemma Lavals ge- Wl. tragisch sei. Wenn Frankreich die Engländer lausche, werde sich England nicht mehr für die Fsst-

tlärt, und zwar in erster Reihe sämtliche Mit­glieder der beiden größten m e me l l ä nd is che n Partei en, deren führende Mitglieder in dem -berüchtigten Kownoer Prozeß zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt wur- den Ferner werden die Bestimmungen über den Wahlgang völlig abgeandert und so kompliziert, daß der Beein-

, u.ng der Wahl durch die ausschließlich aus litauischen Parteigängern zusammengesetzten Wahlkommiffion weitester gelassen wird. Die neuen Vorschriften über die Ztimmzettel Men es fraglich erscheinen, ob von

Wahl, wie sie das Memelstatut vor­schreibt, überhaupt noch die Rede sein kann.

Über die Auswirkung der nunmehr in Kraft getretenen Änderungen zum Wahlgesetz kann abschließend erst dann ge- urteilt werden, wenn der vollständige Wortlaut des neuen Wietzes vorliegt. Aber schon in den vorstehend angeführten Bestimmungen dieses Abänderungsgesetzes tritt erneut die unzweideutige Tendenz der litauischen Regierung hervor, eine freie Meinungsaugerung der memelländischen Bevölkerung in den bevorstehenden Wahlen zum Memelländischen Land­tag nicht zuzulaflen.

Größte Auflage aller Tageszeitungen Groß-Wiesbadens.

Samstag, 17. August 1935.

™... , . Im Zusammenhang mit den englisch-

^liltelmeer- italienischen Auseinandersetzungen sind fragen. auch die Mittelmeerfragen wieder in den Vordergrund getreten. So weist beispiels­weise die „Times" ihre Leser durch eine Pariser Mel­dung darauf hin, daß man in Frankreich mehr und mehr die Überzeugung gewinne, „daß der sogen, italienisch- abessimsche Streit sich zu einem Wettringen zwischen Großbritannien und Italien ent­wickelt, in welchem die Absicht Italiens, auf dem Mittel­meer zur vorherrschenden Macht zu werden, auf dem Spiele steht." Charakteristisch ist auch, daß die italienische Presse, die den Engländern unlängst vor Augen führte, wie sehr ihre Flottenstützpunkte im Zeichen der Luftwaffe entwertet worden seien von einer Verlegung der englischen Flottenbasis von dem westlichen in das östliche Mittelmeer spriicht. Man kann dort lesen, daß die Engländer sich mit dem Gedanken trugen, Malta, das durch den Ausbau der See- und Luftstutzpunkte in Sizilien und Tripolis durch die Italiener, der ursprünglich gegen die französische Mittelmeerstellung gedacht war, gelitten hat, nun völlig a ufzug e b e n und sich dafür auf H aifa zu konzen- tvleren Hier dürfte es sich aber doch um italienische Wunschtraume handeln. Das geht schon am besten dar- aus hervor, daß in dem englischen Staatshaushalt 193o/36 bedeutende Mittel für die Verstärkung und Verbesserung der Fliegerabwehr auf Malta vorgesehen sind. Andererseits ist es zweifellos richtig daß die Engländer ihre Position im östlichen Mittel­meer ausbauen. Das gilt nicht nur für den Stützpunkt Famagusta -auf Cypern, sondern es gilt zweifel­los auch für Haifa, dessen Ausbau zum Stützpunkt und zur Operationsbasis durch Anlage von Verteidigungs­stellungen am Karmel, einem Berg, der steil von der Küste aus etwa 500 Meter ansteigt, erleichtert wird Dieser Hafen im Mandatsgebiet Palästina ist nicht nur für die Versorgung der ganzen britischen Mittelmeer- slotte von größter Wichtigkeit, da hier die Erdöl­leitung von Mosul endet, sondern er gewinnt neuerdings auch Bedeutung für die Umgehung des Suezkanals. Haifa ist mit der Hedschas-Bahn verbun­den und von dem Orte Maan an der Hedschas-Bahn «teilt man letzt eine kaum 100 Kilometer lange Stich­bahn her, nach Akaba am Roten Meer. Auf diese Weife 'st also, bei einer etwaigen Sperrung des Suezkanals die Möglichkeit gegeben, Truppen in Haifa zu landen sie. auf die Hed,chas-Bahn zu bringen und nach Akaba befördern zu lagen, wo dann wieder der Anschluß an

oeeroeg nach Indien besteht. Daß man gleich­zeitig Akaba zum Flotten- und Luftstützpunkt ausbaut i|t eine Selbstverständlichkeit. Und doch wäre es zweifellos falsch, aus diesen Bauten den Schluß zu ziehen, dag England sich aus dem westlichen Mittelmeer

Was Abessinien znbilligen will.

16. Aug. Die Mitteilung, daß sich Baron Aloisi nach Abschlag der Vormittags-Besprechungen mit Rom tele- ’TnJtVn Verbindung gesetzt habe, hat noch am Freitag­abend ihre Bestätigung gefunden. Aus meist gut unterrich- teten Kreisen verlautet hierzu, das Kernproblem der strittigen Fragen sei allem Anschein nach von den drei Ber- hanNungsieilnehmern heute vormittag erörtert worden. .... Dabei habe man sowohl von französischer wie von enq- Uscher Seite eine gewisse Beeinflussung Italiens versucht, auf Grund deren sich Baron Aloisi wahrscheinlich mit seiner Re- gterung ins Benehmen habe setzen wollen. Der italienische Vertreter habe im Lause des Vormittags über Natur und Ziel der italienischen Forderungen neuerdings genauere An­gaben gemacht, allerdings sei a u ch j e tz t n o ch n i ch t v oll- ko mm e nfe st g e legt, was Italien wünsche. Wäh- renddesien sei- man davon unterrichtet worden, was die abessi­nische Regierung zuzubilligen Bereit wäre, nämlich: 1.

• Äan für die. Sicherheit de r italie­nisch e n K o l o n i e n in Somali und Eritrea zu geben ebenso Garantien für die Sicherheit der in SlBejfrnien lebenden Italiener. 2. Wirt- sw a ft liche Zugeständni s s e zu machen, soweit sie die Ausbeutung der Minen und den Bau von Straßen und Eisenbahnen betreffen. Eventuell sei Abessi­nien auch bereit, einer Erweiterungderlandwirt- ' ch tlichen Konzessionen zuzustimmen.

.... Der Regus habe noch nicht die Höchstgrenze feiner Zuge­ständnisse genannt, da er noch die Festsetzung der italieniUen Forderungen abwarte. Auf jeden Fall werde er aber' die Unabhängigkeit und die Souveränität I®,1 n e 5 Land es nicht aufgeben. Aus diesem Grunde halt man es tn den beteiligten Kreisen der Konferenz auch für unwahrscheinlich, daß er sich mit einer militärischen Be­setzung feines Landes abfinden könnte

Drahtanschrift: Dagblatt Wiesbaden.

Nr. 223.

Scflleitmufif ;u den Pariser Lerhanillnngen.

Der erste Tag der Dreierkonferenz. — Unverblümte Sprache der italienischen Presse. „Vor der Hochzeitsnacht."

Lavals Position.